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12.09.1986 - 

Auswirkungen der 29. Änderungsverordnung auf die DFV, Teil 3:

Datenfernverarbeitung in vielen Punkten billiger

Die Auswirkungen der 29. Änderungsverordnung auf das Datenfernverarbeitungskonzept des einzelnen Anwenders ist von den geografischen Verhältnissen und der Anwendungsstruktur stark abhängig.

Die Erweiterung des Diensteangebotes und die zum Teil drastischen Gebührensenkungen können dazu genutzt werden, durch Anpassung der Netzstruktur des verwendeten Dienste-Mix und der angeschlossenen Endgeräte Gebühreneinsparungen und Funktionsverbesserungen zu erzielen, sowie neue Standorte und Anwendungen in die DFV einzubeziehen. Im folgenden sind die wesentlichen Aspekte zusammengefaßt.

Datex-P

Etwa 5000 Teilnehmer haben keinen Hauptanschluß an Datex-P, sondern wählen den PAD über das Fernsprechnetz an. Die starke Spreizung der Fernsprechtarife (Faktor 40, zwischen acht Minuten und zwölf Sekunden) wird ab 1.4.1987 für diese Teilnehmer durch einen Einheitstarif (je Gebühreneinheit 50 s am Tag und 75 s in der Nacht) abgelöst.

Damit wird der Zugang zum PAD für Teilnehmer, die ihn bisher zu Ortsgebühr erreichen konnten, um den Faktor neun teurer, für die aus dem Fernbereich über 100 km um den Faktor vier billiger.

Dieselbe Einheitsgebühr gilt auch für den Zugang zu Telebox.

Daraus wird sich eine, stärkere Nutzung des Paketvermittlungsnetzes durch mit geringerem Verkehrsaufkommen auf dem flachen Land ergeben. Parallel dazu wird Druck auf die Endeinrichtungen

ausgeübt, oft wiederkehrende Dialogteile, wie zum Beispiel die Zugangsprozedur oder die Abfrage, einer Mailbox, automatisch abzuwickeln.

Die Auslandsgebühren für Datex-P wurden zum 1. 7.1986 gesenkt, so die Zeitgebühr generell um fünf Pfennig (dies entspricht 20 Prozent) je Minute und die Volumengebühr nach USA um 0,3 Pfennig (19 Prozent) je Segment. Zu den bisher 32 Ländern, mit denen Datex-P-Verkehrsbeziehungen bestehen, kommen 21 weitere.

Telex

In den letzten Jahren hat sich die Nutzung des Telexdienstes durch die Datenverarbeitung erheblich verstärkt. Die Gründe sind vielfältig. Sie reichen von der zunehmenden Nutzung von, DV-Anlagen für die Textbearbeitung und -speicherung bis zu der Tatsache, daß sich viele DV-Hersteller erst mit Telex beschäftigen, seit Teletex angeboten wird. Mit Hilfe des TTU (Telex-Teletex-Umsetzer) gelangen sie zu der Erkenntnis, daß der Telexdienst ein verläßliches, weltweites Kommunikationsmittel darstellt.

Weitere 61 Auslandsbeziehungen werden von Hardwarevermittlung auf Selbstwahl umgestellt. Insgesamt sind damit 182 Länder per Selbstwahl erreichbar.

Dieser Trend wird durch Gebührensenkungen im interkontinentalen Telexverkehr zwischen 17 Prozent (Naher Osten) und 33 Prozent verstärkt. Besondere Bedeutung hat dabei die Senkung der Gebühren nach USA, Canada, Australien und Israel um 27 Prozent.

Gleichzeitig wird das Verbot aufgehoben, Fernschreiben über ausländische Telexagenturen weiterzugeben. (Ob sich die Dienste dieser Agenturen bei den neuen Gebühren allerdings noch rechnen, ist von Fall zu Fall zu untersuchen.)

Die Erhöhung der Telexgrundgebühr um 15 Mark paßt zwar nicht ganz in dieses Bild, wird aber für DV-Anlagen durch ein Senken des Systemzuschlages um 16 Mark (50 Prozent) den sie je Hauptanschluß zu zahlen haben, kompensiert.

Teletex

Der Teletexverkehr nach Frankreich, Luxemburg , in die Schweiz, die Niederlande und die Türkei wurde eröffnet. Nunmehr sind 14 Länder vom deutschen Teletexdienst aus erreichbar, darunter auch drei (CH, F, NL), die den Dienst im paketvermittelnden Datennetz angesiedelt haben. (Seit Juli, ist der Verkehr technisch auch mit Belgien möglich.)

