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17.04.1998 - 

Wachstumskrise führt zu neuem Trend mit Mini-Varianten

Datenbanker suchen ihr Heil in mobilen Versionen

Seit selbst einstige Großverdiener der Datenbankszene mit schwindenden Margen und einer zunehmenden Marktsättigung zu kämpfen haben, will man nun kleinere Brötchen backen: "Da große Unternehmen ihren Datenbankbedarf gedeckt haben, ist auch das immense Wachstum passé", bestätigt Rüdiger Spies, Senior Analyst beim Marktforschungsinstitut Meta Group aus München. Die Umsatzzuwächse seien, so der Analyst weiter, auf einen einstelligen Bereich geschrumpft und befänden sich momentan bei weltweit zirka fünf bis zehn Prozent. Schon alleine diese Zahlen seien Grund genug für die Anbieter, nach neuen Wegen Ausschau zu halten. "Wir erwarten jedoch, daß sich der Markt mit Windows CE ändern wird", prognostiziert der Marktforscher. Er gehe davon aus, daß sämtliche Datenbankprodukte, vorausgesetzt, sie seien mobil sinnvoll einsetzbar, in Kürze unter dem Microsoft-Betriebssystem zur Verfügung stehen werden.

Diese Prognose bestätigt Michael Schneller, Produkt-Manager bei der Münchner Oracle-Dependance: "Handheld-Computing ist zu einem realen Markt geworden. Windows CE und andere einfache Betriebssysteme für PDAs oder Handheld-Computer sind ein integraler Bestandteil von Mobile Computing in den Unternehmen geworden. "Diese Einschätzung teilt auch Mitbewerber Sybase. Beide Anbieter wollen daher künftig mit mobilen Varianten ihrer SQL-Datenbanken "Oracle 8" beziehungsweise "Adaptive Server" für Windows CE inklusive Consulting-Angeboten den "wachsenden Anforderungen von Außendienstlern sowie Heimarbeitern gerecht werden". Verwendung finden diese Light-Datenbanken - Oracle bietet mit "Personal Oracle Lite", Sybase mit "Adaptive Server Anywhere" ein entsprechendes Produkt - vor allem im Außendienst von Versicherungen oder bei Zustelldiensten wie United Parcel Service (UPS). Für diese User ist es von zentraler Bedeutung, mit dem Hauptquartier zu kommunizieren, aktuelle Daten herunterzuladen oder ihre Informationen mit der Unternehmensdatenbank abzugleichen.

Eher uninteressant für mobile Anwender sind hingegen ausgefeilte Multiuser-Features wie Parallelabwicklung, die monströse Datenbanken wie Oracle 8 oder DB/2 auszeichnen.

Auch ein entsprechendes Transaktions-Konzept klassischer Datenbanken mit diversen Sperrmechanismen wie Row- oder Page-Level-Locking, Recovery bei laufendem Betrieb oder aber 24-Stunden-Verfügbarkeit spielen im Zusammenhang mit abgespeckten Datenbank-Varianten keine entscheidende Rolle. "Zwischen 60 und 80 Prozent des Funktionsumfangs großer Datenbanken werden im mobilen Bereich nicht benötigt", weiß Michael Bauer, Geschäftsführer der Informatik Training GmbH aus Radolfzell. Wichtig sei sowohl für große als auch für Laptop- oder PDA-Versionen eine entsprechende Konsistenz. Datenbankexperte Bauer: "Die referentielle Integrität der Datenbank muß auf jeden Fall gewährleistet werden. "Auch die remote, bidirektionale Replikationstechnologie muß unbedingt implementiert sein - darüber sind sich sämtliche Hersteller mobiler Ausführungen einig .

Oracles abgespeckte Version, die laut Anbieter mit insgesamt 1 MB Arbeitsspeicher zurechtkommt, gleicht die Informationen entweder per Handy, Internet oder über ein fest installiertes LAN ab. Dieser Replikationsmechanismus synchronisiert bidirektional und automatisch, sobald sich der Anwender am Netz der Zentrale anmeldet. Das Mini-Paket der Ellison-Company unterstützt Anwendungen, die vollständig vom Netz abgekoppelt sind. Dabei speichert Oracle Lite individuelle Transaktionen und Benutzerinformationen in einem lokalen Speicher. Des weiteren soll sich die "leichte Datenbank" dazu eignen, ferngesteuert auf Olap-Informationen, die für gewöhnlich in einem zentralen Data-Warehouse residieren, zuzugreifen und diese zu verändern.

Oracle versus Sybase

Mit einem ähnlichen Produkt kontert Sybase. Der Anbieter offeriert seit der CeBIT dieses Jahres mit Adaptive Server Anywhere eine Mini-Datenbank, die im wesentlichen auf der bestehenden relationalen Datenbank-Engine des großen Bruders basiert und 2 MB RAM benötigt. Erfolgsgarant ist nach den Worten von Jürgen Rosenhagen, Director Marketing bei der Düsseldorfer Sybase-Dependance, eine Replikationstechnologie (SQL Remote) für die Zwei-Wege-Synchronisation der Daten mobiler Nutzer. Anwender könnten dadurch wichtige Informationen sowohl vom Zentralrechner herunterladen als auch lokale Veränderungen zurückspielen. Damit soll sichergestellt werden, daß Informationen auf PDAs, Notepads, PCs oder Enterprise-Servern stets in der aktuellsten Version vorliegen. Das Produkt nutzt Sybase zufolge die Standardprotokolle für die leitungsgebundene und drahtlose Kommunikation.

