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21.04.1978

Datenfernverarbeitungs-Konzepte von morgen programmierte Interessenkollision? Klaus Steckel Rechenzentrum Steckel, Berlin

Ich halte das Angebot der Deutschen Bundespost (DBP), offene Systeme im Bereich der DFÜ zu fördern, für geradezu notwendig.

Offene Systeme setzen eine gewisse Übereinkunft voraus. Wenn eine solche praktikabel erreicht werden soll, muß man sich gewissen Beschränkungen hinsichtlich des Grades der Kompatibilität unterwerfen. Daß Jobs von einem Rechenzentrum in ein anderes Rechenzentrum geschickt werden, halte ich zum Beispiel für eine Ebene, über die erst später nachgedacht werden sollte, damit man in vernünftiger Zeit überhaupt ein solches System einführen kann. Je weniger Übereinkünfte hierzu erforderlich sind, je früher wird ein derartiges System realisiert werden können. Natürlich muß der Datenverkehr genormt sein, es muß also eine Normschnittstelle definiert und es müssen Normprozeduren festgelegt werden. Eine solche Normschnittstelle wurde zum Beispiel mit der Schnittstelle 25 bereits vorgelegt. Nach Auskunft der DBP haben sich die meisten Hersteller auch bereiterklärt, diese Schnittstelle in ihrem Angebot vorzusehen.

Da der Datenverkehr im wesentlichen von der DBP durchgeführt wird, sollten Fragen der Kompatibilität unter Federführung von Fachleuten der Bundespost zusammen mit den wichtigsten Herstellerfirmen und des Verbandes Deutscher Rechenzentren in einem Arbeitskreis beschlossen werden. Man wird hierbei davon auszugehen haben, wie viele Installationen am Markt vorhanden sind und dadurch sozusagen die einzelnen Stimmen der Hersteller gewichten müssen. Politische Gründe sollten hierbei keine Rolle spielen. Es wäre schön, wenn nur der technische Sachverstand den Ausschlag geben würde. Auf deutsch: Man müßte sich wohl weitgehend den Prozeduren des Marktführers anpassen.

Offene DV-Systeme stehen sehr wohl im Widerspruch zur bisherigen Hardwarepolitik der meisten Hersteller, sie sind aber im Interesse der Anwender. Hier wird sich wohl ausnahmsweise einmal der Anwender gegenüber dem Hersteller durchsetzen, mit Unterstützung der DBP.

Von verteilten Datenbanken halte ich im Moment nicht viel, da die Datenbankstrukturen der einzelnen Hersteller weit davon entfernt sind, kompatibel zu sein. Da die Softwarepakete um die einzelnen Datenbanken herum ein nicht unbedeutendes Vermögen an erbrachter Softwareleistung darstellen, ist in absehbarer Zeit nicht daran zu denken, hier eine Normierung zu erreichen.

Die Verwendung von Datenbanken etwa im Rahmen offener Systeme stehen sehr wohl dem Hardwareausbau beim Anwender entgegen, wenigstens in weiten Teilen.

Die Paketvermittlung wird von mir uneingeschränkt begrüßt, sofern die DBP sich dazu entschließen wird, eine grundsätzlich andere Preispolitik zu betreiben: Der Paketvermittlungsdienst der Bundespost enthält uneingeschränkt den Anreiz für eine sehr große Zahl von Anwendern, Datenfernübertragung zu treiben. Das setzt vernünftige, also niedrige Einstiegsgebühren voraus, insbesondere niedrige Anschlußgebühren und niedrige Modemgebühren. Die Bundespost sollte neben der Vermietung von Modems daher auch den Kauf von Modems ermöglichen und deren Preise für eine große Anwenderzahl, zum Beispiel über Einhunderttausend, von vornherein kalkulieren.

