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24.03.2000 - 

Linux versus Windows 2000

Das Web spricht für Linux, das RZ für Windows 2000

Die Vorlaufzeit von Windows 2000 war lang genug, um dem konkurrierenden Linux erhebliche Marktchancen einzuräumen. Ob sich Windows 2000 indes von der Basis des MS-Marktes von Windows 98/NT-Usern verdrängen läßt, bleibt fraglich, auch für Ulrich Schäfer*.

Eines kann auf jeden Fall und ohne jedes Werturteil festgestellt werden: Das Erscheinen eines Systems wie Linux kommt in diesem Stadium der IT-Evolutionsgeschichte nicht unerwartet. Ein Zeitpunkt, zu dem einerseits verschiedene altgediente Unix-Derivate von ihren Herstellern in einen extremen Verdrängungswettbewerb getrieben werden und die Anwender jede Hoffnung auf einen so lange herbeigesehnten einheitlichen und offenen Unix-Standard aufgegeben haben; und andererseits die lange marktbeherrschende und nun durch Justiz und Kartellbehörden zunehmend zum Umdenken gezwungene Firma Microsoft einen neuen Anlauf unternimmt, ihr Beinahe-Monopol im Client-Bereich nun auch auf das Server-Umfeld auszudehnen. Ein Zeitpunkt, der zusätzlich durch die explosionsartige Ausweitung und Nutzung des Internet einen Nährboden für Träume hinsichtlich offener Systeme, Herstellerunabhängigkeit, Beschaffungsfreiheit und damit verbundener Kostenreduzierungen bildet.

Wenn auch beide Systeme zu großen Teilen den gleichen Markt adressieren und darüber hinaus zu erbitterten Gegnern im Kampf um die künftige Vorherrschaft hochstilisiert werden, so stellt sich dem Anwender in der Realität die Situation doch viel pragmatischer dar. Während sich Linux als Newcomer einen komplett neuen Markt erobern muss und gerade die Schwelle von den Early Adopters zum Massenmarkt überschreitet, bewegt sich Microsoft mit Windows 2000 in einem etablierten Markt mit zahlreichen Windows-98/NT-Usern. Diese unterschiedliche Marktsituation schlägt beim Anwender vor allem bei den initialen Kostenüberlegungen sowie den Gesichtspunkten zur Vereinheitlichung/Standardisierung - sprich Folgekosten - zu Buche.

Entscheidungskriterien für den Einsatz von Systemen im Rechenzentrumsbereich lassen sich in folgenden groben Kategorien zusammenfassen:

-Verfügbarkeit, Performance und Funktionalität,

-Wartbarkeit und Serviceangebot,

-Standardisierung und Integrationsfähigkeit sowie

-Anschaffungs- und operative Kosten.

Bezüglich Verfügbarkeit, Performance und Funktionalität wird mancher alte IT-Profi die Diskussionen um Linux und Windows 2000 als echtes Phänomen betrachten. Beide Systeme hinken der seit Jahren gewohnten Standardfunktionalität eines RZ-Server-Systems wie zum Beispiel MVS, VMS oder auch vielen Unix-Derivaten doch ziemlich hinterher. So kann man sich oft angesichts der Ankündigungen "neuer, moderner" Features aus beiden Lagern ein Lächeln kaum verkneifen, setzt man solche im eigenen Rechenzentrum doch schon seit mehr als einer Dekade erfolgreich ein. Das Fazit fällt hier daher kurz und bündig aus: Sowohl Linux als auch Windows 2000 werden kaum vor 2002, 2003 breiten Zugang zu den unternehmenskritischen Rechenzentren finden. Bis zu diesem Zeitpunkt werden sie sich aber sehr wohl punktuell auch in diesem Umfeld (beispielsweise im Web-Bereich) etablieren können und müssen.

