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15.05.1981

Datenverarbeiter - ein Beruf fürs Leben?

Der Schlüssel für eine "lebenslängliche" Tätigkeit in der DV sei ein permanenter Lernprozeß, verkündet Peter Gothe, DV/Org.-Chef bei den Accumulatorenwerken Hoppecke. Innerhalb der DV-Berufe zeichne sich bereits heute eine deutliche Know-how-Verlagerung ab: Im gleichen Maße, wie der Bedarf an qualifizierten Datenbank- und System-Spezialisten zunehme, sinke das Interesse an Wald-und-Wiesen-Programmierern und reinen Maschinenbedienern. DV-Leute, die nicht bereit seien, sich neuen "Umweltbedingungen" anzupassen, sind nach Ansicht von Gothe sehr schnell "weg vom Fenster". Obwohl DV-Hersteller mittlerweile schon vielfach vom "Programm auf Knopfdruck" sprechen, glaubt ARA-DV-Leiter Wilhelm Kuhndörfer nicht daran, daß damit die Datenverarbeiter einmal ersetzt werden könnten. Mit derartigen Schlagworten seien zwar bisher einige Maschinen verkauft worden - mehr aber auch nicht.

Walter Becker

DV-Leiter Fcso. Cinzano & Cia. GmbH, Frankfurt

Datenverarbeiter - ein Beruf fürs Leben? Diese recht brisante Frage würde ich spontan und ohne Bedenken mit ja beantworten.

Sicher stehen gegen diese Aussage gewichtige Argumente seitens der Hersteller, aber dagegen steht eine sehr große Nachfrage nach Computerleistung, speziell in Mittel- und Kleinunternehmen. Dieser Anwenderbereich verlangt ein Potential an DV-Fachkräften, das die heute schon sehr angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt noch verschärfen wird.

Sehr oft werden heute den DV-Ersteinsteigern die Computer zusammen mit fertigen Softwarepaketen verkauft. Dabei spielen die Argumente der VBs, gänzlich ohne Fachpersonal auszukommen, eine große Rolle. Der tägliche Betrieb in der Praxis belehrt diese Anwender jedoch schnell eines Besseren: Organisatorische Umstrukturierungen erweisen sich als hinderlich, das Programmpaket weist verschiedene Mankos auf, es wird noch dieser und jener Output gebraucht und das Bildschirmformat muß geändert werden. Gleich, ob jetzt die Anwender Dienste einer Unternehmensberatung in Anspruch nehmen oder sich entscheiden, einen DV-Fachmann einzustellen - der DV-Arbeitsmarkt wird mit dieser Anforderung konfrontiert.

Wenn man die typischen Berufsbilder innerhalb einer EDV-Abteilung im Basis-DV-Bereich durchleuchtet sowie deren Zukunftsaussichten beurteilt kommt man zu folgendem Ergebnis: Ein Verkaufsargument der EDV-Anbieter, das einfachere Handling, muß uneingeschränkt anerkannt werden. Ich glaube, daß es der Operator speziell in unserem Anwenderbereich in Zukunft schwer haben wird, seinen Job in der bisherigen Form auszuüben. Das Operating wird mehr und mehr in die Fachabteilungen verlagert.

Dagegen wird der Beruf des Programmierers von Bestand sein. Es wird zwar eine Verschiebung in seinem Berufsbild geben; aber dieser "Umbruch" ist bereits seit geraumer Zeit zu bemerken. Konkret gesagt, der "Feld-Wald-Wiesen-Programmierer" ist passe. Gefragt sind heute in diesem Bereich Spezialisten, die sowohl die Analyse, die Programmierung und das Testen komplexer Aufgabengebiete selbständig erledigen können. Durch einfache, leichte Programmier-Methoden und -Hilfen werden in diesem Bereich Arbeitskräfte freigesetzt, die aber durch den Markt kompensiert werden.

Bleibt letztendlich der Beruf des EDV-Leiters. Er ist heute der Koordinator zwischen Fachabteilung und EDV. Basierend auf dieser Tatsache braucht er sowohl fundierte Kenntnisse der einzelnen Betriebsabläufe, als auch ein breites Spektrum an EDV-Wissen. Ein weiteres Tätigkeitsmerkmal seiner Arbeit ist der Kontakt zu Hard- und Softwarehäusern und die damit verbundene Sondierung dieser Märkte. Zu seinen Aufgaben zählt weiterhin die Führung einer schlagkräftigen EDV-Mannschaft. Kann er diese Voraussetzungen erfüllen, so wird ein Unternehmen auf seine Dienste auch in Zukunft nicht verzichten können.

Wilhelm Kuhndörfer

Org./DV-Leiter, ARA Arthur Apitz KG GmbH & Co., Neubiberg (Siemens 7.722, BS1000)

Wir können heute nicht mehr von einem "Beruf fürs Leben" sprechen, wenn damit ein einmal erlernter Wissensstand gemeint ist, der ohne ständige Weiterbildung für ein ganzes Arbeitsleben ausreichen muß. Inzwischen erleben wir beinahe täglich, wie in allen Wirtschaftszweigen Mobilität gefordert (und gefördert) wird.

Die stürmische Entwicklung der Technik wird auch in den nächsten überschaubaren Zeiträumen anhalten, denn von den durch die Naturgesetze gegebenen Grenzen sind wir noch weit entfernt. Sollte es stimmen, daß die Auswirkungen der Datenverarbeitung auf unser aller Leben mit denen der Erfindung der Dampfmaschine gleichzusetzen sind, kann man sich auch ohne prophetische Begabung vorstellen, was noch auf die DV-Berufe zukommt - ohne natürlich Einzelheiten vorhersagen zu können. Auf jeden Fall wird die Verbreitung (beziehungsweise Vertiefung) der Datenverarbeitung zunehmen. Bereits heute sprechen wir mehr und mehr vom "Informationsverarbeiter" oder vom "Büro der Zukunft".