Die Hardwarebasis ist bei Sy- base und Oracle fast gleich: Während sich Adaptive Server Any- where für Windows CE laut Rosenhagen für den Einsatz auf Notebooks, vor allem aber auf Notepads sowie Personal Digital Assistants (PDAs) eignet, will sich Oracle mit "Oracle Light" vornehmlich das Geschäft mit Windows-CE-basierten PDAs und Handheld-Computern unter den Nagel reißen.

"Mobil, aber noch nicht so recht Windows-CE-tauglich", heißt es hingegen in der Marketing-Abteilung des "Jasmine"-Produzenten Computer Associates (CA). Auch für diesen Anbieter läutet das Thema Mobilität eine neue Ära im Geschäft mit Datenbanken ein. Der Hersteller bietet mit "Open Ingres/Desktop" ein Produkt, "das den Ursprung bei Gupta SQL hat", konstatiert Falk Wollatz, Technical Manager beim Darmstädter Softwerker. Das mobile Datenbankpaket sei nach der Übernahme der Lizenzrechte von Guptas "SQL Base" vor rund zwei Jahren um diverse Features der Datenbank "Open Ingres" erweitert worden und stelle Replikationsfähigkeiten sowie ein integriertes Administrations-Werkzeug zur Verfügung. "Wir bieten das Produkt momentan nur für Laptops an", so der CA-Manager weiter. Zwar sei eine Version für Microsofts Windows CE in Planung, erhältlich sei ein derartiges Release jedoch noch nicht. Auch zum Zeitplan für die Verfügbarkeit einer entsprechenden CE-Ausführung hält sich Wollatz noch bedeckt.

Ähnlich vorsichtig in Sachen Windows CE agiert die IBM mit ihrer Strategie rund um mobile Datenbanken. Der Armonker Konzern bietet mit der Workgroup Edition der "Universal Database" ein Paket mit Anschlußmöglichkeiten an den Host sowie für die Verbindung mit dem Internet und Intranets, gibt Volkhard Wolf, Brand-Manager für Daten-Management Europa, Region Zentral, zu Protokoll. Die Workgroup-Ausführung der Universal Database eigne sich für Laptops unter Windows 95, Windows NT sowie OS/2, benötige rund 64 MB RAM und "umfaßt die gesamte Replikationsfunktionalität, die vorher als Einzelprodukt erhältlich war", so Wolf weiter. Dazu gehöre die asynchrone Abgleichung für gelegentliche Updates auf dem Server. An Windows CE zeigt Big Blue hingegen nur mäßiges Interesse. Wolf prägnant: "Es gibt zwar Pläne für eine Datenbank unter Windows CE, diese wird allerdings nicht mehr in diesem Jahr fertig. "Der Grund: Die IBM konzentriere sich 1998 auf die Host-Datenbanken unter OS/390, die alle die gleiche Funktionali- tät bekommen sollen wie die Workstation-Datenbanken. "Die IBM wird in den nächsten zwei Jahren nur noch ein einziges Datenbankprodukt anbieten, das auf allen Plattformen gleich aussieht. "

Informix: Kein Interesse an CE

Eine verhaltene Strategie fährt der in den letzten Monaten durch finanzielle Rückschläge arg in Bedrängnis geratene Datenbanker Informix. Wie Barbara Spieß, Sprecherin der Ismaninger Niederlassung, erklärt, besitze der Hersteller eine Technologie, mit der sich der Zugriff von Außenstellen aus - per Notebook oder Laptop - auf die zentrale Datenbank wie "Informix Dynamic Server" realisieren läßt. "Auf den Front-ends können Informix Standard Engines oder ein Workgroup-Server installiert werden", erläutert die Pressefrau die technologische Vorgehensweise. Als Betriebssystem-Plattform dienten Windows 95 oder Windows NT. Für den Einsatz auf PDAs oder aber kleineren Geräten eigne sich das Verfahren mit der Informix-Engine oder dem Workgroup-Server hingegen nicht. Pläne für ein Mini-Datenbankprodukt á la Oracle Lite oder Sybase unter Windows CE existierten gar nicht.

SQL Server für CE?

Relativ unbeachtet strickt unterdessen auch Microsoft an einem entsprechenden Konzept. Die Gates-Company zieht derzeit in Erwägung, die für die zweite Jahreshälfte geplante Datenbank "SQL Server 7" auch für Windows CE zur Verfügung zu stellen. "Das ist bei uns derzeit noch in der Diskussion", erklärt Jochen Wießler, Produkt-Manager für die Microsoft-Datenbank der Unterschleißheimer Microsoft GmbH, den Stand der Dinge. Noch sei sich die Redmonder Muttergesellschaft nicht im klaren darüber, ob "es überhaupt Sinn macht, so eine Datenbank anzubieten".