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07.04.2008

Das Web vergisst nichts

Klaus  Eck
Im Internet wird alles gefunden. Das hat Auswirkungen auf die Privatsphäre von Menschen - und die Entwicklung von Unternehmen.

Da liegt sie endlich im Briefkasten, die lang ersehnte Einladung zum Bewerbungsgespräch. Doch wenige Tage später folgt die Absage. Der Hintergrund: Die Personalverantwortlichen haben sich über den Bewerber im Internet informiert und sind dabei auf Bilder und eine kurze Videosequenz gestoßen, die für den Jobsuchenden alles andere als schmeichelhaft sind.

Digitale Profilneurosen

Das Internet spielt eine immer wichtigere Rolle für den beruflichen Erfolg. Das zeigen die Ergebnisse zweier Erhebungen, die der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) und die LAB Personalberatung in Düsseldorf im Herbst 2007 vornahmen. Knapp zwei Drittel der befragten Personalberater halten gerade für besser qualifizierte Bewerber das Online-Erscheinungsbild für wichtig bis sehr wichtig. Je höher die angestrebte Management-Position, desto relevanter ist ein gutes digitales Profil. Vier von fünf Headhuntern raten Führungskräften dazu, sich selbst um ihre digitale Reputation zu kümmern und die eigene Online-Präsenz aktiv zu gestalten.

So ist sich Klaus Aden, Geschäftsführer LAB, sicher: "Topmanager werden zunehmend zur Marke. Daher wäre es grob fahrlässig, die Markenführung in eigener Sache zu vernachlässigen. Zur erfolgreichen Markenbildung gehört die Pflege der Online-Reputation."

Für immer am Pranger

Anders als Zeitungen oder das Fernsehen besitzt das Web ein Elefantengedächtnis, dessen sich jeder bedienen kann. Je mehr Journalisten und Blogger sich mit einer Person oder einem Unternehmen kritisch online auseinandersetzen, desto dauerhafter ist der Eindruck, den dies in den Suchmaschinen hinterlässt. Wer erst einmal am Online-Pranger steht, hat es schwer, sich wieder zu befreien. Aus der Welt schaffen lassen sich die kritischen Online-Diskussionen nicht mehr.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de

1848075: Personensuchmaschinen helfen bei der Imagepflege im Web;

1850729: Alles zum Thema Corporate Blogs;

1858033: Wie das Internet den Bewerbungsprozess verändert.

Wer eine große mediale Aufmerksamkeit genießt, darf sich nicht wundern, wenn diese manchmal auch unerwünschte Wirkungen entfaltet. Schließlich haben Sie oder Ihr Unternehmen keine Interpretationshoheit über Ihre Informationen! Es reicht längst nicht mehr aus, sich online vorsichtig zu verhalten. Schließlich kann jeder über jeden Inhalte ins Netz stellen. Deshalb meint der Gründer des Reputationsservice MyON-ID, Mario Grobholz: "Reine Personensuchmaschinen zum Ego-Googeln sind nur der erste Schritt. Wenn ich meinen Namen eingebe, weiß ich, was im Netz über mich kursiert. Damit nehme ich aber noch keinen Einfluss auf das Ergebnis. Aktive Imagepflege verlangt mehr." Auf MyON-ID können Privatpersonen ihren digitalen Ruf pflegen, indem sie die zu ihrer Person gehörenden Online-Veröffentlichungen in einem Dossier sammeln, kommentieren und mit anderen Internet-Angeboten vernetzen.

Wer seine Reputation im Netz steuern will, sollte an folgenden Punkten ansetzen:

Bewusstsein:

Niemand kann sich vor Google verstecken. Wer sich etwa auf Veranstaltungen zeigt, muss damit rechnen, dass Fotos, Videos und Blog-Beiträge über ihn im Web kursieren. Sie können gute wie schlechte Folgen haben.

Disziplin:

Gerade schnell geschriebene Kommentare und Blog-Einträge können später zum Bumerang werden. Wer im Internet etwas beizutragen hat, sollte sich vorher genau überlegen, was er in welcher Form darlegen will. Kommentare werden in der Google-Welt nicht unsichtbar, ebenso wenig Fotos und Videos.

Automatisiertes Suchen

Mit Hilfe von Google Alerts lassen sich Online-Informationen über die eigene Person gut verfolgen, ohne dass der Aufwand ausufert. Darüber hinaus ist es sinnvoll, die Blog-Suchmaschine Technorati zu nutzen. Auch dort lässt sich eine Watchlist zur eigenen Person oder zum Unternehmen einrichten.