Damit gewinnen die Teletexprotokolle mit ihrem hohen, bis zur Ebene sieben durchstandardizieren Funktionsangebot weiter an Bedeutung für die Datenverarbeitung.

Ab 1.6.1986 können Teletexteilnehmer kostenlose Verbindungen zur Telegrammaufnahme herstellen. Diese Möglichkeit wird auch für Datexteilnehmer geschaffen, deren Stationen das, Teletexprotokoll beherrschen!

Telebox

Nach Abschluß des Versuchsbetriebes wurde zum 1. 7.1986 der Telebox-Dienst offiziell eingeführt. Dabei wird - vorerst nur in der Verordnung, erst später in der Praxis - eine Zugangsmöglichkeit für solche Stationen geschaffen, die an Datex L2400, 4800 und 9600 angeschlossen sind und die Teletexprotokolle beherrschen! Der Übergang zum Bildschirmtext-Mitteilungsdienst und mit dem P1-Protokoll nach CCITT X.400 - zu privaten Mailbox-Systemen wird gleichfalls geregelt.

Die Übermittlung einer Mitteilungsseite von Btx nach Telebox soll 80 Pfennig kosten. In der Gegenrichtung sind 50 Pfennig je Mitteilungsseite und 30 Pfennig pro Minute für die Belegungszeit des Teleboxanschlusses vorgesehen.

Im internationalen Verkehr zwischen Teleboxeinrichtungen werden die Gebühren um 20 bis 40 Prozent für die ersten 2000 Zeichen gesenkt. Die Übermittlung von 2000 Zeichen kostet ab 1.7.1986 zum Beispiel in Europa 40 Pfennig und nach USA 80 Pfennig.

Mit diesen Maßnahmen wird nicht nur Telebox für die Anwender attraktiver; zugleich bedeutet dies auch eine Aufwertung der Teletexprotokolle in den Augen der Datenfernverarbeiter. Bekanntlich erfordert die Teilnahme am Teletexdienst besondere Vorkehrungen, um sicherzustellen, daß die Dienstgüte gewährleistet wird. Diese Vorkehrungen sind für DV-Anlagen mit höheren Kosten verbunden als die bloße Bedienung der Teletexprotokolle. Bisher war es möglich, derartige DV-Anlage von Teletexstationen, die am Dienst teilnahmen, anrufen zu lassen. Es war also ein Textaustausch in beiden Richtungen möglich, die Initiative konnte aber nur von der am Teletex-Dienst , angeschlossenen Station ausgehen. Nunmehr kann eine DV- Anlage, die an Datex-L angeschlossen ist, von sich aus eine Meldung in der Telebox-Dienst absetzen. Von dort holt sie der Inhaber der Box ab, gleichgültig, ob er eine Station hat, die die Teletexprotokolle kann, ob diese am Teletexdienst teilnimmt oder "nur" an Datex-L angeschlossen ist, oder ob er gar nur über eine asynchrone Station nach CCITT X.28 verfügt und sich erst über das Fernsprechnetz und Dx-P an Telebox heranwählen muß (Bild 2).

Telebox erhält auch die Unter dem Abschnitt "Datex-P" genannte einheitliche Zugangsgebühr im Fernsprechnetz.

Bildschirmtext

Für multifunktionale Telefone wird ein "Schnupperangebot"

eingeführt: Drei Monate gebührenfrei, danach kündigen oder mieten (Mindestmietdauer von fünf auf drei Jahre gesenkt).

Dadurch wird der weitere Anstieg der Teilnehmer Zahlen beschleunigt und die kritische Masse an Teilnehmern und Abrufen früher erreicht.

Wie wichtig die konsequente Förderung eines neuen Fernmeldedienstes bis zu dem Punkt ist, andere die kritische Masse erreicht und die eigendynamische Fortentwicklung gesichert ist, zeigt die Entwicklung in den USA. Dort sind die an Bildschirmtext interessierten Teilnehmer zersplittert, auf verschiedene inkompatible Terminals, Dienste und Netzträger aufgeteilt. Die ersten Carrier müssen bereits aufgeben, obwohl die Summe der Teilnehmer in den USA im Rahmen eines gemeinsamen Dienstes bereits attraktiv wäre.

Temex

Zum 1.6.1986 wurde der Temexdienst eingeführt, der eine zusätzliche Nutzung, vorhandener Fernsprechteilnehmer-Anschlußleitungen für Fernmessen-, -anzeigen, -einstellen und -schalten erlaubt. Die dabei verwendeten Einrichtungen sind auf das erwartete geringe Datenaufkommen je Endstelle optimiert. Damit werden sie zu Gebühren angeboten, die für viele Anwendungen erst den wirtschaftlichen Einsatz, der Datenfernübertragung ermöglichen.

