Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

24.08.2001 - 

Mobile Devices/Neuer Trend beim Data Warehousing

Datamobil mit Wireless Devices

Mobile Commerce hat sich bisher nicht als der erhoffte Renner erwiesen. Doch auch wenn enttäuschte M-Commerce-Anwender feststellen mussten, dass WAP das Internet nicht aufs Handy bringt, haben drahtlose Anwendungen beispielsweise im Bereich Data Warehouse Zukunft. Von Rainer Dörfler*

Aussendienstmitarbeiter kennen die Situation: Sie haben sich mit Hilfe von Reports und Analysen akribisch auf ein Kundengespräch vorbereitet. Doch dann ergeben sich vor Ort Fragestellungen, die bei der Vorbereitung noch nicht absehbar waren. Bisher bestand die einzige Verbindungsmöglichkeit zum Data Warehouse darin, den Kollegen per Telefon oder E-Mail zu bitten, eine bestimmte Information aus dem Data Warehouse zu schicken. Abhilfe schafft hier der Zugriff auf Data-Warehouse-Anwendungen über Mobile Devices, beispielsweise über WAP-fähige Handys. Damit haben die Mitarbeiter jederzeit Zugriff auf aktuelle Data-Warehouse-Analysen. Und zwar nicht nur auf statische Reports: Sie können ihre Informationen aus verschiedenen Datenquellen zusammenstellen, das heißt ad hoc und dynamisch erzeugen. Außerdem lassen sich im Idealfall sogar Analysen des Datenbestandes durchführen. Die Ergebnisse des Kundenbesuchs können die Außendienstmitarbeiter wieder per Handheld oder Handy an das Data Warehouse zurückspielen.

Für das US-Unternehmen Vitagen spielt mobiles Data Warehousing auf Basis der Wireless Solutions von SAS eine lebenswichtige Rolle - im wahrsten Sinne des Wortes. Das kalifornische Biotech-Unternehmen stellt eine künstliche Leber (Extracorporeal Liver Assist Device = Elad) her: Dieses mit echten Leberzellen angereicherte Ersatzorgan ist in der Lage, für etwa zehn Tage die Funktionen der menschlichen Leber zu übernehmen. Zumindest vorübergehend hilft es damit Patienten, die auf eine Transplantation warten oder krankheitsbedingt an einer Leber-Dysfunktion leiden. Derzeit wird Elad in einer klinischen Studie getestet.

Das Studiendesign sieht vor, dass ein Teil der Patienten Elad erhält, während die Kontrollgruppe mit herkömmlichen Therapien behandelt wird. Die Entscheidung, in welche Behandlungsgruppe ein Patient aufgenommen wird, muss oft innerhalb weniger Minuten fallen. An diesem Punkt kommen Abfragen an das SAS-Data-Warehouse ins Spiel: In diesem Datenlager sind alle Patientendaten der klinischen Studie gespeichert und auf einer nur Vitagen-Mitarbeitern zugänglichen Website hinterlegt. Diese können via Internet und Palm auf die Daten zugreifen - und ein Programm starten, das die Patienten randomisiert, das heißt sie nach dem Zufallsprinzip einer Gruppe zuweist.

Künstliche Leber via PalmUnabhängig davon, in welchem Bereich das drahtlose Data Warehouse zum Einsatz kommt: Ein entscheidendes Kriterium für die Akzeptanz seitens der User ist die Geschwindigkeit. Der Außendienstmitarbeiter wird nicht minutenlang warten, bis das gewünschte Abfrageergebnis auf dem Display erscheint - der Anruf beim Kollegen im Office erscheint dann doch als die bequemere Variante. Genauso wichtig wie die Übertragungsgeschwindigkeit ist die Darstellung der Inhalte. Zwar lassen sich auf dem Display eines WAP-Handys Symbole und in eingeschränktem Umfang auch Tabellen darstellen, doch stößt das Display bei komplexen Inhalten an seine Grenzen.

Die Zukunft des "Data-Mobils" gehört daher Endgeräten mit großflächigen Displays, zum Beispiel Notebooks, Palms und anderen Handhelds, die über breitbandige drahtlose Netze auf angepasste JSP/HTML-basierende Inhalte zugreifen. Zu den Breitbandverbindungen gehört beispielsweise das Wireless LAN. Außerdem gibt es im Bereich der mobilen Telefonie in Europa den GSM-Standard (Global System for Mobile Communications). Dieser Standard kann über verschiedene Übertragungsverfahren - auch Bearer genannt - für bestimmte Dienste genutzt werden: zum Beispiel WAP oder SMS (Short Message Service). Ein schnelles GSM-basierendes Übertragungsverfahren ist GSM HSCSD (High Speed Circuit Switched Data), das über Kanalbündelung Datenübertragungsraten von 76,8 Kbit pro Sekunde erlaubt. Vor der Einführung steht das GSM Packet Radio Service (GPRS) mit maximalen Transferraten von 160 Kbit pro Sekunde.

Web-fähiges Data WarehouseWie gelangen Data-Warehouse-Inhalte auf die mobilen Endgeräte? Von einem bereits vorhandenen Web-fähigem Data Warehouse ist es nur ein kleiner Schritt bis zur drahtlosen Anbindung. Web-Fähigkeit heißt: Die gesamte Data-Warehouse-Umgebung inklusive Mainframe-Daten und -Anwendungen wird auf einem Application Server verwaltet, auf den die Mitarbeiter im Unternehmen je nach Berechtigung über einen Thin Client, also über einen Web-Browser, zugreifen.

