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25.02.1994

Datenkommunikation via GSM ante portas Wenn das mobile und digitale D-Netz-Handy zweimal klingelt

Kaum etwas wird derzeit haeufiger mit mobiler Kommunikation assoziiert als die ueberall ins Auge stechenden Mobilfunk-Handies. Wer digital und mobil telefoniert, ist jedenfalls in. Gerhard Kafka* laesst in einer Art kritischer Bestandsaufnahme den Siegeszug des digitalen Mobilfunks in Deutschland und Europa Revue passieren und zeigt anhand der absehbaren weiteren technischen Entwicklung, dass mobiles Telefonieren in Zukunft mehr sein kann als eine blosse Modeerscheinung.

Haben Sie kuerzlich einen Fachkongress oder eine Messe besucht? Immer haeufiger sieht man dort geschaeftstuechtige Menschen mit Aktentaschen, Rucksaecken und Laptops unter dem Arm umhereilen - alles Requisiten, denen eines gemeinsam ist - naemlich die herausragende Funkantenne. Erkennt man daran den unentbehrlichen Zeitgenossen, den immer erreichbar sein muessenden Manager, oder sind es lediglich Exhibitionisten, die mit modernster Technik einfach auffallen moechten?

Als wirklich deplaziert werden diese mobilen Telefone zumindest dann empfunden, wenn sie demonstrativ-provozierend auf dem Konferenztisch oder der Seminarbank liegen. Der Kollege, der kuerzlich mit mir ein zweitaegiges Seminar besuchte, war jedenfalls sehr frustriert, als sein Handy kein einziges Mal einen Ton von sich gab. Dem Mann kann nun allerdings geholfen werden, nachdem eine findige nordbayerische Agentur unter dem Motto "Rent-a-Call" Moechtegern-Managern zum Status einer begehrten Person verhelfen will.

Mobilfunkgeschaeft hat gerade erst begonnen

Spass beiseite: Es ist schon beeindruckend, was aus dem GSM- Standard (urspruenglich die Bezeichnung fuer "Groupe Speciale Mobile", wurde aber zwischenzeitlich durch die allgemein verstaendlichere Lesart "Global System for Mobile Communications" ersetzt) fuer digitale zellulare Mobilfunknetze inzwischen geworden ist. Immerhin ist es ja noch nicht allzu lange her, dass sich die EU-Mitgliedslaender durch die Bank verpflichtet haben, in ihren jeweiligen Netzen dafuer zu sorgen, dass ein Teilnehmer mit seinem persoenlichen digitalen Endgeraet lueckenlos in ganz Europa telefonieren kann.

Die hierfuer erforderlichen internationalen Standards hat das European Telecommunications Standards Institute (ETSI) erarbeitet. Noch nie zuvor wurde dabei, insbesondere im Hinblick auf die hierzu notwendige Software, ein derart umfangreiches Projekt dermassen schnell realisiert. Der Lohn fuer die beteiligten Hersteller von Systemtechnik und Endgeraeten, Netzbetreiber und Service-Providern blieb nicht aus - zumindest scheinen die rasche Verbreitung und Akzeptanz bei den Anwendern sowie neu hinzukommende Maerkte wie etwa die Laender Osteuropas, aber letztlich auch weitere innovative Applikationen einen raschen Return on investment zu versprechen.

Und dabei hat das Mobilfunkgeschaeft gerade erst begonnen. Laut einer Untersuchung des US-Marktforschungsunternehmens Dataquest wird die Zahl der Benutzer in den europaeischen GSM-Netzen von derzeit 1,25 Millionen bis 1997 auf ueber 14 Millionen ansteigen.

Von den jetzigen 1,25 Millionen Teilnehmern sind mehr als eine Million in den beiden deutschen Netzen D1 und D2 eingebucht - eine europaeische Fuehrungsrolle, die in nur eineinhalb Jahren erreicht wurde. Im Vergleich dazu benoetigte etwa das 1986 gestartete C- Netz, das aufgrund seiner proprietaeren Technik nur innerhalb der Bundesrepublik zum Einsatz kam, mehr als sechs Jahre, um seinen nunmehr hoechsten Teilnehmerstand von rund 800000 Kunden zu erreichen.

