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03.10.1997

"Datenbanken waren nie so verschieden wie heute"

03.10.1997

CW: Oracle-Chef Larry Ellison hat einmal behauptet, Sybase sei nicht mehr im Geschäft. Was haben Sie getan, um wieder reinzukommen?

Kertzman: Das Geschäftsergebnis hatte oberste Priorität, um das Vertrauen unserer Kunden wiederzugewinnen. Wir sind inzwischen das vierte Quartal in Folge in den schwarzen Zahlen. Ich glaube, wir haben es auch geschafft, den Schrumpfungsprozeß bei den Marktanteilen zu stoppen.

CW: Ist der Zeitpunkt angesichts des heftigen Marketing-Gerangels um die "Universal Server" von Informix, Oracle und IBM nicht ungünstig für die Freigabe des "Adaptive Server"?

Kertzman: Allgemein wird behauptet, daß sich die Datenbankprodukte immer mehr angleichen. Meiner Meinung nach waren sie noch nie so verschieden wie jetzt. Wir unterscheiden uns ganz gewaltig von Oracle und den anderen.

CW: Inwiefern?

Kertzman: Oracle hat sich zu einer sehr großen, zentralistisch orientierten Datenbank entwickelt. Oracle 8 ist gegen IBMs DB2 positioniert. IBM will dagegen offensichtlich Informix Konkurrenz machen. Die beiden Universal-Server-Konzepte sind sich sehr ähnlich. Dabei zeigen die Informix-Zahlen, daß es dafür derzeit keinen Bedarf gibt. Ich finde in diesen verwirrenden Strategien keine klare Linie.

CW: Sie glauben also, daß IBM ähnliche Probleme bekommt wie Informix...

Kertzman: Die IBM führt Selbstgespräche. Im Datenbankmarkt muß man für alle möglichen DV-Infrastrukturen offen sein. Der IBM ist das nie gelungen. Sie spricht nur mit der eigenen Klientel. Deshalb wird kein Anwender, der die Anschaffung einer neuen Datenbank erwägt, an IBM denken.

CW: Was ist mit Microsoft?

Kertzman: Dessen "SQL Server" wird zunehmend zu einem Commodity-Produkt. Aus dieser Nische versuchen alle andern auszubrechen. Wir setzen dabei auf Verteilung und Java, wobei die Datenbank nur eine von mehreren Komponenten darstellt.

CW: Bekennt sich nicht jeder Datenbankanbieter zu Java?

Kertzman: Alle anderen benützen Java als Zusatzsprache. Wir dagegen verwenden Javabeans als Datentypen.

CW: Was ist für einen Datenbankanbieter so attraktiv an Java?

Kertzman: Die Sprache kann wahrscheinlich alle bislang uneingelösten Versprechen der Objektorientierung wahrmachen. Mit den Javabeans existiert jetzt ein anerkanntes Standard-Objekt-modell, während es von Corba verschiedene Implementierungen gibt.

CW: Sie haben erst fünf Jahre nach Oracle die Multiprozessor-Unterstützung geschafft, auf Row-Level-Locking warten die Kunden immer noch. Liegt da nicht der Verdacht nahe, daß Ihr Java-Bekenntnis bestehende technische Mängel überdecken soll?

Kertzman: Wir haben mit unserer Datenbank einen TPC-C-Benchmark erreicht, der um 25 Prozent höher ist als das beste Oracle-Ergebnis. Damit gehören wir technologisch zur Weltklasse.

CW: Was helfen Ihnen Transaktionsrekorde in einem gesättigten Datenbankmarkt?

Kertzman: Es gibt drei Gruppen von Kunden. Die Risikoscheuen haben früher bei IBM gekauft und ordern heute bei Oracle. Für Anwender, die Datenbanken für ein notwendiges Übel halten, kommt aus Preisgründen auch Microsoft in Frage. Unsere Zielgruppe will dagegen unternehmensstrategische Technologie kaufen, um damit Anwendungen zu entwickeln, mit denen sie sich von ihren Konkurrenten absetzen kann.

CW: Was ist strategisch an einer Datenbank?

Kertzman: Nicht die Datenbank, sondern die Anwendung ist von strategischer Bedeutung. Verteilung ist hier unser Alleinstellungsmerkmal. Wenn ein Anwender über weltweites Geschäft im Web nachdenkt, dann haben wir alle Trümpfe in der Hand.

CW: Bislang hat die allgemein anerkannte Stärke bei der Verteilung Sybase wenig geholfen...

Kertzman: Alle unsere Kunden verwenden sie. Manche Leute halten unsere Situation für hoffnungslos. Das Gegenteil ist wahr.

CW:Woher nehmen Sie diese Hoffnung?

Kertzman: Moderne Unternehmen, die dem Trend zu verteilten Organisationsstrukturen folgen, brauchen ein Informationsmodell, das dazu paßt. Natürlich gibt es auch den entgegengesetzten Trend zur Rezentralisierung. Das ist Oracles Chance. Oracle kommt auch die Web-bedingte Verlagerung der Rechnerlast auf den Server zugute. Wir gewinnen dafür Kunden dort, wo den Endanwendern mehr Anwendungskompetenz eingeräumt wird.