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13.08.1999 - 

Speichersparte gab den Ausschlag für die Übernahme

Data General öffnet neue Märkte für EMC

MÜNCHEN (wh) - Mit der Übernahme von Data General (DG) durch EMC verliert einer der letzten Minicomputer-Anbieter seine Selbständigkeit. Für EMC sind vor allem DGs Speicherprodukte von Interesse. Entgegen offiziellen Verlautbarungen scheint die Zukunft der Server-Sparte ungewiß.

Was Branchenbeobachter schon seit Monaten prophezeit haben, ist nun eingetreten: Data General, in den 80er Jahren einer der erfolgreichsten Anbieter proprietärer Minicomputer, wird aufgekauft. Der Speicherhersteller EMC erwirbt das mit finanziellen Problemen kämpfende Unternehmen aus Westboro, Massachusetts, im Zuge eines Aktientauschs für rund 1,1 Milliarden Dollar.

Der Deal soll noch vor Ablauf des Jahres unter Dach und Fach sein. Die Genehmigung durch die DG-Aktionäre und die Aufsichtsbehörden steht noch aus. Angesichts eines Jahresumsatzes in Höhe von 1,46 Milliarden Dollar gilt der Kaufpreis in der Finanzwelt als relativ niedrig. Andererseits verbuchte Data General seit längerem hohe Verluste. Im Juni 1999 hatte das Unternehmen erklärt, die zusätzlichen Investitionen in das Speichergeschäft hätten in den kommenden vier Quartalen erneut Fehlbeträge zur Folge.

EMC, führender Anbieter von Hochleistungs-Speichersystemen, verschafft sich mit der Akquisition Zugang zum wachstumsträchtigen Markt der Midrange-Speicher. Bislang adressierte der Hersteller mit seinen "Symmetrix"-Arrays fast ausschließlich Großanwender mit sehr hohem Speicherbedarf.

Die "Clariion"-Systeme von Data General stellen aus Sicht des Unternehmens aus Hopkinton, Massachusetts, eine ideale Ergänzung des Portfolios dar. Anders verhält es sich mit der Server-Sparte.

Den offiziellen Erklärungen zufolge soll das Server-Geschäft in eine selbständige Gesellschaft eingebracht und weitergeführt werden. Wie die mittel- und langfristige Zukunft der Sparte aussehen wird, ist indes offen. Die Verkäufe der proprietären "MV"-Server gehen seit längerem zurück. Die Entwicklung eigener Low-end-Server hat der Hersteller im Rahmen einer weitreichenden Restrukturierung vor gut einem Jahr eingestellt. Die mit der Multiprozessor-Architektur Numa (Non Uniform Memory Access Architecture) ausgestatteten High-end-Server ("Aviion") gelten in der Branche zwar als technisch hochinteressant. Der durchschlagende kommerzielle Erfolg blieb ihnen aber bislang versagt.

Mark Raphael, Analyst bei der Meta Group, sieht EMCs einschlägige Erklärungen kritisch: "EMC hat DG nur aus zwei Gründen gekauft: Zum einen sind das die Clariion-Speichersysteme, zum anderen das Service- und Beratungsgeschäft", erklärte er. Das Server-Geschäft sei für den Speicherspezialisten nicht von Interesse.

"Natürlich verkündet EMC jetzt, die Server-Sparte als selbständige Einheit weiterführen zu wollen." Raphael geht aber davon aus, daß der Hersteller die Einheit nach einer juristischen Abtrennung letztlich veräußern wird. Als Käufer kämen mehrere Hardwarehersteller in Frage, beispielsweise Dell, Hewlett-Packard, Compaq oder auch IBM.

Malte Rademacher, MarketingLeiter der deutschen EMC-Dependance, wehrt sich gegen solche Spekulationen. Ein sofortiger Verkauf der Server-Sparte sei rechtlich gar nicht möglich. DGs Übernahme wird nach dem steuerbegünstigten "Pooling-of-Interests"-Verfahren abgewickelt. Dieses ist mit Restriktionen verbunden. Demzufolge darf EMC Unternehmensteile von Data General nicht vor Ablauf von zwei Jahren verkaufen.

Eine weitere offene Frage sind die personellen Auswirkungen der Akquisition. EMC beschäftigt weltweit rund 11 200 Mitarbeiter, DG knapp 5000. Rademacher räumte im Gespräch mit der CW lediglich "minimale Überschneidungen" in Marketing und Vertrieb ein. Auch EMCs CEO Michael Ruettgers erklärte, er erwarte keine Entlassungen in größerem Umfang.

Meta-Group-Analyst Raphael hingegen hält eine "substantielle Verschlankung" der DG-Belegschaft für unvermeidlich. Vor allem in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Entwicklung gebe es redundante Positionen. Er könne sich vorstellen, daß DGs Belegschaft innerhalb der nächsten zwölf Monate um ein Viertel bis ein Drittel abgebaut wird.