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21.05.2015 - 

Evernote-Chef

Daten in Europa speichern macht sie nicht sicherer

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Phil Libin ist Chef von Evernote. Und ärgert sich über Gesetz(entwürf)e, die Datenhaltung in einem bestimmten Land vorschreiben.

Wenn einige Regierungen Firmen dazu nötigten, die persönlichen Informationen auf lokalen Servern vorzuhalten, dann sei das "lästig und dumm", sagt Libin - und könne sogar die Chancen von Hackern erhöhen, sich Zugriff darauf zu verschaffen. Die Gesetzgeber in einigen Ländern wollten zwar nichts Böses, so der Evernote-CEO gegenüber dem "Wall Street Journal", aber "sie missverstehen vollkommen, was Daten sind".

Evernote-Chef Phil Libin bei einem Pressetermin in München
Evernote-Chef Phil Libin bei einem Pressetermin in München
Foto: Thomas Cloer

Der Notizdienst Evernote, der als "virtuelles Gedächtnis" Texte, Fotos und andere Daten seiner Nutzer in der Cloud speichert, tut das fast ausschließlich in den USA. "Einige der Gesetzesvorhaben sind wirklich dumm", klagt Libin (welche konkret wollte er nicht sagen). "Und wir müssen uns auch an die dummen halten." Insbesondere im Nachgang der Snowden-Enthüllungen hatten Russland und andere Länder Gesetze erlassen oder vorgeschlagen, die Unternehmen dazu verpflichten, persönliche Daten innerhalb der jeweiligenLandesgrenzen zu speichern. Eine europaweite Vorschrift dafür gibt es nicht; trotzdem tun verschiedene Internetfirmen (darunter Apple, Amazon und Google) das freiwillig, weil sie hoffen, dass das bei ihren Kunden gut ankommt.

Die Länder jedenfalls versuchen, wie sie am besten mit der wachsenden Datenflut - die von Banken, Sozialen Netzwerken und anderen Internetkonzernen gierung aufgesogen wird - umgehen und dabei die Privatsphäre ihrer Bürger möglichst schützen können. Im Zuge dessen sind auch verschiedentlich Forderungen aufgekommen, das sogenannte Safe-Harbor-Abkommen mit den USA aufzukündigen (das den USA einen mit Europa vergleichbaren Datenschutz bescheinigt). Einigen Gesetzgebern und Aktivisten geht Safe Harbor nicht mehr weit genug.

"So funktionieren Daten nicht", ärgert sich Evernote-Chef Libin. "Für uns bedeutet das, dass wir wahrscheinlich einige Jahre lang mehr Zeit und Geld dafür ausgeben müssen, uns Auflagen zu unterwerfen, die letztlich nicht wirklich einen Unterschied machen werden." Der Sicherheit könne dies sogar schaden, wenn die Datenspeicherung dadurch komplizierter werde.

Im Ausland speichert Evernote Daten ausnahmsweise nur im Falle von China, wo ein regelrecht separates Produkt angeboten wird. Dazu habe man sich aus freien Stücken entschlossen und nicht verpflichten müssen, sagt Firmchenchef Libin. "Chinesische Nutzer auf Server außerhalb des Landes zu bekommen ist einfach wirklich problematisch", so der CEO weiter. "Deswegen verlieren die meisten westlichen Firmen gegen die örtlichen Konkurrenten."

Grundsätzlich sei er freilich aufgeschlossen gegenüber schärferen Auflagen für Firmen, wie sie mit Kundendaten umgehen müssen. Für Evernote wäre das in Ordnung, sagt Libin, weil es die Daten seiner Nutzer weder durchsuche noch verkaufe (Evernote wird im Freemium-Modell vermarktet, Reichweite verschafft sich der Dienst über prominente Partnerschaften).

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Horst Ulrich Köther

Es ist schon spannend, wie wenig ein Chef eines Unternehmens, wie Evernote über die Empfindung seiner Kunden weiß. Bei jeder Veröffentlichung eines Datenmißbrauchsskandals steht am Ende der Kette die amerikanische Regierung mit einer ihrer Behörden. Kann man es den paar Leuten, die eine gewisse Sensibilität für ihre Daten haben, verdenken, daß sie Ihre Daten NICHT unter amerikanischem Recht abgelegt haben möchten? Es geht nicht darum, wie sehr wir unseren Regierungen vertrauen, es geht darum, daß wir den Amerikanern nicht vertrauen (sollten). Das einzige, was an Sendungen wie "Person of Interest" nicht stimmt, ist die Menschengruppe, die helfen will. Gegen die NSA (neue Stasi Amerikas) war das Original geradezu dilettantisch. Gruß, HUK

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