Ihre letzte Frage ist natürlich die interessanteste und gleichzeitig auch die wichtigste: Ich bin durchaus Ihrer Meinung, daß die Vorklärung der Frage "Zentralisation oder verteilte Intelligenz" notwendig ist und daß die daraus folgenden Ergebnisse die meisten der zuvor aufgeführten Fragen beantworten werden.

Wenn die Einstiegskosten in den Paketvermittlungsdienst gering gehalten werden, wird sich die Zentralisation der Datenverarbeitung, wozu der Einsatz von (unintelligenten) Datensichtgeräten am Arbeitsplatz des Anwenders gehört, mit großer Sicherheit durchsetzen gegen die sogenannte verteilte Intelligenz, also eine verhältnismäßig hohe Intelligenz vor Ort. Der Hauptgrund hierbei ist die billige DFÜ, demgegenüber steht das teure Handling der Intelligenz vor Ort. Hier ist nicht die Intelligenz vor Ort gemeint, die keinerlei Bedienung bedarf, die als Daten über das Tagesgeschäft hinaus weder aufbewahrt noch in irgendeiner Form bereitstellt oder verarbeitet. .

Schon heute verursacht der Unterhalt von intelligenten Stationen, welche selbst Dateien führen, stets weit höhere Manpower und höhere Nebenkosten als die Hardware selbst. Diesen Umstand dem Anwender aufzuzeigen, ist eine wichtige Aufgabe der Fachpresse, weil das Heer der Hardware-Verkäufer an einer solchen Aufklärung nicht interessiert sein wird.

Heinz Sarbinowki

Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD), Darmstadt

Datenfernverarbeitung ist heute in der Regel eine Angelegenheit von wenigen finanzkräftigen Anwendern. Heutige Datenfernverarbeitungskonzepte sind auf diesen Markt zugeschnitten. Die Wachstumsmöglichkeiten der Datenfernverarbeitung sind begrenzt durch Inkompatibilitäts-Barrieren, die den Verbund zwischen verschiedenen DV-Systemen oder den Zugang zu verschiedenen DV-Diensten erschweren oder unmöglich machen.

Datenfernverarbeitungs-Konzepte von morgen müssen diese Barrieren überwinden, um eine breitere Marktbasis für die Datenfernverarbeitung zu schaffen. Für die DV-Hersteller bedeutet eine breitere Marktbasis, die letztlich bis in die privaten Haushalte geht, ein enormes Wachstumspotential.

Für die Anwender ergibt sich die Möglichkeit, Zugang zu DV-Diensten zu erlangen, die bisher nur wenigen zugänglich waren. Die DV-Dienstleistungs-Branche wird neue Dienste anbieten können, die vorher wegen der begrenzten Anwenderzahl finanziell nicht tragbar waren. Eine solche breitere Marktbasis ist aber nur erreichbar, wenn die angebotenen Datenfernverarbeitungs-Geräte kompatibel und dadurch in hohen Stückzahlen billig produzierbar, die DV-Dienste über diese Geräte öffentlich zugänglich und die DÜ-Kosten erschwinglich sind. Diese (technologisch bereits heute machbaren) Voraussetzungen so schnell wie möglich zu erfüllen, liegt im Interesse aller Beteiligten. Der Weg für die Datenfernverarbeitungs-Konzepte von morgen ist vorgezeichnet. Die Interessen-Kollission findet nicht statt.

Dr. Gert Bindels

der Honeywell Bull, Köln, verläßt

Honeywell Bull bejaht die Einrichtung herstellerunabhängiger, offener Datenverarbeitungsnetze, beziehungsweise Datenverarbeitungssysteme. Nach unserer Auffassung stehen offene Datenverarbeitungssysteme im Widerspruch zur Politik des größten Herstellers, Terminals, Subrechner, Konzentratoren etc. (Master-Slave-Prinzip) könnten nur mit einem Host des gleichen Herstellers verkehren (SDLC).