Zusätzlich zu den von der Technik ausgelösten Möglichkeiten und Anregungen steht der DV-Mitarbeiter vor den Anforderungen seiner betrieblichen Umwelt. Zu den indirekten Forderungen der Technik (der VB des jeweiligen Herstellers hilft dabei kräftig mit), kommen die ständig wechselnden und wachsenden Wünsche und Ansprüche der Fachabteilungen.

Aus diesem Spannungsfeld werden sich auch Auswirckungen auf die Berufe der DV ergeben, mit immer neuen Möglichkeiten und Kombinationen für den einzelnen. Es werden große Umschichtungen in den Berufsbildern stattfinden. Alte Bezeichnungen beziehungsweise Tätigkeiten werden sich verändern, neue hinzukommen. Wer hat zum Beispiel vor fünfzehn Jahren vom "Datenbank-Administrator" gesprochen beziehungsweise wagte es diesen Beruf vorherzusagen? Da man mit großer Wahrscheinlichkeit vermuten kann, daß sich die DV der Zukunft hauptsächlich Datenbankorientiert entwickeln wird, ist vielleicht gerade hier die zukünftige Bezeichnung für den heutigen Programmierer zu finden. Dies gilt jedoch nur für DV-Leute, die sich mit neuen Techniken und Medien auseinandersetzen. Sie müssen sich den Anforderungen stellen und bereit sein, ihre Wissensbasis möglichst breit zu halten damit sie sich auf möglichst jede Veränderung einstellen können. Wer sich in unserer heutigen Zeit zu früh spezialisiert, läuft in einem DV-Beruf Gefahr, schnell auf ein totes Gleis zu geraten. Die fast täglichen DV-technischen "Wundermeldungen" verführen sehr leicht dazu, zu glauben, daß man mit neuen Produkten in großem Umfang auch die Probleme der Software lösen könne.

Obwohl bereits Ansätze vorhanden sind, glaube ich nicht daran, daß der DV-Fachmann einmal überflüssig werden sollte, daß wir einmal mit dem "Programm auf Knopfdruck" rechnen müssen. Mit diesen (oder ähnlichen) Schlagworten sind sicher einige Maschinen schneller als sonst verkauft und vermietet worden mehr aber auch nicht.

Vielleicht sind es nicht mehr so viele DV-Leute, die direkt an der EDV-Anlage arbeiten. Dafür wird es aber neue Berufe geben. So wird zum Beispiel in den Fachabteilungen der DV-Kontaktmann eine stärkere Rolle als bisher spielen. Letztlich rückt die Vermittlerrolle des DV-Fachmannes zwischen Technik/Anwendung/Benutzern noch stärker in den Vordergrund, wobei die Grenze zwischen "Dienstleistung" und "Alptraum" manchmal nur schwer zu finden sein wird.

Peter Gothe

Org./DV-Leiter, Accumulatorenwerke Hoppecke GmbH, Brillon

Selbst wenn es zutreffen würde, daß Prognosen der DV-Hersteller zufolge gegen Ende dieses Jahrzehnts in allen Fachabteilungen ein Computer steht, der von jedem Sachbearbeiter per simplen Knopfdruck bedienbar ist, wird der Beruf des Datenverarbeiters immer noch Bestand haben. Sicherlich werden sich die Tätigkeiten der DV-Leute - wie das auch bisher der Fall war - stetig verändern. Dies gilt sowohl für das DV-Management als auch insbesondere für die Operatoren und sogenannten Codierer. Aber überflüssig wird damit der bisherige DV-Spezialist nicht. Systeme müssen nach wie vor konzipiert, installiert und gewartet werden.

Mittelfristig wird es eine Tätigkeitsverlagerung in Richtung Datenbankspezialist geben. Im gleichen Maße, wie der Bedarf an qualifizierten Datenbank- und Systemspezialisten zunimmt, geht jedoch das Interesse an "reinen" Programmierern und Maschinenbedienern verloren. Diese Entwicklung macht sich bereits jetzt in unserem Unternehmen bemerkbar: Ab 1982 fahren wir erstmalig eine "Geisterschicht".

Schon heute ist sichtbar, daß wesentlich mehr Aktivitäten in die DV-Planung, in System-Design und -Entwicklung gehen, als dies noch vor ein paar Jahren der Fall war. Es entstehen völlig neue Tätigkeitsmerkmale. Dort, wo bisher nur der Begriff Datenverarbeitung im Vordergrund stand und sich quasi alles um die Hardware drehte (je größer, desto besser), rückt heute der Begriff Informationsverarbeitung nach. Eine Entwicklung, die in Richtung integrierte Informationsverarbeitung geht und das gesamte Spektrum aller im Unternehmen vorkommenden Daten enthält, wird deutlich. DV-Leute, die ihren Beruf als "Job fürs Leben" betrachten, müssen sich an den neuen Medien orientieren, sonst sind sie weg vom Fenster. Das Geheimnis für eine "lebenslängliche" Tätigkeit in der Datenverarbeitung heißt auch heute noch "permanenter Lernprozeß". Hinzu kommt die Erfordernis - und dieses haben viele DV-Kollegen noch immer nicht erkannt -, sich neuen Umweltbedingungen anzupassen.

Vor handfesten Problemen stehen hier inzwischen DV-Leute die seit mehr als zwanzig Jahren Computer bedienen. Für diese alten "DV-Hasen" hat sich das Weltbild, auch wenn sie bisher als DV-Spezialisten galten, maßgeblich verändert.