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Datadesign: Gelingt das Comeback?


04.02.2000 - 

"Das Vertrauen der Kunden kehrt zurück"

Im vergangenen Jahr war das Münchner Softwarehaus Datadesign AG nicht die "Perle", sondern das schwarze Schaf unter den am Neuen Markt gelisteten Firmen: Falsche Produktstrategie, ein geschasster Vorstandschef, enttäuschende Geschäftszahlen und Gesellschafter im Hintergrund, die den Börsennewcomer zunächst in sein Unglück rennen ließen. CW-Redakteur Gerhard Holzwart sprach mit dem neuen Vorstandschef Roy von der Locht.

CW: Datadesign stand 1999 wie kaum ein anderer der börsennotierten IT-Newcomer in der Kritik. Wie wollen Sie jetzt das Vertrauen der Anleger und Kunden zurückgewinnen?

Von der Locht: Indem wir vermitteln, dass wir die Fehler in der Management- und Produktstrategie korrigiert haben und nun richtig aufgestellt sind.

CW: Dass sich ein Unternehmen - wie im Falle von Stefan Pfender geschehen - so abrupt von seinem Gründer und Vorstandsvorsitzenden trennt, ist keine alltägliche Angelegenheit.

Von der Locht: Zunächst einmal würde ich nicht von einem abrupten Vorgang sprechen. Dieser Entscheidung gingen für alle Beteiligten nicht ganz einfache Wochen und Monate voraus. Es begann damit, dass wir schon kurz nach der Fusion (siehe Kasten "Datadesign - Hintergrund", Anm.d.Red.) feststellen mußten, dass die uns von Herrn Pfender genannten Umsatzzahlen für 1998 nicht stimmten. Im Frühjahr wurde dann deutlich, dass auch die Planzahlen nicht fundiert waren. In der Folge gab es immer größere Probleme.

CW: Waren das nicht eher zwischenmenschliche Schwierigkeiten, die man hätte anders lösen können?

Von der Locht: Leider nicht. Wir alle hatten gehofft, dass Unternehmen gemeinsam zum Erfolg zu führen. Pfender hat die Gabe, Ideen und Trends im Markt aufzusaugen und zu Produktvisionen zu komprimieren. Doch an der konkreten Umsetzung im Tagesgeschäft hat es dann gehapert. Man kann aber ein börsennotiertes Unternehmen nicht nur mit immer neuen Ideen führen, sondern man muss diese auch in verkäufliche Lösungen umwandeln und Umsatz generieren. Dann kamen noch Alleingänge und fehlende Abstimmung im Vorstand dazu. Alle Versuche, eine Einheit zu formen, schlugen fehl. Da mussten wir reagieren, um den Turnaround einzuleiten.

CW: Wie kann so etwas passieren? Datadesign war doch längst ein börsennotiertes Unternehmen, hätte also von den beteiligten Banken, Gesellschaftern und Emissionberatern in puncto Management- und Produktstrategie auf Herz und Nieren geprüft sein müssen.

Von der Locht: Ich war ja beim Börsengang und seiner Vorbereitung nicht dabei. Ich kann aber verstehen, wenn Sie da das eine oder andere Fragezeichen setzen. Allerdings muss man auch sagen, dass Herr Pfender ein Mensch ist, der seine Umgebung zunächst mit überzeugenden Behauptungen in seinen Bann ziehen kann. Manches Defizit konnte tatsächlich nur im Tagesgeschäft als solches erkannt werden.

CW: Ein Umstand, der nicht gerade ein strahlendes Licht auf das Umfeld des Neuen Marktes wirft. Manche Zeitgenossen werden sich darin bestätigt sehen, dass hier oft nur auf das schnelle Geld geschielt wird; dass viele der jungen Firmen nicht im Sinne eines notwendigen Coachings an die Hand genommen werden.

Von der Locht: Hier wird doch manches sehr überzeichnet dargestellt. Der Neue Markt ist ein hervorragendes Instrument, vielversprechende Unternehmen mit dem für ein weiteres Wachstum notwendigen Kapital auszustatten. Gewundert hat mich allerdings, dass Lothar Mark, unser Aufsichtsratsvorsitzender, als einziger versucht hat, das Unternehmen wirklich zu begleiten und mit seiner ganzen Erfahrung zur Verfügung zu stehen. Gerade bei jungen Unternehmen sollten die Emissionsberater auch nach dem Börsengang Engagement zeigen.

