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28.03.1980 - 

Der Schlüssel für die Organisation im Autohaus:

Datel-Dialog nach Flop mit der MDT

Der Vorstoß dedizierter Kleinrechner-Systeme in die Fachabteilungen größerer Unternehmen hat seine Parallele in der Implementierung schlüsselfertiger Systeme in kooperativ geführten Unternehmensverbänden; zum Beispiel zwischen Kfz-Herstellern und Autohäusern. Dort erfüllen Turnkey-Systeme im Kleinbetrieb häufig die gleichen Aufgaben wie in der Fachabteilung eines größeren Unternehmens. Vom theoretischen Ansatz her betrachtet ist das eine wie das andere lupenreines Distributed Processing. In der Kfz-Branche bedeutet dies beispielsweise: Harmonisierung und Abstimmung der Interessen zwischen der Zentrale (Kfz-Hersteller) und dem Anwender (Kfz-Händler). Walter Lönneker, freier EDV-Journalist, beschreibt die Erfahrungen des Essener Autohauses Theo Decker.

Das Autohaus Theo Decker in Essen beschloß vor etwa einem Jahr, ein Datenverarbeitungs-System einzusetzen. "Es bleibt einem Kfz-Betrieb heute nicht erspart, sich mit Fragen der Elektronischen Datenverarbeitung zu beschäftigen", meint Theo Decker, Gründer und Chef des Essener Autohauses, "denn Mitarbeiter, die man benötigen würde um zu erfahren, wie das Unternehmen steht, welche Artikel laufen und welche nicht, sind viel zu teuer für ein mittelständisches Unternehmen. Hinzu kommt, daß die Informationen in der Regel nicht mehr stimmen, weil sie durch die Entwicklung längst überholt sind.

Aus diesem Grunde glaube ich, daß wir mit Hilfe eines EDV-Systems unsere Daten schneller, aktueller und letztlich auch wirtschaftlicher erhalten können" begründete der Chef seinen Entschluß. Das Essener Autohaus entschloß sich, ein MDT-System zu installieren, Die "Erstinstallation" verlief nicht zur Zufriedenheit des Kfz-Betriebes, da der verantwortliche EDV-Hersteller nicht in der Lage war, die - zugesagten - Anwendungsprogramme zur Verfügung zu stellen. Dadurch kam es nie zu einem echten Einsatz des MDT-Computers.

Das Essener Autohaus hatte bereits zweieinhalb Jahre am IDS (International Dealer Service) der Datel GmbH, München, teilgenommen. Das System kann auf drei Ebenen angewendet werden. IDS/1 ist eine reine "Außer-Haus"-Lösung: Im Kfz-Betrieb werden die Daten zum Beispiel aus dem Lagerwesen - auf entsprechenden Listen markiert und zum Rechenzentrum gesandt. Dort erfolgen Verarbeitung und Auswertung. Anschließend werden Statistiken und Berichte zum Anwender gebracht. Im Rahmen von IDS/2 werden Datenerfassungs-Terminals beim Kfz-Anwender installiert; die eigentliche Verarbeitung erfolgt auch hier im Rechenzentrum. Erst bei der "Level-3-Lösung" (IDS/,3) wird ein dialogorientiertes Datenverarbeitungs-System im Kfz-Betrieb installiert und - von der Datel - mit branchenspezifischen Anwendungsprogrammen für alle Leistungsbereiche eines Autohauses implementiert. Die Level-3-Lösung stellt ein komplettes, schlüsselfertiges System ("turn-key") für Kfz-Betriebe dar, wobei die Gesamtverantwortung für die Installation (Planung, Installation, Schulung, Programmierung, etc.) bei der Datel liegt.

Sukzessive Installation von IDS/3

Aufgrund der negativen Erfahrungen mit der MDT-Anlage und der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Datel im Rahmen von IDS/1 entschied sich das Autohaus zur Installation einer Level-3-Lösung. Ein solches System wurde unter Federführung der Datel eingerichtet. Seit etwa einem dreiviertel Jahr arbeitet diese Lösung zur Zufriedenheit des Anwenders. Bereits in den ersten Monaten der Nutzung konnten Rationalisierungserfolge verbucht werden.

