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Paßt Park- und andere Sünder:


25.01.1980 - 

Data General CS-System führt Strafsachenkalender

CONTRA COSTA/CAL. (pi) - Der Arbeitsanfall der Gerichte im kalifornischen Contra Costa ist im vergangenen Jahr um 40 Prozent angestiegen. Deshalb installierte die Behörde kürzlich ein EDV-Verwaltungssystem, um damit

Informationen schneller bereitzustellen sowie Richter und Justizpersonal zu entlasten. Wie Tom Falce, verantwortlicher Leiter für EDV-Gerichtsverwaltungssysteme, dazu feststellt, hat der Bezirk erste Schritte zur Entwicklung eines Datennetzes zur Verwaltung des gesamten Strafrechts unternommen. Die Minicomputersysteme in den vier Bezirksgerichten werden zur Zeit zur Abrechnung von Strafgebühren für falsches Parken eingesetzt sowie für "Strafsachenkalender" oder Pläne der Gerichtskapazitäten und -tätigkeiten.

Der Bezirk Contra Costa mit 600 000 Einwohnern umfaßt 13 Städte und steht an achter Stelle der kalifornischen Verwaltungsbezirke. Contra Costa hat eine sehr hohe Verkehrsdichte. Dadurch ist in den letzten Jahren das Falschparken zu einem der größten Probleme geworden. So wurden zum Beispiel in der Stadt Walnut Creek im letzten Jahr 50 000 Strafzettel verteilt.

Die Amtsgerichte des Bezirks sind für die Einziehung der Strafgebühren für Falschparken und andere Verkehrsstrafsachen zuständig sowie für die Aburteilung dieser Übertretungen, Verhandlung von Diebstahlsfällen, Fahren unter Alkoholeinfluß sowie andere, kriminelle Vergehen.

Jedes der vier Gerichte des Bezirks beschäftigt Mitarbeiter zur Abrechnung des Einzugs von Strafgebühren und zur Planung der Gerichtstermine. Vor der Umstellung auf Computer wurden diese Arbeiten manuell erledigt. Im Laufe der Zeit wurde es jedoch immer schwieriger, mit dem steigenden Arbeitsanfall Schritt zu halten.

Zur Beschleunigung des Informationsflusses zwischen den Strafrechtsabteilungen des Bezirks wurde ein Beratungskomitee für die Automation des Rechtswesens gegründet. Es hatte die Aufgabe, die Automationsmöglichkeiten als Alternative zur manuellen Bearbeitung zu untersuchen.

Auch die Wirtschaftlichkeit sprach für Minis

Das Komitee führte eine Rentabilitätsstudie durch und kam zu dem Schluß, daß Arbeitsanfall, Wachstum und notwendige Berichte die EDV-Automation als wirksamstes Rationalisierungsmittel in Frage kam.

Ein Großcomputer im Rechenzentrum der Bezirksverwaltung in Martinez erledigte bereits eine Reihe von Arbeiten wie Lohnabrechnung, Führung der Daten des Wohlfahrtsamtes und Berechnung von Vermögenssteuern.

Dieser Computer arbeitete im Stapelbetrieb; zu dem war das System bereits überlastet, und die Festlegung von Prioritäten für die bereits laufenden Arbeiten waren problematisch. Die Bezirksverwaltung brauchte daher eine andere Lösung. Die Daten sollten an Ort und Stelle erfaßt werden, die Anlage leicht bedienbar sein und Abfragemöglichkeiten bieten. Falce: "Die Wirtschaftlichkeit von Minicomputern in Verbindung mit unseren sonstigen Erfordernissen brachte uns zum Datennetzbetrieb."

Nach Überprüfung von mehr als hundert möglichen Lieferanten wählte das Projektteam fünfunddreißig aus und forderte sie auf, ein Angebot zu machen. Bei Sichtung von fünfzehn der eingegangenen Angebote im Hinblick auf das Preis/Leistungsverhältnis wurden fünf Lieferanten ausgewählt und einige Kunden dieser fünf Lieferanten besucht, Die Gruppe entschied sich für Data General-Minicomputer der CS-Serie.

Im November 1977 wurde im ersten der vier Bezirksgerichte ein System mit einer Hauptspeicherkapazität von 32 K. einer Plattenkapazität von 10 MB, drei Dasher-Bildschirm-Terminals und mittelschnellen Druckern installiert. Die Anwendungssoftware wurde in Dialog-Cobol geschrieben. Das brachte mehrere Vorteile: Einmal lief der zentrale Großrechner unter Cobol. Zum anderen ermöglichte Cobol den Dialogbetrieb zwischen den Benutzern und den Computern mit direkter Abfrage, Datenerfassung und Fehlerkorrektur an Ort und Stelle.

Strafrechtliche Konsequenzen im Programm

"Mit den Computern verwalten wir hier das gesamte Parksystem, eine wirklich aufwendige Anwendung nach Art der Debitorenbuchhaltung", meint Falce. Die Mitarbeiter der Verwaltung

an den einzelnen Gerichten geben Fahrzeugnummer und Sachverhalt in den Computer ein. Ein Programmlauf zeigt an, ob der Verstoß strafrechtliche Konsequenzen hat, ob Kaution oder Geldstrafe berechnet wird. Später werden auch Zahlungseingänge und weitere gerichtliche Maßnahmen über den Rechner abgewickelt.