CW: Kommen wir zu den Konsequenzen, die Sie aus den vorhin geschilderten Missständen gezogen haben. Herr Pfender musste dann im Juli vergangenen Jahres sein Amt als Vorstandschef aufgeben.

Von der Locht: Wir haben das Unternehmen komplett umstrukturiert, das Management erweitert und damit die Grundlagen für eine effizientere Arbeitsweise geschaffen. Dies war aber nur mit Hilfe unserer Mitarbeiter möglich, die in dieser schweren Zeit mit viel Elan und Überzeugung die Veränderungen mitgestaltet haben.

CW: Kräftig aufgeräumt haben Sie vor allem im Marketing, wo das zuständige Vorstandsmitglied ebenfalls seinen Stuhl räumen musste.

Von der Locht: Das war dringend notwendig. Auch hier wurde zu wenig nach vorne gearbeitet. Es blieb zu viel liegen, selbst die einfachsten Dinge wie Bewerbungen von Vertriebsmitarbeitern. Es wurde einfach zu viel Wert auf interne Politik gelegt, statt unsere Lösungen im Markt zu positionieren.

CW: Neben strukturellen Defiziten im Management gab es aber auch Ungereimtheiten in der Produktstrategie. Die Lösungen von Datadesign fanden jedenfalls wenig Anklang bei den Kunden.

Von der Locht: Sicherlich hat der Umsatzeinbruch im letzten Jahr damit zu tun, dass wir unsere Produkte stark auf den Bereich HBCI-Banking ausgerichtet haben. Dies war aber zunächst schlüssig, denn die Banken hatten sich alle vertraglich verpflichtet, bis Ende 1998 diesen Standard einzuführen. Stand heute jedoch ist, dass nur ein kleiner Teil der deutschen Kreditinstitute entsprechende Lösungen übernommen hat.

CW: War denn diese Zurückhaltung der Banken nicht absehbar?

Von der Locht: Nicht in dem Maße, wie Sie es mit Ihrer Frage implizieren. Wir haben sicher die Jahr-2000-Problematik und die damit verbundenen Investitionszurückhaltung unterschätzt. Und wir sind in gewisser Weise dafür bestraft worden, dass wir als einziger Anbieter im Markt fertige HBCI-Lösungen angeboten haben, während sich unsere Wettbewerber mit anderen Hilfskonstruktionen beziehungsweise PIN- und TAN-Lösungen präsentiert haben. Das hat bei vielen Kunden zu einer Verunsicherung geführt. Damit uns so etwas nicht noch einmal passiert, haben wir eine eigene Research-Abteilung eingerichtet, die nun kontinuierlich unsere Märkte analysiert, Potentiale ermittelt und zukünftige Geschäftsfelder aufspürt. Die ersten Ergebnisse bestätigen übrigens, dass das Potenzial für HBCI nach wie vor riesig ist. Aber wir haben zusätzlich auch unser Produktportfolio erweitert, um diese einseitige Abhängigkeit zu umgehen.

CW: Was eine Neuausrichtung Ihres Unternehmens zur Folge hatte. Aus der E-Banking- soll jetzt eine E-Business-Company werden.

Von der Locht: Das klingt so, als hätten wir erst jetzt mit dem E-Business begonnen. Dabei haben wir bereits 1994 mit Kunden wie Computer 2000 oder in den letzten Jahren mit DCI und Intergraph erfolgreich E-Business-Lösungen realisiert, haben also langjährige Erfahrung in diesem Bereich. Was wir jetzt tun, ist im Prinzip nichts anderes, als unsere Kerntechnologie - nämlich sichere Transaktionen im Internet - auf andere Zielgruppen und Märkte zu übertragen. Das reicht von E-Commerce bis E-Government. Parallel dazu werden wir aber auch unser Individualgeschäft ausbauen, um Projekte abzuwickeln.

CW: Wie werden sich Ihren Planungen zufolge die einzelnen Bereiche entwickeln?

Von der Locht: Was das Business mit HBCI-Lösungen anbelangt, so haben unsere Marktanalysen ergeben, dass in den beiden kommenden Jahren rund 80 Prozent aller Banken von ihren alten Lösungen weg auf HBCI wechseln wollen. Und die Anfragen, die wir erhalten, bestätigen dies. Das Internet-Banking wird also im laufenden Jahr mit geplanten 13 Millionen Mark Umsatz unser einnahmenstärkster Bereich sein. Aber auch in den anderen Units wollen wir kräftig wachsen.

