Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

12.12.2003 - 

Worauf Käufer bei Backup-Lösungen achten sollten

Datensicherung: Vier Tools im Vergleich

Auch im Marktsegment unterhalb der großen Enterprise-Systeme bieten Backup-Lösungen zahlreiche Funktionen an. Bei der Wahl des richtigen Programms zählen indes nicht nur Features, sondern auch deren Sicherungskonzepte. Eine Gegenüberstellung der vier gängigsten Produkte soll die Entscheidung erleichtern.Von Michael Pietroforte*

Grundsätzlich lassen sich Backup-Anwendungen in drei Gewichtsklassen unterteilen. Programme für den Desktop, die ausschließlich zur lokalen Sicherung von Einzelplatzsystemen ohne ständigen LAN-Anschluss dienen, wenden sich an Laptop-Besitzer und Heimanwender. Am anderen Ende der Skala stehen Enterprise-Lösungen, deren Stärke in der Sicherung großer Datenmengen in heterogenen DV-Landschaften liegt. Zwischen diesen beiden Gruppen sortieren sich Backup-Systeme ein, die für kleine und mittelständische Unternehmen interessant sind. Von den Enterprise-Lösungen unterscheiden sie sich insbesondere durch den Preis und durch eine gewisse Fokussierung auf Windows-Umgebungen.

In den letzten Jahren dominierten dieses Marktsegment Veritas mit "Backup Exec" und Computer Associates mit "Brightstor Arcserve". Beide Programme gleichen sich sowohl in ihren Konzepten als auch der Bedienung. Inzwischen haben sich zwei weitere Lösungen als ernsthafte Alternative für Windows-Umgebungen zu den beiden Platzhirschen etabliert. Während sich "Retrospect" von Dantz in der Apple-Welt schon einen Namen gemacht hat, dürfte "Tapeware" von Yosemite Technologies den meisten Netware-Veteranen geläufig sein. Aufgrund ihrer Herkunft von anderen Plattformen unterscheiden sich auch die Windows-Versionen in ihren Konzepten zum Teil erheblich von Backup Exec und Brightstor Arcserve.

Unterschiede in den Bedienkonzepten

Die Gemeinsamkeiten von Arcserve und Backup Exec beginnen bereits bei der Installation. Mit Hilfe eines recht ähnlich gestalteten Assistenten werden die Client- und Server-Software sowie alle optionalen Komponenten (wie etwa die Datenbank-Agents) entweder lokal installiert oder via Netzwerk auf mehrere Rechner verteilt. Tapeware und Retrospect bringen diese Art der Softwareverteilung nicht mit. Die Clients müssen daher lokal von Hand installiert werden.

Im Falle von Tapeware kann man allerdings nicht von einem Client im üblichen Sinn sprechen, da die Software direkt auf allen zu sichernden Servern installiert werden muss. Diese schließen sich dann zu einem Backup-Netzwerk zusammen, das im Tapeware-Jargon Speicher-Management-Zone heißt. Die Datenbank für eine solche Zone befindet sich nur auf dem zuerst eingerichteten Tapeware-Server. Sie beherbergt die Informationen über Backup-Ressourcen und die Auftragsplanung. Ansonsten sind die einzelnen Tapeware-Server aber vollwertige Backup-Server mit eigenem Frontend und eventuell auch eigener Backup-Gerätschaft. Jede Ressource, also Festplattensysteme, Bandbibliotheken, geplante und aktuelle Backup-Aufträge, eben alles, was in einem Backup-System von Relevanz ist, wird auf allen Systemen sichtbar und lässt sich von dort auch steuern.

Bei Backup Exec und Arcserve ist über das Frontend zwar auch die Kontrolle von mehreren Backup-Servern möglich, eine Ressourcenteilung wie bei Tapeware ist dabei jedoch nicht vorgesehen. Retrospect indes stellt keinerlei Verbindung zu eventuell vorhandenen weiteren Server-Installationen her, und das Frontend lässt sich nur auf dem Backup-Server selbst installieren. Zudem kann grundsätzlich immer nur ein Administrator mit dem System arbeiten. Wird die Software ein weiteres Mal gestartet, etwa aus einer Sitzung des Terminal-Servers, muss die erste Instanz des Programms beendet werden. Weitaus problematischer ist jedoch die Tatsache, dass das Frontend nicht aufrufbar ist, wenn gerade geplante Backup-Aufträge ablaufen. Der Administrator darf das Programm auch nicht beenden, wenn Jobs in Bearbeitung sind, da Retrospect diese sonst abbricht.

