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25.10.2007

"Das Zauberwort heißt Balance"

Was wird sich auf der CeBIT 2008 verändern? Wie nehmen Aussteller das neue Konzept an? Wie verändert sich die Messelandschaft? Über diese Themen sprach CW-Redakteur Christoph Witte mit CeBIT-Chef Ernst Raue.

CW: Wie haben die IT-Anbieter bisher auf das neue CeBIT-Konzept reagiert, das Sie im kommenden Jahr erstmals realisieren wollen?

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RAUE: Gut - und das, obwohl wir das Konzept der Messe radikal verändert haben. Bis zum vergangenen Jahr war die CeBIT angebotsorientiert aufgestellt - nach Themen wie Business-Software, Hardware oder Services. Das machen wir heute ganz anders. Die CeBIT 2008 basiert auf den drei Säulen Business Solutions, Public Sector und Home & Mobile Solutions. Die Basis für diese Säulen bildet das Thema Technology & Infrastructure. Für den Besucher bietet die neue Struktur den Vorteil, dass er sein Thema an einem Platz vorfindet.

CW: Die Themenfelder sind nicht trennscharf, einige Themen, zum Beispiel PCs und Notebooks, kommen in allen drei Säulen vor. Wie verhalten sich die Aussteller in diesen Fällen?

RAUE: Die Aussteller müssen umdenken. Einige präsentieren sich auf verschiedenen Feldern mit kleineren Ständen, andere ziehen einen Standort vor. Das Konzept gibt das her. Außerdem finden die Besucher den Aussteller über unseren elektronischen Messewegweiser.

CW: Im Gegensatz zu den anderen beiden Säulen Business Solutions und Home & Mobile scheint der Public Sector sehr eng. Trägt diese Säule?

RAUE: Von der Fläche her betrachtet, ist der Public Sector der kleinere, von seiner Bedeutung her aber alles andere. Das ist ein ganz wichtiger Bereich. Große Teile der öffentlichen Verwaltung stehen erst am Anfang der Digitalisierung. Da schlummern ungeahnte Sparpotenziale für die öffentlichen Haushalte und große Geschäfte für die Anbieter. Denken Sie beispielsweise an die Gesundheitskarte. Die Aufträge aus diesem Bereich sind in der Regel groß und margenträchtig. Deshalb haben auch die Aussteller ein großes Interesse an dieser Säule.

CW: Was hat sich für Sie als Messemacher verändert?

RAUE: Früher haben wir eine Halle aufgeschlossen und Ausstellern Fläche verkauft. Das ist vorbei. Wir setzen uns heute viel intensiver mit den Inhalten der Messe auseinander. Wir müssen die Communities und deren Themenfelder teilweise mitorganisieren wie wir das 2007 mit RFID bereits gemacht haben und im kommenden Jahr unter anderem mit Telematik und Navigation vorhaben. Oder nehmen Sie das Thema Green IT. Das wird 2008 eines der Schwerpunktthemen der CeBIT werden, weil die gesamte IT-Industrie vor entscheidenden Weichenstellungen in Fragen des Klimaschutzes steht. Außerdem bieten wir den Besuchern mit vielen verschiedenen Foren Anlaufpunkte für ihre Themen. Die CeBIT ist völlig neu: Wir haben eine klare Struktur, ein scharfes Profil und deutlich mehr Inhalt.

CW: Welche Rolle spielt der Treffpunkt CeBIT?

RAUE: Treffpunkt klingt aus meiner Sicht zu lapidar. Die entscheidende Stärke der CeBIT ist der Wissenstransfer auf internationaler Ebene, der durch eine solche Veranstaltung ermöglicht wird. Weltweit gibt es kein vergleichbares Forum für die digitale Industrie. Und neue Impulse gibt es nur im direkten Miteinander. Aber die CeBIT ist nicht nur ein Treffpunkt sie ist die Plattform für Abertausende Treffpunkte.

CW: Gleichzeitig organisiert sich die CeBIT aber in Spezialgebiete, um diese kleinen Messen zu simulieren.

RAUE: Wir simulieren nichts und niemanden. Wenn Sie in einem Unternehmen die Verantwortung für den IT-Bereich haben, wie viele Messen wollen Sie im Jahr besuchen? Woher wollen Sie die Zeit für die Flüge rund um die Welt nehmen? Auf einer CeBIT finden Sie alles, thematisch exzellent aufbereitet und klar strukturiert.

CW: Durch die starke Strukturierung der Messe werden Exponate oder Stände immer seltener, die den Besucher überraschen. Er geht ja schenkt man den Messemachern Glauben ganz gezielt auf die Messe und holt sich genau das ab, wozu er hergekommen ist. Damit verliert die Messe doch, oder?

RAUE: Diese Überraschungen, die Sie ansprechen, haben zunächst einmal nichts mit unserer klaren Struktur zu tun. Aber sie sind auch nicht verschwunden. Die Messen lassen sich zwar durch die Vorbereitung im Internet und gezielte Einladungen im Vorfeld für den Besucher sehr viel effizienter gestalten, aber die Menschen kommen doch auch aus persönlichem Interesse, und da schauen sie natürlich nach rechts und links. Und man geht natürlich nach Hannover, um andere Leute zu treffen.

