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Nordrhein-Westfalen verwaltet den Sonderabfall zentral

Datenbank-Applikation steuert die Entsorgung von Problemmuell

05.03.1993

Muell ist heute ein allgegenwaertiges Thema. Jeder kennt es von der Tonne vor seinem Haus, die woechentlich abgefahren wird - im Amtsdeutsch eine Dienstleistung der kommunal organisierten "Abfallwirtschaft". Daneben ist immer wieder der Problemmuell aus industrieller Fertigung ein brisanter Stoff fuer Nachrichtenmeldungen, wenn Altlasten ans Tageslicht kommen.

So gesehen, plant das Land Nordrhein-Westfalen Nachrichtenarmut: keine Entsorgung von Sondermuell ohne Genehmigung, keine Genehmigung ohne Entsorgungsnachweis, kein Entsorgungsnachweis ohne das relationale Datenbanksystem des Landesamtes fuer Wasser- und Abfallwirtschaft (LWA), das diese amtlichen Unterlagen erzeugt. Alle hierfuer notwendigen Entscheidungsvorgaenge und Fakten werden mit einer Ingres-Applikation bearbeitet und in der staendig wachsenden Datenbank erfasst.

30 000 Genehmigungen wurden pro Jahr erteilt

Die Pioniere im LWA gehen konsequent den Weg zu autonomen Arbeitsplatz-Systemen, weg von den zunehmend schwieriger integrierbaren zentralen Loesungen. "Am Platz des Sachbearbeiters werden nicht Informationen, sondern Vorgaenge bearbeitet", ist hier nicht nur eine theoretische Erkenntnis, sondern praktisch umgesetztes Programm. Die Datenbearbeitung soll mit den Arbeitsplaetzen und Vorgaengen verknuepft werden. Dazu sind die lokalen Systeme miteinander verbunden und tauschen die Aenderungen automatisch untereinander und mit der zentralen Datenbank aus. Denn die gesetzlichen Auflagen verlangen, dass alle Entscheidungsvorgaenge in ihrem zeitlichen Ablauf lueckenlos dokumentiert werden koennen. Zusaetzlich wuenscht das Ministerium fuer Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft spezifische Datensammlungen fuer landesweite Auswertungen.

Bis zu 30 000 Entsorgungsnachweise bearbeiten die Behoerden pro Jahr - eine Zahl, die noch weitaus groesser waere, gaebe es nicht Sammelnachweise zur Verwaltungsvereinfachung bei kleinen Muellmengen oder wiederkehrenden Fuhren. Die Art des Muells, der vom Erzeuger zum Abnehmer transportiert werden soll, wird nach Art und Herkunftsklassen bundesweit einheitlich durch den Abfallschluessel festgelegt. Fuer den so klassifizierten Abfall muss die Annahmeerklaerung eines dafuer zugelassenen Entsorgungsbetriebes vorliegen. Ueber die fuer jede Herkunftsklasse oder einzelfallbezogenen vorgeschriebenen Analysedaten und Grenzwerte hinaus kann der Entsorger seinerseits noch genauere Spezifikationen zur Bedingung machen. Die Muellanzeige wird schliesslich, eventuell mit zusaetzlichen Auflagen versehen, dem zustaendigen Regierungspraesidenten zur Genehmigung vorgelegt. Erst wenn diese erteilt ist, darf transportiert und entsorgt werden. Die Genehmigung fuer einen Entsorgungsbereich gilt zeitlich befristet und ist auf eine maximale Abfallmenge begrenzt.

Allein fuer die Eingrenzung der Entsorgungsbereiche sind ueber 20 Textvarianten gebraeuchlich - die zu verarbeitenden Informationsmenge verbietet die textliche Neuerfassung jedes einzelnen Antrags. Um die Antraege maschinenlesbar austauschen zu koennen, ist bundeseinheitlich festgelegt, wie das Datenformat auf Disketten und wie die Formulare auszusehen haben, die wegen der rechtsverbindlichen Unterschrift jeden Datentraeger noch begleiten muessen.

Bei der Erstellung einer Datenbankanwendung, die saemtliche Anforderungen und Rahmenbedingungen erfuellt, halfen dem LWA- Entwicklerteam vor allem die Erfahrungen mit der Wasser- und Abfallentsorgung sowie die Kenntnis der fuer das Genehmigungsverfahren eingespielten Ablaeufe. So arbeiteten die Beschaeftigten an den neuen Arbeitsplaetzen schon in der Pilotphase produktiv; moegliche Akzeptanzprobleme konnten dabei von vornherein durch eine komfortable und flexible Benutzeroberflaeche ausgeschlossen werden.

Die Disketten mit den Entsorgungsantraegen werden auf Unix-Rechner uebertragen. Das neue Werkzeug fuehrt die Sachbearbeiter kontextabhaengig durch die Vorgangsbearbeitung. Es ueberprueft sofort alle Eingaben auf Vollstaendigkeit und vergleicht die Analysedaten automatisch mit den vorgegebenen Grenzwerten und Soll-Ist- Toleranzen; zugleich wird die Einhaltung des fuer die Entsorgungsanlage genehmigten Bereichs kontrolliert. Ganz nebenbei erledigt das System auch noch die Gebuehrenberechnung und stellt die gewuenschten Datensammlungen fuer das Ministerium bereit.

Erfolg des Systems dringt ueber Landesgrenzen hinaus

Die Bedienungsoberflaeche integriert eine mehrfach gegliederte Hilfsfunktion. Von ihr aus kann der Anwender auch auf die Handbuecher zugreifen, die im System hinterlegt sind, so dass jederzeit die zur Benutzerfuehrung passenden Seiten am Bildschirm aufgeschlagen werden koennen. Gleichermassen koennen die Sachbearbeiter sich auch Erlaeuterungen zu den Fach- und Sachgebieten anzeigen lassen, diese mit eigenen Notizen und Erklaerungen ergaenzen und als individuelle Hilfe wieder speichern. Wenn der Cursor auf die entsprechenden Felder zeigt, lassen sich Genehmigungsdaten von Entsorgungsanlagen oder Textbausteine selektieren und heranziehen. Die Texte werden mit einem Ganzseiten-Editor bearbeitet, dessen Menuefuehrung analog der Benutzeroberflaeche angepasst wurde. Alle Formulare werden automatisch mit den Daten in Postscript gesetzt. Die angeschlossenen Drucker begnuegen sich daher mit Normalpapier, so dass die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Dokumente in beliebiger Folge unterschriftsreif ausgedruckt werden koennen; zudem entfaellt jegliche Lagerhaltung und Versorgung mit Formularvordrucken.

Das Arbeitsplatz-System des LWA zur Bearbeitung und Erstellung von Entsorgungsnachweisen ist schon seit einigen Monaten im Einsatz. Als interessierte Zaungaeste pruefen bereits andere Bundeslaender, inwieweit das System eigene Entwicklungen ersetzen kann. Die Anwendungsentwickler des LWA haben sich derweil bereits neuen Aufgaben zugewandt. Fuer Anschlussprojekte mit grafischen Arbeitsplaetzen und neue Anwendungen im Zusammenhang mit grossen Dokumentverwaltungs- und Retrieval-Systemen steht bereits das Sollkonzept.

*Die Autoren sind Mitarbeiter des nordrhein-westfaelischen Landesamtes fuer Wasser- und Abfallwirtschaft.