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19.04.1984 - 

ADVOrga Research analysiert Softwaretrends'84:

Datenbanken und Tools bestimmen die Zukunft

WILHELMSHAVEN (hh) - Datenbanken sind nach den Ergebnissen einer Marktstudie der ADV/Orga Research aus Wilhelmshaven eindeutig auf dem Vormarsch. Das Unternehmen untersuchte die Softwaretrends'94 in der Bundesrepublik und kam neben dieser Aussage zu zwei weiteren Kernergebnissen. So verschwinden die Programmiersprachen der dritten Generation zunehmend von der Softwarebühne, während an Standardprodukten zwar herbe Kritik geübt, gleichzeitig aber auch starkes Interesse gezeigt wird.

Ein eindeutiges Votum für Datenbankanwendungen gaben die EDV-Manager ab: Rund drei Viertel aller Befragten wollen bei künftigen Vorhaben Datenbanken als Lösungskern einsetzen, die mit integrierten, das heißt zum DB-System gehörenden Werkzeugen den Computer für den Endanwender dienstbar machen. Dieses Ergebnis überrascht vor dem Hintergrund des heutigen Verbreitungsgrades von Datenbanken um so mehr als nur 26 Prozent derselben statistischen Basis bereits Datenbanken im Einsatz haben.

Die Planungen und Absichten der DV-Manager wurden mit zwei verschiedenen Fragen ergründet.

Die erste Fragestellung lautete: "Welche Zielsetzungen verfolgen Sie bei der Planung künftiger Anwendungen das Distributed Data Processing oder Personal Computer.

Die angebotenen Alternativen der Multiple-Choise-Umfrage waren neben der Datenbank als Möglichkeit zur Integration von Einzelanwendungen das Distributed Data Processing oder Personal Computer.

Diese Fragestellung zielt darauf ab, den grundsätzlichen Trend bei der Planung zu erkennen, der zwischen den Extremen vollständiger Zentralisierung (zum Beispiel durch eine zentrale Datenbank) und größter Individualität der Anwender (zum Beispiel durch Einsatz unabhängiger Personal Computer an jedem Arbeitsplatz) liegen kann. 77 Prozent der Befragten sprachen sich bei der Beantwortung dieser Frage für den Einsatz von Datenbanken aus.

Zum zweiten wurde die Auswahl unter den verschiedenen Möglichkeiten zur Realisierung von komplexen Anwendungen erfragt: "Welcher technischen Lösung würden Sie bei der Neuentwicklung einer komplexen Anwendung oder bei der Beschaffung eines entsprechenden Softwaresystems den Vorzug geben?"

72 Prozent sprachen sich für den Einsatz einer Datenbank als Basis der Anwendung aus, die Updates und Auswertungen mit integrierten Werkzeugen zuläßt.

Die angebotenen Alternativen. Softwareentwicklung mit einer eigenen Entwicklungsumgebung und Strukturierter Programmierung ohne zusätzliche Werkzeuge blieben mit deutlichem Abstand darunter.

Assembler nicht mehr gefragt

Befragt wurden von den Wilhelmshavener Unternehmen aus Industrie, Handel, Dienstleistung und öffentlichem Sektor. Die 120 in die Auswertung gelangten Rückläufer wurden zudem durch schriftliche und persönliche Interviews mit ausgewählten DV-Managern ergänzt, die zu Einzelfragen Stellung nahmen und die die bei der Rohauswertung der Antworten gewonnenen Ergebnisse näher betrachteten und kommentierten.

Die Struktur des befragten Personenkreises ergibt ein eindeutiges Übergewicht in der Gruppe der Abteilungsleiter: 79 Prozent der Antworten stammen aus dieser Hierarchiestufe. 15 Prozent der Antworten wurden von Mitgliedern der Geschäftsführung gegeben. Auch bei der Ressortzugehörigkeit zeichnet sich in der Population ein eindeutiges Bild ab. 82 Prozent gehörten zu dem Bereich EDV/Organisation, 10 Prozent der Befragten waren Mitglieder von Anwendungsfachabteilungen.

