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06.11.1987 - 

Edelman interessiert sich für Airline-Terminal-Hersteller:

Datapoint-Chef spekuliert auf Telex Corp.

TULSA/NEW YORK (CW) - Der New Yorker Spekulant Asher B. Edelman, der in den letzten Jahren schon die DV-Unternehmen MAI/ Basic Four, Mohawk Data Systems und Datapoint/Intelogic Trace unter seine Kontrolle gebracht - und zum Teil weiterverkauft - hat, schielt jetzt nach der Telex Corp. und ihrem starken Airline-Geschäft. Allerdings durchkreuzte der "Wall Street Crash II" vorerst seine Pläne.

An dem Tag, an dem diese COMPUTERWOCHE erscheint, entscheidet es sich. Am Stichtag 6. November (24.00 Uhr Ortszeit New York) läuft das Tender-Angebot der Firma TLX Acquisition Corp. aus, alle umlaufenden Aktien der Telex Corp., Muttergesellschaft der Telex Computer Products Inc., zu einem Preis von 65 Dollar zu übernehmen. Damit wird heute nacht auch feststehen, ob Telex demnächst zu Datapoint gehört: Hinter der eigens für die Telex-Übernahme gegründeten TLX Acquisition Corp. steht eine (ebenfalls neue) Holding namens TLX Partners - und diese Partner sind die beiden von Edelman kontrollierten Firmen Datapoint Corp. und Intelogic Trace Inc.

Kurs auf über 70 Dollar in die Höhe getrieben

Edelman hatte seinen "Proxy fight", die Übernahmeattacke, Mitte September gestartet - kurz nach der Veröffentlichung der Telex Corp., daß der Quartalsgewinn nicht wie erwartet 1,50 Dollar betragen werde, sondern um ein rundes Drittel weniger. Wie an der Wall Street üblich, reagierte der Markt sofort. Der Kurs sank. Edelman kaufte zu einem durchschnittlichen Kurs von unter 50 Dollar knapp acht Prozent der ausgegebenen Aktien zusammen. Da aber die Börsenaufsicht in den USA nur kleine Beteiligungen ohne vorherige Veröffentlichung zuläßt, mußte der High-Tech-Spekulant den Aktionären ein offizielles Angebot machen. Am 9. Oktober lancierte er die Offerte über seine TLX: 65 Dollar pro Aktie - oder fast 900 Millionen Dollar für die ganze Firma. Die plötzliche Nachfrage trieb den Telex-Börsenkurs auf über 70 Dollar.

Das Telex-Management, das zwar einer Übernahme nicht grundsätzlich negativ gegenübersteht, aber keine Ambitionen hat, sich Edelmans bekannt rigorosem Führungsstil zu beugen, war erleichtert. Daß der Spekulant noch weitere 70 oder mehr Millionen Dollar drauflegen würde, war nicht sehr wahrscheinlich. Dann kam der Knall: Am "Schwarzen Montag", dem 19. Oktober, sackte der Dow-Jones-Index um 500 Punkte, und Telex geriet mit in den Strudel. Die Aktie rutschte binnen kurzer Zeit bis auf 35 Dollar ab und war bei den folgenden Berg- und Talfahrten in der New Yorker Kurslandschaft mit von der Partie.

Schon am Dienstag traf sich das Board of Directors zu einer Krisensitzung. Das Tender-Angebot - und damit die Gefahr einer Übernahme war wieder akut. In einem Aktionärsbrief warnten President George Bragg und Chairman Stephen Jatras die Anteilseigner vor Panik-Verkäufen, Mit den Wall-Street-Experten von Drexel Burnham Lambert beriet sich der Telex-Vorstand über Gegenmaßnahmen.

Das Board beschloß daraufhin einen Plan, der es den Aktionären schmackhaft machen sollte, die Papiere vorerst zu behalten: Sollte eine Person oder Gruppe wenigstens 15 Prozent der Stammaktien kaufen, dafür aber weniger als 65 Dollar in bar bezahlen oder sich nicht verpflichten, alle Anteile zu übernehmen, gibt Telex pro Stammaktie ein Bezugsrecht für eine weitere Stammaktie zu 2,00 Dollar das Stück aus. Edelman sollte gehindert werden, den Kursrutsch auszunutzen - täte er's, hätte er am Ende die doppelte Zahl an Aktien am Hals.

Inzwischen erklärten sowohl das Board of Directors als auch Drexel Burnham Lambert, sie sähen sich außerstande, den Aktionären vorn Verkauf abzuraten oder ihn ihnen zu empfehlen. Die Telex-Top-Manager führen nun Gespräche mit anderen Unternehmen, die ihnen als neue Muttergesellschaft lieber wären als Edelmans Datapoint. Aus dem Umfeld der Firma war zu hören, daß potentielle Kaufinteressenten nicht nur in den USA zu finden seien; auch ein PCM-Hersteller aus Japan sei im Gespräch. Selbst ein Management-Buyout, also der Kauf der Aktienmehrheit durch die Geschäftsführung, ist nach momentanem Stand nicht ausgeschlossen.