Diese Schwachstellen gleicht das Programm aber mit einem interessanten Backup-Verfahren aus. Während Arcserve, Backup Exec und Tapeware die übliche Kombination aus Komplettsicherungen mit inkrementellen beziehungsweise differentiellen Backups anbieten, verwendet Retrospect die so genannte progressive Methode. Bei diesem Verfahren wird bei jeder Sicherung ein Snapshot, also eine Zustandsaufnahme der Backup-Quelle, angelegt. Dabei werden der Dateiname, das letzte Änderungsdatum, die Größe der Datei und der Speicherort erfasst. Beim ersten Mal sichert Retrospect alle Daten. Bei allen weiteren Durchläufen aktualisiert das Programm den neuesten Snapshot, indem es die dort gespeicherten Daten mit den Kataloginformationen des Zielmediensatzes vergleicht und nur neue oder veränderte Dateien berücksichtigt.

Der Unterschied dieses Verfahrens zu einer Kombination aus Komplettsicherung und Inkrementell-Backups macht sich vor allem bei der Datenwiederherstellung bemerkbar. Während bei Letzterer das Komplett-Backup und alle darauf folgenden inkrementellen Sicherungen zur Wiederherstellung des Systems zurückgespielt werden müssen, wählt man bei der progressiven Methode lediglich das Datum einer Sicherung und erhält exakt den Zustand des Systems zum Zeitpunkt der Snapshot-Erstellung. Dies vereinfacht nicht nur die Wiederherstellung, sondern hat gegenüber inkrementellen beziehungsweise differentiellen Sicherungen den Vorteil, dass Dateien, die zwischen zwei Backup-Läufen bewusst gelöscht wurden, nicht wieder auf das System zurückkehren.

Auch die Medienrotation ist bei Retrospect anders organisiert als bei der Konkurrenz. Die Reintegration von älteren Medien in den Backup-Kreislauf findet hier im Rahmen der Backup-Planung statt. Das automatische Überschreiben von wiederverwendbaren Medien erfolgt daher zu einem genau definierten Zeitpunkt. Im Gegensatz dazu ist die Medienrotation bei Arcserve, Backup Exec und Tapeware medienbasiert. Mediensätze erhalten dort für einen gewissen Zeitraum einen Schutz gegen Überschreiben.

Komplizierte Medienrotation

Im Detail gibt es dann aber doch einige Unterschiede. Bei Arcserve und Backup Exec legt der Anwender diesen Zeitraum explizit fest. Zusätzlich lässt sich bei Arcserve noch die Mindestanzahl der Medien im Satz definieren. Bei Backup Exec hingegen ist der Zeitraum festzulegen, in dem Daten an ein Medium angehängt werden können. Diese Richtlinien dienen jeweils der Umsetzung von Rotationsstrategien. Tapeware hingegen ordnet Mediensätze in einer hierarchischen Verzeichnisstruktur an, die die jeweilige Rotationsstrategie exakt widerspiegelt. Im Falle der bildhaft so bezeichneten Großvater-Vater-Sohn-Strategie unterteilt sich der Ordner, der einen bestimmten Mediensatz repräsentiert, zunächst in die Verzeichnisse für die täglichen, wöchentlichen und monatlichen Rotationsmodi. Der Ordner für die täglichen Backups enthält dann beispielsweise die Sicherungssätze für die jeweiligen Wochentage. Diese Ordnerstruktur wird von Tapeware automatisch angelegt, wenn man in der übersichtlichen Auftragsplanung einen entsprechenden Rotationsauftrag definiert.