Obwohl auf dem Rechner der Mitarbeiter keinerlei Data-Warehouse-Software installiert ist, ist es den Nutzern möglich, auf die enormen Datenbestände und Analysefähigkeiten des Data Warehouse zurückzugreifen. Anwender können so beispielsweise statische Berichte im HTML-Format abrufen. Über Online Analytical Processing (OLAP) lassen sich aber auch dynamische Reports erzeugen und sogar interaktive Datenanalysen durchführen.

Der überwiegende Teil der Datenverarbeitung findet dabei auf dem Data-Warehouse-Server statt. Für den entfernten Zugriff auf die Rechenleistung des Data Warehouse existieren die unterschiedlichen Verfahren HTML, CGI und Java Server Pages (JSP) parallel nebeneinander, die beliebig miteinander kombiniert werden können: Kein Data Warehouse ist wie das andere.

Standardvielfalt kein ProblemManchmal ist es sinnvoll, nur CGI einzusetzen, für andere Fälle eignet sich eine Programmierung auf Basis der offenen, weil plattformunabhängigen Sprache Java. Gerade für dynamisch Data-Warehouse-Anfragen via Web und Wireless Devices bieten JSP einige Vorteile, da sie dynamische erzeugte Abfragen mit dem statischen Inhalt einer HTML-Seite kombinieren können. Hierbei werden die dynamischen Teile vom statischen Code durch gesonderte Tags getrennt. Die SAS-Entwicklungssuite "Appdev Studio" beispielsweise bietet die Möglichkeit, alle genannten Verfahren zu unterstützen. Die darin enthaltene Entwicklungsumgebung Webaf ist dabei auf das schnelle Programmieren von dynamischen Java-Anwendungen spezialisiert.

Die größte Herausforderung beim "Übersetzen" von Data-Warehouse-Inhalten ins mobile Format ergibt sich aus der Vielfalt der verschiedenen Endgeräte, die mit unterschiedlichen Standards arbeiten. Um Web-Inhalte über einen WAP-Browser anzuzeigen, werden sie mit Hilfe der Wireless Markup Language (WML) dargestellt. Für Microbrowser auf Windows-CE-basierenden Geräten hat sich HDML (Handheld Device Markup Language) als Seitenbeschreibungssprache etabliert.

So unterschiedlich wie die Geräte und Standards sind auch die mobilen Data-Warehouse-Anwender: Der Sales-Spezialist arbeitet mit einem WAP-Handy, die Netzadministratorin bevorzugt für ihre Aufgaben einen Windows-CE-basierenden PDA, während dem Kollegen vom Marketing am besten mit einem Palm gedient ist. Um nicht jedes potenzielle Endgerät des Unternehmens mit einer speziellen Anwendung ausstatten zu müssen, sollte die Kommunikation zum Data Warehouse über eine einheitliche Schnittstelle laufen - der Programmieraufwand wird so gering gehalten.

Mit Java-Entwicklungsumgebungen wie Webaf lässt sich eine solche universelle Schnittstelle programmieren. Dieses Interface ist in der Lage, das Ergebnis des Rechenvorgangs im Data Warehouse in die jeweilige Markup-Sprache zu übersetzen. Webaf bedient sich dabei eines bestimmten Typs von Java Beans, der Ipages. Ipages sind intelligente Java Transformation Beans, mit denen sich die Markup-Sprache für den anfragenden Client automatisch einstellt.

Der Markup erzeugt daraufhin die entsprechenden Java-Server-Pages: Startet ein User von unterwegs eine Anfrage an eine Java-Server-Page mit integrierter Ipage, produziert das Ipage Bean entweder WML (Wireless Markup Language) oder HDML - je nachdem, mit welchem Browser-Typ das verwendete Endgerät arbeitet. Wenn ein anderer Anwender mit dem Internet-Explorer auf die gleiche Site zugreift, setzt Ipage die Inhalte in HTML um.

An die Infrastruktur des IT-Netzwerkes im Unternehmen stellt das mobile Data Warehousing keine speziellen Anforderungen. Die wichtigste Voraussetzung besteht darin, dass sich das verwendete mobile Gerät in ein drahtloses Netz einbuchen kann, zum Beispiel über eine Wireless-LAN-Karte oder künftig auch mit einem Bluetooth-Modul. Der Zugriff auf den Application Server erfolgt dann auf dem üblichen Weg über den Aufruf einer URL aus dem Browser heraus. Für die Kommunikation mit einem WAP-Handy muss im Netzwerk als zusätzliche Komponente lediglich ein WAP-Gateway installiert werden. Mit dem neuen WAP-Standard 1.2 sind neben aktiven Anfragen (Pull) seitens der mobilen User auch Push-Funktionen realisierbar. Ein denkbares Szenario für eine Push-Anwendung aus dem Bereich IT-Management: Beim Überschreiten eines bestimmten Schwellenwertes, etwa der CPU-Auslastung, erhält der Netzwerkadminstrator ein Alarmsignal - und kann sofort entsprechende Maßnahmen einleiten. Bedingt durch die dritte Mobilfunkgeneration UMTS zeichnen sich am Horizont neue Verfahren und Applikationen ab. "Die" Killerapplikation gibt es zwar noch nicht, doch rechnen Unternehmensberater wie Mummert + Partner fest damit, dass sich der Standard mit Spitzen-Übertragungsraten von 2 Mbit pro Sekunde vor allem im B-to-B-Bereich schnell verankern wird. Data-Warehouse-Inhalte lassen sich dann sehr schnell auf die Displays der Endgeräte bringen. Welche Endgeräte der neue Netzstandard allerdings hervorbringen wird, steht noch in den Sternen - beziehungsweise in den Business-Plänen der UMTS-Lizenz-Nehmer.

*Rainer Dörfler ist Product Manager Technical Competence Center bei SAS Deutschland in Heidelberg.