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18.01.1980 - 

KSDSKLDS-Schnittstellen überwinden Inkompatibilität:

Datenbank-Misere zwingt zur Selbsthilfe

Der Porsche-Fahrer in der Datenverarbeitung wird wahrscheinlich weiterhin seine 180 fahren und dann nicht mehr kompatibel sein können." Mit dieser Analogie macht Dr. Herbert Klimesch von der Bayerischen Staatskanzlei deutlich, daß die Einführung einer Richtgeschwindigkeit - sprich "Kompatibler Datenbank-Schnittstellen" - keine Nachteile bringt (CW-Nr. 48/79 vom 30. November 1979, Seite 3: "Kompatibilität ist die Schluckimpfung gegen Systemabhängigkeit"). Gegen die im Bereich der öffentlichen Verwaltung entwickelten Umsetzprogramme war unter anderem eingewendet worden, sie unterstützten nicht alle Spezialfunktionen der vorhandenen DB/DC-Systeme. Dr. Adam Licha, Leiter des Fachbereiches Datenbanksysteme bei der Datenzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart, hat das Porsche-Beispiel aufgegriffen. Er wendet sich gegen die Datenbanktheoretiker, da das, was mit den Schnittstellen erreicht worden sei, "durch Diskussionen am grünen Tisch gar nicht in seiner ganzen Tragweite ermessen werden kann". In einem Leserbrief an die COMPUTERWOCHE schreibt Licha:

Zu dem genannten Artikel möchte ich aus unserer Praxis einige Anmerkungen machen:

Im letzten Abschnitt wird die Frage des Porsche angesprochen: Nun, die kompatiblen Schnittstellen sind aus dem Druck nach wirtschaftlicher Datenverarbeitung entstanden, und daß bei dieser Zielsetzung kein Porsche herauskommen darf, ist eigentlich klar. Aber um noch weiter bei dem Bild zu bleiben: Ist Ihnen denn unter den gängigen DB-Systemen ein "Porsche" bekannt? Mir nicht! Es gibt zwar einige mühsam zusammengezimmerte, ohne einheitliches Konzept entworfene, hie und da ein bißchen frisierte Oldtimer, sie erinnern aber eher an einen Lastwagen als an einen Sportwagen. Dazu gesellen sich jüngst einige Systeme, bei denen man in aller Eile durch Zusammenfassen einiger gängiger Datenverwaltungsfunktionen und Umhängen eines "relationalen Mäntelchens" glauben machen möchte, hier handle es sich um moderne Systeme. Spätestens jedoch bei der "Kopplungs-Funktion" wird man die versteckten Probleme kennenlernen.

Es herrscht also zur Zeit eine merkwürdige unbefriedigende Situation auf dem DB-Sektor, und eines der verwunderlichsten Merkmale an dieser Situation ist für mich die tiefe Kluft zwischen den DB-Praktikern und den DB-Theoretikern, über die fast nur ein verständnisloses Achselzucken beziehungsweise ein müdes Lächeln hinüber und herüber wechseln.

In dieser Situation bleibt dem unter wirtschaftlichem Zwang stehenden Praktiker nur die gezielte Selbsthilfe-Aktion. Und als genau das sehe ich das System der kompatiblen Schnittstellen. Was mit diesen Schnittstellen erreicht wurde, ist ein Phänomen, das meiner Erfahrung nach durch Diskussionen am; grünen Tisch gar nicht in seiner ganzen Tragweite ermessen werden kann. Nehmen wir beispielsweise die beiden Schnittstellentypen KSDS (Schnittstelle für Systemdateien) und KLDS (Schnittstelle für lineare Datenbanksysteme): Mit ihnen hat der Programmierer ein einheitliches und einfaches Instrumentarium für sämtliche Zugriffe auf Drucker, Kartenleser, Bänder, Konsole, sequentielle Dateien, DA-, ISAM-, VSAM-Dateien, SESAM-, ADABAS-, PRISMA-Datenbanken und weiterer Systeme und das unabhängig von den Betriebssystemen DOS/VS, OS/VS, BS1000, BS2000 und unabhängig von den Programmiersprachen.

Auch gegen Widerstände beginnen

Vielleicht können Sie sich die Vereinfachung für unsere Programmierer vorstellen? Die Einarbeitung in die Schnittstellen dauert wenige Tage; infolge der Einfachheit werden weniger Fehler gemacht; die Produktivität steigt beträchtlich, die Austauschbarkeit der Programmierer zwischen den Projekten wird erhöht. Ich weiß, spätestens hier melden sich die Spezialisten, die von jedem System eine Spezialfunktion aufzählen können, die von den Schnittstellen nicht unterstützt wird, und schon könnten wir am grünen Tisch beliebig weiter diskutieren. Aber wenn es mir ernst ist mit der Klage über die Misere der Software-Erstellung und -wartung, dann muß ich eben einmal an einer Stelle beginnen, auch gegen Widerstände, und freue mich über 95 Prozent Erfolg und lasse ihn mir nicht durch die verbleibenden fünf Prozent vermiesen!

Und noch ein Wort zur Verbreitung der Schnittstellen, die in der Kolumne (CW 48/79, Seite 7: "Gleichmacherei") etwas angezweifelt wird: Allein die von der Datenzentrale Baden-Württemberg entwickelten Umsetzer für KSDS und KLDS sind mittlerweile in rund 55 Rechenzentren in der ganzen Bundesrepublik eingesetzt, es kommen ständig neue hinzu.