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27.02.2004 - 

Information-Lifecycle-Management:

Das Wissen steht auf Abruf bereit

MÜNCHEN (kk) - Seit Anfang letzten Jahres verfolgt die Speicherindustrie ein neues Konzept: Information-Lifecycle-Management (ILM). Was anfangs nur eine Verfeinerung des hierarchischen Speicher-Managements war, soll sich zu einer Spielart der On-Demand-Strategien entwickeln.

Storagetek verkündete mit Information-Lifecycle-Management vor fast genau einem Jahr eine neue Strategie für die Behandlung von gespeicherten Daten. ILM in diesem Sinn stellt den Wert der Information für das Unternehmen in den Vordergrund und ordnet dementsprechend den Daten die adäquaten Speichergeräte zu: Aktuelle und unternehmenskritische Information wird auf schnellen und sicheren Highend-Speichern abgelegt. Verliert die Information mit der Zeit an Bedeutung, wandert sie in ein "Nearline"- und später in ein Archivsystem.

Anwender warten ab

Als EMC in diesen Markt eintrat und außerdem Legato und Documentum übernahm, wurde der Begriff ILM aufgewertet und schließt jetzt bereits Enterprise-Content- und Dokumenten-Management ein. Zwei Märkte haben sich gefunden: der für Dokumenten-Management und der für Speicherlösungen. Anwender allerdings zeigen sich verwirrt von der Vielfalt der Begriffe und den noch undeutlichen Konzepten. Viele warten erst einmal ab.

Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der Hamburger Unternehmensberatung Project Consult und Mitglied des Board of Directors der AIIM International (Arbeitsgruppe für Enterprise-Content-Management), wundert sich darüber nicht, diene die ILM-Initiative der Industrie doch in erster Linie ihr selbst: "Die Situation der Speicherhersteller hat sich durch den Markteintritt neuer Anbieter und den anhaltenden Preisverfall trotz der gestiegenen Datenmengen eher verschlechtert. Die Hardwareanbieter können ein Wachstum nur über zusätzliche Dienste erreichen, das erklärt auch die vielen Firmenübernahmen und Kooperationen in dem Bereich. Die Speicherhersteller mausern sich zu Lösungsanbietern."

Durch die Zukäufe von Legato, Documentum und VMware im vergangenen Jahr hat sich insbesondere EMC ein breites Softwareportfolio angeeignet, das auch den Absatz der hauseigenen Hardware fördert. Die anderen Speicherlieferanten waren gezwungen, nachzuziehen, um ebenfalls Lösungen anbieten zu können. Die Hersteller von Dokumenten- und Content-Management-Systemen wie Ixos, Filenet oder Opentext sehen sich umworben von Hitachi, Storagetek, Fujitsu-Siemens, Hewlett-Packard, Network Appliance und anderen. Das Ziel ist es, Gesamtpakete aus Hard- und Software zu schnüren.

Allerdings gibt es auch technische Gründe, die eine engere Verzahnung von Speicher-hardware und Content-Management-Programmen rechtfertigen. Als immer neue gesetzliche Vorschriften zur unveränderlichen Langzeitarchivierung - Stichwort Compliance - in Kraft traten, begann insbesondere in den Vereinigten Staaten ein Run auf revisionssichere Lösungen. "In den vergangenen zwei Jahren gab es in den USA eine Reihe von Initiativen, die eine gesetzliche Regelung über eine sichere Langzeitspeicherung herbeiführten. Betroffen davon sind nicht mehr nur kaufmännische Daten, sondern auch Informationen aus dem Gesundheitswesen, dem Supply-Chain-Management, den Behörden oder dem Militärbereich", beschreibt Kampffmeyer die Situation. Sein Kollege Bernhard Zöller, Geschäftsführer des Beratungshauses Zöller und Partner in Sulzbach, erwartet, dass die Vorschriften zur revisionssicheren Archivierung in Zukunft eher noch zunehmen und der IT-Leiter allmählich zum Archivar des Unternehmens wird.