Allerdings begann die Einfuehrung der GSM-Netze in Deutschland zunaechst verzoegert, was nicht wenige interessierte Anwender veraergerte - hatte doch die Deutsche Bundespost Telekom ihr neues Mobilfunknetz D1 bereits bei der Internationalen Funkausstellung im Sommer 1991 der Oeffentlichkeit praesentiert. Im Oktober des gleichen Jahres gab es dann bei der Telekom-Kundschaft lange Gesichter, da das Postunternehmen statt erster Endgeraete nur ein freundliches Schreiben auslieferte, in dem auf Lieferschwierigkeiten der entsprechenden Hersteller hingewiesen und auf einen Termin Anfang 1992 vertroestet wurde. Der offizielle Starttermin von D1 war dann der 1. Juli 1992 - rund zwei Wochen spaeter als beim D2-Netz des Duesseldorfer Konkurrenten Mannesmann Mobilfunk.

Ursache fuer den verspaeteten Start des digitalen Mobilfunks waren die aeusserst komplexe Zulassungspruefung beziehungsweise Probleme bei der endgueltigen Definition des GSM-Standards.

Kaum hatten die D-Netze dann endlich ihren regulaeren Betrieb aufgenommen, sorgte das Bundespostministerium mit der Ausschreibung einer Lizenz zum Betrieb eines weiteren GSM-Netzes fuer Aufregung - bedeutete dies doch fuer die beiden D- Netzbetreiber, sich den Markt mit einem weiteren Konkurrenten teilen zu muessen.

Die fuer Ende 1992 vorgeseheen Zuschlagsfrist verzoegerte sich durch den Wechsel an der Spitze des Ministeriums bis Anfang Februar 1993. Am 4. Mai 1993 wurde dem Gewinner der E1- Lizenzausschreibung, der E-Plus Mobilfunk GmbH, deren wichtigste Gesellschafter Thyssen, Veba, Bell South und Vodaphone sind, die Lizenz zum Errichten und Betreiben des E1-Netzes erteilt.

Mit einer (Stand Ende Januar 1994) D1-Teilnehmerzahl von 515000 hat die Telekom mittlerweile im Vergleich zu Mannesmann kraeftig aufgeholt, auch wenn die Duesseldorfer mit knapp ueber 50 Prozent Marktanteil die Nase immer noch vorne haben. Detemobil, die von der Telekom fuer das gesamte Mobilfunkgeschaeft ausgegliederte Tochtergesellschaft, rechnet bis Ende des Jahres mit einer Verdoppelung der Teilnehmerzahl. Eine angesichts der momentanen Entwicklung nicht uebertrieben optimistische Prognose, denn der GSM-Standard setzt seinen Siegeszug fort: 87 Netzbetreiber in 51 Laendern haben sich bereits fuer das normierte digitale Uebertragungsverfahren entschieden, davon allein 38 Carrier ausserhalb Europas.

Die D-Netze sind aber nicht nur wegen der Moeglichkeit des standortunabhaengigen Telefonierens attraktiv, sondern bieten den Kunden eine Reihe von Zusatzdiensten. So hat beispielsweise Detemobil fuer das D1- beziehungsweise C-Netz fuenf Mehrwertdienste im Produktportfolio. Dazu gehoeren ein Pannendienst, ein Travel- Service fuer Buchungen in Hotels und Restaurants beziehungsweise Reservierungen von Flugtickets und Mietwagen, ein Verkehrsinformationsdienst in Zusammenarbeit mit dem ADAC sowie ein Sekretariatsservice mit diversen Message-, Telefax-, Telex- und Textverarbeitungsdiensten.

