Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

05.11.1993

Data-Center-Konzepte im neuen Licht (Teil 2) Hewlett-Packard sieht sich als IBM-Erbe und als Galionsfigur

MUENCHEN (jm) - Der Koenig ist tot, es lebe der Koenig. Mit der Reduzierung der uebermaechtigen Vaterfigur der DV-Szene, der IBM Corp., auf die potenteste, wiewohl nicht einzige Schluesselfigur der Branche entstand ein Machtvakuum, das andere Hersteller nur zu gerne fuellen wuerden. Doch wie im richtigen Leben stellt sich auch in der Computerindustrie die Nachfolgefrage oftmals nicht so einfach.

Gefahr droht Big Blue nicht aus der Ecke der PCMer, denn auch die geraten zunehmend in die roten Zahlen. Die Amdahl Corp. schrieb im zweiten Geschaeftsquartal (31. Juli 1993) 23,7 Millionen Dollar Verlust bei einem um fast ein Drittel reduzierten Umsatz. Das veranlasste Curt Rohmann, Finanzanalyst bei der First Boston Corp., gegenueber dem "Wall Street Journal" zu der Feststellung, der Mainframe-Markt sei kraenker, als Amdahl selbst es zugeben wolle.

Der Hersteller steckerkompatibler Grossrechner machte vor allem den Trend zu Netzwerken fuer die eigenen Schwierigkeiten verantwortlich, die unter anderem zu 1250 Entlassungen im laufenden Jahr fuehrten.

PCMer schreiben rote Zahlen und entlassen Mitarbeiter

Mittlerweile setzt der IBM-Kontrahent auf die Kraft des Workstation-Marktfuehrers Sun. Die Unternehmen schlossen ein Kooperationsabkommen ab, das die Zusammenarbeit fuer den gesamten Bereich unternehmensweiter DV-Belange abdecken soll. Im Zuge dieser Vereinbarung wird Amdahl nicht nur die Sparcserver-1000- und Sparccenter-2000-Modelle der McNealy-Company vertreiben und Service fuer sie bereitstellen - sondern sich in Zukunft sicherlich noch haeufiger fragen lassen muessen, weswegen zumindest Neukunden noch auf proprietaere Mainframe-Hardware setzen sollten.

Auch Rolf Brillinger, Chef der BASF-Tochter Comparex Informationssysteme GmbH, die Hitachi-Grossrechner vertreibt, musste vor einem halben Jahr konzedieren, dass eine klare Tendenz bestehe, neue Applikationen nicht mehr auf Mainframe-Systemen zu deponieren, sondern vor allem fuer die aufstrebende Unix-Welt zu schreiben. Brillinger glaubt trotzdem, dass es im Zuge der Neuausrichtung und Umstrukturierung von MIS-Zentren vor allem den Anbietern von Midrange-Systemen an den Kragen gehen wird.

Demgegenueber rechnet er damit, dass der Zwang zur DV-Konsolidierung in Unternehmen sowohl den Grossrechnern als auch den Emporkoemmlingen aus der Unix-Server-Ecke zugute kommen wird. Das Halbjahresergebnis von Comparex (30. Juni 1993) scheint ihm dabei zum Teil recht zu geben: Immerhin verzeichneten die Mannheimer eine Steigerung des konsolidierten Gruppenumsatzs von sieben Prozent auf 574 Millionen Mark. Negativschlagzeilen machte dieses Jahres auch die Fujitsu Ltd., ein weiterer Anbieter von Mainframes. Zum einen mussten die Japaner fuer das am 31. Maerz 1993 abgelaufene Fiskaljahr 1992 erstmals einen Verlust von 150 Millionen Dollar konsolidiert vor Steuern hinnehmen. Der Niedergang der Grossrechnerverkaeufe zwingt die Japaner zum anderen zu umfaenglichen Entlassungen - 6000 Mitarbeiter oder elf Prozent der Belegschaft werden den Konzern in den kommenden zwei Jahren verlassen muessen.

Und obwohl die IBM fuer 1992 in Deutschland Zuwaechse auf dem Sektor der Grossrechner meldete, muss sie gleichzeitig eingestehen, dass in Montpellier dieses und naechstes Jahr jeweils 300 Mitarbeiter abgebaut werden. Die suedfranzoesische Stadt ist neben Poughkeepsie in den USA und Yasu in Japan eine von weltweit drei Produktionsstaetten von Enterprise-Systemen.

Ausserdem geht Big Blue dazu ueber, eigenes Personal aus dem Produktionsbereich fuer Enterprise-Rechner in Joint-venture- Unternehmen auszugliedern, die man mit anderen Firmen unterhaelt und in denen Arbeiten erledigt werden, die vormals in den IBM- eigenen Fabrikationshallen angesiedelt waren.