Neben den großen Anwendern, die Anlagen im Wert von über einer Million installiert haben und den Softwaremarkt in weiten Teilen bestimmen, untersuchten die Marktforscher aus Wilhelmshaven auch den Bereich des öffentlichen Dienstes.

Dabei ergab sich auch auf dem Gebiet der Programmierung ein nicht erwartetes Bild.

Das Ergebnis, das am meisten überraschte, war die eindeutige Abkehr von der "reinen" Programmierung. Nur noch neun Prozent der Befragten wollen künftig komplexe Anwendungen mit Strukturierter Programmierung, das heißt auf der Basis einer Programmiersprache der zweiten (zum Beispiel in Assembler) oder dritten Generation (zum Beispiel Cobol), ohne jegliche Entwicklungswerkzeuge lösen.

Die Detailuntersuchung dieses Ergebnisses, eine Aufschlüsselung nach Branchen und Betriebsgrößen, brachte noch einige zusätzliche Erkenntnisse darüber, wo die Abkehr von der "reinen" Programmierung am stärksten ausgeprägt ist: So wollen nur noch ganze vier Prozent der Unternehmen zwischen 1000 und 5000 Mitarbeitern Anwendungen ohne zusätzliche Werkzeuge erstellen, während Unternehmen mit mehr als 5000 Beschäftigten immerhin noch zu 23 Prozent an dieser Methode festhalten.

Die Aufschlüsselung nach Branchen ergab gleichfalls eine Vier-Prozent-Minderheit in der Industrie, die weiterhin die Strukturierte Programmierung ohne zusätzliche Dienste bevorzugen. Dagegen sind im öffentlichen Dienst noch 23 Prozent Anhänger dieser Methode anzutreffen. Handel und Dienstleistung sind mit 12 beziehungsweise 14 Prozent dagegen eher geneigt, das mühsame "Stricken" von Programmen aufzugeben und Datenbanken oder komfortable Entwicklungstools einzusetzen.

Erhärtet wurde diese Aussage auch durch das Ergebnis, daß im Durchschnitt nur noch ein Viertel aller Betriebe Programme, selbst mit einer eigenen Entwicklungsumgebung, wie beispielsweise Codegeneratoren oder Maskengeneratoren, einem Datenbanksystem vorziehen wollen. Indizien dafür finden sich auch in der Beurteilung der Qualitätsmerkmale und Qualitätseigenschaften, die von der eingesetzten Software verlangt werden: Hohe Zuverlässigkeit und leichte Handhabung liegen mit Abstand in der Gewichtung vor "großem Funktionsumfang" und "hoher Verarbeitungsleistung". Die Eigenschaften "Zuverlässigkeit" und "leichte Handhabung" lassen sich, bei ausschließlicher Verwendung einer Programmiersprache ohne maschinelle Unterstützung, nur mit einem deutlich erhöhten Entwicklungsaufwand erzielen.

Standard-Anwendungssoftware setzen 105 von 120 Unternehmen, das sind 87,5 Prozent aller befragten Betriebe, in einem oder mehreren Anwendungsgebieten ein. Dennoch gibt es erhebliche Lücken im Angebot und in der Produktpolitik der Softwarehersteller, die deutlich kritisiert wurden. So befinden immerhin 38 Prozent, daß es für ihre spezifischen Anforderungen zuwenig Produkte gibt und mehr als die Hälfte (52 Prozent), daß die Standardsoftware zu hohe Folgekosten nach sich zieht. Auch der Preis ("die Produkte sind zu teuer") ist Gegenstand der Kritik, selbst wenn dies nur von rund einem Drittel der Befragten genannt wird.

