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13.12.2005

Datenbankriesen fürchten Open Source

Trotz geringer Marktanteile der quelloffenen Alternativen reagieren die Platzhirsche IBM, Oracle und Microsoft nervös auf die neuen Konkurrenten.
Die größten fünf Anbieter teilen fast 90 Prozent des Datenbankgeschäfts unter sich auf.
Die größten fünf Anbieter teilen fast 90 Prozent des Datenbankgeschäfts unter sich auf.

Rund 90 Prozent des weltweiten Datenbankmarktes kontrollieren die fünf größten Anbieter. In kaum einem anderen IT-Segment ist die Konzentration derart ausgeprägt. Zu Lasten kleinerer Anbieter bauen vor allem IBM, Oracle und Microsoft ihre Marktstellung weiter aus. Das könnte sich bald ändern: Anbieter quelloffener Datenbanken, allen voran die schwedische MySQL AB, buhlen mit Enterprise-Funktionen und niedrigen Kosten um die Gunst professioneller Anwender.

Hier lesen Sie …

• wie Open-Source-Anwendungen den Datenbankmarkt verändern;

• welche Rolle Linux dabei als Betriebssystem spielt;

• wie die etablierten Anbieter auf die neue Konkurrenz reagieren.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

566847: Wo sich der Einsatz von MySQL 5 lohnt;

568829: Solaris künftig mit Open-Source-Datenbank;

568071: Kostenlose Datenbank von Oracle;

568377: CA gliedert Ingres aus.

"Wir registrieren jeden Tag 40000 Downloads unserer Software", wirbt Jürgen Giesel, Marketing-Manager in der deutschen MySQL-Dependance. Weltweit sei die Open-Source-Datenbank inzwischen sechs Millionen Mal installiert. Im Kampf gegen die übermächtig scheinenden IT-Konzerne steht Giesel nicht allein. Mit Ingres, Postgres oder Berkeley DB drängen weitere Open-Source- Produkte auf den Markt, die zum Teil bereits auf eine gute Reputation unter Großanwendern bauen können. Doch wie stark sind die quelloffenen Syste- me wirklich? Haben sie das Potenzial, dem Datenbankoligopol Marktanteile wegzuschnappen?

Linux auf dem Vormarsch

Die Open-Source-Community beeinflusst den Datenbankmarkt in zweierlei Hinsicht: Zum einen arbeiten mehrere Projekte an Alternativen zu kommerziellen Systemen. Zum anderen etabliert sich das Open-Source-Betriebssystem Linux immer mehr als Plattform für professionelle Datenbankinstallationen. Diese Entwicklung geht vor allem zu Lasten der klassischen Unix-Derivate. So steigerte Oracle seine Lizenzumsätze mit Linux-Versionen seiner kommerziellen Datenbank im Jahr 2004 um mehr als 150 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zugleich gingen die Einnahmen im Unix-Geschäft um drei Prozent zurück.

Bis 2008 werden die Hersteller 30 bis 40 Prozent ihrer gesamten Datenbankumsätze mit Linux-Produkten erwirtschaften, prognostiziert das Marktforschungs- und Beratungshaus Gartner. Bis dahin sei das quelloffene Betriebssystem reif für echte Produktionsumgebungen, beispielsweise als Plattform für Transaktionsverarbeitung. Unternehmen empfehlen die Berater deshalb, schon jetzt Linux-Know-how aufzubauen.

Quelloffene Datenbanken

Geht es um reine Open-Source-Datenbanken, sind Marktanteile indes schwer messbar, erläutert Gartner-Analyst Donald Feinberg. Die Branchenbeobachter messen traditionell Lizenzumsätze, eine Kenngröße, die bei quelloffenen Programmen per definitionem nicht greift. Die Anzahl aus dem Internet geladener Open-Source- Programme eignet sich laut Feinberg ebenfalls nicht als Anhaltspunkt. Schließlich könne sich jeder Student beliebig vie- le Kopien aus dem Netz ziehen. Lege man als Maßstab die Anzahl der von IT-Abteilungen gepflegten Open-Source-Datenbanken zugrunde, betrage deren weltweiter Anteil schätzungs- weise zwischen fünf und zehn Prozent.

Für den deutschen Markt liegen ebenfalls kaum konkrete Zahlen vor. Im Bereich Web-basierender Datenbankanwendungen könnte quelloffene Software hierzulande einen Anteil von zehn bis 15 Prozent erreicht haben, schätzt Carlo Velten vom Beratungshaus Experton Group, Tendenz steigend. Weil etliche Unternehmen aus Kostengründen bereits auf Oracle-Systeme unter Linux migriert seien, sähen sie kurzfristig keine Notwendigkeit, auf eine alternative Datenbank zu wechseln.