Noch Zukunftsmusik hingegen ist die von Detemobil vor wenigen Tagen vorgestellte weitere Moeglichkeit zur besseren Nutzung der D1-Netzinfrastruktur. Sagem (System zur automatischen Gebuehren- Erhebung durch GSM-Mobilfunktechnik) soll als neuartiges Inkassosystem im Hinblick auf die vorgesehenen europaweiten harmonisierten Strassennutzungsgebuehren seinen Beitrag zum Verkehrskonzept von morgen leisten. Bereits diesen Sommer startet das Bundesverkehrsministerium einen einjaehrigen Feldversuch auf der Autobahn A 555 zwischen Koeln und Bonn, bei dem die Leistungsfaehigkeit und Einsatzmoeglichkeit entsprechender Techniken getestet werden sollen.

Die Einfuehrung von Sagem erfordert jedoch die Freischaltung des Datenkanals im D1-Netz, das derzeit ausser einem Short-Message- Dienst keine Moeglichkeiten zur mobilen Datenuebertragung bietet. Diese Einschraenkung gilt auch fuer das D2-Netz und ist hauptsaechlich durch Verzoegerungen bei der Standardisierung fuer Daten- und Telefaxdienste beziehungsweise deren Realisierung via Software begruendet. Beide D-Netzbetreiber planen die Einfuehrung mobiler Datenkommunikationsdienste bis Mitte 1994. Der im GSM zur Verfuegung stehende Nutzkanal wird dabei Uebertragungsraten bis zu 9600 Bit/s ermoeglichen.

Fuer ganz Eilige hat die Muenchner TLK Computer GmbH bereits auf der Systems 1993 ein spezielles GSM-Modem zum Preis von rund 2000 Mark vorgestellt, das unter Ausnutzung des digitalen Sprachkanals eine fehlerfreie Datenuebertragung von einem Mobiltelefon zu einer ortsfesten Basisstation oder zu anderen C- beziehungsweise D-Netz- Endgeraeten gewaehrleistet.

Modems und Faxgeraete fuer das D-Netz auf der CeBIT

Die dabei moegliche Uebertragungsgeschwindigkeit liegt bei rund 900 Bit/s, was etwa 100 Zeichen/s entspricht. Hintergrund dieser Uebertragungstechnik ist die Tatsache, dass in GSM-Netzen Sprache mittels sprachopti- mierter Digitalisierungsverfahren uebermittelt wird - eine Methode, die nicht fuer die Uebertragung der bei Standardmodems verwendeten Modulationsarten geeignet ist. Zur bevorstehenden CeBit '94 wird jedoch allgemein erwartet, dass die einschlaegigen Modemhersteller auch fuer die Datenfernuebertragung in den D-Netzen konzipierte Modems und Faxgeraete praesentieren werden.

Die Hamburger Dr. Neuhaus GmbH hatte jedenfalls schon auf der letztjaehrigen Systems ein entsprechendes GSM-Modem im PCMCIA- Format in der Schublade. Fuer eine offizielle Vorstellung war es damals jedoch noch zu frueh, denn die beiden Netzbetreiber haben bis dato die Betriebsart Datenuebertragung nicht freigeschaltet.

Ausser den Netzbetreibern Telekom beziehungsweise Detemobil und Mannesmann, die jeweils nur ihre eigenen Dienste verkaufen, offerieren 13 sogenannte Service-Provider den Kunden wahlweise eine Netzkarte fuer das D1- oder D2-Netz.

Die Abbildung zeigt die jeweiligen Marktanteile dieser Anbieter, die das "Handelsblatt" im Oktober vergangenen Jahres auf Basis eigener Berechnungen ermittelt hat. Neben den Endgeraete- preisen, die zu Jahresbeginn bei einigen Sonderangeboten die 300-Mark- Schwelle unterschritten, fallen fuer die Kommunikation in erster Linie die monatlichen Grundgebuehren sowie die einzelnen Gespraechsgebuehren ins Gewicht. Hier bieten die Telefongesellschaften unterschiedliche Tarifmodelle an, so dass die Kunden je nach Kom- munikationsanforderung beziehungsweise - haeufigkeit auswaehlen koennen.

