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07.10.1994

Datawarehouse auch beim Qualitaets-Management SAS realisiert ein integriertes QM-System bei Chemiekonzern

Von Johann Glas*

Total Quality Management und ISO 9000 sind Begriffe, die in den letzten Jahren fuer Aufsehen sorgten. Zur Absatzsicherung im internationalen Wettbewerb wurde bei der Freiburger Nylstar GmbH bereits 1991 eine Zertifizierung nach DIN ISO 9001 durchgefuehrt. Das Qualitaets-Management bedient sich dabei eines umfangreichen Informationssystems, das aus PCs, VAX-Rechnern, einer SAS- Anwendung, einer Ingres-Datenbank und verschiedenen Messsystemen besteht.

Bei Nylstar handelt es sich um ein Joint-venture von Rhone-Poulenc und Snia Fibre, einem international taetigen Konzern zur Herstellung von Chemiefasern fuer Textilien. Um im Wettbewerb bestehen zu koennen, muss das Unternehmen sein Qualitaets-Management kontinuierlich ausbauen. Besonders bei der Einfuehrung neuer Produkte spielen Qualitaetsaspekte eine wichtige Rolle.

Eine zentrale Stellung nimmt dabei eine SAS-Anwendung ein, die alle relevanten Daten fuer die Qualitaetssicherung aufbereitet und die Ergebnisse den Verantwortlichen zur Verfuegung stellt. "Durch die konsequente Umsetzung des Datawarehouse-Gedankens im Bereich der Qualitaetssicherung wird eine bereichsuebergreifende Transparenz geschaffen", so Max Kohlberger, Leiter der Statistikabteilung von Nylstar.

Die Arbeitsplaetze in der Qualitaetsabteilung des Unternehmens wurden mit PCs und Messsystemen ausgestattet, von denen aus die Daten sofort an eine zentrale Datenbank weitergeleitet werden. In regelmaessigen Abstaenden bereitet die SAS-Anwendung die Daten statistisch auf und uebermittelt die Ergebnisse an eine Informationsdatenbank.

Das Qualitaetsinformationssystem erlaubt den Zugriff sowohl auf die Informationsdatenbank als auch online auf die operativen Daten der zentralen Datenbank. Dadurch sind die Mitarbeiter in der Lage, sofort Gegenmassnahmen zu ergreifen, wenn bestimmte Werte im Produktionsablauf nicht eingehalten werden. Neben der Qualitaetssicherung nutzen hauptsaechlich die Meister in der Fertigung die Software fuer die Kontrolle des Produktionsprozesses. Ausserdem geht in regelmaessigen Abstaenden ein Report ueber den aktuellen Qualitaetsstand an das Management.

Bei der Gestaltung der Programmoberflaeche wurde darauf geachtet, dass die aktuellen Qualitaetszustaende auf den ersten Blick zu erkennen sind. Entscheidend fuer den Erfolg des Systems ist die einfache Handhabung sowie eine Reduzierung der Informationen auf die wesentlichen Grunddaten. Detailliertere Angaben lassen sich durch einfaches Anklicken mit der Maus auf dem Bildschirm abrufen. Zu diesem Zweck benutzt die Anwendung durchgehend Praesentationstechniken wie grafisches Drill-down und Traffic- Lighting. Ein Beispiel: Laeuft bei der Qualitaetskontrolle der Produkte etwas schief, so ist die entsprechende Komponente, die die Standards nicht erfuellt, auf der grafischen Benutzeroberflaeche des PCs in Rot dargestellt. Ist dagegen alles in Ordnung, wird dies durch gruene Farbe signalisiert. Tritt ein Fehler auf, gibt das System sofort eine Warnmeldung an den Mitarbeiter.

Bei Nylstar war man sich von Anfang an darueber klar, dass nur eine einfach zu bedienende Software von den Mitarbeitern schnell akzeptiert werden wuerde. Deshalb fiel die Wahl durchgaengig auf leicht zu handhabende Programmoberflaechen, die vom Endanwender interaktiv zu bedienen sind.

Die Anwendung stellt ausserdem die Qualitaetsdaten nach verschiedenen Kriterien auf dem Bildschirm dar. Die Ergebnisse lassen sich beispielsweise als Qualitaetsregelkarte, als Verteilungstest und -kurve oder als Trendanalyse grafisch anzeigen. Bei den Auswertungen der Qualitaetsmaengel ermittelt das System unter anderem die durchschnittliche Fehlerzahl pro Tag.