Die unterschiedlichen Verfahren in Bezug auf die Medienrotation haben alle ihre Vor- und Nachteile. Retrospects Ansatz ist sicher der übersichtlichste, da Medien zu einem exakt definierten Datum überschrieben werden. Ein großer Nachteil ist allerdings, dass dabei immer alle Medien eines Satzes auf einmal gelöscht werden müssen, da ein Snapshot dem gesamten Mediensatz zugeordnet ist. Bei Tapeware behält der Administrator dank der Ordnerstruktur ebenfalls leicht den Überblick, jedoch geht die dabei notwendige Aufteilung der Mediensätze nicht gerade schonend mit den Speicherkapazitäten um. Backup Exec und Arcserve verfügen dagegen über ein recht effektives Medien-Management, wobei im Falle von komplexeren Rotationsstrategien nicht immer leicht zu durchschauen ist, wann ältere Daten nun tatsächlich überschrieben werden.

Schnellere Sicherung mit Staging

Etwas komplizierter wird eine Rotationsstrategie, wenn Staging zum Einsatz kommen soll. Dabei werden die Daten zunächst auf den Festplatten des Backup-Servers zwischengespeichert, um sie dann auf eine Tape Library zu transferieren. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt hauptsächlich in der höheren Sicherungsgeschwindigkeit, was die Störung des operativen Betriebs verringert und außerdem die Bandlaufwerke schont, da die anschließende Übertragung der Daten bei konstantem Datenstrom stattfindet. Die Backup-Software legt dabei virtuelle Medien auf dem Plattensystem an, deren Inhalte sie dann auf die physischen Medien überträgt.

Nachdem die Daten auf das Bandsystem transferiert worden sind, muss der Speicherplatz auf dem Plattensystem wieder freigegeben werden. Arcserve und Backup Exec organisieren dies mittels der Überschreibrichtlinien für virtuelle Mediensätze. Unterschiede zwischen Arcserve und Backup Exec gibt es allerdings in Bezug auf den Komfort. Während bei Arcserve die Medienduplikation über ein Kommandozeilen-Tool konfiguriert wird, kennt Backup Exec dafür einen speziellen Auftragstyp, der sich bequem über die grafische Oberfläche des Programms anlegen lässt. Damit kann man auch das Kopieren der gesicherten Dateien gleich im Anschluss an den Backup-Auftrag veranlassen. Dupliziert werden bei Backup Exec immer die Daten eines bestimmten Sicherungsauftrags, während bei Arcserve mit einem Job die Inhalte eines oder mehrerer Mediensätze auf einmal kopiert werden können. Das reduziert die Zahl der nötigen Aufträge und verbessert so die Übersichtlichkeit der Auftragsplanung.

Da Tapeware überhaupt keine Medienduplikation unterstützt, ist Staging mit dem Programm nicht zu realisieren. Retrospect unterstützt Staging zwar, das progressive Backup-Verfahren weist hier jedoch gewisse Nachteile auf. Die Freigabe des Plattenplatzes erfolgt im Rahmen eines neuen Komplett-Backups, das den alten virtuellen Mediensatz überschreibt und einen neuen Snapshot anlegt. In den meisten Fällen dürften tägliche Komplett-Backups aber kaum sinnvoll sein. Deshalb sollte man auf dem Backup-System über genügend Plattenkapazität verfügen, um für zirka eine Woche seinen gesamten Datenbestand inklusive des täglichen Datenzuwachses sichern zu können. Erst am Ende der Woche werden die Daten dann auf Band gespielt, und der virtuelle Mediensatz samt Snapshot kann überschrieben werden. Da bei diesem Verfahren die Daten nur einmal wöchentlich auf ein sicheres Speichermedium gelangen, birgt diese Methode gewisse Risiken und setzt einen zuverlässigen Backup-Server voraus.

In jedem Fall sollte man über eine detaillierte Disaster-Recovery-Strategie für den Backup-Server verfügen, denn gerade er ist bei einem Totalausfall am schwierigsten wieder in Gang zu bringen. Hier befindet sich die für jeden Wiederherstellungsprozess essentielle Datenbank, die alle Katalogdaten der Medien enthält. Zur Restaurierung eines Backup-Servers muss nach der Neuinstallation von Betriebssystem und Backup-Software deshalb der Mediensatz bekannt sein, auf dem die Datenbank selbst gespeichert ist. Erst nach erfolgreichem Import der Katalogdaten dieser Medien kann die Wiederherstellung erfolgen.

