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Gemischter Frust vom IKD-Workshop "Frauen in der Datenverarbeitung":


24.10.1980 - 

Datenverarbeitung als Emanzipations-Chance für Frauen vertan?

BERLIN - Im Gegensatz zu den übrigen Arbeitskreisen des Internationalen Kongresses für Datenverarbeitung 1980 (IKD) herrschte im Workshop "Frauen in der Datenverarbeitung" eine emotionale Stimmung. Dominierte sonstwodie coole Wissenschaft, war hier trotz des großen Saals, in dem die etwa 50 Teilnehmerinnen verteilt saßen, Betroffenheit spürbar. Vielleicht, wie es in einigen Referaten anklang, ist die Chance für Frauen in der nicht mehr so jungen EDV vorbei. Für die Chance der Frau im Beruf jedoch krempelten einige Frauen in Berlin die Ärmel hoch.

Die Männer haben sich eine Arbeitswelt geschaffen, in der sich, der "herrlichen" Moralvorstellung nach, die Frauen zurechtfinden müssen. Vorausgesetzt, sie wollen es zu etwas bringen. Shirley Steve, selbst Unternehmerin und Vizepräsidentin der British Computer Society, vertrat in ihrem Einleitungsreferat zum Frauenworkshop einen fast feministischen Ansatz. "Obwohl die arbeitende Bevölkerung in Westeuropa zu 40 Prozent aus Frauen besteht, wird die arbeitende Frau als Ausnahme betrachtet. Bis heute ist die Arbeitsmoral im wesentlichen männlich geblieben", analysierte Frau Steve vor dem seriösen Fachpublikum des IKD, das selbstverständlich zum überwiegenden Teil aus Männern bestand. Das Fußvolk der DV, wie überall meist Frauen, wird nicht zum Kongreß geschickt. "Die Arbeit selbst, wie sie gesellschaftlich organisiert ist, welche Mittel zur Belohnung und Bestrafung eingesetzt werden, ist am Muster männlichen Lebensstils ausgerichtet", beschreibt Frau Steve die Ausgangsposition der Frau im Beruf. Und dennoch bot die Datenverarbeitung Frauen einst die Chance zur bescheidenen Karriere.

Anforderungen gestiegen

"Als Anfang der 60er Jahre die Datenverarbeitung ihren Vormarsch in den Verwaltungsbereich der Industrie begann und es noch keine gezielte Berufsausbildung auf dem Gebiet der Datenverarbeitung gab, war plötzlich eine recht gleichmäßige Verteilung von Damen und Herren in den einzelnen Berufskategorien der Datenverarbeitung zu beobachten."

Doch änderte sich diese Situation wie sie Christine Fürstin von Urach, Abteilungsdirektorin der Daimler-Benz AG, Stuttgart, in ihrem Referat "Die Frau als Führungskraft in der Datenverarbeitung" sieht, in den 70er Jahren. Als die Ausbildungsanforderungen für Berufe der Datenverarbeitung immer höher wurden, setzte sich auch hier der Trend zur Schlechterstellung der Frau durch.

Chance durch Wildwuchs

"Die Chancen der Frau, im Berufsleben gleichberechtigt und gleichwertig akzeptiert zu werden, waren und sind schlecht." Doch damit sagt Inge Jahnke nichts Neues. Nur dann wenn männliche Arbeitskräfte nicht oder nur in ungenügender Anzahl vorhanden waren, hatte die Reserve-Armee der Frauen eine Möglichkeit beruflich gefördert zu werden. Frau Jahnke, Programmiererin und Betriebsrätin bei der Deutschen Unilever GmbH, Hamburg, machte mit ihrer Art der Darstellung aus den verstreut sitzenden Zuhörern und Zuhörerinnen eine Gruppe.

Die "Schlußlichter in der Hierarchie" erhielten eine Eintrittschance in die Datenverarbeitung, als diese noch jung war. Firmenspezifisch wurden sie zu Programmiererinnen angelernt. Heute handeln immer noch Männer Preise und Konditionen aus. Frauen von DV-Fachschulen werden weiter als Stimulans für Männer, beispielsweise zur Vorführung von Textautomaten, vermittelt.

Die Vorträge und Diskussionen blieben in dem Bereich stecken, der zum Gemeingut gehört. Hinter den Ergebnissen der Frauenbewegung blieben sie - klar - zurück. Schuld sei die Ausbildung der Frau, das Rollenbild, das, wie es am Schluß der Veranstaltung hieß, bereits in den Schulbüchern vermittelt wird. Die Frau hat gegen eine Reihe von Vorurteilen zu kämpfen, die ihr den Weg in der männlichen Arbeitswelt versperren.

Wahrend die Anzahl der männlichen DV-Fachleute seit 1970 stark anwuchs, blieb die Zahl der Frauen in diesen Berufszweigen bis Heute nahezu konstant. Die Mikroelektronik bedeutet nach einer These von Asha P. Craemer-Kachru, Mitarbeiterin der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD), St. Augustin, zwar eine Herausforderung, für die Frauen aber eine besondere Dequalifizierung oder den Verlust des Arbeitsplatzes. Die Chance, die für Frauen vielleicht einmal in der Datenverarbeitung bestand, wäre damit in ihr Gegenteil verkehrt.

Möglichkeiten zur Gemeinsamkeit

Ohne daß es den Teilnehmern und Teilnehmerinnen ganz klar war, breitete sich nach der morgendlichen positiven Aggression und Freude am Nachmittag ein wachsender Frust aus.

Und dennoch kamen gerade am Nachmittag Sätze vor, die geradezu revolutionären Charakter haben. Wenn es der Frau gelingt, den Marsch durch die Institutionen der männlichen Hierarchie ohne Selbstaufgabe und totale Anpassung zurückzulegen, könnte sich die Arbeitswelt nicht nur zu ihren Gunsten ändern. Ute Schütz, Moderatorin aus dem Hause GMD, wollte es auch nicht beim Lamentieren belassen. Sicher waren einige Vorträge schlecht gewesen, sicher schadeten manche Diskussionsbeiträge - gerade von Frauen, die es "zu etwas gebracht hatten" - der erstrebten Gleichberechtigung mehr, als sie nutzten.

Frauen können die Arbeitswelt verändern, indem sie, wie Frau Schütz zusammenfaßt, gemeinsam vorgehen. "Die Frauen werden sich durchsetzen, wenn Mann ihnen die Chance gibt." Bei dem gesprochenen Satz war das große "M" wie das Doppel-"N" natürlich nicht zu hören. Doch mußte es so sein. Sie beherrschen die Entscheidungszentren. Eckard Fuchs, Vorsitzender des IKD-Fachbeirates, mag als Beispiel stehen für das, was gemeint war. Er hatte vor rund einem Jahr seine Kollegen überzeugt, "Frauen in der Datenverarbeitung" als Thema für den Kongreß aufzunehmen.

Die Frauen forderten keinen Proporz in der betrieblichen Hierarchie "Die Investition in die Aus- und Weiterbildung von geeigneten Frauen lohnt sich", erklärte Frau Schütz zum Abschluß. "Es kommt darauf an, daß ihnen die gleichen Möglichkeiten eingeräumt werden wie einem gleich qualifizierten Mann."