Linux hat mächtig aufgeholtIn puncto Wartbarkeit und Serviceangebot hat Linux in den letzten Monaten merklich aufgeschlossen. Die Unterstützung von Softwareherstellern im System- und Netzwerk-Management-Bereich wie zum Beispiel Computer Associates wird von einem zunehmend breiteren Serviceangebot begleitet. Während es vor einem Jahr nahezu unmöglich war, überhaupt einen Service- und Support-Anbieter für Linux auszumachen, ist solches heute sowohl von den Linux-Distributoren selbst als auch von unabhängigen Dienstleistern und - in eingeschränktem Rahmen - den Anbietern von layered Software zu bekommen. Dennoch ist auf dieser Seite nicht zuletzt wegen der bereits erwähnten Marktmacht ein klares Plus für Windows 2000 zu verzeichnen. Große Anwenderfirmen und nahezu alle bedeutenden Hersteller haben bereits klare strategische Entscheidungen für den Einsatz von Windows 2000 getroffen und damit einen attraktiven Markt für entsprechende Dienstleistungsunternehmen eröffnet.

Unterstützt werden die erforderlichen Trainingsinvestitionen durch professionelle Programme von Microsoft, mit denen sich die Marketing- und Trainingsprogramme der einzelnen Linux-Distributoren nur schwerlich messen können.

In diesem Punkt lässt sich exemplarisch der fundamentale Unterschied zwischen dem für Windows 2000 und Linux adressierbaren Markt aufzeigen. Auf der einen Seite bietet sich dem potenziellen Dienstleister mit Windows 2000 ein Volumenmarkt, in dem die Trainingsbudgets der Anwender schon bereitstehen und eigentlich nur noch eingestrichen werden müssen. Hat man bereits seine Stammkunden, entfällt zudem der lästige Konkurrenzkampf.

Auf der anderen Seite bietet Linux in diesem Punkt wenig Sicherheit, dafür aber große Chancen. Noch kann niemand so recht absehen, welche Marktgröße hier im Dienstleistungsbereich in den nächsten Jahren zu erwarten ist. Sowohl die Definitionen eines Serviceangebots im Open-Source-Umfeld als auch die starke Fragmentierung des Marktes durch unterschiedliche Distributoren und Produktausprägungen machen eine Investitionsentscheidung hier nicht leicht. Für junge Unternehmen bietet sich dafür im Linux-Umfeld die Möglichkeit, sich einen komplett neuen Markt zu erschließen und auf diese Weise den etablierten Anbietern Paroli zu bieten. Die wiederum müssen ebenfalls aktiv werden, um nicht eventuell eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft zu verpassen.

Fazit diesbezüglich: Bei einem Einsatz von Windows 2000 kann der Kunde - unabhängig von der Qualität des Produkts - auf ein umfangreiches und sicheres Serviceangebot zugreifen - Business as usual. Beim Einsatz von Linux ist vom Kunden eher Flexibilität gefordert - Sicherheitsfanatiker werden hier graue Haare bekommen.

"Standard" kann viel bedeutenZum Punkt Standardisierung und Integrationsfähigkeit: Das Wort "Standard" ist in der Marketing-Sprache der Softwareindustrie wohl einer der am meisten missbrauchten Ausdrücke. Da gibt es so genannte offene Standards, Industriestandards, Herstellerstandards, Standardprodukte und vieles mehr. Suggeriert wird dem Anwender aber auf jeden Fall eines: Mit Standard bist du auf der sicheren Seite.

Die für den Kunden wichtige Frage ist dabei lediglich, wie die Produkte in seine bestehenden und zukünftigen Umgebungen passen.

Bei Windows 2000 ist die Antwort diesbezüglich klar. Den Nachteilen einer Herstellerabhängigkeit stehen die Vorteile einer homogenen Systemumgebung sowie der sicheren Verfügbarkeit aller wesentlichen "Standardapplikationen" gegenüber. Die großen Fragezeichen ergeben sich bei einer Verknüpfung der Windows-2000-Umgebung mit einer Nicht-Microsoft-Welt. In diesem Fall relativieren sich die unbestritten vorhandenen Verbesserungen von Windows 2000 gegenüber existierenden NT/98-Systemen - Stichwort: Active Directory. Der Markt für Beratungsunternehmen und Anbieter von Middleware bleibt auch mit Windows 2000 weit offen.

Einen zwangsweise positiven Effekt wird der Einsatz von Windows 2000 bei Anwendern im Bereich der PC- und Hardwarebeschaffung erzeugen. Hier wird der in vielen Unternehmen entstandene Wildwuchs eingedämmt werden, was zu größerer Sicherheit sowie letztendlich Einsparungen vor allem im Bereich der Folgekosten beiträgt.