Öffentlicher Dienst und Handel als SW-Stiefkinder

Insbesondere kleine Betriebe scheinen vom Softwareangebot nicht verwöhnt zu sein. 55 Prozent der Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern finden, daß das Produktangebot zu gering ist und es ist keine einzige Stimme dabei, die befindet, daß "es zu viele Produkte gibt". Vor allem Handelsunternehmen und der öffentliche Dienst werden von den Softwareherstellern zu wenig berücksichtigt. 54 Prozent beziehungsweise 59 Prozent geben an, daß es zuwenig Produkte für sie gibt.

Dagegen ist das Interesse an Software unerwartet hoch: 84 Prozent der Befragten würden das Angebot an neuen und interessanten Softwareprodukten zum Anlaß nehmen, mit dem anbietenden Softwarehaus Kontakt aufzunehmen. Dieses Interesse ist praktisch in allen Branchen und Betriebsgrößen gleich hoch. Von allen Gründen, mit der Softwareindustrie Kontakt aufzunehmen, liegt das Produktangebot deutlich vorn.

Gefragt ist auch das anwendungsspezifische Know-how, das von Softwarehäusern angeboten wird. Ein Drittel aller Befragten nannte dies als Grund, Kontakte nach außen zu suchen, wobei Handelsunternehmen sich mit 41 Prozent hier noch hervorheben. Weniger gefragt ist dagegen das DV-technische Know-how, das im Mittel nur 16 Prozent als Anlaß nannte, ein Softwarehaus aufzusuchen.

Die Anforderungen die ein Anwender an die Standard-Produkte stellt, sind nach Aussage der Autoren dieser Studie klar umrissen. Die mit Abstand höchste Gewichtung erhält die Zuverlässigkeit eines Programms (siehe Tabelle 1).

Leichte Handhabung und Erlernbarkeit sind, neben der einfachen Änderungsmöglichkeit, vor allem Forderungen, die in erster Linie die Endanwender betreffen. Diese Merkmale, die in der Gewichtung zwischen "sehr wichtig" und "wichtig" stehen, werden offensichtlich in vielen Softwareprodukten nicht mit dem richtigen Stellenwert betrachtet, sonst stünden sie in dieser Skala nicht in den vorderen Reihen.

Im Vorfeld der Marktuntersuchung wurde gelegentlich das Argument gegen Standardsoftware vorgebracht, daß sich dadurch Wettbewerbsnachteile ergeben können. Deshalb wurde gezielt danach gefragt. Das Ergebnis, vielleicht zum erstenmal in der Bundesrepublik eruiert, bestätigt diesen Verdacht jedoch nicht: Fast 90 Prozent aller Befragten sehen keine Gefahren für ihr Unternehmen darin, daß andere Unternehmen dieselben Programme (Standardsoftware) im Einsatz haben.

Mangelnde Individualität schmälert Wettbewerbsvorteil

Am ehesten verständlich - auch mit den meisten "Ja"-Stimmen belegt - ist das Unbehagen, wenn im Vertrieb dieselbe Software eingesetzt wird, wie bei den Mitbewerbern. Hier könnten Methoden zur Marktanalyse, Kundenbetreuung, Angebotserstellung oder Verkaufsabwicklung zu große Ähnlichkeit aufweisen, so daß die Individualität des einzelnen Unternehmens nicht mehr nach außen in Erscheinung tritt und damit Wettbewerbsvorteile verlorengehen.

Nur ein Prozent aller befragten Beware ein, während 90 Prozent die Software für den Vertrieb selbst entwickelt haben. Ob die Angst vor Wettbewerbsnachteilen die Ursache für die Abstinenz der Unternehmen oder das mangelnde Angebot an geeigneter Standardsoftware hier die triebe setzt im Vertrieb Standardsoft-(Aus-)Wirkung dieses Verhaltens ist, bleibt dahingestellt. Für Softwarehäuser lohnt es sich jedoch, hier tiefergehende Untersuchungen anzustellen.

Hinterfragt haben die Wilhelmshavener, die in ihrer Studie auch die verschiedenen Einzelergebnisse kommentieren, auch die Planung der Unternehmen, insbesondere im Hinblick auf zukünftige Strategien.