Das 1958 gegründete Autohaus Theo Decker beschäftigt rund 35 Mitarbeiter. In einem separaten Fertigungsbetrieb werden verschiedene Teile in eigener Regie hergestellt (in erster Linie für British Leyland). Der Neuwagen-Umsatz liegt zur Zeit bei etwa sieben Millionen Mark pro Jahr. Das Ersatzteile-Lager umfaßt 8000 bis 9000 Teile. Vorhanden sind außerdem eine große Reparatur-Werkstatt sowie eine Autolackiererei.

Das IDS/3-System der Datel beinhaltet ein "Paket" aus maßgeschneiderter Hardware-Konfiguration, individuelle Anwendungssoftware sowie der Planung, Beratung und Unterstützung in mit dem EDV-Einsatz zusammenhängenden Fragen. Die Hardware-Konfiguration besteht aus einem System 1000 von Hewlett-Packard. Im Endausbau wird die Autohaus Decker-Applikation neben der Zentraleinheit und zwei Druckern (einer am EDV-System und einer im Ersatzteile-Lager) auch drei bis vier EDV-Arbeitsplätze (Bildschirm mit Tastatur) in den Fachabteilungen umfassen.

Die einzelnen Arbeitsgebiete sollen sukzessive auf den Rechner übertragen werden. Im Rahmen der ersten Ausbaustufe wurde bereits die gesamte Werkstatt-Fakturierung auf EDV umgestellt. Die Verbindung zwischen Werkstatt und Computer wird gegenwärtig noch mit einer Rohrpost-Anlage durchgeführt.

Wesentlich ist, daß zugleich mit der Werkstatt-Fakturierung auch die Lagerwirtschaft gelöst wurde. Organisatorisch bietet sich eine integrierte Bearbeitung zum Beispiel durch die Materialscheine der Werkstatt-Aufträge - auch unmittelbar an. Im Lagerbereich weiß der Kommissionierer (Greifer) auf Knopfdruck nicht nur, ob die gewünschten Teile auf Lager sind, sondern gleichzeitig, woher er sie beschaffen kann und was sie kosten. Diese Informationen werden am Bildschirm angezeigt.

Kraftfahrzeug-Informationssystem

Noch während der Barverkäufe wird die Rechnung erstellt: Nur die Artikelnummer sowie die Anzahl der Teile müssen eingegeben werden. Alles andere erledigt das EDV-System. Der Rechner belastet automatisch das Konto des Kunden und bringt die Lagerbestandsdatei auf den neuesten Stand. Ebenfalls selbständig werden Preis- oder Teilenummern-Änderungen über per Datenträger gelieferte Herstellerinformationen vorgenommen.

Neben den geschilderten Anwendungen ist das komfortable Bestellwesen von Bedeutung: In weniger als einer dreiviertel Stunde wird ein Bestellungsentwurf errechnet, für den der Kommissionierer früher drei Tage benötigt hat.

Auch im Neu- und Gebrauchtwagen-Bereich bietet sich die EDV-Anlage als wertvoller " Mitarbeiter" an. Den Käuferwunsch nach einem bestimmten Gebrauchtwagen beantwortet das System mit der Liste aller in Frage kommenden Fahrzeuge. Die für den Kunden interessanten Wagen lassen sich durch Knopfdruck weiter aufschlüsseln nach Kaufpreis, besonderen Merkmalen, Garantie. Darüber hinaus ermöglicht der Rechner eine sofortige Bewertung des Bestandes an Neu- und Gebrauchtwagen - außer dem Kaufpreis und den Instandsetzungskosten errechnet das System für jeden Wagen auch die allgemeinen Kosten, die Standkosten und die veranschlagten Verkaufskosten. Das Autohaus Theo Decker beabsichtigt 1980 auch die Finanzbuchhaltung per EDV zu bearbeiten.