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23.03.1979

Datenbank-Zickzack

Rätselraten um die Datenbankpläne des Marktführers: Bleiben CICS und DL/1 auch die DB/DC-Produkte der (IBM-)Zukunft - zumindest für die "kleinen" DOS/VSE-Maschinen (E-Serie)? Welche DB/DC-Strategie verfolgt IBM im BD-Bereich (Basis-Datenverarbeitung) mit der Datenbank des Systems /38 - architektonisch eine Mischung verschiedener (Datenbank-)Baustile ("Relation" und "Hierarchie")? Und was wird aus dem Information Management System (IMS), wenn IBM (1980 oder erst 1981?) die H-Serie als Ablöse der 370- und 30XX-Großrechner ankündigt? Daß der Marktführer auf dem Datenbank-Sektor etwas im Schilde führt, erfuhren die Besucher der Infotech-Konferenz "IBM: The Next Five Years" vor wenigen Tagen in San Francisco (vgl. S. 1).

Soviel scheint klar: Das Datenbank-Management-System IMS - hierarchisch organisiert und damit ein nimmersatter "Speicherfresser" - durfte die 370-Ära nicht überleben. IBM beabsichtige, den IMS-Support "nach und nach abzudrehen", wurde in San Francisco gesagt Wichtigste Erkenntnis: Die größte IMS-Schwäche, seine Abhängigkeit von der Datenstruktur, könnte beim Übergang auf die neue IBM-Rechner-Generation für viele IMS-Benutzer zum Problem werden, weil alle Daten und Programme in ein neues Datenbank-Schema gepreßt werden müssen.

Welcher Aufwand dafür erforderlich ist, pfeifen die Datenbank-Kritiker von allen Codasyl-Dächern.

Doch es sieht so aus, als ob IMS-Anwender um diese Sisyphus-Arbeit nicht herumkommen werden - es sei denn, IBM präpariert "einen Super-Emulator", der die Konvertierungs-Aufgabe in der Grauzone zwischen Hardware und Software, im Mikrocode, erledigt.

Dergleichen Probleme kennen die zukünftigen Benutzer der E-Serie offenbar nicht. Über CICS und DL/1 scheint es keine Diskussionen zu geben, nachdem diese Produkte auch die neuen Rechner 4331 und 4341 unterstützen - was vor der Ankündigung nicht selbstverständlich war.

Daß gleichwohl ein Rest an Ungewißheit bleibt, ist in der Ankündigungspolitik des großen Mainframers begründet, die - in der Wirkung nach draußen - einige Ungereimtheiten aufweist. Lange vor der Marktpremiere der beiden 4300-Modelle hatte es Spekulationen gegeben, die E-Serie komme mit einer neuen Datenbank nach dem Relationen-Modell - wobei weniger die "Relation" interessierte als das "neu". Man war gespannt, wie IBM die Verträglichkeitsfrage mit CICS und DL/1 lösen wollte.

Doch dann ließ sich der Marktführer bekanntlich eine Überraschung einfallen: Nicht die E-Serie wurde zuerst freigegeben - womit die Fachwelt gerechnet hatte -, sondern der Datenbank-Computer System /38, eine Black-Box für Nicht-Spezialisten, Vordergründig erscheint der Termintausch zwischen den IBM-Geschäftszweigen DV (Datenverarbeitung) und BD logisch konsequent: Wie hätten wohl die System /3-Anwender reagiert, wenn ihnen die 4331 mit voller RPG II-Unterstützung zuerst angeboten worden wäre?

Die Antwort ist schnell gefunden: Sie hätten sich vermutlich für das "E"-Modell entschieden, das auf Anwenderprogramm-Ebene mehr Gemeinsamkeiten mit dem System /3 hat als das System /38, das nur die Programmiersprache RPG III bietet. Mit anderen Worten: Der Aufstieg zum Modell 4331 ist weniger steil. Hinzu kommt, daß beide IBM-Alternativen von der Leistung her etwa das gleiche bringen und auch preislich kaum auseinander liegen.

Also blieb IBM keine andere Wahl, als das System /38 vor der 4300 zu präsentieren. Doch sollte der Parkschutz-Aspekt nicht überbewertet werden: IBM braucht darüber hinaus Benutzer, die die neue Datenbank im Praxiseinsatz testen. Denn es war schon immer ein wesentlicher Bestandteil der IBM-Produktphilosophie, die Erfahrungen aus Pilot-Installationen in die Entwicklung von Softwaresystemen einfließen zu lassen. Dies ist auch bei der /38-Datenbank beabsichtigt, die sich offensichtlich noch im Experimentier-Stadium befindet. Logisch, daß sich nach erfolgreich bestandenem Feldtest auch eine Verwendung in der E-Serie anbietet - und das macht die CICS-Geschichte wieder spannend.