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04.08.1995

Datenkompression und Block suballocation als Performance-Fresser in Verdacht Anwender klagen ueber hohe CPU-Auslastung bei Netware 4.x

MUENCHEN (hi) - Endlich schien es geschafft. Nachdem die ersten drei Releases von Netware 4.x weniger mit ihrer Leistung glaenzten als vielmehr durch ihre Bugs auffielen, sollte Netware 4.1 mit einem stabilen Laufverhalten ueberzeugen. Doch in den Chefetagen der Netzwerk-Company hat man sich wohl zu frueh gefreut, denn in den USA haeufen sich Beschwerden ueber Unzulaenglichkeiten in Sachen Datenkompression und Block suballocation.

Die neuerliche Beschwerdewelle trifft die Nummer eins im LAN- Networking zu einem aeusserst unguenstigen Zeitpunkt. Denn Rivale Microsoft macht mit seinem Windows NT Server staendig Boden gut und fuehrt bereits zahlreiche Netware-Administratoren in Versuchung. Mit einem kuerzlich veroeffentlichten White Paper hat der Konkurrent aus Redmond nun seine Vision eines Directory Service vorgestellt (Wir werden in einer der naechsten Ausgaben ueber die Microsoft- Strategie ausfuehrlich berichten). Gerade das Fehlen dieses Features war in der Vergangenheit aus dem Netware-Lager immer wieder bemaengelt worden. Sollte sich nun bewahrheiten, dass auch Netware 4.1 einige Major-Bugs enthaelt, so prophezeien Branchenkenner dem NT Server gute Marktchancen.

Zumal fuer Novell die Update-beziehungsweise Upgrade-Schlacht noch nicht geschlagen ist, denn zahlreiche User zeigten bisher der ersten Version von Netware 4.x wegen ihrer zahlreichen Fehler die kalte Schulter. So ist beispielsweise bei der Neckermann Versand AG in Frankfurt noch keine Entscheidung dazu gefallen, ob Netware 4.x im grossen Stil eingefuehrt wird. "Aufgrund der schlechten Erfahrungen anderer", so Bernhard Lill, im Benutzerservicezentrum zustaendig fuer PC-Netze, "haben wir uns bisher abwartend verhalten."

Anwender legen Wert auf Stabilitaet

Lill, dessen Netze bisher unter Netware 3.11 und 3.12 zufriedenstellend laufen, will Netware 4.1 allerdings demnaechst in einem Testnetz erproben. Dabei interessiert den Netzwerker vor allem, ob die aktuelle Version nun stabil laeuft, "denn dies ist fuer mich das wichtigste Kriterium".

Unerfreuliche Erfahrungen haben in diesem Punkt in juengster Zeit zahlreiche US-Anwender gesammelt. Wie die CW-Schwesterpublikation "Infoworld" berichtet, beklagen sich viele User ueber eine CPU- Auslastung der Server, die zwischen 90 und 100 Prozent liege. Dadurch komme es immer wieder zu Abstuerzen oder Time-out-Fehlern sowie unterbrochenen Client-Server-Verbindungen. Besonders betroffen davon sind amerikanischen Quellen zufolge Multiprozessor-Server mit eingeschalteter Datenkompression und Teilblockzuordnung (Block suballocation). Des weiteren verdaechtigen Anwender das Global Naming Directory der Netware Directory Services

(NDS) als Performance-Fresser.

Als prinzipielle Missetaeter scheinen sich allerdings die Optionen Datenkompression und Block suballocation herauszukristallisieren. In der Grundeinstellung werden beide Funktionen waehrend der Netware-Installation auf "on" gesetzt. Diese Features stehen nun im Verdacht, Verursacher der hohen Server-Auslastung sowie der damit verbundenen Server-Crashs und zusammengebrochenen Verbindungen zu einzelnen Arbeitsstationen zu sein.

Douglas Spindler, Netzexperte bei einem US-Carrier an der Westkueste, sieht seine Vermutung sowie die zahlreicher anderer Netzadministratoren durch folgenden Versuch bestaetigt: "Als wir die Datenkompression ausschalteten, fiel die Server-Auslastung von 100 Prozent auf 50 Prozent." Wie Spindler weiter ausfuehrt, erreicht sein Server, ein Compaq Proliant 1500 mit 100-Megahertz- Pentium-CPU, bereits fuenf Minuten nach dem Einschalten einen Auslastungslevel von 100 Prozent.

Diesen Extremwert erhalte er selbst nachts um zwei Uhr, wenn kein Anwender im Netz eingeloggt sei. Normalerweise, so der Netzexperte, seien lediglich zwischen 30 und 40 Prozent zu erwarten.

Erfahrungen, die Mark Chambers nur bestaetigen kann. Wie der Product Manager bei Netframe Systems Inc. und CNE weiter ausfuehrt, ist das Problem dabei, dass "Netware Server bei einer Auslastung zwischen 90 und 100 Prozent offene Verbindungen verlieren und sich schliesslich aufhaengen". Zuerst dachte der CNE, dass dies vielleicht ein Netframe-spezifisches Problem sei, doch eine Recherche in Compuserve ergab, dass Besitzer von HP-, DEC- und Compaq-Servern ueber die gleichen Probleme klagten.

