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SKF mit EDV-gesteuerter Nebenstellenanlage


25.07.1975 - 

Das Telefon als Datenstation

BAD CANNSTATT - Bis zu zwölf Metern Höhe türmte sich jeden Monat der Lochkartenberg bei der deutschen Tochter des schwedischen Wälzlagerherstellers SKF in Stuttgart-Bad Cannstatt. Das ergab sich aus der Datenmenge: zwölf Meter entspricht etwa 200 000 Karten.

Das SKF-Mengengerüst sieht so aus (monatlich):

- 80 000 Meldungen über Produktions- und Lohndaten

- 45 000 Kontrollmeldungen

- 10 000 Meldungen über den Maschinenstatus

- 50 000 Meldungen über Materialbewegungen und

- 5000 Personalmeldungen.

Täglich wanderten 56 Mitarbeiter (Werk- und Zeitschreiber) ständig durch die Hallen und sammelten Arbeits- und Zeitbelege ein, die dann Zug um Zug abgeIocht wurden. Dabei war meurfaches Erfassen gleicher Daten oft nicht zu vermeiden.

"Datenverarbeitung nur als Nabelschau?"

Der allgemeine Zeitverlust bei dem skizzierten Verfahren ist überdies gut vorstellbar. Die Datenverarbeiter bei SKF spotteten denn auch weidlich: "Diese Datenverarbeitung ist im Grunde nur Nabelschau." Sie kam so verspätet, daß bestenfalls betriebliche "Geschichtsforschung" möglich ist - keinesfalls aber aktuelle Transparenz.

Kennzeichnend für die Lage: wurden Daten schnell benötigt, dann wurden sie trotz aufwendiger EDV-Anlage manuell erstellt. SKF-Organisationsleiter Hans Felten zur CW: "Neben den 126 firmenoffiziellen Vordrucken gab es schließlich noch 180 inoffizielle Formulare." Das Führen "schwarzen" Statistiken veranlaßte die Firmenleitung, ein effizienteres System für die Betriebsdatenerfassung einzuführen.

Sie entschied sich für eine "revolutionäre Lösung": Das Telefon sollte Daten-Station werden. Die Post erteilte die Sondergenehmigung für die Datendirekteingabe via Telefonleitungen.

650 Nebenstellen und 8000 Gleitzeit-Meldungen

SKF entschied sich 1971 für das IBM-System 2750, das 1974 durch das Nachfolge-Modell 3750 ersetzt wurde. Felten zur Begründung: "Zunächst einmal ist diese Lösung billig. Das Telefonnetz war ohnehin vorhanden und leicht auszubauen. Vor allem gefiel uns die Zuverlässigkeit des Systems: es arbeitet mit sofortigen Eingabekontrollen und Rückmeldungen über unterschiedliche Quittungstöne." Zu den Kosten: Ausgerüstet für rund 650 angeschlossene Nebenstellen kostet die IBM 3750 monatlich etwa 40 000 Mark Miete. SKF zieht hiervon die für ein Telefonnetz dieser Leistungsfähigkeit ohnehin anfallenden Kosten ab: der Rest betrifft die Datenerfassung.

Und kommt erstaunlich billig. Denn aus den ehedem 56 Werksschreibern sind nur noch 28 "Datenleitstellen-Mitarbeiter" geworden. Demnach spart das Unternehmen jetzt monatlich um 60 000 Mark Gehalts- und Nebenkosten ein. Der einmalige Kaufpreis von 500 Mark pro Tastentelefon kann vernachlässigt werden. Die Ziele bei Installation des Systems definiert Felten so:

- Datenerfassung nur einmal am Entstehungsort, dadurch Einschränkung der Datenmenge

- zeitnahe Erfassung

- schnelle und sichere Eingabe (zum Beispiel per Kunststoffcodekarte)

- Leichte Bedienung und Erlernbarkeit,

- auch durchausländische Mitarbeiter

- Kontrolle für den Bediener bei Eingabe, dadurch Fehlerreduzierung

- direkte Übertragung an die EDV.

Zu den Leistungen des Systems gehören auch täglich rund 8000 Gleitzeit-Erfassungsmeldungen.

Zugang zum Telefon-Terminal finden die Mitarbeiter ohne zeitverzögernde lange innerbetriebliche Wege: Alle 60 Meter ist ein Tastentelefon installiert.

"Das Telefon ist heute jedem vertraut, niemand hat vor ihm Angst" (Felten). Die Firmenleitung hatte sich vor ihrer Systementscheidung von dieser Überzeugung leiten lassen. Heute sieht sie sich bestätigt: im Mittel werden pro Eingabe 45 Sekunden benötigt. Auch Luigi und Spiro stecken ohne Mühe nach Feierabend ihre Codierkarte ein und tippen ihre Leistungsdaten (vom Meister oder Vorarbeiter durch Abzeichnung bestätigt, "Auftrags-" oder "Zeitlohnnachweise") oder vom Zählwerk der bedienten Maschine in die 12 Knopf-Tastatur.

Der deutsche IBM-Vertrieb plant, 380 Anlagen mit im Durchschnitt 1250 Nebenstellen abzusetzen. Freilich fand er bei der Post wenig Gegenliebe. Die erforderlichen Einzelgenehmigungen wurden nur zögernd (oder gar verzögert?) erteilt. Verkaufszahlen will IBM nicht nennen. Immerhin: der Anwender SKF will sein System noch ausbauen (Grafik).