Offene Netze stehen nicht im Widerspruch zur Honeywell-Bull-Politik. Die Entwicklung des LDS-Netzes auf Basis der X25-Schnittstelle in Nordrhein-Westfalen durch Honeywell Bull unterstreicht die liberale, offene Einstellung dieses Hauses. Die Grundfrage "Zentralisierung contra Dezentralisierung" ist zunächst einmal ein organisatorisches Problem eines Unternehmens, beziehungsweise einer Behörde, die unabhängig von offenen Datenverarbeitungssystemen untersucht werden muß. Der Grad der Dezentralisierung wird organisatorisch bestimmt durch die Grundfragen der Informationsverarbeitung: Für welchen Informationsempfänger soll es welche Informationen

- an welcher Stelle

- in welchem Zusammenhang

- in welcher Aktualität und Periodizität

- in welcher Qualität und auf welcher Abstraktionsebene erfaßt, gespeichert, verarbeitet oder bereitgestellt werden?

Bezogen auf die Hardware-Kosten ist heute ein dezentralisiertes System

wirtschaftlich darstellbar. Neben dem Preisverfall für dezentrale Intelligenz kommen offene Datenverarbeitungssysteme diesem Trend entgegen.

In dezentralen Organisationen ist die Möglichkeit, verteilte Datenbanken zu schaffen, absolutes Muß. Um verteilte Datenbanken innerhalb offener Systeme realisieren zu können, sind genormte Applikationsprotokolle (zum Beispiel Virtuel Terminal Concept) Voraussetzung, da nicht damit gerechnet werden kann, daß genormte System-Software allgemeingültig verwendet wird.

Die Möglichkeit, durch offene Systeme von "beliebigen" Stellen nach Bedarf auf fremde Datenbanken zugreifen zu können, eröffnet sicherlich ganz neue Perspektiven in der Datenverarbeitung.

Die Paketvermittlung ist hervorragend geeignet für Datenvermittlung im Zusammenhang mit offenen Datenverarbeitungssystemen. Die Paketvermittlung ist sicherlich weniger geeignet in Applikationen, in denen durch festgeschaltete Punkt-zu-Punkt-Verbindungen größere Datenmengen schneller abgearbeitet werden können (klassisches Beispiel: Warenwirtschaftssystem mit Check-out-Line).

Dr. Richard Nowak

Deutscher Sparkassen- und Giroverband, Bonn

Die deutsche Sparkassenorganisation gehörte zu den ersten Anwendern der Realzeitverarbeitung in Deutschland. Bereits 1967 bediente die erste Sparkasse ihre Kunden am Schalter mit Hilfe von Sparbuch- und Belegdruckern und Online-Schaltermaschinen. Inzwischen wurden Sparkassen und Girozentralen zur größten Anwendergruppe der Datenfernverarbeitung. Sie betreibt heute fast 10 000 Realzeit-Datenstationen, darunter über 8000 Online-Schaltermaschinen. Mit dem immer stärkeren Anschluß an

Gemeinschaftsrechenzentren zur Ausnutzung der Möglichkeiten moderner Datenverarbeitung für Sparkassen aller Größenordnung, erlangt auch die Stapelfernverarbeitung erhebliche Bedeutung. Im Vordergrund steht dabei die Datenerfassung von Zahlungsverkehrs-Informationen und der Ausdruck von Tagesauszügen vor Ort.

Die zukünftigen DV-technischen Probleme liegen in der Beherrschung umfangreicher Datenfernverarbeitungssysteme mit jeweils über 1000 Realzeit-Datenstationen und gleichzeitiger Stapelfernverarbeitung, wobei die Durchsatzrate dieser Systeme in die Größenordnung von 5 Millionen Transaktionen pro Tag reichen wird. Extreme Anforderungen dieser Art erfordern naturgemäß besondere Konzeptionen der Hardware, Software und der Datennetze. Die Lösung kann nur in enger Zusammenarbeit zwischen Anwender, Hersteller und Post gefunden werden.