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29.09.2000 - 

Anwender beunruhigt: Auch Deutschland-Chefin gibt ihr Amt ab

Datenbanker Informix teilt sich in zwei selbständige Firmen

MÜNCHEN (ls) - Informix teilt sich in zwei unabhängige Unternehmen auf. Entwicklung und Vertrieb der Datenbank übernimmt Informix Software. Die zweite, noch unbenannte Tochterfirma soll sich um Lösungen und Integration kümmern.

Ursprünglich sollte es nur eine Restrukturierung auf die zwei Geschäftsbereiche "Database" und "Solutions" werden, jetzt entstehen selbständige Firmen. Informix Software soll sich um das Kerngeschäft mit Datenbanken und dessen Ausbau kümmern. Die zweite, noch ungetaufte Company soll sich zum einen auf E-Business-Lösungen konzentrieren, wobei die Stichworte insbesondere Web-Publishing, elektronischer Handel sowie Business Intelligence heißen. Zum anderen wird diese Firma erstmals in der Informix-Geschichte auch die Produkte der Konkurrenz - IBM, Microsoft, Oracle, Sybase - unterstützen.

Beide Ableger werden zunächst als hundertprozentige Tochtergesellschaften von Informix agieren. Später könnten sie vollkommen eigenständig werden. Die neue Datenbanktochter soll zirka 85 Prozent des Informix-Umsatzes erwirtschaften, vom Lösungsanbieter wird mit 15 Prozent der Einnahmen deutlich weniger erwartet.

Für das laufende dritte Quartal rechnet Informix mit einem operativen Verlust, will allerdings schuldenfrei sein und Bargeldreserven ausweisen. Trotz Restrukturierungskosten in Höhe von 15 bis 20 Millionen Dollar möchte die Firma im Frühjahr nächsten Jahres in die Gewinnzone zurückkehren.

Auch das Personalkarussell dreht sich heftig, die drei Toppositionen besetzen jetzt einstige Manager vom Data-Warehouse-Spezialisten Ardent: Der Informix-CEO (Chief Executive Officer) und -President Peter Gyenes übernimmt zusätzlich das Amt des Chairman of the Board, nachdem Bob Finocchio von diesem Posten zurückgetreten ist. Jim Foy, bisher Senior Vice President für das Datenbankgeschäft, wird President von Informix Software mit rund 2300 Mitarbeitern. Sitz dieses Unternehmens wird Westboro im US-Bundesstaat Massachusetts - dorthin verlegt Informix auch sein Hauptquartier (zuvor in Menlo Park, Kalifornien). Die Leitung der Integrations-Company übernimmt Peter Fiore, bislang Senior Vice President des Lösungsgeschäfts.

Yon Yoon Jorden, erst seit Mai dieses Jahres Finanzchefin, muss ihren Sessel bereits zum 1. November für Jamie Arnold, gegenwärtig Vice President Finance and Operations, freimachen. Der wird gleichzeitig CFO (Chief Financial Officer) von Informix Software. Sein Pendant beim Lösungsanbieter heißt Joanne Protano, auch die war früher bei Ardent.

Die Meldungen aus den USA haben auf Anwender in Deutschland zunächst keinen besonderen Eindruck gemacht. Jedenfalls erklärt Julio Aspiazu, Vorstand der deutschen Informix User Group (IUG): "Die Krise vor gut drei Jahren hat Informix auch überwunden." Mit personellen Veränderungen sei man in den USA nun einmal schneller zur Hand. Er erwarte von den Vorgängen "frischen Wind".

Der IUG-Chef sieht der Aufteilung von Informix in Deutschland "optimistisch entgegen". Doppelzuständigkeiten und Überschneidungen zwischen den Bereichen Datenbanken und Internet-Technik seien ohnehin nicht gut. Eins sei vorrangig: "Informix wird das Hauptgeschäft, die Datenbank, nicht vernachlässigen. Die Datenbank ist das, womit die Anwender ihr Geld verdienen. Insofern sind wir positiv eingestellt." Und hinsichtlich der neuen Firma für Internet-Technik und Integration sei man "neugierig".

Aspiazu fragt sich, "wie es mit der Geschäftsleitung in Deutschland weitergeht". Zur Podiumsdiskussion auf einem IUG-Workshop am 29.09.2000 in Berlin hat sich die hiesige Informix-Geschäftsleitung angesagt - mit Ausnahme von Geschäftsführerin Barbara Stanley. Aus gutem Grund: Auf Anfrage der COMPUTERWOCHE erklärte Stanley: "Ich verlasse Deutschland und kehre auf eine noch nicht definierte Position im Informix-Bereich Europe, Middle East and Africa (Emea) zurück. Ich kann heute noch nicht sagen, wer mein Nachfolger wird."

In Deutschland wird die jetzige Business Group High Performance (faktisch: Datenbankgeschäft) Teil von Informix Software. Die zwei Geschäftsbereiche Business Intelligence und E-Commerce/Web-Applikationen dürften, so Stanley, "in der neuen Firma zusammengeführt werden". Details seien noch ebenso wenig festgelegt wie personelle Konsequenzen hinsichtlich der Geschäftsführer. "Wir arbeiten momentan daran." Die Restrukturierung solle hierzulande "in vier bis sechs Wochen" vollzogen sein. In jedem Fall seien in Deutschland "keine Entlassungen geplant", in Sachen Vertrieb und Support werde es "nicht viele Veränderungen" geben.

IUG-Chef Aspiazu äußerte zu diesen Nachrichten: "Der Kopf macht sehr viel aus. Jeder Neue wird Veränderungen mit sich bringen. Dass wir jetzt nicht wissen, wer die Verantwortung übernimmt, beunruhigt die Anwender."