Die Grundgebühren Liegend je Länge der Nachricht (ein Bit, acht Bit oder maximal 48x8 Bit) zwischen drei Mark und 15 Mark für Nutzer und 55 Mark für Anbieter (Zentralen).

Weitere Schritte in Richtung Liberalisierung

Seit 1. 6. 1986 ist es gestattet, an dieselbe DV-Anlage auch Hauptanschlüsse unterschiedlicher Datennetze und unterschiedlicher Geschwindigkeiten anzuschließen und dabei auch Nachrichten Dritter zwischen diesen Anschlüssen zu vermitteln!

Damit, wird wesentliche Gestaltungsfreiheit bei i der Konfigurierung von Anwendernetzen gewonnen.

Dies gilt für die Einführung der internationalen Festverbindungen (siehe oben)-in noch höherem Maße. Mit diesen Festverbindungen wird die überaus freizügige Zusammenschaltung von Fest- und Wählverbindungen der nationalen Praxis gleichsam exportiert. Ausdrücklich sei vermerkt, daß der Verfasser vom Export freizügiger Regelungen spricht, nachdem er die Vorschriften studiert hat, die in sogenannten Musterländern der "Liberalisierung" gelten. Diese Vorschriften vermitteln den Eindruck, daß Freiheiten, die im Bereich der DBP jedem Datenfernverarbeiter gestattet sind, (zum Beispiel Verbindungen von Wähl- und Festverbindungen, gleichgültig ob der Betreiber einer DV-Anlage ihre Verarbeitungsdienste selbst nutzt oder Dritten anbietet), dort auf eine neue Klasse Privilegierter beschränkt seien, auf die nämlich, die eine Lizenz für sogenannte "Value Added Services" das heißt äußerst vage definierte "höhere Dienste" ergattern konnten.

Wird die DBP zu einer Störung gerufen die auf einen Fehler im privaten Endgerät: zurückzuführen ist, so berechnete sie bisher nur im Wiederholfall und nach Aufwand.

In Zukunft soll jeder Einzelfall pauschal mit 65 Mark abgegolten werden.

Die finanziellen Auswirkungen dürften gering sein. Den Beteiligten werden dabei Diskussionen erspart und dem Anwender wird das Führen von Statistiken erleichtert, die ihm Aufschluß über die Qualität seiner Endgeräte geben und über die Effektivität der Mittel zur Fehlerortung, die er oder seine Wartungsfirma einsetzt.

In die Entstörung außerhalb der Regeldienstzeit werden Amtseinrichtungen mit einbezogen.

Das Angebot von Ersatz-DÜE wird um Anschlußeinheiten für 64 kbit/s (170 Mark/Monat) und 1,92 MBit/s (240 Mark/Monat) erweitert. Da es nirgendwo verboten ist, diese Geräte etwa auf privaten Leitungen für Direktruf einzusetzen, werden damit erprobte Übertragungseinrichtungen auch für den Inhouse-Einsatz verfügbar.

Die 29. Änderungsverordnung enthält Gebührensenkungen, Angebotserweiterung, verwaltungstechnische Vereinfachungen und benutzungsrechtliche Liberalisierungen, die sie zur Pflichtlektüre für Datenfernverarbeiter macht.

Datenfernverarbeitung wird in vielen Punkten billiger und das Angebot für hohe Bitraten äußerst attraktiv.

Die Bundesrepublik und Westberlin bauen ihre technische Spitzenposition in der Datenfernverarbeitung weiter aus und bleiben beziehungsweise sind wieder auch in ihren Tarifen als Standort für internationale Kommunikationszentren konkurrenzfähig.

Technisch werden folgende Trends unterstützt:

- Nutzung hoher Bitraten, insbesondere 64 kBit/s und 1,92 MBit/s,

- Nutzung der Schnittstellen nach X21 und So,

- Nutzung von Wählverbindungen an jeder Stelle eines Anwendernetzes, beispielsweise auch hochbelasteten Verbindungen zwischen Vermittlungsknoten des Anwendernetzes,

- Ablösen von Ringstrukturen durch die leichter wartbare Sterntopologie,

- Nutzung der Teletexprotokolle auch für Zwecke der Datenfernverarbeitung,

- grundstücksüberschreitende Nutzung von LAN-Technologien,

- Einsatz von Techniken, die grundsätzlich für Wählverbindungen geeignet sind, und damit zunehmende Mischung von Fest und Wählverbindungen im selben Anwendernetz,

- Vorbereitung auf ISDN auf allen Ebenen der Anwendung,

- Anstoß neuer DFV-Techniken im Bereich oberhalb von 2MBit/s.