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25.04.1997 - 

Interview

"Das Web bedeutet Freiheit für alle"

Digital Equipments Ankündigung vom Sommer 1996, die Tochterfirma Altavista, Anbieterin der gleichnamigen Internet-Suchmaschine an die Börse zu bringen, folgten bisher keine sichtbaren Taten. Die Folge waren Zweifel an der Zukunft des Unternehmens.

CW: Warum hört man nichts mehr von Altavistas Börsengang?

De Bos: Wir sind schon seit Juli 1996 unabhängig . . .

CW: . . .aber immer noch eine hundertprozentige Digital-Tochter.

De Bos: Wir sind in einer Phase, in der man darüber besser nicht spricht. Zuviel an die Öffentlichkeit zu bringen könnte rechtliche Probleme nach sich ziehen.

CW: Was für eine Phase?

De Bos: Wer in den Markt geht, muß mit vielen Firmen sprechen, und ihnen klarmachen, daß er ein zukunftsträchtiges Unternehmen in einem Wachstumsmarkt repräsentiert.

CW: Vor kurzem ging das Gerücht um, Microsoft wolle Altavista kaufen. Stimmt das?

De Bos: Meine Überzeugung ist: Das Web bedeutet Freiheit für alle. Es darf keine proprietären Einschränkungen geben. Ein Browser ist ein Browser. Egal, von wem er kommt, Altavista arbeitet überall gleich gut. Wir haben nichts gegen Microsoft. Ganz im Gegenteil: Die meisten unserer Server arbeiten mit Windows NT.

CW: Gibt es andere Interessenten?

De Bos: Warum fragen Sie das?

CW: Weil die Investoren offensichtlich auf sich warten lassen.

De Bos: Wo liegt das Problem?

CW: Die Kunden und, wie ich gehört habe, auch Ihre Mitarbeiter machen sich Sorgen um die Zukunft von Altavista.

De Bos: Keiner unserer achtzig Mitarbeiter muß sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen. Meinetwegen können wir weiterarbeiten wie bisher. Uns geht es doch gut.

CW: Suchmaschinen gibt es heute in Hülle und Fülle. Es dürfte schwieriger sein als 1996, Investoren zu finden.

De Bos: Sie haben recht und doch wieder nicht. Wir wachsen, während unsere Konkurrenten an Akzeptanz verlieren. Kurz vor der CeBIT hatten wir einen Spitzentag mit 30 Millionen Hits. Das sind mehr Zugriffe, als alle anderen Suchmaschinen zusammen aufweisen können.

CW: Wie macht man mit einer solchen Technik, die Web-Surfer kostenlos benutzen, Geschäfte?

De Bos: Wir haben nicht nur eine gut besuchte Suchmaschine, sondern - was viele nicht wissen - auch eine Firewall sowie andere Tools. Aber wir verdienen auch mit der Suchmaschine Geld.

CW: Wieviel?

De Bos: Darüber reden wir nicht.

CW: Woher kommen Ihre Einnahmen?

De Bos: Zum einen aus bezahlter Werbung. Dabei haben wir dafür gesorgt, daß das Laden dieser Bilder die Leistungsfähigkeit der Anwendung nicht beeinträchtigt. Darüber hinaus bieten wir Dienstleistungen an. Insbesondere spiegeln wir unser Produkt, unseren Index, auf die Server lokaler Anbieter. Dafür schaffen wir eine weltweite Infrastruktur. Das Telia-Zentrum in Schweden, das die deutschen Anwender bedient, arbeitet mit fast der gleichen Ausstattung wie die Zentrale in Palo Alto. Weitere Kunden gibt es in Malaysia und Australien. Auch in Europa werden wir noch mehr zahlende Abnehmer finden. Außerdem verdienen wir auch noch an Beratung für unsere Technik.

CW: Was haben Ihre Kunden davon, bei Ihnen die Infrastruktur für einen kostenlosen Web-Service zu erwerben? Reichen die Werbeeinnahmen als Grund?

De Bos: Ja. Aber es gibt noch ganz andere Kunden, etwa Yahoo.

CW: Ich dachte, die arbeiten mit eigener Technik.

De Bos: In der kategorisierten Suche schon, aber bei der Detailsuche kommt unsere Software zum Einsatz. Von 30 Millionen Hits stammen vier Millionen von Yahoo-Usern.

CW: Verkaufen Sie Altavista auch als Intranet-Suchmaschine?

De Bos: Ja. Aber dabei geht es nicht nur um die Suche. Die Unternehmen wollen die Informationen nicht nur finden, sondern auch damit arbeiten. Deshalb bieten wir Werkzeuge für E-Mail, Unternehmensformulare, Konferenzfunktionen und gemeinsame Nutzung von Dateien an. Damit das alles in einer sicheren Umgebung stattfindet, liefern wir auch noch Firewall und Tunnel.

CW: Welches Konzept steckt hinter dieser Vielfalt?

De Bos: Es geht darum, eine möglichst vollständige Arbeitsumgebung für Leute zu schaffen, die viel unterwegs sind. Die User sollen zu Hause und im Hotel ebenso komfortabel mit ihren Geschäftsdokumenten umgehen können wie im Betrieb.