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09.05.1986

Datensicherung auf PC: Negativerfahrungen machen's möglich

Zum Umgang mit Mikrocomputern gehört auch die Datensicherung. Dennoch scheint diese Maßnahme für viele Mitarbeiter in den Fachabteilungen längst noch nicht zum Tagesgeschäft zu gehören. Dazu DV-Leiter Jörg Bühler: "Solange man sie nicht braucht, ist der Aufwand dafür zu lästig." Das Problembewußtsein für die Datensicherung erwache jedoch spätestens dann, wenn verlorene Daten unter Zeitdruck und mit großem manuellen Aufwand rekonstruiert werden müßten. Diese Ansicht vertritt auch Ragnar Nilsson, Leiter Zentralbereiche Datenverarbeitung und Organisation. Wichtig sei jedoch ferner, daß bei internen Schulungen, bei Diskussionen oder bei der Unterrichtung der Nutzung von PC immer wieder auf die Notwendigkeit und den Sinn der permanenten periodischen Datensicherung hingewiesen wird. Dabei können sporadisch durchgeführte Kontrollen das Verantwortungsbewußtsein der PC-Anwender weiter stärken. Allerdings müsse den Mitarbeitern auch das notwendige technische Equipment zur Verfügung stehen.

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Ragnar Nilsson

Leiter Zentralbereich Organisation/Datenverarbeitung, Gerresheimerc Glas AG, Düsseldorf

In den vergangenen Jahren ist in den Unternehmen in zunehmendem Maße der Einsatz von Personalcomputern forciert worden. Der Grund des individuellen Einsatz von Personalcomputern in unterschiedlichen Fachbereichen ist insbesondere darin zu sehen, daß die Projektrealisierung von Awendersystemen seitens der Org./ DV aus Kapazitätsgründen nicht zügig bearbeitet wurde. Der Anforderungskau ist in den vergangenen Jahren zunehmend für die Org./DV-Bereiche ge(...)hsen.

Parallel dazu entwickelten sich die Personalcomputer im Bewußtsein der Mitarbeiter der Fachabteilungen immer mehr als Hilfsmittel für unterschiedliche Aufgabenstellungen am Arbeitsplatz. Das gesamte soziale Umfeld der Mitarbeiter, beginnend bei der Schule bis hin zur Werbung in Zeitschriften, wird mittlerweile stark von Personalcomputern und deren Möglichkeiten beeinflußt.

In der Regel begann die PC-Entwicklung dadurch, daß vereinzelte Fachabteilungen sich den ersten Personalcomputer an den Org./DV-Bereichen vorbei installierten, sich auf den Systemen kundig machten und ihre ersten eigenen Anwendersysteme zum Einsatz brachten. In den meisten Fällen erfolgte keine Unterstützung seitens der Org./DV-Bereiche im Sinne der klassischen Projektmanagement-Abwicklung beziehungsweise der Hilfestel(...) bei der Realisierung von Awendersystemen.

Im Laufe der Zeit verselbständigten sich die Einsätze der Personalcomputer so stark, daß von einer Vereinheitlichung von PC-Hardware sowie -Software nicht mehr die Rede sein konnte. Die Org./DV-Bereiche haben in der Regel keinen Überblick über die Awenderprogramme, die in den Fachabteilungen selbstgestrickt zum Einsatz kommen.

Darüber hinaus wurden aufgrund mangelnder fachlicher DV-Ausbildung; der Mitarbeiter in den Fachabteilungen folgende Grundsätze des ordnungsgemäßen Projektmanagements unterlassen:

1. Es wurde wahllos, dem jeweiligen Kenntnisstand des Mitarbeiters entsprechend, die Programmiersprache und die DV-technischen Möglichkeiten des PC zur Realisierung von Anwendersystemen genutzt. Die Effizienz dieser Programme und Systeme ist dementsprechend als gering zu bezeichnen.

2. Es werden in der Regel keine den Sicherheitsbestimmungen entsprechende Programmteile in die Anwendersysteme eingebaut. Dieses führt oft zu Logikfehlern in den Programmen.