Auch Feinberg beurteilt die Perspektiven der Open-Source-Systeme zurückhaltend. In den nächsten fünf Jahren stellten sie keine ernsthafte Bedrohung für kommerzielle Anbieter dar: "Bis zum Jahr 2008 werden Open-Source-Datenbanken lediglich für nicht geschäftskritische Applikationen eingesetzt", so seine Prognose. Kommerzielle Datenbanken böten Unternehmensanwendern noch immer gewichtige Vorzüge, darunter eine größere Funktionsbreite, besseren Support, Skalierbarkeit und mehr Verwaltungs- und Entwicklungswerkzeuge. Eine Ausnahme bilde die aktuelle Version 5 von MySQL. Er gehe davon aus, dass SAP die Software aus Schweden für den Einsatz mit seinen ERP-Systemen zertifizieren werde.

MySQL holt auf

In Sachen Funktionalität haben Open-Source-Datenbanken gegenüber den kommerziellen Rivalen aufgeholt. MySQL etwa wurde lange Zeit nur in Universitäten und Kleinstunternehmen gesehen, weit entfernt von den Anforderungen einer "richtigen Firma". Ein oft gehörter Einwand war, dass das System keine echten Transaktionen unterstütze. Dieses Feature ist zusammen mit Row Level Locking schon seit der Version 3.23 in der InnoDB Storage Engine von MySQL implementiert. Inzwischen verfügt MySQL 5 über Features wie Stored Routines, Trigger und Views, die lange Zeit teuren kommerziellen Produkten vorbehalten waren.

Doch es gibt Grenzen. Geht es um Hochverfügbarkeit, Systemadministration oder Backup und Recovery, gelten die etablierten Datenbanken noch immer als überlegen. Experten empfehlen den Einsatz von MySQL 5 deshalb nur für bestimmte Bereiche, beispielsweise für leseintensive Anwendungen oder als Subsystem für eine "Master"-Datenbank (siehe Kasten "Mehr zum Thema: Wo sich der Einsatz von MySQL 5 lohnt").

Bis sich die Datenbank in unternehmenskritischen Bereichen durchsetzt, wird wohl noch einige Zeit vergehen, räumt MySQL-Manager Giesel ein. Unternehmen tauschten ihre Altsysteme nicht ohne Not gegen ein Open-Source-Produkt aus. Mit dem wachsenden Kostendruck könne MySQL seine Vorteile aber immer besser ins Spiel bringen.

Trotz funktionaler Defizite der Open-Source-Konkurrenz reagieren die Platzhirsche im Datenbankmarkt zunehmend nervös. Anfang nächsten Jahres bringt Oracle mit "Oracle 10g Express Edition" (Oracle XE) eine kostenlose Einstiegsversion seines Flaggschiffprodukts. Für die von Lawrence Ellison geleitete Company ist dies schon der zweite Anlauf im Lowend-Segment. Die "Oracle 10g Standard Edition One" für Server mit maximal zwei Prozessoren können Unternehmen zum Preis von 149 Dollar pro zugreifenden Nutzer erwerben.

Für die Gratisversion XE liefert Oracle keinen Support. Anwender könnten über die Online-Community "Oracle Technology Network" (OTN) Unterstützung erhalten, ließ Ellison verbrei- ten. Dies sei als "Kampfansage an Angebote wie MySQL" zu verstehen.

Auch den Branchenprimus IBM lässt die Entwicklung nicht ungerührt. Die relationale Datenbank DB2 soll demnächst ebenfalls in einer kostenlosen Einstiegsversion verfügbar sein. Als Teil der PHP-Entwicklungsumgebung hatte Big Blue schon zuvor die Datenbank Cloudscape der Open-Source-Community zur Verfügung gestellt. Selbst Microsoft, auf Windows-Plattformen bislang unangefochtener Marktführer, plant mit der "Express Edition" eine Gratisvariante des "SQL Server 2005".

Ob diese Bemühungen ausreichen, die Open-Source-Herausforderer in Schach zu halten, lässt sich noch nicht beurteilen. Feinberg geht davon aus, dass die Konzerne ihre Einstiegsprodukte aggressiv vermarkten werden. Supportdienste und ein kompletter Software-Stack rund um die Datenbankprodukte dürften die wichtigsten Argumente sein.

Ingres am Ende?

Ein vernichtendes Urteil fällt der Gartner-Mann über die quelloffene Datenbank Ingres. Computer Associates (CA) hatte den Quellcode der 1994 zugekauften Software zunächst offen gelegt und schließlich die gesamte Sparte in ein selbständiges Unternehmen ausgelagert.

"Das ist das Ende von Ingres", kommentiert Feinberg lapidar. Wie die neue Firma Ingres Corp. mit der Open-Source-Software Geld verdienen wolle, könne er nicht erkennen. Sein Rat an Ingres-Anwender: "Migrieren Sie jetzt!"