Eine neue Klasse: Mobile Companions

Aufgrund des hohen Bedarfs an mobiler Kommunikation, insbesondere in puncto mobiler Datenkommunikation zwischen immer leistungsfaehigeren tragbaren Computern, werden jedoch weitere technische Innovationen seitens der Hersteller gefordert. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat sich Marktfuehrer Motorola schon Anfang 1993 gemeinsam mit Apple, AT&T, Matsushita, Philips und Sony zur sogenannten General-Magic-Allianz zusammengeschlossen. Ziel dieses Herstellerkonsortiums ist die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen fuer den Bereich Personal Communications. Als Ausgangsbasis wurden die "Kerntechnologien" Magic Cap beziehungsweise Telescript definiert, also eine Plattform fuer Kommunikationsapplikationen, die die Programmiersprache Telescript und weitere Entwicklungstools beinhaltet.

Im August 1993 haben sich weitere zehn Anbieter von Kommunikationsdiensten und -produkten zum CDPD-Konsortium (Cellular Digital Packet Data) zusammengeschlossen. CDPD basiert auf der Celluplan-Technologie von IBM. Neben Big Blue gehoeren dem Konsortium noch Ameritech Mobile Communications, Bell Atlantic Mobile Systems, Contel Cellular, GTE Mobile Communications, McCaw Cellular Communications, Nynex Mobile Communications, Pactel Cellular, Southwestern Bell Mobile Systems sowie Retix an. Die CDPD-Technik stellt ein Overlay fuer die Datenkommunikation in zellularen Funknetzen dar. Dabei werden Sprechpausen, die beim Telefonieren entstehen, dazu genutzt, um Datenpakete zu uebertragen.

Im September 1993 hat schliesslich Compaq mit Mobile Com- panions eine neue Klasse von tragbaren Mikrocomputern vorgestellt. Die Geraete sollen primaer dem geschaeftlich orientierten Anwender die standortunabhaengige Nutzung von Informationen seines Arbeitsplatz- PCs sowie von PC-Netzen ermoeglichen. Unterwegs sind diese mobilen Begleiter gleichsam als Verlaengerung des Desktops oder Notebooks zu verstehen. Dabei spielt die Entfernung keine Rolle: Im lokalen Bereich etwa kann das Geraet eine Verbindung von einem Konferenzraum zum Arbeitsplatz herstellen, global ist die Kommunikation via oeffentliche und private Netze oder Satellit moeglich.

1994 wird nach Meinung von Experten vor allem das neue E1-Netz in Deutschland fuer eine weitere Belebung im Markt fuer mobile Kommunikationsdienste sorgen. Nach ersten Planungen sollte es schon Anfang dieses Jahres laufen. Auf der diesjaehrigen CeBit wird man jedoch aller Voraussicht nach das Debuet als neuer Aussteller feiern. Das E-Plus-Konsortium wird allerdings - anders als die beiden D-Netzbetreiber - seine Dienste ausschliesslich ueber Service-Provider zur Verfuegung stellen. Hierzu wurde die E-Plus Service GmbH gegruendet.

Die Vorteile fuer den Newcomer liegen auf der Hand. Zum einen sind dies die niedrigeren Investitionskosten fuer die Netzinfrastruktur, da die Systemhersteller zwischenzeitlich wesentlich mehr Geraete und damit billiger produzieren, und durch die hoehere Betriebsfrequenz von 1,8 Gigahertz der Einsatz von Endgeraeten mit niedrigerer Leistung (0,25 und 1 Watt) moeglich wird. Gleichzeitig waechst durch die hohe Zelldichte die potentielle Teilnehmerzahl im Vergleich zu den D-Netzen.

Bei dem momentan anhaltenden Boom im Mobilfunkgeschaeft duerfte es daher keine Ueberraschung sein, wenn in einigen Jahren noch ein zweiter E-Netzbetreiber auf den Plan treten wuerde.