3. Es wird keine einem ordnungsgemäßen Projektmanagement entsprechende Dokumentation der erstellen Anwendersysteme angefertigt. Dieses ist insbesondere dann gefährlich, wenn der entsprechende Mitarbeiter bei Ausscheiden aus dem Unternehmen Know-how-mäßig nicht mehr zur Verfügung steht. Dieses ist eine der größten Schwachstellen der individuellen und vom Org./DV-Bereich nicht mehr gesteuerten Nutzung von Personalcomputer-Systemen.

4. Die für die Datenverarbeitung schlechthin wichtigste Frage hinsichtlich der Datensicherung von Anwendersystemen sowie den gespeicherten Datenbereichen wird nicht berücksichtigt.

Die eingangs genannten Punkte 1 bis 3 lassen sich aufgrund eines stark vereinheitlichten und zentralisierten Org./DV-Konzeptes zum Einsatz von Personalcomputern frühzeitig und vollständig in den Unternehmen realisieren. Hierzu ist notwendig, eine - sowohl für Hardware wie auch für die zur Anwendung kommenden Softwarepakete (zum Beispiel Lotus 1-2-3, Textverarbeitung, dBase II) - Vereinheitlichung der PC-Nutzung durch den Org./DV-Bereich herzustellen.

Offen bleibt trotz Konzeption in der Regel das Thema der Datensicherung am jeweiligen Arbeitsplatz des Personalcomputers sowie zum Teil auch die Problematik des Datenschutzes. Diese Frage kann vom Grundsatz her nur durch die Erweiterung des Know-hows und des Verständnisses von Mitarbeitern der Fachabteilungen mittels entsprechender Schulungsmaßnahmen erzielt werden.

Die Erfahrungen in den Unternehmen haben gezeigt, daß im Laufe der vergangenen Jahre das Verständnis und das Know-how von Mitarbeitern in Fachabteilungen für die Problematiken von DV-Systemen wie auch von Personalcomputern gestiegen ist. In diesem Zusammenhang ist durch permanente Gespräche wie aber auch durch Negativerfahrungen das Thema der Datensicherung mittlerweile zum großen Teil in das Bewußtsein und die Verantwortung der Nutzer der Personalcomputer eingedrungen. Darüber hinaus ist es Aufgabe der Org./DV-Bereiche, durch entsprechende interne Schulung sowohl standardisierte Programmiersprachen und Anwendersysteme einerseits zu schulen, aber andererseits bei der Diskussion und Unterrichtung der Nutzung von Personalcomputern auf die Notwendigkeit und den Sinn der permanenten periodischen Datensicherung hinzuweisen.

Die Erfahrungen mit einer solchen Vorgehensweise sind als sehr gut zu bezeichnen. Dafür muß den Mitarbeitern in den Fachabteilungen natürlich das entsprechende technische Equipment zur Verfügung stehen. Dieses besteht insbesondere aus einer genügender Anzahl von Datensicherungsdisketten, Diskettenboxen dem entsprechenden Datensave als Feuerarchiv etc.

Die Aufgabe des Org. /DV-Bereiches besteht neben der Schulung und Überprüfung der Nutzung der Personalcomputer in der Tat insbesondere in der Überwachung und Kontrolle der Durchführung von Datensicherungsmaßnahmen. Diese sporadisch durchgeführten Kontrollen in den Fachabteilungen sollen den Mitarbeitern der Fachbereiche ebenfalls zeigen, daß der Personalcomputer nur ein integrativer Bestandteil des Gesamt-DV-Umfeldes im Sinne der Dienstleistung neben den Anwendersystemen des Großrechenzentrums ist. Er muß das Gefühl dafür bekommen, daß seine Anwendungen auf dem Personalcomputer keine losgelösten, autonomen, individuellen Tätigkeiten außerhalb jeglichen Konzeptrahmens der Org./DV-Bereiche sind.

Das langfristige Ziel der Org. /DV-Dienstleistungen muß es sein, die Dienstleistungen der Anwendersysteme des Rechenzentrums (Großrechner) ebenso wie die Personalcomputer konzeptionell und inhaltlich verständlich in die Philosophie und in das Verständnis der Mitarbeiter der Fachabteilungen einzubringen. Der Personalcomputer muß Bestandteil der Org./DV-Konzeptionen für sämtliche Mitarbeiter des Unternehmens werden.

