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03.04.1998 - 

Data-Warehousing / Informations-Management in der Hochfinanz

Data-Warehousing als Mittel zur Markterschließung

Nur mit hervorragendem Service und überzeugenden Dienstleistungen kann man seine Kunden bei der Stange halten. Die Datenverarbeitung muß deshalb Dienste anbieten, die diese Erfolgsfaktoren unterstützen. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, für schnelle, transparente und einfache Geschäftsabläufe zu sorgen. Damit will man auch die Voraussetzung zur Erschließung neuer Märkte verbessern.

Konkret geht es etwa darum, den Posteingang innerhalb eines Tages zu erledigen, Kunden bei einem Anruf auf einer entsprechenden Telefonanlage sofort zu identifizieren und dem Sachbearbeiter umgehend relevante Kundendaten auf seinen Bildschirm zu liefern. Verbesserung der Markterschließung heißt aber auch, Informationen über Unternehmen und Märkte nicht nur monatlich, sondern täglich auf der Basis eines Data-Warehouse am richtigen Platz zur Verfügung zu stellen.

Bevor die Grundzüge des Data-Warehouse vorgestellt werden, zunächst einige Erläuterungen zum informationstechnischen Umfeld der BHW-Gruppe. Wie in der gesamten Branche werden auch bei der BHW Bausparkasse seit den 80er Jahren IBM-Mainframes unter MVS eingesetzt. Als Datenbank kommt auf den Großrechnern DB2 zum Zug. Die jüngeren Unternehmensbereiche wie die BHW-Europatöchter BHW Leben und BHW Immobilien sowie die BHW Allgemeine bedienen Unix-Systeme auf RM-Rechnern von Siemens Nixdorf mit dem Online Dynamic Server von Informix.

Zur BHW-Systemumgebung zählen insgesamt zehn große Unix-Server SNI RM 600, und zwar dedizierte Systeme für die unterschiedlichen Unternehmensbereiche. Am längsten im Einsatz ist das Archivsystem Arcis. Seit vier Jahren bei der BHW Allgemeine und der BHW Leben in Betrieb, ermöglicht es eine weitgehend papierlose Sachbearbeitung. Die gesamte Eingangspost wird gescannt und elektronisch an die Sachbearbeiter weitergeleitet. Noch in diesem Jahr ist der Einsatz des Archivsystems in der "großen" Bausparkasse vorgesehen. Die Einführung einer neuen Technik, die den Arbeitsablauf in der Sachbearbeitung so grundlegend verändert, ist einvernehmlich mit dem Betriebsrat verabschiedet worden.

Mit dem Archivsystem ist eine umfassende Ausweitung des Systems verbunden: 1996 hatte die Datenbank eine Größenordnung von 60 Millionen Rows mit 40 GB Plattenspeicherplatz.

In der Endausbaustufe wird die Datenbank 1000 GB benötigen; für die Images sind 20000 GB Speicherplatz einkalkuliert. Auch die bislang über MVS abgewickelte Ausgangspost wurde nach Arcis transferiert. Flächendeckend soll den Sachbearbeitern ein vollständiges elektronisches Archiv mit allen vorhandenen Akten zur Verfügung stehen. Zwei Front-end-Lösungen für jeweils 600 PCs und ein System für die Informix-Datenbank distribuieren die Informationen in die Rechner der Mitarbeiter.

Ein weiterer Server regelt die Arbeit bei der BHW Leben. Basis ist eine zugekaufte Anwendung für die Verwaltung von Lebensversicherungen inklusive Tarifen und Verträgen. Vor drei Jahren entschied sich die BHW Leben für die Umstellung auf Informix, weil man Datenbanken auf Unix vereinheitlichen wollte. Insgesamt zehn Mitarbeiter sind in der DV für die Datenbankpflege zuständig. Sie können jedoch nicht jedes Datenbanksystem unterstützen. Deshalb kommen in der BHW DB2 auf IBM OS/390, Informix auf Unix sowie MS SQL Server auf Windows NT zum Einsatz.

Das Europageschäft der BHW-Gruppe basiert auf dem Client-Server-Konzept, wofür man sich 1994 grundsätzlich entschlossen hatte. Client-Server heißt konkret: Unix-Server und Windows-Clients - ein Konzept, das auch für die Auslandstöchter gilt. An der Prager Bausparkasse beispielsweise ist die BHW mit 50 Prozent beteiligt und dort für die gesamte DV verantwortlich. Innerhalb weniger Monate wurde das Client-Server-Konzept an die tschechischen Anforderungen angepaßt. Dazu zählte die Installa- tion der Server sowie der für den tschechischen Markt umgeschriebenen Software. Mit 60000 Verträgen startete die BHW in Prag und erreichte bereits nach einem Jahr 100 Prozent Zuwachs. Indessen verblieb die Software-Entwicklung in der Zentrale in Hameln, während man die Systeme in Prag um landesspezifische Aspekte wie zum Beispiel Förderungsprogramme ergänzt wurden.

