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20.03.1998 - 

Datenbankanbindung an das Web

Datenbankanbindung an das Web Haht spezialisiert sich auf Enterprise-Anwendungen

Der 1995 gegründete Newcomer machte auf sich aufmerksam, als die SAP auf Basis von Haht Site die "Self Service Intranet Application Suite" entwickelte. Sie macht Funktionen aus dem Modul "Human Resource" (HR) der Standardsoftware R/3 für Web-Browser zugänglich und liegt mittlerweile in der Version 2.0 vor. Die Walldorfer vertreiben das Werkzeug außerdem über die eigenen Kanäle, damit Kunden die HR-Anwendungen anpassen können.Inzwischen bestehen zusätzliche Kooperationen mit Adobe und Oracle.Erst kürzlich konnte das Unternehmen zum Ausbau des eigenen Vertriebsnetzes 14 Millionen Dollar Risikokapital auftreiben.

Haht, dessen Gründer zuvor beim Datenbankspezialisten Q+E Software tätig waren, erhebt mit Haht Site den Anspruch, eine vollständige Umgebung für die Entwicklung von Enterprise-Web-Anwendungen anzubieten.Das Produkt besteht aus dem "Integrated Development Environment" (IDE), dem "Integrated Publisher" (IP), dem "Application Server" und dem "Distributed Application Server" (DAS).

Dreh- und Angelpunkt einer mit Haht Site entwickelten Anwendung ist der Application Server.Für die Kommunikation mit Browsern nimmt er den im Web traditionellen Umweg über den HTTP-Server, wobei er neben der Standard-Schnittstelle Common Gateway Interface (CGI) auch die proprietären APIs von Microsoft (ISAPI), Netscape (NSAPI) und Oracle (WRB API) unterstützt. Konkurrenten wie Bluestone Software gehen allerdings über dieses ursprüngliche Web-Modell hinaus, indem sie auf dem Client Java-Applets nutzen, die via Internet Inter-ORB Protocol (IIOP) direkt mit dem Anwendungs-Server kommunizieren.Der Haht-Server bietet ansonsten Funktionen, die in dieser Produktklasse zum Standard gehören.Dazu zählen Session- und Status-Management sowie Threading, und er hält Datenbankverbindungen über mehrere Anfragen hinaus offen.Der Ausrichtung von Haht auf Enterprise-Anwendungen kommt die Möglichkeit zugute, die Arbeitslast bei Bedarf über mehrere Server dynamisch zu verteilen.

Diese Aufgabe übernimmt der Distributed Application Server, der Client-Anfragen von mehreren Web-Servern entgegennehmen und auf jeweils verfügbare Instanzen des Anwendungs-Servers weiterleiten kann.

Diese Architektur bietet zusätzliche Sicherheit, weil der Web-Server bei Bedarf auf einer separaten Maschine außerhalb der Firewall ablaufen kann, während der Anwendungs-Server hinter den Firmenmauern Platz findet.Der DAS ist darüber hinaus in der Lage, Rechner der verschiedenen unterstützten Server-Systeme (Unix, NT) zu einem Cluster zusammenzufassen.

Beim Zugriff auf eine Datenbank kann der Anwender aus mehreren Möglichkeiten wählen.Neu in der Version 3.0 hinzugekommen sind native Treiber für die Datenbanken von Sybase, Informix, Oracle und Microsofts "SQL Server".Darüber hinaus unterstützt Haht Site die Open Database Connectivity (ODBC) und Java Database Connectivity (JDBC).

Im angestrebten Markt für unternehmenskritische Anwendungen geht es nicht nur darum, diverse Datenbestände weiterzubenutzen, sondern auch um die Einbindung von vorhandenen Applikationen, unter anderem von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware.Haht wirbt deshalb mit der Möglichkeit, auf R/3-Systeme zugreifen zu können.Diese Integration geschieht freilich mittels BAPI-Programmierung über SAPs Visual-Basic-(VB-)Schnittstelle oder Active-X-Komponenten.Ähnlich sieht es bei der Host-Connectivity oder der Einbeziehung von Lotus Notes aus: Sie erfolgt nicht durch eine besondere Funktionalität von Haht Site, sondern wieder über Standardtechnologien wie ODBC, Corba, DCOM oder das VB-Interface von "MQ Series".

Die Anwendungentwicklung für Haht Site findet in der dazugehörigen integrierten Entwicklungsumgebung (IDE) statt.Sie ist für die visuelle Programmierung von GUI-Komponenten ausgelegt.Ein wichtiges Element der IDE sind die sogenannten Widgets, die Programmcode kapseln und so einer Wiederverwendung leichter zugänglich machen.Sie lassen sich über Wizards konfigurieren und können dann bei der Anwendungsentwicklung zuvor festgelegte Aufgaben erfüllen.Zum Lieferumfang gehören beispielsweise solche zur Datenbankkontrolle sowie zur Überwachung von Java-Applets und Active X Controls.