CW: Was letzteres angeht, ist bei Datadesign neuerdings von Dingen wie Web-Design und Web-Communities die Rede. Möchten Sie von den Anlegern eher der Kategorie Internet-Agenturen zugeordnet werden und von deren hoher Börsenbewertung profitieren?

Von der Locht: Nein. Wir haben eine Truppe von zehn, zwölf Mitarbeitern, die sich schon in der Vergangenheit nicht vor namhaften Agenturen verstecken mußte; sogar einige Projekte im Wettbewerb gewonnen hat. Web-Design ist somit ein wichtiger Teil unserer "Internet-Solutions", also unserem Individualentwicklungsbereich. Allerdings werden wir uns nach wie vor als Softwarehaus und als Lösungsanbieter positionieren. Nur so können wir das angestrebte Wachstum erreichen.

CW: Wen sehen Sie als Ihre größten Wettbewerber?

Von der Locht: Im Bereich E-Banking ist das Brokat. Wobei man man dort keine eigene HBCI-Lösung hat. Dennoch hat Brokat etwas, was wir auch gerne hätten: Eine Entwicklung des Aktienkurses, die Partystimmung auslöst. Aber wir sind auf dem besten Weg dorthin. Das Vertrauen der Kunden kehrt zurück, es geht wieder aufwärts.

DATADESIGN - HINTERGRUND

Die Datadesign AG wurde 1992 als System- und Beratungshaus in München gegründet. Von Beginn an standen E-Business-Lösungen für Banken, Finanzdienstleister sowie Handel und Industrie im Vordergrund. Kern des Produkt- und Serviceportfolios ist eine sogenannte Multichannel-Business-Plattform für Electronic Banking und Electronic Commerce auf Basis der Sicherheitsstandards HBCI und SET. Wettbewerber von Datadesign sind hier vor allem die ebenfalls am Neuen Markt notierten Firmen Brokat und (mit Einschränkung) NSE.

Im November 1998 gingen die Münchner mit vielen Vorschußlorbeeren bedacht an die Börse. Dem IPO sollte jedoch schon bald der jähe Absturz folgen. Zuvor kam es aber im Januar 1999 noch zur Fusion mit der ebenfalls in München beheimateten Sofware 4 you GmbH, einem vor allem auf E-Commerce-Indivualentwicklungen spezialisierten Softwarehaus. Dessen Gründer und Geschäftsführer Roy von der Locht sah sich als Vorstandsmitglied von Datadesign schnell mit gravierenden Problemen konfrontiert. Den Kunden wurden von Firmengründer und Vorstandschef Stefan Pfender im Projektgeschäft Versprechungen gemacht, die sich nachher weder entwicklungstechnisch noch wirtschaftlich realisieren ließen. Intern fehlte es an geeigneten Business-Plänen und Management-Strukturen. Monatelang sahen Gesellschafter und Emissionsberater (darunter Plenum und Gold-Zack) offenbar tatenlos zu. In der Folge wurden Umsatz- und Ergebnispläne zur Makulatur - mehrmals musste das Unternehmen seine Prognosen nach unten korrigieren. Erst Ende Juli, als die Situation restlos verfahren war, wurde Pfender durch von der Locht als Vorstandschef abgelöst.

Nach jüngsten Prognosen dürfte das Geschäftsjahr 1999 bei einem Umsatz von rund 12,5 Millionen Mark einen desaströsen Verlust von etwa zwölf Millionen Mark ausweisen. Für das Geschäftsjahr 2000 ist allerdings bereits eine Umsatzsteigerung von über 160 Prozent auf 33 Millionen Mark geplant; ein Jahresergebnis von 300000 Mark soll den Breakeven bringen. Neben dem Bereich E-Banking wollen sich die Münchner dabei auch stärker auf das Projektgeschäft und auf die Entwicklung von Individualsoftware konzentrieren. Jüngste Kooperationen mit Vertriebspartnern wie Compaq, Microsoft und Softlab sowie erste Schritte in Richtung Internationalisierung (Gründung einer US-Dependance) zeigen, dass die Münchner noch einmal Morgenluft wittern. "Dieses Jahr wollen wir zeigen, was in uns steckt", gibt von der Locht als Parole aus. gh