Ausserdem sorgen verschiedene Verteilungstests und grafische Darstellungen fuer zusaetzliche Informationen, um bei Stoerungen spezielle Gegenmassnahmen ergreifen zu koennen. Ausgewertet werden beispielsweise Festigkeit, Dehnung, Remission, Fixpunkte und die Oelauflage der Produkte. Das Qualitaetsinformationssystem berechnet dabei die Daten der verschiedensten Produktvarianten. Die Stueckzahlen belaufen sich jeweils auf mehrere tausend Einheiten im Monat. Wichtig ist deshalb die Ermittlung der Daten in Echtzeit, damit moegliche Fehlerquellen sofort bemerkt werden koennen.

Das Qualitaetsinformationssystem misst viele Faktoren. So werden verschiedene Eckwerte wie etwa der durchschnittliche Fehleranteil, Mittelwerte und Streuungen unter anderem als Report, Regelkarte und Grafik angezeigt. Ausserdem ermittelt die Software noch die haeufigsten Fehler und Qualitaetszahlen. Die Mitarbeiter erhalten vom Programm noch weitere Daten wie zum Beispiel Verteilungskurven der Merkmalswerte, die Messwerte ausserhalb der Warngrenzen, eine Trendanalyse sowie Werte zur Prozessfaehigkeit.

Mit den Resultaten des Informationssystems ist nicht nur die Qualitaetsabteilung bei Nylstar zufrieden. Die Daten der Qualitaetssicherung deckten schnell auch andere Schwachstellen im Unternehmen auf. "Durch das umfangreiche Zahlenmaterial und die Auswertung der Ergebnisse waren wir in der Lage, den Produktionsprozess genauer zu analysieren und auf Veraenderungen schneller zu reagieren", so Kohlberger. Mit Hilfe des Datenmaterials liess sich beispielsweise die Reaktionszeit auf Veraenderungen in der Produktion verkuerzen, die Betriebsablaeufe wurden transparenter gestaltet, und die Meister konnten von der operativen Qualitaetssicherung weitgehend entlastet werden.

Wer allerdings glaubt, mit der Implementierung des Qualitaets- Managements waere die Arbeit zum groessten Teil erledigt, befindet sich im Irrtum. Das System muss beispielsweise fortlaufend an neue Geraete oder einen modifizierten Produktionsablauf angepasst werden. Auch neue Regelungen des Gesetzgebers koennen dazu fuehren, dass die Qualitaetsabteilung weitreichende Aenderungen vornehmen muss. Fuer den erfolgreichen Einsatz eines Qualitaetsinformationssystems ist deshalb eine anpassungsfaehige und flexible Software ausschlaggebend.

Trotz oder wegen der Erfolge gibt man im Hause Nylstar auch Schwierigkeiten bei der Einfuehrung des Systems freimuetig zu: "Unser groesstes Problem war die Integration in die vorhandene Hardware-Umgebung. Heterogenitaet und verteilte Datenhaltung sind hier die hinlaenglich bekannten Stichworte.

ISO 9000 - ein lohnendes Geschaeft

Das Regelwerk der ISO ist inzwischen in 70 Laendern anerkannt und soll bei der Qualitaetssicherung einen internationalen Mindeststandard garantieren. Zu den vehementesten Befuerwortern gehoert die Autoindustrie. Hier ist das Guetesiegel fuer die Zulieferer entscheidend, um mit den Herstellern im Geschaeft zu bleiben. Zertifizierer sind in Deutschland beispielsweise die Technischen Ueberwachungsvereine (TUEV) und die Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Qualitaets-Management-Systemen (DQS). Das begehrte Zertifikat kostet im Schnitt zwischen 20000 und 30000 Mark; dazu kommt, dass die Pruefung alle drei Jahre wiederholt werden muss. Nach Schaetzungen der DGQ betraegt das Marktvolumen fuer die Zertifizierung etwa vier Milliarden Mark. Zur Zeit ist Deutschland, was die Anzahl der Zertifikate anbelangt, noch Entwicklungsland. Die Qualitaetswaechter schaetzen jedoch, dass hierzulande in den naechsten Jahren ueber 200000 Unternehmen das Zertifikat erwerben wollen.