Dr. Jürgen P. Hess

DV-Leiter, Max-Planck-lnstitut für Bildungsforschung, Berlin

Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Ausstattung des Instituts (Sozialwissenschaftliches Forschungsinstitut der Max-Planck-Gesellschaft) von der Nutzung von Taschenrechnern, Magnetkontengeräten, Magnetkartenschreibern und über Postleitung erreichbaren zentralen Großrechnern zu einem "Rechnerparadies" entwickelt: Über 30 Rechner von der VAX bis zum Apple II rechnen und schreiben - mehr oder weniger - nach den

Wünschsen des Benutzers.

Natürlich haben VAX und PPT ihr Backup-Medium: Am Institutsrechner wird für eine tägliche Sicherung der Veränderungen und eine monatliche komplette Sicherung der 1200-MB-Plattenspeicher gesorgt.

Datensicchierung auf dem PC? Ja ..., natürlich ...: Ein Crash der Festplatte ist nicht auszuschließen. Sicherung auf Disketten ist nötig und möglich. Was aber wird tatsächlich gemacht? Ich erkunde die Lage im eigenen Haus und besuche alle IBM PCs, die vorrangig für Textverarbeitung eingesetzt werden. Anfangen will ich jedoch mit dem Erprobungs- und Entwicklungssystem der DV-Abteilung: PC/XT mit zehn Megabyte Festplatte und Diskettenlaufwerk mit 360 Kilobyte. Sicherungsdisketten im wohlgeordneten Diskettenbehälter, ordentlich etikettiert, Zweitkopien wichtiger Karteien im anderen Behälter am anderen Ort? Fehlanzeige! Also eine schnelle Totalsicherung für 73 Dateien mit fünf Directories mit 700 Kilobyte. Back up-Kommando in MS-DOS? Zwei Disketten und fünf Minuten. Zurückschreiten ist anstandslos möglich. Alles gesichert? Die Subdirectories erscheinen nicht bei DIR a: Also Backup/S, denn nach einigen Lesen findet sich alles im deutschen Handbuch.

Weiter zum nächsten PC nachdenkend über "Sicherung". Die Nutzerin des PC ist krank, stumme Inspektion des Systems. Nach Einschalten bin ich sofort in PCText2 und nach dem Exit in C:Texte. 2,5 Megabyte sind belegt. Es findet sich eine unbeschriftete Diskette mit fünf Dateien und 20 Kilobyte ...

Ein Gespräch mit der Kollegin beim AT "nebenan": PCText2 wird verwandt. Die 20-MB-Platte ist belegt mit 29 Dateien in vier Directories mit vier Megabyte. Datensicherung: eine Diskette ohne Beschriftung, 14 Tage alt mit sieben Dateien und 100 Kilobyte. Handschriftlicher Zusatz auf der Anleitung für die PCText2-Nutzung: 1. c> cd text 2. dir*text copy c:*.txt a: Anleitung zur Datensicherung für eine Sekretärin ... Backup ist auch hier zu finden. Doch sollte sich die Mitarbeiterin aus dem Namen Funktion und Aufruf selbst ermitteln, denn im Einführungsskript der freundlichen Installationsfirma ist Backup nicht aufgeführt und die DOS-Dokumentation scheint eher abzuschrecken.

PCText2 legt jedoch auch über Menüsteuerung Sicherungskopien auf der Diskette an. Die Restaurierung von der Diskette erfordert allerdings die Umbenennung der Datei, wenn die - zerstörte - Version noch auf der Platte einen Eintrag hat. Die Kollegin ist sehr interessiert, autonom mit dem System umzugehen und die erforderlichen Arbeiten nicht nur auszuführen, sondern auch zu verstehen. Qualifizierung für die Mitarbeiter/ innen, sichere effiziente "Produktion": Diese Verbindung erscheint für den PC-Arbeitsplatz erreichbar zu sein.

Weiter zum PC Nummer drei: statistische Auswertungen, Nutzung und Betreuung durch einen DV-erfahrenen Wissenschaftler. Datensicherung? Er hat Sicherungskopien von der Anwendersoftware angelegt. Bisher - seit zwei Monaten - keine Sicherung der anderen Datei.

Mein Fazit dieses Rundgangs:

- Der PC ist das eigene Rechenzentrum. Der Benutzer ist auch Systemmanager und Operator. Sollte er sich seine eigene Betriebsordnung schreiben und sie unübersehbar auf das Gehäuse kleben?