Geht keine Zahlung ein, wird der Fahrzeughalter aufgrund seiner bei der Kfz-Meldestelle gespeicherten Daten identifiziert. Dies geschieht durch Abfrage zwischen dem Minicomputer und der zentralen Rechenanlage. Anschließend wird eine Mahnung erstellt, die dem Fahrzeughalter zugesandt wird. Reagiert der Fahrzeughalter dann noch immer nicht, geht ein Sperrvermerk über das Gerichtssystem und die zentrale Rechenanlage an die Kfz-Meldestelle, so daß der Fahrzeughalter keine Verlängerung seiner Fahrerlaubnis erhält, so lange er die Strafgebühren nicht bezahlt.

Neben der Ausfertigung des Gebührenbescheids und der Meldung des Zahlungseingangs erfaßt der Computer auch außergewöhnliche Fälle wie Verstöße gegen die Parkordnung durch Bewohner anderer Bundesstaaten, mehrfache Verstöße, etc.

Terminplanungssystem der Gerichte

Der vorstehend erwähnte Strafsachenkalender ist nichts anderes als ein Terminplanungssystem für die Tätigkeiten und über die Kapazitäten der einzelnen Kammern der Gerichte. Ausgedruckt werden Berichte über die von den Gerichten zu den einzelnen Fällen erfaßten Beschlüsse. Hierbei handelt es sich um Fragen des" Wer, Was, Wo und Warum" eines bestimmten Falles und die Festlegung der Tagesordnung für die Verhandlung. Die Entscheidungen über das "Was, Wann, Wo und Warum" sind leicht zu treffen. Neben den Anwälten kann aber noch jede beliebige Anzahl weiterer Personen zur Teilnahme an der Verhandlung gebeten werden, so der Bewährungshelfer, der Vollstreckungsbeamte, etc.

Alle diese Angaben werden in den Computer eingegeben, der dann die Tagesordnung erstellt und die Berichte auf dem Drucker ausdruckt. Außerdem werden auch die Informationen der bei anderen Gerichten gespeicherten Fälle geprüft, um festzustellen, ob gegen den Beklagten auch noch an anderen Gerichten Verfahren anhängig sind. "Wir halten dieses Terminplanungssystem für sehr wichtig", stellt Tom Falce dazu fest, "da es für die Gerichte einer der kritischen Aspekte ist, daß alle betroffenen Stellen über die Gerichtstermine informiert sind."

Alle diese Stellen planen ihre Maßnahmen und Kapazitäten diesen Terminen entsprechend, damit erforderliche Koordination und Genauigkeit gewährleistet werden. Ein weiterer Vorteil dieser Anwendung ist die Möglichkeit der Erstellung von Statistiken, zum Beispiel über Häufigkeit und Art der Verstöße, und zwar für Strafverfolgungsübersichten für das gesetzliche Berichtswesen.

Die Minicomputersysteme sind in Tag- und Nachtschicht in Betrieb. Tagsüber arbeiten sie online. Nachts werden die Informationen von den Data General-Minis zur zentralen Rechenanlage übertragen,

Während der Nachtstunden werden vom zentralen System die anderen mit CS/40-Software arbeitenden Minicomputer über ein automatisches Rückmeldesystem aufgerufen, wobei diese Systeme dann ebenfalls automatisch mit der Übertragung der gewünschten Informationen reagieren.

Mit relativ kleinen Rechnern erstaunlich viel Leistung

"Wir haben hier ein sehr komplexes System", sagt Tom Falce. "Mit unseren relativ kleinen Computern machen wir wirklich erstaunlich viel. Bei anderen Gerichtssystemen mußte man für die gleichen Aufgabenstellungen wesentlich größere Computer einsetzen." Dennoch ist das hier erst die erste Stufe einer Reihe von Computersystemen für den gesamten Strafrechtskomplex. In den kommenden sechs Monaten wollen wir nicht nur die Hauptspeicher, sondern auch die Plattenspeicherkapazität verdoppeln. Und als dritte Anwendung sollen auch noch die im fließenden Straßenverkehr begangenen Verstöße auf das System übernommen werden.

In den nächsten zwei Jahren steht ein weiterer Ausbau an: Durch Anschluß weiterer Rechner zur Verfolgung einzelner Fälle durch den Bezirksanwalt, zur Gefängnisverwaltung durch die örtliche Polizeibehörde, zur Erfassung der von den Bewährungshelfern zu bearbeitenden Fällen, zur Verfolgung der jeweiligen Fälle durch den Pflichtverteidiger und zur Termin- und Verhandlungsplanung für den Obersten Gerichtshof. Ziel ist es, alle diese Anwendungen in Form eines Datennetzes im Bezirk Contra Costa miteinander zu verknüpfen. Erfaßt werden sollen die Daten an Ort und Stelle und zwar im Rahmen des funktionellen Arbeitsablaufs. Die Informationen sollen dann über das Leitungsnetz an alle Stellen übertragen werden, die mit dem jeweiligen Fall befaßt sind.

Informationen Data General GmbH-MARCOM-Stuttgarter Str. 10 6236 Eschborn (Ts). Tel: 0 61 96/494-1