EMC bietet für solche Fälle mit dem "Centera"-Speicher eine einfache Lösung auf Festplattenbasis: Die zu sichernden Daten werden auf kostengünstigen IDE-Festplatten abgelegt. Eine von der mittlerweile ebenfalls von EMC übernommenen belgischen Firma Filestor entwickelte Software errechnet für jedes Dokument eine Prüfsumme. Wird nun im Dokument auch nur ein winziges Detail geändert, ergibt sich ein anderer Wert, und die modifizierte Datei wird als neue Version abgelegt. Die Anbieter von Dokumenten-Management-Systemen (DMS) steuern das System über ein API an und sparen sich die Treibersoftware. Neben EMC liefern fast alle großen Hardwarelieferanten eigene Konzepte für eine revisionssichere Datenablage. Meist wird die Unveränderlichkeit der Informationen durch eine Software, die in Firmware gegossen ist, sichergestellt.

Zukauf von Know-how

Neu an solchen Architekturen ist, dass die im Rechenzentrum vorhandenen Speichersysteme auch für Archivanwendungen mitbenutzt werden können und mittlerweile auch preislich mit optischen Speichern mithalten. "Früher mussten manche Anbieter von Dokumenten-Management-Systemen bei Projekten zur Archivierung auf revisionssicheren Speichersystemen ihre Anwendung um Treibersoftware zur Ansteuerung von Worm-Speichern erweitern", erklärt Zöller.

Doch bei Information-Lifecycle-Management geht es längst nicht nur um die revisionssichere Archivierung. Deshalb war es nur konsequent, dass EMC seine Archivhardware Centera um intelligente Content-Management-Funktionen ergänzte. Mark Lewis, EMCs Softwarechef, begründete die Übernahmen von Legato und Documentum unter anderem damit, dass "man mehr über die Inhalte der bislang rein physikalisch organisierten Dokumente wissen" müsse, um die Automatisierung in der Speicherverwaltung voranzutreiben. Dafür ist besonders das Portfolio von Legato und die Kooperation mit der kalifornischen Outerbay Technologies von Bedeutung. Nach Ansicht von Unternehmensberater Kampffmeyer stellt Legatos Programmsuite, vergleichbar mit Tivoli von IBM, eine Art Middleware für die effiziente, unternehmensweite Speicherverwaltung dar.

Speicherlogik in die Applikation

EMC verfolgt konsequent den eingeschlagenen Weg und präsentierte kürzlich auf der Oracle World das Programmpaket "Database Extender". Die Basistechnik dafür lieferte der kalifornische Hersteller Outerbay mit dem Produkt "Livearchive". Die Programme zur Datenarchivierung überwachen das Wachstum der Datenbanken und verlagern selten benutzte Daten auf langsamere Speichersysteme. Derzeit ist EMCs Version nur auf Oracle abgestimmt. Outerbay selbst unterstützt auch die Datenbanken DB2, Informix, Sybase und SQL Server.

Für EMC war das OEM-Abkommen mit Outerbay so bedeutsam, weil damit strukturierte Daten "gemäß ihrem aktuellen Wert und ihrem definierten Service-Level automatisch in den Information Lifecycle übernommen werden können", erklärte EMC bei der Vorstellung der Extender-Programme. Das Know-how über unstrukturierte Informationen kommt über Documentum in die Company und Legato steuert - auch mit den "Email-Extender"-Produkten - das Wissen um semistrukturierte Daten bei.

Outerbay, die kleine Softwarefirma aus dem kalifornischen Campell, hat zudem bereits vollzogen, worin EMC-Manager Lewis die Zukunft von ILM sieht: Die Implementierung von Speichersteuerungskomponenten in die Applikation. Outerbay bietet eine spezielle Version der Programmsuite für Peoplesoft-Anwendungen an. Damit lassen sich die Peoplesoft-Module Supply Chain, Financials, Human Resources und CRM-Anwendungen im laufenden Betrieb optimieren. Die Programmmodule von Livearchive identifizieren beispielsweise inaktive Datensätze und transferieren sie automatisch aus der Produktivdatenbank in ein Online-Archiv.