- Der PC wird nicht von der DV-Abteilung betreut. Ist das haltbar, wenn Nutzer ohne DV-Kenntnisse und Erfahrungen das Gerät verwenden?

- Das Vertrauen an die Zuverlässigkeit der Speicher ist groß. Wie groß aber ist das Risiko?

Bei mit bleiben einige Kopfschmerzen und einige gute Vorsätze zurück:

1. Die vorliegenden Dokumentationen müssen mit den Mitarbeiterinnen besprochen werden, damit Sinn und Zweck deutlich werden.

2. Regelmäßige Sicherung im eigenen Bereich über Backup.

3. Verbesserung des Service-Angebots für die dezentralen Installationen:

- Information und Schulung zu MS-DOS in handlichen Abschnitten, die sich durch die praktischen Aufgaben und nicht durch DOS-Befehle bestimmen lassen,

- Kurzanleitung zur Datensicherung,

- dem jeweiligen PC-Arbeitsplatz angepaßte gezielte Hilfen durch die DV-Mitarbeiter.

Jörg Bühler

Leiter Org./DV, Salamander AG, Kornwestheim

Mit der Datensicherung ist es nicht anders als mit sonstigen Versicherungen. Solange man sie nicht braucht, ist jeder Aufwand dafür lästig. Hat man nicht vorgesorgt, ist es im Fall der Fälle meistens zu spät.

Der Benutzerservice ist nicht allgegenwärtig und kann den Anwendern die aus ihrer Sicht oft unproduktive Datensicherung nicht persönlich abnehmen. In vielen Fällen gehört eben zur individuellen Datenverarbeitung auch die individuelle Datensicherung. Dabei kann man je nach Konfiguration differenzieren:

Es gibt immer dann kein Problem, wenn die Mikrocomputer in einem Verbund arbeiten und die Daten an zentraler Stelle abgelegt werden. Dann ist die Datensicherung nicht Sache des individuellen Datenverarbeiters. Sie kann organisiert und einer verantwortlichen Stelle übertragen werden. Bei Salamander gehört zu diesem Typ der Verbund eines Schreibsystems mit einem zentralen Plattenspeicher.

Für solche Platten-PCs, die über einen Host-Anschluß verfügen, könnte man, ähnlich wie bei Verbundgeräten, die Datensicherung von zentraler Stelle aus steuern und automatisieren. Voraussetzung dafür wären allerdings schnellere und bessere Datenübertragungsmöglichkeiten, als sie mit den heute noch gängigen Karten und der dazugehörig(...) Software zur Verfügung s(...)hen. Bis dahin bleibt die Sache problematisch.

Kein größeres Problem ist auch die Datensicherung bei reinen Disketten-PCs. Es können eigene Disketten je nach Sachgebiet verwendet werden, von denen mehrere Generationen aufbewahrt werden. Außerdem ist es nicht sehr aufwendig, in kurzer Zeit Diskettenkopien zu erstellen.

Das Hauptproblem liegt wohl bei den Stand-alone-PCs, die mit Plattenspeicher ausgestattet sind. Es ist sicher auf Dauer unzumutbar, daß der Anwender regelmäßig in kurzen Abständen volle Platten auf 30 oder mehr Disketten kopiert, auch wenn es noch so schnelle Kopierprogramme gibt. Auch hier wäre eine sachgebiets(...)se Sicherung möglich, wenn die zusammengehörenden Datenbestände entsprechende Dateinamen haben. Der Anwender wird jedoch mit dieser Methode immer mehr zum Diskjockey oder zum Diskettenbibliothekar. In diesem Fall erweitert ein Streamerbandgerät die Möglichkeiten. Es muß jedoch zu jedem Platten-PC ein eigenes Gerät existieren, denn ein Benutzer wird nur wenige Male den Streamer vom Benutzerservice holen, um seine Datensicherung vorzunehmen.

Momentan gibt es noch keine allgemeingültige und zufriedenstellende Lösung für das Problem Datensicherung auf Mikrocomputern. Sie ist häufig noch vom Problembewußtsein des individuellen Datenverarbeiters abhängig. Dieses erwacht spätestens, wenn verlorene Daten unter Umständen unter Zeitdruck und mit großem manuellen Aufwand rekonstruiert werden müssen.