Um diesen recht langwierigen Vorgang zu beschleunigen, bieten alle Hersteller eine Option für das Disaster Recovery an. Sie muss aber separat erworben werden. Von einer vorher zu erstellenden Boot-CD startet ein Assistent, der durch die Installation des Betriebssystems samt Backup-Client und die anschließende Restaurierung des Systems führt. Falls man über ein bootfähiges Bandlaufwerk verfügt, entfällt die Notwendigkeit für eine Boot-CD. Ein Nachteil der Disaster-Recovery-Option ist, dass sich der Administrator im Falle von Problemen in einer ungewohnten Umgebung mit eingeschränkten Möglichkeiten befindet. Solche können zum Beispiel auftreten, wenn beim Starten ein Treiber nicht gefunden wird oder der Assistent über eine ungewöhnliche Festplattenpartitionierung stolpert. Einer schnellen Problemlösung, die eventuell in einer Stresssituation erfolgen muss, dürfte das nicht gerade zuträglich sein. Außerdem zeigt die Praxis, dass das Disaster Recovery selbst bei einem reibungslosen Verlauf den Wiederherstellungsprozess in den meisten Fällen nur geringfügig beschleunigt.

Eine Ausnahme stellt hier die Disaster-Recovery-Option von Tapeware dar. Als einziges Programm installiert es kein komplettes Windows, bevor die Daten wiederhergestellt werden. Stattdessen läuft der Backup-Client in einer schnell eingerichteten DOS-Umgebung, die das System in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Allerdings ist Tapewares Lösung nur auf den Backup-Server selbst beschränkt, ein Disaster Recovery via Netzwerk, wie es die anderen drei Kandidaten bieten, ist hier nicht vorgesehen.

*Michael Pietroforte ist Autor des Buches "Backup-Software". Weitere Informationen zum Thema finden sich unter http://www.pietroforte.de

Stärken und Schwächen

Eine generelle Empfehlung für eines der hier vorgestellten Backup-Programme (Backup Exec, Brightstor Arcserve, Retrospect und Tapeware) ist kaum möglich. Jedes verfügt über seine Stärken und Schwächen. Außerdem müssen noch Features in Betracht gezogen werden, die in der einen oder anderen Anwendungsumgebung durchaus von Bedeutung sein können. Dazu gehört unter anderem der Umgang mit offenen Dateien, die Unterstützung von Datenbank- beziehungsweise Groupware-Systemen, die Funktionsweise in Cluster- oder SAN-Umgebungen und nicht zuletzt die Warn- und Berichtsmöglichkeiten der Programme. Hier unterscheiden sich die vier Kandidaten zum Teil erheblich.

Allgemein lässt sich sagen, dass Backup Exec sicher über den größten Funktionsumfang verfügt, während Arcserve bei der Zahl der optionalen Erweiterungen leicht die Nase vorne hat. Beide Lösungen sind deshalb vor allem für komplexere Umgebungen prädestiniert. Retrospect ist gerade wegen des progressiven Backup-Konzepts und der damit verbundenen einfachen Handhabung durchaus eine Alternative in kleinen und mittelgroßen Netzen mit überschaubaren Datenaufkommen. Das Konzept der Speicher-Management-Zonen macht Tapeware in erster Linie für Unternehmen zur idealen Lösung, die mehrere Backup-Systeme in verschiedenen Filialen betreiben.

Die Produkte und ihre Eigenschaften im Überblick

Features/Software / Arcserve 9 / Backup Exec 9 / Retrospect 6.5 / Tapeware 7

Internet / www.arcserve.com / www.veritas.com / www.retrospect.com / www.tapeware.com

Server- Betriebssysteme / Windows, Linux, Netware / Windows, Netware / Windows, Linux, Solaris, Mac OS X / Windows, Netware

Clients / Windows, Linux, Netware / Windows, Netware, Mac OS / Windows, Linux, Solaris, Mac OS / Windows, Netware, Linux, Unix

Datenbanken / SQL Server, Oracle, Sybase, Informix, Ingres II, SAP R3 / SQL Server, Oracle, SAP R/3 für Oracle / SQL Server / SQL Server

E-Mail und Groupware / Exchange, Domino / Exchange, Sharepoint, Domino / Exchange / Exchange

SAN-Unterstützung / ja / ja / nein / nein

Cluster-Unterstützung / ja / ja / nein / nein