Nicht mehr zu übersehen ist der Hang zur alles integrierenden Datenbank: 77 Prozent der Befragten sprechen eine deutliche Sprache, Freilich darf hier nicht übersehen werden, daß die Basis, das heißt der tatsächliche Einsatz von Datenbanken zum Zeitpunkt dieser Umfrage, relativ gering ist. Nur rund ein Viertel aller befragten Betriebe verfügen bereits über eine Datenbank.

Interessant - wenn auch ohne statistische Bedeutung - ist hier das Ergebnis der Interviews im Anschluß an die Umfrage. Keiner der Interviewpartner hat bereits seine , "Wunschdatenbank" eingesetzt. Die Lücke zwischen Ziel und Wirklichkeit hat somit zwei Dimensionen - eine qualitative und eine quantitative.

Aus den anderen Teilergebnissen dieser Frage sind noch einige Trends erkennbar: Das Konzept des "Distributed Data Processing", heute kostenmäßig sicher kein Problem mehr, ist nicht gerade Favorit. Sicher spielt bei dieser doch recht eindeutigen Aussage (nur 24 Prozent der Antworten für diese Alternative) die Tatsache eine große Rolle, daß rund 80 Prozent der Befragten EDV-Manager sind.

Uneinheitlich ist die Haltung der DV-Chefs gegenüber den Kleinrechnern. Die programmtechnische Kopplung der Mikros an einen Zentralrechner ist - von reinen Sichtgeräteemulationen abgesehen - heute noch kaum realisiert, wird jedoch von nahezu der Hälfte der Befragten der "freien' Alternative, nämlich einer wählbaren Kopplung an beliebige Anwendungen, bevorzugt.

Nur beim Einsatz von Datenbanken zur Integration der Einzelanwendungen ist ein Trend erkennbar: Die größeren Betriebe favorisieren diese Lösung noch stärker als kleinere.

Relativ uneinheitlich ist dagegen die Meinung zu den selbständigen Abteilungsrechenzentren. Die Streuung um den Mittelwert (24 Prozent) ist doch recht groß: von sieben Prozent bis 38 Prozent.

Die Haltung den Mikros gegenüber ist jedoch ziemlich gleichbleibend über alle Betriebsgrößen, auch was die unterschiedlichen Einsatzarten betrifft: Etwa die Hälfte der Befragten ist für eine strenge programmierte Kopplung der Mikros an den Zentralrechner, während rund ein Drittel mehr für einen freien Anschluß an die jeweils gewünschte Anwendung ist.

Mit einer V.24-Schnittstelle und einem Akustik-Koppler kann man bereits heute über das normale Telefonnetz praktisch jeden Computer erreichen, der gleichfalls an das Telefonnetz angeschlossen ist. Die "Hacker", eine besondere Spezies von Microcomputer-Freaks, vollbringen wahre Kunststücke im "Knacken" von Zugriffsberechtigungen, Schlüsselworten und Codes. Die einfache Art und Weise, wie man mit einem Mikro mit jedem anderen Rechner kommunizieren kann, sollte vielleicht einmal ernsthaft in die Konzepte der DV-Manager einbezogen werden.

Die Aufschlüsselung nach Branchen (Tabelle 3) bestätigt zumindest für den geplanten Mikroeinsatz den statistisch erhobenen Mittelwert: Etwa die Hälfte der Befragten wollen Kleinrechner als intelligente Terminals, sozusagen als "verlängerten Arm" des Zentralrechners, einsetzen und etwa ein Drittel will eine frei wählbare Kommunikation.

Auffallend an diesem Einzelergebnis ist die Haltung der Dienstleistungsbranche (zum Beispiel Banken, Versicherungen) zur Zentralisierung, respektive Dezentralisierung. Mit 90 Prozent Votum für die integrierende Datenbank und nur 10 Prozent Zugeständnissen für eine mögliche Verselbständigung einzelner Abteilungen sticht der Dienstleistungssektor aus der Haltung der statistischen Mehrheit hervor.