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Datenbanken - schneller Draht in weiter Ferne

13.07.1984

Dieter Jennrich, Geschäftsführer Network-Consults GmbH, Köln

Noch werden Datenbanken nicht unbedingt in einem Atemzug mit Mikro-Mainframe-Links genannt, stellen aber einen nicht zu ignorierenden Aspekt für die nahe Zukunft dar. Die in den USA selbstverständliche und langsam auch bei uns favorisierte Informatik-Center-Technologie muß dem stetig steigenden Markt an Personal Computern und den damit verbundenen Möglichkeiten, sich an Großrechner anzuschließen, Rechnung zu tragen. Für DV-Laien verständlich benutzerfreundliche und menügesteuerte Software, ist eine wesentliche Voraussetzung für Akzeptanz im Mikromarkt.

Sind die heutigen Hardwarevoraussetzungen und Betriebssysteme Schuld daran, Datenbankkonzepte unwirtschaftlich erscheinen zu lassen? Wird die nächste Maschinengeneration mit modernster Technologie und neuer Betriebssoftware die Lösung bringen? Diese Fragen können nicht ohne weiteres beantwortet werden. Es mag uns Mikrofreaks freilich trösten, daß von einigen Herstellern und Softwarehäusern der Trend und die Forderung des Mikromarktes erkannt wurde. So präsentierte man bereits auf der Systems '83 ein Datenbanksystem für Mikrocomputer, dessen Benutzerkommunikationssprache sogar "Deutsch" ist. Hardwarehersteller haben mikrocomputergestützte Datenbankrechner entwickelt, die, auch in einem Netzwerk, die Aufgaben des Datenbankdienstes übernehmen.

Gigantisches Informationsmonopol

Datenbankdienst nennt sich dieser neuer Leistungstyp, der sich bei uns nur sehr schwerfällig durchsetzt und doch sehr brisante Aspekte beinhaltet.

Ich möchte nicht nur den firmeninternen Datenbankdienst ansprechen, sondern besonders auf öffentliche, jedermann zugängliche Datenbanken verweisen. Auch auf diesem Gebiet leisten die USA Pionierarbeit. Angesprochen seien die großen internationalen Datenbanken, von denen eventuell 350, das sind rund 50 Prozent, allein in den Vereinigten Staaten von Amerika stehen. Sie verfügen über ein gigantisches Informationsmonopol, das täglich erweitert und aktualisiert wird. Hunderte von Fachleuten sind ausschließlich damit beschäftigt, wissenschaftliches Material zu sichten und aufzubereiten. Auf Tausenden von Datenträgern wird hier das technischwissenschaftliche Know-how der ganzen Welt gespeichert. Dabei haben sich die Betreiber spezialisiert und sammeln Informationen bestimmter Bereiche, sei es Chemie, Medizin, Biologie, Elektronik oder auch nur Verkaufsanalysen bestimmter Warengruppen. Kreditwesen und Börsennachrichten nehmen einen großen Bereich auf der Palette der Informationsangebote ein.

Alles ist katalogisiert und gespeichert und kann über die internationalen öffentlichen Netze gegen Entgelt abgerufen werden. Dies ist eine Dienstleistung, die viel Zeit sparen und Fehlentscheidungen verhindern kann. Derzeit wird sie von deutschen Unternehmen nur mit großer Zurückhaltung genutzt. Selbst wissenschaftliche Institute und Entwicklungsfirmen investieren lieber Tausende in eigene Recherchen und Parallelentwicklungen. Allein die mangelhafte Aufklärung über Möglichkeiten internationale Datenbanken zu nutzen, kann der Hauptgrund nicht sein. Ein Handbuch zur Nutzung von Datenbanken für die technische Entwicklung, herausgegeben vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium, gibt auf 400 Seiten Informationen zur Informationsbeschaffung, über 200 internationale Datenbanken und deren Angebote werden offeriert. * Der Gebrauch der Informationsangebote fällt dagegen in beinahe deprimierender Weise bescheiden aus.

Eigene Datenbanken zu errichten, erscheint daher auch nicht wirtschaftlich. Fachleute bedauern dies und weisen auf die katastrophalen Auswirkungen eines Informationsstopps seitens der USA für die deutsche Wirtschaft hin. In der Tat wird häufiger denn je Kritik am Fluß industriellen Fachwissens und fortschrittlicher Technologie aus den USA in Länder außerhalb der westlichen Interessentenspähre laut.

Inwieweit es zu einer Reglementierung dieser Informationsfreiheit kommen wird, bleibt abzuwarten. Ein Grund mehr für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, endlich eigene Informationszentren, sprich: Datenbanken, zu fördern, um absolute Informationsunabhängigkeit zu erlangen.

Zaghafte Schritte im Fachinformationszentrum

Bescheidene Ansätze zeichnen sich ab. So gibt es bereits staatlich geförderte Datenbanken, im deutschen Sprachgebrauch "Fachinformationszentren" (FIZ) genannt. Von den ursprünglich geplanten 20 Zentren sind aber nur fünf installiert worden. Medizin Technik und Naturwissenschaften nehmen hier Spitzenpositionen ein. Ihre Effizienz ist unstritten, und sogar der Bundesrechnungshof konstatiert ihre Ineffektivität. Unvollständige Markt- und Bedarfsanalysen mögen dazu bei getragen haben.

Endliche Länge der Durststrecke

Die Zeit, in der wir Mikrobenutzer unseren Informationsdurst an Datenbanken unterschiedlichster Bereiche stillen können, liegt hoffentlich in nicht zu weiter Ferne.

* Die zweite Ausgabe des Handbuchs über den Umgang mit Datenbanken trägt den Titel "Der schnelle Draht" und ist in Kürze wieder erhältlich bei dem Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr, Nordrhein-Westfalen, 4000 Düsseldorf, Haroldstr, 4.