Besonders erfreut hat Spindler Novells Auskunft zu diesen Schwierigkeiten: Die Netzwerker schoben die Schuld auf den Proliant Server. Bei Compaq bekam Spindler eigenen Angaben zufolge die Antwort, dass man das Problem kenne, aber keine Loesung parat habe. Mittlerweile soll es jedoch via Compuserve von Compaq ein Patch-Kit geben.

Netware 4.1 braucht zahlreiche Patches

Auch bei Novell wird man nicht muede, auf Patches zu verweisen. So seien die Bugs in Sachen Datenkompression und Teilblockzuordnung bereits seit Mai behoben. Des weiteren empfiehlt Novell ueber den Compuserve-Dienst Netwire, bei Problemen mit der Server-Auslastung die Patches 41NDS1.Exe, 41RTR2.Exe, 410PT1.Exe und 410IT4.Exe zu verwenden. Doch auch nach deren Installation klagen zahlreiche Administratoren in Compuserve weiterhin ueber eine zu hohe Server- Auslastung.

Zudem liegt die Vermutung nahe, dass Novell die eigentliche Fehlerursache noch nicht gefunden beziehungsweise behoben hat, denn via News-Flash und E-Mail-Message (Nummer 109776 vom 7. Juni 1995) fordert Jim Henderson, System Operator des Netw4x-Forums, alle User auf, Schwierigkeiten mit einer hohen Server-Auslastung (95 bis 100 Prozent) via E-Mail zu melden. Anhand der Beschreibungen wolle Novell die Fehlerursache und die Umstaende, unter denen das Problem auftrete, eingrenzen. Indirekt legt die Meldung die Annahme nahe, dass die hohe Auslastung trotz der Patches 410PT1.Exe und 410IT4.Exe nach wie vor auftritt, denn der Sysop bittet, in einem entsprechenden Fehlerbericht anzugeben, ob diese Patches verwendet werden.

Gegenueber einer Anfrage der CW gab sich die deutsche Novell- Niederlassung in Duesseldorf in Sachen Performance-Probleme bei der Multiprozessor-Variante von Netware zugeknoepft. Es hiess lediglich, die Software befinde sich noch im Betastadium, und deswegen sei es verfrueht, Aussagen zur Geschwindigkeit und CPU-Auslastung zu machen. Zwar raeumt Wolfgang Huerth, Leiter Brand-Marketing Zentral- und Osteuropa, ein, dass die CPU-Auslastung bei der Datenkompression auf 100 Prozent steige, doch dies habe im Praxisbetrieb keine Auswirkungen. Denn die Komprimierung der Daten finde bei unveraenderter Standardeinstellung nachts statt, um eine Beeintraechtigung des normalen Betriebes zu vermeiden. Darueber hinaus ist laut Huerth die Datenkomprimierung ein sogenannter Low Priority Thread, der bei einem User-Task sofort angehalten werde, um dem Anwender die volle Leistung des Netware-Servers bereitzustellen.

Auch die viel kritisierte Block suballocation belaste die CPU nur minimal. Allerdings mit einer Einschraenkung, so der Novell- Manager: "Die Plattentreiber muessen Netware-4.x-zertifiziert sein, sonst erweist sich der Treiber als Flaschenhals."

Ein Netware-Experte, der nicht namentlich genannt werden will, kann die Problematik mit schlechten oder fehlerhaften Treibern fuer Festplatten und Netzkarten nur bestaetigen. Nach seinen Angaben laesst sich durch den Einbau mehrerer Netzadapter von 3Com - das Unternehmen wirbt besonders mit der Leistungsfaehigkeit seiner Boards - die CPU-Auslastung eines Netware-Servers so steigern, dass ein vernuenftiger Netzbetrieb unmoeglich ist. "Und dies", so der Informant weiter, "obwohl alle Treiber von Novell zertifiziert sind."

Thomas Stein, Systemadministrator in der Fachabteilung Technik + Bau bei Neckermann, hat selbst noch keine Probleme in Verbindung mit der Datenkompression oder der Block suballocation gehabt - ihm bereitet dafuer das Network File System (NFS) Kopfzerbrechen. Der Administrator kann sich allerdings gut vorstellen, dass es aufgrund der vielen einstellbaren Parametern zu Schwierigkeiten kommen kann. Zudem, so der weitere Rat des Neckermann-Mitarbeiters, sei es unter Netware 4.x besonders wichtig, den RAM-Bedarf des Servers genau zu berechnen, um Probleme zu vermeiden.

Auch Al Wasserberger, Advanced System Specialist bei Universal Networks, kann Steins Erfahrung nur bestaetigen, dass durch falsches Setzen der Parameter fuer NDS, Datenkompression und Block suballocation die Performance eines Netware-Servers schwer leiden kann.