Die Programmiersprache, die den Widgets zugrunde liegt, nennt sich Haht-Talk Basic.Es handelt sich dabei um einen mit VB kompatiblen Basic-Dialekt.Daher ist es prinzipiell möglich, vorhandene Applikationslogik, die bereits mit Microsofts Werkzeug entwickelt wurde, direkt in Haht Site wiederzuverwenden.

Entwickler müssen sich jedoch nicht unbedingt auf Basic beschränken.In der aktuellen Version ist Java neu hinzugekommen, der Anwendungs-Server beinhaltet Javasofts virtuelle Maschine aus dem Java Development Kit (JDK).Haht folgt damit dem Trend zum Server-seitigen Einsatz der Sun-Technologie, dem Konkurrenten wie Progress ("Apptivity"), Bluestone Software ("Sapphire/Web") oder Netdynamics schon früher gefolgt sind.Die späte Entscheidung von Haht für Java macht sich bemerkbar: Zwar bietet der Programmier-Editor Syntaxunterstützung für die Internet-Sprache, insgesamt ist die IDE aber nicht für größere Java-Projekte ausgelegt.Zu diesem Zweck lassen sich jedoch Fremdprodukte einbinden.Defizite der Java-Unterstützung manifestieren sich auch im Mangel an Klassenbibliotheken, wie sie Info- scape, Netdynamics oder Silverstream mitliefern.Interessant ist aber die Möglichkeit, aus Haht-Basic auf Java-Klassen zugreifen zu können.

Im Gegensatz zu Web-Anwendungen der ersten Stunde erreichen Projekte in diesem Marktsegment durchaus die Komplexität von Client-Server-Applikationen. Entsprechend obliegt die Entwicklung nicht mehr einem Programmierer, gefragt sind Teamfunktionen.Haht bietet diese zwar nicht selbst an, kann aber Schnittstellen zu Intersolvs "PVCS", MKS "Source Integrity" oder Microsofts "Source Safe" vorweisen.Für solche komplexen, verteilten Anwendungen werden Entwickler auch die Möglichkeit zur Fehlersuche in Server-Programmen schätzen, die der mitgelieferte Debugger vom Client aus leisten kann.

Ungewöhnlich für Produkte, die in erster Linie auf die Web-basierte Transaktionsverarbeitung abzielen, sind die in Haht Site vorhandenen Tools für das Site-Management.Wenn sich Projektelemente ändern, beispielsweise eine HTML-Seite in ein anderes Verzeichnis verschoben oder eine Grafik umbenannt wird, dann paßt Haht Site alle darauf verweisenden Hyperlinks automatisch an. Außerdem lassen sich Links als eigenständige Objekte verwalten und bei Bedarf per Drag and drop in eine Web-Seite ziehen.Eine Änderung des ursprünglichen Querverweises wirkt sich dann automatisch in allen betroffenen Dokumenten aus. Der Integrated Publisher schließlich dient dazu, auf einen Schlag eine vollständige Anwendung inklusive aller benötigten HTML-Seiten von der Entwicklermaschine auf den Produktions-Server zu übertragen.

Im Kontrast zu diesen reichhaltigen Verwaltungsfunktionen für Web-Sites läßt aber die Leistungsfähigkeit des HTML-Editors zu wünschen übrig, insbesondere dessen WYSIWYG-Modus.Auch die integrierten Bildbearbeitungs-Tools (Map-Editor sowie GIF- und JPEG-Viewer) reichen lediglich für einfache Aufgaben.

Nach einem Abkommen mit Adobe integrierte Haht die "Acrobat-Forms"-Technologie in das Web-Tool.Sie erlaubt die dynamische Erzeugung von Bildschirmformularen im "Portable Document Format" (PDF).Besonders nützlich ist dieses Feature beispielsweise bei Workflow-Anwendungen, wo bestehende Print-Formulare exakt übernommen werden sollen - HTML kann eine derart getreue Wiedergabe bis dato nicht leisten.

In der aktuellen Version 3.1 läuft der Applikations-Server unter Windows NT, Sun Solaris, IBM AIX und HP-UX.Die Entwicklungsumgebung existiert lediglich in einer Ausführung für Windows 95 und NT.Die jeweils gültigen Preise für Haht Site können aber der Web-Site des Herstellers http://www.haht.com entnommen werden.

Thomas Nitsche arbeitet als freier Autor in München (nitscheqcis.uni-muenchen.de).