Social Networks:

Sich bei einem Social Network wie Xing anzumelden und dort ein aussagekräftiges Profil zu erstellen birgt Chancen. Man wird von Freunden, Kollegen, Headhuntern und möglichen Arbeit- und Auftraggebern schnell gefunden.

Bloggen:

Wer unter seinem eigenen Namen einen Corporate Blog betreibt, profitiert von der Suchmaschinenfreundlichkeit der Blogging-Software. Allerdings gilt es, den Blog zu pflegen und möglichst relevante Artikel zu verfassen, die die Leser zum Verlinken animieren.

Namentliche Web-Adresse einrichten:

Eine Web-Adresse unter eigenem Namen wirkt sich sofort auf die Suchmaschinen-Ergebnisse aus, wenn man regelmäßig aktuelle Inhalte einstellt.

Online-Marketing:

Marketing-Abteilungen sollten regelmäßig Newsletter an ihre wichtigsten Kunden und an passende Journalisten verschicken und idealerweise auch eigene RSS-Feeds anbieten, so dass die Bezieher diese Inhalte individuell nutzen können. Darüber hinaus bieten sich klassische PR-Portale wie OpenPR an, um Aktionen online anzukündigen. So ist es möglich, negative Suchmaschinenergebnisse durch selbst gesteuerte Inhalte zu verdrängen.

Beim Reputations-Management geht es jedoch grundsätzlich nicht darum, die oberflächliche Wahrnehmung eines Unternehmens oder einer Person zu verbessern und andere mit schönen Bildern zu täuschen. Niemandem wird es langfristig gelingen, hinter einem digitalen Make-up die Wahrheit zu verbergen. Es wird immer jemanden geben, der die Maskerade durchschaut und online darüber berichtet. Der Täuschungsversuch ist dann im Web dokumentiert und auffindbar. Insofern sollten es sich Menschen und Firmen sehr gut überlegen, ob sie falsche Fährten legen wollen.

Doch auch wer ein gutes Gewissen hat, muss sich um seinen Online-Ruf kümmern. Web-Nutzer können oft nicht auf Anhieb erkennen, ob Behauptungen seriös sind. Sie ziehen einfach ihre Schlüsse. Wer am Online-Pranger steht, muss mit fatalen Folgen für den eigenen Erfolg oder den des Unternehmens rechnen. Fast jeder Neukunde informiert sich inzwischen über das Netz und entscheidet aufgrund des ersten Eindrucks, ob er Kontakt aufnimmt.

Der amerikanische Reputations-Management-Dienstleister Reputation Defender betreibt seit kurzem in Kooperation mit der Personensuchmaschine Yasni auch hierzulande einen "Search-and-Destroy-Service": Gegen eine monatliche Gebühr von sieben Euro durchsucht der Anbieter das Web nach negativen Ergebnissen und listet diese auf. Wer Beiträge löschen lassen will, muss pro Entfernung 20 Euro bezahlen.

Ob dieses Geld gut angelegt ist, ist unter Onlinern jedoch umstritten. Eine Garantie für die erfolgreiche Löschung gibt es nämlich nicht. Reputation Defender versucht die Website-Betreiber in der Regel nur mit wirtschaftlichen und moralischen Argumenten zu bearbeiten, um die Löschung eines missliebigen Artikels zu erreichen. Dabei können aus kleineren Problemen größere Krisen werden, wenn die Angesprochenen nicht mitspielen und sich über die Einmischung ärgern.

Werden die Einträge wirklich gelöscht, hilft auch das oft nicht weiter. Im Internet gibt es zahlreiche Querverlinkungen, History-Tools und Archivseiten. So lassen sich etwa unter www.archive.org viele gelöschte Web-Seiten über die Suchfunktion "Waybackmachine" wiederfinden. In dem 1996 eingerichteten Internet-Archiv von Brewster Kahle finden sich rund 85 Milliarden gespeichertes Web-Seiten.

Hier lesen Sie …

  • was Menschen und Unternehmen tun können, um ihren Ruf im Web zu wahren;

  • warum ein gutes Gewissen nicht ausreicht;

  • welche Hilfsmittel zur Verfügung stehen, um die Online-Reputation zu beeinflussen;

  • warum Aufrichtigkeit das beste Rezept ist.

Effektiver als die Versuche, Einträge zu löschen oder schönzureden, ist es, sich der Wirklichkeit zu stellen, möglichst viel Ehrlichkeit zuzulassen und auch kritische Unternehmensthemen zu diskutieren. Erst dann ist es möglich, systematisch eine gute Reputation zu entwickeln. (hv/jm)