CW: Aber andere Leute treffen kann ich auch billiger als auf der CeBIT. Dazu brauche ich doch nicht die großen Stände, die vielköpfigen Standbesatzungen und die teuren Exponate. Das ist doch alles Kulisse.

RAUE: Natürlich können Sie andere Leute zum Essen einladen, und das ist sicher auch preiswerter als ein Auftritt auf der CeBIT. Aber es geht doch um einen möglichst effektiven Einsatz von Geld und Zeit. Und wenn Sie sich international orientieren wollen, den internationalen fachlichen Diskurs suchen, die beste Lösung möchten, müssten Sie schon eine Menge Leute einladen. Exponate sind keineswegs aus der Mode, zahlreiche Aussteller betreiben nach wie vor große Inszenierungen auf ihren Ständen. Aber eines zeichnet sich ab: Die riesigen Stände und großen Flächen, wie wir sie zur Boomzeit vor einigen Jahren erlebt haben, gehören der Vergangenheit an. Wir bieten eine Plattform, um miteinander Geschäfte zu machen. Solange sich potenzielle Geschäftspartner per Internet nicht die Hände schütteln können, wird es Messen geben. Und da praktisch alle unsere Messen wachsen, können wir keinen Überdruss der Aussteller und Besucher feststellen.

CW: An Messen generell nicht, aber die herkömmlichen Messekonzepte finden wahrscheinlich alle todlangweilig. Das Dach oder den Überbau der neuen CeBIT bilden Seminare und Konferenzen. Machen Sie damit der Ausstellung nicht Konkurrenz?

RAUE: Nein, das ist Teil der konsequenten Weiterentwicklung. Die mehr als 1200 Veranstaltungen während der CeBIT dienen dem Wissenstransfer, den die Aussteller stärker als noch vor einigen Jahren nachfragen. Wir haben jetzt schon nicht mehr genügend Fläche dafür. Deshalb bauen wir das massiv aus auf Kosten der reinen Ausstellungsfläche.

CW: Ausstellung und Kongress bedingen einander. Befürchten Sie nicht einen Attraktivitätsverlust durch eine noch stärkere Betonung des Kongressteils?

RAUE: Das Zauberwort heißt Balance. Ich glaube allerdings, dass es für Entscheider, die wirklich investieren wollen, mindestens ebenso wichtig ist, Hintergrundinformationen zu bekommen, als Hardware anzuschauen.

CW: Wie beurteilen die Besucher die Qualität der Foren und Kongresse? Wird die nicht besonders in den Foren kritisch gesehen? Verdirbt man sich mit nur mittelmäßiger Qualität nicht die Strategie?

RAUE: Mittelmäßigkeit verdirbt keine Frage. Deshalb haben wir das Thema Kongresse und Foren in den vergangenen Monaten mit CeBIT Global Conferences konzeptionell deutlich geschärft. Wir stellen so sicher, dass die Fachforen gut besucht sind. Und wir wollen keine Mittelmäßigkeit. Wir haben auch sehr intensiv an dem Instrument der Keynotes gearbeitet, das in den USA ja deutlich etablierter ist auch während der Messen. Steve Ballmer als Keynoter zur Eröffnung funktioniert, während der Messe lief es in den vergangenen Jahren etwas zäher. Wir haben gute Redner auf CeBIT-Bühnen gestellt, aber die haben einfach nicht das Publikum bekommen, das sie verdient hätten. Daraus haben wir gelernt. Wir werden eine große zentrale Veranstaltung während der CeBIT realisieren. Der Wunsch danach und die Themen dafür kommen aus der Industrie. In Kürze haben wir das Konzept so weit, dass wir öffentlich darüber reden können.

cW: Erreichen Sie durch die kürzere Messezeit mit dem Sonntag als letztem Tag wieder eine bessere Balance zwischen Business-Anwendungen und Home-Entertainment? In den letzten Jahren hatten sich ja einige Aussteller öffentlich über die Hinwendung zu Endverbraucherthemen geärgert.

RAUE: Das neue Konzept haben wir zusammen mit der Industrie entwickelt. Und die hat sich auch diese Laufzeit gewünscht. Aber wir brauchen beides, Business-Solutions und Home-Entertainment. Wir sind ein Spiegel des Marktes in all seinen Facetten. Außerdem haben wir inzwischen gelernt, auch Business-Themen attraktiver darzustellen. Das Beispiel RFID aus dem vergangenen Jahr zeigt das. 2008 werden wir das unter anderem mit dem Thema Green IT erleben.

CW: Vor ein paar Jahren war die virtuelle Messe ein großes Thema und verschwand genauso schnell wieder in der Versenkung. Heute spricht man wieder darüber. Was hat die CeBIT in diesem Bereich vor?

RAUE: Wir schauen uns die Möglichkeiten des Web 2.0 ganz genau an und setzen einige Instrumente auch bei uns ein. Wir werden in Kürze einen neuen Internet-Auftritt der CeBIT präsentieren. Wir investieren erheblich in die Digitalisierung der Messe. Das Internet wird der zentrale Messeplaner sein, und wir werden die CeBIT-Community aktivieren. Wir als CeBIT-Macher müssen auch technologisch vorn sein. Da können wir es uns nicht leisten, solche Trends zu verpassen.