Linux-Systeme bieten demgegenüber nicht die Geschlossenheit einer proprietären Umgebung mit den dadurch bedingten, teilweise in sich schlüssigen Funktionalitäten, dafür aber alle Vorteile eines wirklich offenen Konzepts, das offensichtlich nicht nur neue innovative Technologien anzieht, sondern inzwischen auch eine feste Größe bei der Produktentwicklung aller großen Softwareanbieter darstellt. Sowohl die Verfügbarkeit wichtiger "Standardapplikationen" als auch die Integration über entsprechende Middleware in bestehende heterogene System- und Applikationsumgebungen ist höchstens noch eine Frage der Zeit, aber keine Frage mehr des Ob.

Größter Nachteil ist jedoch auch in diesem Punkt die Auslieferung unterschiedlicher Linux-Versionen über einzelne Distributoren mit entsprechend uneinheitlichen Support- und Serviceleveln. Auch im Produkt selbst gibt es auseinander triftende Entwicklungen - Stichwort: User-Interface. Die Verantwortung für eine "Standardisierung" liegt somit in den Händen des Anwenders - Mündigkeit und das Risiko der Eigenverantwortung als Preis für die Freiheit.

Fazit: Die Entscheidung des Kunden in diesem Punkt wird ganz wesentlich von zwei Faktoren geprägt sein. Erstens dem Abwägen von Sicherheitsbewusstsein und Risikofreudigkeit, zweitens der Verfügbarkeit von eigenem beziehungsweise Outsourcing-Know-how in Linux-Technologien.

Auch in Sachen Anschaffungs- und operative Kosten bietet Windows 2000 von der Ausgangssituation her mehr Sicherheit. Denn erstens wird es sich in der Mehrzahl der Fälle um Migrationskosten von bestehenden NT/98-Systemen handeln, und zweitens gibt es in diesem Umfeld bereits existierende feste Größen und Anhaltspunkte, die doch eine recht genaue Planung erlauben.

Bei Linux schlagen zwar die Softwarekosten zu Anfang nicht so stark zu Buche, doch ist hier generell aufgrund der Ausführungen in den ersten drei Punkten mit höheren operativen Kosten vor allem im Dienstleistungsbereich zu rechnen.

Evolution kommt durch InnovationIn beiden Fällen ist festzuhalten, dass eine frühzeitige und methodische Vorgehensweise in der Planungsphase sowohl zu einer zeitigen Identifizierung von Risikofaktoren und Kostentreibern beiträgt als auch zu erheblichen Einsparungen in der späteren Implementierungsphase führen kann.

Das Wesentliche an einer solchen Planungsmethodik ist die Identifizierung und Gewichtung aller Einflussfaktoren auf die später entstehenden Kosten. Diese Einflussfaktoren liegen nicht etwa nur im technischen Bereich, sondern gerade bei einer Thematik Windows 2000 oder Linux sehr stark auch in Fragen der angebotenen Help-desk-Services, dem Automatisierungsgrad von System-Management und Softwaredistribution oder auch der Komplexität der zu unterstützenden Geschäftsprozesse.

Fazit hier: Diese Frage lässt sich nicht generell beantworten, sondern muss kunden- und anwendungsspezifisch evaluiert werden, wobei zur Vergleichbarkeit der Einsatz einer vorgegebenen einheitlichen Methodik unumgänglich ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Schwerpunkt Sicherheit nach heutigem Stand eher in eine "evolutionäre" Entscheidung zugunsten Windows 2000 führen wird. Linux wird sich in den zentralen Rechenzentren vorerst noch nicht durchsetzen, aber in vielen Bereichen der neuen Technologien, etwa im Web und im mobilen Computing, Fuß fassen. Außerdem wird der gesamte IT-Markt durch das Erscheinen von Linux schon heute mit viel Neuem befruchtet. Schließlich ist eines klar: Jede auch noch so langsame Evolution erfordert Veränderung, Veränderung kommt nur durch Innovation - und Innovation entsteht nur selten aus dem Bedürfnis nach Sicherheit heraus.

* Ulrich Schäfer ist Consultant bei der Meta Group in München