Mit Regeln und Service-Leveln

Zur Umsetzung des ILM-Konzepts schlägt EMC ein dreistufiges Verfahren vor, das im Prinzip den Regeln einer On-Demand-Strategie für Infrastruktur folgt: Bestandsaufnahme vorhandener Ressourcen, Definition von Regeln und Service-Leveln sowie die Zuordnung der Informationen zu Geschäftsprozessen. In Phase eins werden die Speicher von den Servern abgehängt und in ein Netz - LAN oder SAN - gestellt. Viele Firmen haben diesen Schritt bereits vollzogen und meistens gleich ihre Ressourcen konsolidiert.

Phase zwei dient der Definition von Verfahrensregeln und Service-Leveln für die einzelnen Informationsarten. Danach wird das Speichernetz in bestimmte Ebenen eingeteilt. Mittels Ver-waltungswerkzeugen lassen sich die Daten einer spezifischen Anwendung einer ganz bestimmten Ebene zuordnen. Gesetzliche oder interne Aufbewahrungspflichten können so abgebildet werden.

In der dritten Phase erfolgt die Übertragung der Geschäftsregeln auf die gesamte heterogene IT-Infrastruktur. Applikationsübergreifend soll sich so jede Anwendung zum richtigen Zeitpunkt einem entsprechenden Service-Level zuordnen lassen.

Neben EMC betrachtet Kampffmeyer die IBM als einen Anbieter, der viele der für ILM benötigten Komponenten im eigenen Haus zur Verfügung hat. Allerdings habe es Big Blue bislang noch nicht verstanden, das eigene, auf mehrere Säulen verteilte Angebot zu bündeln. Das soll sich jetzt ändern. Laura Sanders, Vice President Storage Management Products in IBMs Tivoli-Software-Divison, kündigte an, die Speicherprogramme von IBM und Tivoli jetzt zumindest gemeinsam anzubieten. Allerdings hat IBM, Promoter des On-Demand-Gedankens, als einziger großer Speicherhersteller bislang noch kein Konzept für ILM veröffentlicht.

Die Analysten von Gartner erwarten, dass es noch bis 2006 dauern wird, bevor Anwender eine durchgängige Lösung für eine automatisierte Speichernetzverwaltung erhalten. Nach Einschätzung der Meta Group wird sich aber ein regelbasierendes Speicher-Management - plattformübergreifend - mittelfristig durchsetzen.

Zuvor wird es nach Ansicht von Kampffmeyer noch zu weiteren Übernahmen kommen. Er erwartet, dass sich auch andere Storage-Anbieter wie HP passende Produkte per Firmenübernahme sichern wollen. Spannend wird es seiner Meinung nach auch bei den derzeitig angebotenen Archivierungslösungen für E-Mail. Die dort rasch ansteigenden Datenmengen geschickt und entsprechend den Vorschriften zu verwalten erfordert Kenntnisse aus dem klassischen DMS-Umfeld: Attachements müssen aus dem E-Mail-Programm herausgelöst, die Index-Daten extrahiert und alle Informationen verknüpft und so abgelegt werden, dass sie auch in zehn Jahren noch reproduziert werden können. Über solches Know-how verfügen aber nur die DMS- und Content-Management-Anbieter.

Datenwanderung

Ähnlich wie das hierarchische Speicher-Management (HSM) sieht auch das Information-Lifecycle-Management (ILM) einen mehrstufigen Ansatz vor. Während aber bei HSM-Lösungen die Daten ausschließlich entsprechend ihrem Alter in Online-, Nearline- und Archivsystemen abgelegt werden, steht bei ILM der Wert der Information im Vordergrund. Damit ergibt sich für die Anwender eine fünfstufige Rangfolge (Tier 1 bis Tier 5) innerhalb der Speichergattungen:

Tier 1: Die teuersten Subsysteme speichern die Daten aus geschäftskritischen Anwendungen. Verlieren diese Informationen an Bedeutung, werden sie auf Tier-3-Speicher verschoben.

Tier 2: Für Anwendungen des Front-Office, etwa Textverarbeitung, reichen kostengünstigere Systeme aus.

Tier 3: Online-Systeme auf Basis von ATA-Festplatten werden für die revisionssichere Verwahrung verwendet.

Tier 4: Bandarchive enthalten die Daten, die für das Unternehmen nicht mehr wichtig sind.

Tier 5: Ein zweites ausgelagertes Bandarchiv kann für historisch interessante Informationen benutzt werden.