Waehrend sich die Mitarbeiter in Mainframe-Produktionshallen erhebliche Sorgen um ihre Arbeitsplaetze machen muessen, schreiben andere Rechnerhersteller ihre Geschaeftsberichte mit schwarzer Tinte. Hierzu gehoert auch Hewlett-Packard (HP). Das Unternehmen aus Palo Alto in Kalifornien gilt als Geburtsstaette des Silicon Valley und damit - wenn man so will - der Computerbranche.

HP veroeffentlichte im gleichen Zeitraum, in dem bei den Grosssystemproduzenten Heulen und Zaehneknirschen vorherrschte, bemerkenswerte Umsatzspruenge. Zum Stichtag 31. Juli 1993 verbuchte das Unternehmen fuer das computerrelevante Geschaeft seines dritten Finanzquartals 1993 einen Nettoumsatz von rund 3,8 Milliarden Dollar und damit gegenueber dem Vergleichszeitraum von 1992 eine Steigerung von 800 Millionen Dollar. In den ersten neun Monaten 1993 belief sich der Umsatz auf etwas mehr als 11,1 Milliarden Dollar (1992: knapp 8,9 Milliarden Dollar).

Der Nettogewinn der Company stieg im dritten Quartal 1993 gegenueber dem gleichen Vierteljahr von 1992 um 44 Prozent von 188 Millionen auf 271 Millionen Dollar. Fuer die ersten neun Monate verzeichnete HP immerhin noch eine achtprozentige Gewinnsteigerung auf 879 Millionen Dollar (1. November 1991 bis 31. Juli 1992: 813 Millionen Dollar). Nachdem HP in der Vergangenheit in Sachen PR eher leise auftrat, scheint sich bezueglich der oeffentlichen Selbstdarstellung des Unternehmens nun eine Aenderung zu vollziehen, die sich mit einem HP-internen Zitat wohl am besten charakterisieren laesst: "Wir wollen das Machtvakuum, das die IBM hinterlassen hat, fuellen und die vakante Fuehrerschaft des Marktes uebernehmen."

Diesen hochfliegenden Anspruch zementieren die Amerikaner nach eigenen Aussagen durch eine konsequente Konzentration auf zwei strategische Komponenten: RISC-Hardware und Unix-Software.

Fuer Data-Center ein komplettes Produktkonzept

Seit 1986 liefern die Kalifornier RISC-basierte Rechner, und sie haben auch - wie die Zahlen belegen - die Einverleibung des Workstation-Herstellers Apollo samt dessen Produktpalette offensichtlich gut verkraftet.

Zwar bauen die Amerikaner auch weiterhin ihre proprietaeren HP3000- Systeme auf Basis des MPE-Betriebssystems aus. Doch hat mittlerweile die HP9000-Familie unter HP-UX, nach Umsatzanteilen gemessen, klar die Oberhand gewonnen. HP-Quellen sprechen von einem Verhaeltnis von 25 zu 75 Prozent, mit ansteigender Tendenz fuer die Unix-Systeme. Ihre Ambitionen, IBM als Generallieferanten fuer den Data-Center-Bedarf und als Galionsfigur der DV-Szene abzuloesen, unterstreicht HP durch ein - laut eigenem Verstaendnis - komplettes Hard- und Software-Produktspektrum, das zudem durch ein umfassendes Service- und Beratungsangebot flankiert wird.

Ihren Fuehrungsanspruch untermauern die Kalifornier auf verschiedene Weise: So erweiterten sie gerade erst ihre Linie an Corporate-Business-Server-Modellen, die mit bis zu zwoelf im symmetrischen Multiprocessing-Betrieb arbeitenden RISC-Prozessoren arbeiten. Daneben warten sie mit IBM-kompatiblen 3480-Backup- Medien von Storagetek auf sowie der Faehigkeit, bei ihren staerksten T500-Servern bis zu 1,9 TB Online-Speicher direkt zu adressieren.

Die Berater der HP-Division "Professional Service Organization" greifen all jenen unter die Arme, die bei der Systemintegration im grossen Stil, also auf Mainframe-Ebene, Hilfe benoetigen. Dem assistiert als Supportorganisation zudem der "HP Premier Account Support".

Auffaellig ist, dass immer mehr DV-Anbieter auf HP als vorrangige Unix-Plattform zu setzen scheinen. Hierzu gehoeren unter anderem Firmen wie die SAP, die R3 zuerst auf die HP-Plattform portierte. Trotz des R3-Engagements von Microsoft (Intel) und Sun Microsystems (Sparc) bei den Walldoerfern.

(wird fortgesetzt)