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17.12.1976

Das war 1976

Insgesamt lieferten doch Hardware-Neuankündigungen die meisten Schlagzeilen auf der Seite 1 der COMPUTERWOCHE in 1976:Vieles von IBM,HB 64/40, HP 3000/II, Itel Advanced Systems, NCR Criterion, Siemens 7738, 7748 und 7760, Telex System III, Univac 90/80 und 1100/80 und so weiter und so weiter. Daneben gab es auch dieses Jahr wieder spektakuläre Pleiten oder zumindest Ausstiege: Anker, Hohner, Krantz, Singer, GTE, Pragma und noch mehr.

Die wohl wichtigste CW-Schlagzeile in 1976 hieß: "Bundes-Datenschutzgesetz verabschiedet." Am 11. 11. - nicht etwa um 11 Uhr 11 - fand das jahrelange Ringen um ein Gesetz gegen den Mißbrauch personenbezogener Daten ein glückliches Ende - nachdem von Interessenvertretern einerseits und Informatik-Juristen andererseits das Gesetz als Vorstufe zum Untergang der freien Marktwirtschaft oder als Wegbereiter für den allmächtigen Staat vefteufelt wurde. Konsequenz für die Anwender: Bereits bis zum 1. 7. 77 ist ein betrieblicher Datenschutzbeaufträgter zu bestellen, und zwei Jahre - bis zum 1. 1. 79 - bleiben, um die geforderten Datensicherungs-Maßnahmen zu realisieren.

Beträchtliche Bedeutung für die Praxis hatte auch eine Juli-Schlagzeile. "Neue IBM 370/138 und 148", Dachzeile. "Verwirrung bei den Anwendern - Schock bei der Konkurrenz." Tatsächlich war kaum zu glauben, daß die IBM - entgegen aller Tradition - mit Kampfpreisen aufwartete, die bei Kauf der Zentraleinheit nahezu eine Verdopplung der Rechnerleistung pro DM bringen wird. Den IBM-Vertriebsbeauftragten wurde förmlich nachgelaufen. Heutige Lieferzeit für die 148: Nahezu zwei Jahre. Die Konkurrenz war gezwungen nachzuziehen, und alle - Siemens blitzschnell voran - senkten die Preise beziehungsweise kündigten neue Modelle an, die den üblichen Preisvorteil der Mitbewerber gegenüber IBM-Preisen wiederherstellten. Die Anwender waren die lachenden Dritten. Manch einer wird sein Hardware-Budget senken, viele können künftig zu gleichen Preisen komfortablere Lösungen mit Datenbanken und Datenfernverarbeitung realisieren.

Der Marktführer sorgte 1976 noch für eine zweite Sensation: "IBM kündigt 16-Bit-Minicomputer an", hieß es im November zur US-Vorstellung des neuen Systems /1. Nackte Hardware ab 10 000 Mark, SNA-kompatibel waren die wichtigsten Merkmale.

Denn, das machte vor allem die Hannover-Messe deutlich, 1976 war das Jahr, in dem in bisher noch nicht erlebtem Ausmaß versucht wurde, dem Anwender "Distributed Processing" zu verkaufen. SNA/SDLC-Äquivalente wurden von allen namhaften Mainframern, Terminal-Anbietern und sogar MDT-Herstellern angekündigt. Und mit der Festschreibung der X 25-Paket-Schnittstelle wurde der Weg in die Zukunft einer geräte-unabhängigen Datenkommunikation aufgezeigt.

Neue Konzepte wurden dem Anwender auch für die Software-Erstellung angepriesen. 1976 war wohl das Jahr, in dem im Bewußtsein der Anwender sich, doch durchsetzte, daß kein Weg an der Modernen Software-Technologie" vorbeiführt. Zunehmend beschäftigte man sich mit der Evaluation neuer Verfahren wie Strukturierte Programmierung, Top Down Design, Chief Programer Team Konzept, sowie mit Werkzeugen wie Programmgeneratoren und Dokumentationshilfen. Hervorragendes Ereignis war hier der dreitägige STRUCTO 76-Kongreß, den das Control Data Institut im Oktober im Frankfurter Sheraton veranstaltete. Man mag fragen: Was sind denn schon 130 Anwender, die einen Kongreß für strukturierte Programmierung besuchen? Indes, so etwas hat Signalwirkung.

Und Signalwirkung hatte wohl auch, daß in der zweiten Jahreshälfte die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) und das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching je einem Amdahl 470 V/6 Größtrechner bestellten und der erste der zwei noch im Dezember 76 installiert und übergeben wurde.

Im ganzen war 1976 wieder ein Jahr, in dem die Anwender viel Anlaß hatten, über die Effizienz ihrer Hardware und Software nachzudenken und Langfristpläne für einen noch rationelleren Computereinsatz zu machen. Durch die Ereignisse des Jahres wurden Sie dabei durchaus ermutigt, auch neue Alternativen zu durchdenken.