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16.06.1989 - 

Radio Schweiz AG will gemeinsam mit Compuserve neuen Markt erschließen:

Datastar-Mutter plant elektronische Foren

BERN - Nach dem Vorbild des größten amerikanischen "Consumer Information Service", Compuserve, will die Radio Schweiz AG ab nächstem Frühjahr einen neuen Telekom-Dienst in Europa einfuhren. Mit den "elektronischen Foren" wird zunächst der englischsprachige Markt anvisiert, doch die Schweizer wollen auch den deutschsprachigen Raum erobern.

Käufer von amerikanischen Softwarepaketen kennen die Broschüren, in denen die Hersteller ihre elektronische Art der Kundenunterstützung mittels sogenannter Anwenderforen auf Großrechnern anpreisen. In den USA gibt es schon seit Jahren für jedes namhafte Softwareprodukt und jeden Hardwarehersteller ein solches elektronisches Forum, mit dessen Hilfe sich Anwender untereinander über Probleme und Lösungen austauschen können.

Am bekanntesten für diese Dienstleistungen ist Compuserve, das mit derzeit über 500 000 aktiven Abonnenten gleichzeitig das größte derartige Netzwerk ist. Neben computerbezogenen Foren gibt es auch solche zu Freizeitthemen (zum Beispiel Reisen, Sprachen, Sport) oder berufsbezogene (etwa für Juristen, Journalisten, Börsenhändler). Auch können Finanz- und Börsendaten abgerufen und Datenbanken konsultiert werden.

Schon Anfang der 80er Jahre schwebte Heinz Ochsner, Direktor der Radio Schweiz AG, ein derartiger Dienst für Europa vor. Bei ersten Kontakten zu Compuserve zeigte man ihm damals in Columbus/Ohio die kalte Schulter. Im letzten Jahr waren es jedoch die Compuserve-Manager, die sich nach Europa auf Partnersuche aufmachten - und diesmal mit dem Schweizer handelseinig wurden.

Vorerst wurde ein Pool-Vertrag zwischen Compuserve, einer Tochter der Steuerberatungsfirma HR Block Inc., sowie der Schweizer Firma Tele-Columbus etabliert. Im Rahmen dieses Vertrages wird am 14. Juni in Bern die eigentliche Joint-venture-Firma gegründet; sie wird voraussichtlich den Namen Teleserve Forum" tragen. Die im Motor-Columbus-Konzern beheimatete Radio Schweiz AG wird sich mit 65 Prozent beteiligen, Compuserve mit 35 Prozent. Von dem Schweizer Anteil können 14 Prozent an Dritte veräußert werden. Die Radio Schweiz wird dann in ihrem Rechenzentrum, das mit Datastar auch einen der größten Datenbankdienste Europas beherbergt, das künftige Teleserve-Angebot abwickeln.

Die Betreiber gehen davon aus, daß die Abonnenten die Rechner vor allem nachts benützen, wenn die Kunden von Datastar kaum aktiv sind. Mit der heutigen Radio Schweiz AG und ihren Produkten soll Teleserve indes nur das Rechenzentrum gemeinsam haben; sonst will man den High-end- und den Low-end-Markt strikt auseinanderhalten.

Während Compuserve über die Jahre zu seiner heutigen Form gewachsen ist, muß Teleserve in kürzester Zeit flügge werden. Ochsner will deshalb Computer- und Softwarefirmen in Europa für diese neuartige Form der Anwenderunterstützung interessieren. Wichtige Stütze dürften dabei die zahlreichen schon bestehenden Anwendergruppen sein. Wer bei Teleserve ein Forum aufmacht und betreibt, wird am Umsatz (in Online-Stunden) beteiligt.

Die wichtigste Sprache werde sicher Englisch seine so der Schweizer Manager, doch populäre Foren sollen in mehreren Sprachen eingerichtet werden. Schon im Herbst dieses Jahres- soll es von der Schweiz und Großbritannien aus möglich sein, Compuserve über das Netzwerk der Radio Schweiz zu erreichen. Von Birmingham aus sollen dann im Frühling 1990 die ersten englischsprachigen Foren für Europa aufgebaut werden. Anschließend soll der deutschsprachige Raum angegangen werden. Die Forumssoftware auf den Radio-Schweiz-Rechnern soll zudem - unabhängig von Teleserve - für den heutigen Datastar-Kundenkreis eingesetzt werden, Forscher sollen in eigenen Konferenzen, möglichst ungestört vom Publikum, ihre Ideen diskutieren können.

Eidgenossen vermarkten Datenbanken bald weltweit

Noch ist nicht festgelegt, wie Teleserve die Kunden zur Kasse bitten wird. Auf separate Tarife für verschiedene Abfragegeschwindigkeiten will man verzichten. Der durchschnittliche Anwender solle nicht mehr als 30 bis 40 Mark pro Stunde bezahlen müssen, kalkuliert Ochsner.

Durch die transatlantische Zusammenarbeit wird zudem auch eines der größten E-Mail-Netze der Welt entstehen. Schon heute sind alle Compuserve-Kunden mit MCI-Mail verbunden; Datamail ist mit Telemail von Telenet verknüpft. Es ist anzunehmen, daß die Zusammenarbeit bald noch weiter gehen wird: Compuserve dürfte interessiert sein, seinen Anwendern die Datastar-Datenbanken feilzubieten. Und auch im Bereich der Netze dürfte sich ähnliches anbahnen: Tele-Columbus hat kürzlich die ITT World Communications gekauft.