Die Software wurde von vornherein sprachneutral entwickelt und läßt sich so relativ problemlos auf andere Länder übertragen. Sie wird auch für andere Auslandstöchter, etwa in Luxemburg und Belgien, eingesetzt. Die Europa-Anwendungen laufen auf zwei Servern, einer davon steht in Prag. Über Satelliten und terrestrische Leitungen wurden die Software-Entwicklungen von Hameln nach Tschechien übertragen. Der Server, der Luxemburg und Brüssel bedient, steht in Hameln.

Beim Data-Warehouse der BHW handelt es sich im Grunde um ein Führungsinformationssystem für den Vertrieb. Das Ma- nagement-Informations-System (MIS) der BHW liegt auf einem Server und wird vom Außendienst genutzt. Man erwartet hier ein enormes Wachstum des bisherigen Datenumfangs. Mit der Ende 1997 erreichten Endausbaustufe steht ein Plattenspeicherplatz von 170 GB bereit. Von der Einrichtung des Data-Warehouse sollen das Zentral-Controlling, rund 150 Kostenstellenleiter, der etwa 150 Mann starke Führungsaußendienst sowie die Geschäftsführung der fünf strategischen Unternehmenseinheiten der Bausparkasse profitieren. Diese Anwendergruppen melden einen sehr unterschiedlichen Informationsbedarf an.

Zunächst wurde für das Datenbankdesign Informix-Online XPS, Version 8, in Verbindung mit RM 1000 in Erwägung gezogen. Realisiert wurde es auf Basis von Informix 7.21 und RM 600.

Wie funktioniert das Führungsinformationssystem für den Außendienst?Zunächst werden die Daten auf dem MVS-System extrahiert und auf dem Unix-System in einer Datenbank gesammelt. Die Aufbereitung der unterschiedlichen Datenvolumen ist Aufgabe des OLAP-Tools (Online Analytical Processing) "Cognos Powerplay". Die daraus entstehenden Würfel, die eine mehrdimensionale Sicht auf strategische Informationen erlauben, werden als "Flat File" auf die PCs des Außendienstes verteilt. Um solche Analyseangebote künftig auch über das Internet verfügbar zu machen, wird derzeit der Einsatz der Cognos-Browser-Variante evaluiert.

Eine weitere Anwendung aus dem MIS-Komplex ist die Marketing-Datenbank (MDB). Sie dient mehreren Zwecken: als Basis des Call-Centers der BHW Gruppe, als Basis neuer Medien wie zum Beispiel Home-Banking sowie als Basis für Data-Mining, das bei der Analyse des Kundenstamms Verwendung findet. Die Datenbank wird 1998 rund 4,5 Millionen Adressen von Kunden und anderen Interessenten speichern, um Verhaltensprofile, Cross-Selling-Potentiale und Zusammenhänge mit soziografischen Daten analysieren zu können. Schließlich, so die Planung, soll das Data-Warehouse auf eine Größenordnung von bis zu 4 Terabyte anwachsen.

In Sachen Datenbankarchitektur setzt BHW auf den Informix-Online-Dynamic-Server, Version 7.21, auf Basis einer SNI-Reliant Unix 5.43. Geschrieben wurde die bei der BHW Immobilien eingesetzte Software mit Informix- 4GL. Bei der Vernetzung entschied sich die BHW für das Protokoll TCP/IP auf Ethernet. Über ODBC erfolgt die technische Anbindung der Server an das Archivsystem. Anwendungen werden mit Hilfe von Transaktionsmonitoren geschrieben, weil man in der Bausparkasse davon überzeugt ist, nur so große Anwendergruppen bedienen zu können.

Insgesamt stehen 2500 Rechner für 3500 Arbeitsplätze zur Verfügung. Jeder installierte PC ist mit Word und Excel ausgerüstet. Die gesamte Unix-Welt des Unternehmens arbeitet mit SNI-Rechnern RM 600, die mit jeweils mindestens sechs CPUs und 512 KB Hauptspeicher konfiguriert sind.

BHW

Die BHW-Gruppe, Hameln, gehört zu den führenden Unternehmen im Bereich der Baufinanzierung. Sie arbeitet mit insgesamt 4800 festen Mitarbeitern und 18000 freien Verkaufsberatern. Im Bereich der Bausparkassen werden derzeit 4,6 Millionen Verträge bei 2,7 Millionen Kunden im Wert von 175 Milliarden Mark betreut. 1,5 Millionen Verträge im Wert von 24 Milliarden Mark betreut die BHW Leben.

Angeklickt

Wie Banken und Versicherungen müssen auch Bausparkassen ihre DV-Strukturen an neuen Herausforderungen ausrichten. Über einen Mangel an Informationen indes wird sich niemand beklagen. Entscheidend ist es, die Ressourcen schneller als bisher zu nutzen und sie dem einzelnen Anwender bei Bedarf zu servieren. Und zwar nicht als Meterware, sondern in Gestalt von Information "at your fingertip".

Wolfgang Giese ist Leiter Realisierungsunterstützung bei der BHW Bausparkasse AG in Hameln.