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25.08.2000 - 

Wieder positiver Cash-Flow

Datadesign: Dem Verlierer von einst gelingt das Comeback

MÜNCHEN - Der neue Kurs der im letzten Jahr in heftige Turbulenzen geratenen Datadesign AG zeigt erste Erfolge. Im ersten Halbjahr 2000 gelang es dem Münchner Anbieter von Transaktionslösungen via Internet, den Umsatz deutlich zu steigern und die Verluste zurückzufahren. Von Andrea Goder*

"Wir sind davon überzeugt, den Turnaround geschafft zu haben", gab sich Vorstandschef Roy von der Locht bei der Präsentation der Halbjahreszahlen 2000 in München zuversichtlich. Mit 11,6 Millionen Mark Umsatz hat das am Neuen Markt gelistete Unternehmen, das im letzten Jahr wiederholt mit Ertragswarnungen enttäuschte, fast schon die gesamten Vorjahreseinnahmen (12,5 Millionen Mark) erreicht.

Dass es von der Locht, der seit genau einem Jahr an der Spitze der Münchner Softwareschmiede steht, offenbar gelungen ist, das Ruder noch einmal herumzureißen, wird auch an der Ergebnisentwicklung deutlich. Nach zwölf Millionen Mark Verlust im letzten Jahr kletterte der Fehlbetrag in den ersten sechs Monaten dieses Jahres zwar nochmals auf 4,5 Millionen Mark. Im zweiten Quartal lag der Verlust allerdings nur mehr bei 360000 Mark und für den Monat Juni konnte erstmals wieder ein operativer Gewinn von 900000 Mark ausgewiesen werden. "Unser Ziel ist für dieses Jahr eine schwarze Null", erklärte der Datadesign-Chef, der das Unternehmen 2001 in die Gewinnzone führen will.

In die bedrohliche Schieflage schlitterte das seit November 1998 am Neuen Markt gelistete Unternehmen vor allem durch eine falsche Produktstrategie, unrealistische Business-Pläne und mangelhafte Management-Strukturen. In der Folge musste auch Ex-Vorstandschef und Gründer Stefan Pfender den Hut nehmen.

Wie von der Locht erläuterte, konnte der starke Liquiditätsabfluss in den zurückliegenden Monaten durch ein straffes Kosten-Management gestoppt werden. "Wir haben keine Burn-Rate mehr", betonte der Vorstandschef in Anspielung auf die in den letzten Wochen kursierenden Todeslisten. Jetzt gehe es vielmehr darum, die eigene Marktposition zu stärken. In der Vergangenheit sei durch die fehlende Fokussierung eine Konkurrenzsituation zu vielen anderen Unternehmen entstanden. Davon abgesehen ist nach Ansicht des Firmenchefs der Internet-Banking-Markt auch bereits gesättigt, was vor allem für Deutschland gelte.

Von der Locht sieht die Zukunft des Unternehmens deshalb vor allem im neuen Geschäftsbereich "E-Contracting". "Erst die rechtsgültige Authentifizierung und Vertragsabwicklung werden dem E-Business zum Durchbruch verhelfen", ist der Münchner Firmenchef überzeugt. Die Weichen hierfür sind gestellt. Neben Deutschland haben auch bereits die Regierungen in den EU-Staaten und die USA der digitalen Signatur grünes Licht gegeben.

2001 sollen Geschäfte im Internet, die unter Verwendung digitaler Signaturen abgewickelt werden, dann rechtskräftig werden.

Anwender so genannter E-Contracting-Lösungen sind vor allem E-Banking- und Online-Shop-Anbieter, B-to-B-Betreiber, genauso aber auch Behörden und Versicherungen. Bereits im laufenden Geschäftsjahr will Datadesign 20 Prozent der erwarteten 33 Millionen Mark Umsatz im Bereich elektronischer Vertragsabwicklung erzielen. Knapp 50 Prozent sollen es bereits 2001 sein. Mit der forcierten Neuausrichtung des Softwarehauses verbindet von der Locht außerdem das Ziel, die Lizenzeinnahmen in den nächsten Jahren auf über 60 Prozent zu steigern.

Zu diesem Zweck sind Kooperationen auf verschiedenen Ebenen geplant, etwa im Client-Bereich, auf der Middleware-Plattform oder im Front-Office. Gleichzeitig soll mit dem Aufbau eines internationalen Vertriebs- und Partnernetzes die momentan noch starke Abhängigkeit vom deutschen Markt durchbrochen werden. Für dieses Jahr erwartet der Münchner Softwarespezialist knapp drei Millionen Mark Umsatz mit Kunden im Ausland.

Darüber hinaus will von der Locht in den nächsten Monaten verstärkt Liquidität aufbauen. Um den Fokus des Unternehmens klar zu akzentuieren, wurde bereits die defizitäre Tochter Compair Fair GmbH, ein Online-Informationsforum für E-Commerce, veräußert. Weitere liquide Mittel sollen in den nächsten Wochen mit dem Verkauf von Anteilen an der Software-4-You GmbH in die Kassen des Unternehmens fließen. Damit trennt sich Datadesign von dem auf E-Commerce-Individualentwicklungen spezialisierten Münchner Softwarehaus, bei dem von der Locht vormals Mitbegründer und Geschäftsführer war und das 1998 mit Datadesign fusioniert hatte. Mit einem Freefloat von 65 Prozent und einer mittlerweile überzeugenden Produktpalette sind die Münchner allerdings auch selbst vor einer Übernahme nicht gefeit.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.