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07.12.1979

Datenverarbeitung geht-Informationslogistik kommt

Die technische Entwicklung der nächsten Zukunft ist gekennzeichnet durch den verstärkten Einsatz des Mikroprozessors. Überall wo gesteuert, geregelt, geschaltet wird, finden diese preiswerten und ungeheuer leistungsfähigen Winzlinge Anwendung. Das Ergebnis wird sein, daß komplizierte Steuer- und Regelsysteme, deren Realisierung bisher ein hochentwickeltes Produktions-Know-how und komplexe Produktionsanlagen erforderlich machte, nun von außen 1 bezogen werden können. Daraus ergibt sich, daß sowohl die Produktionseinrichtungen als auch die produzierten technischen Geräte selbst in technischer Hinsieht vergleichsweise einheitlich sein werden und daß der Kreis der potentiellen Hersteller größer wird. Der Wettbewerb wir sich daher nicht mehr so stark wie bisher am Produkt selbst orientieren, sondern das wesentliche Kriterium für den Erfolg am Markt wird die Strategie sein. Unter Strategie verstehen wir hier hauptsächlich die Produktund ganz besonders die Marketing-Strategie. Um die bessere Strategie erarbeiten und durchsetzen zu können, benötigt man rechtzeitig die richtigen Informationen. Wir steuern auf einen Wettlauf der Informationen zu. Das lang angekündigte Zeitalter der Information wird sich voll entfalten.

Wettbewerb der Strategien

Auf dem Gebiet der allgemeinen Informationssysteme bahnt sich ebenfalls ein kräftiger Evolutionsschub an, wiederum bedingt durch das Vordringen der Elektronik. Die physische Übermittlung von Information, insbesondere auf dem Medium Papier, aber auch durch Reisen der Informierenden, wird zugunsten der elektronischen Übermittlung stark in den Hintergrund treten. Die Informationsübermittlung, handle es sieh nun um Signale, Daten, Text, Sprache, Bilder wird ihrerseits durch den Einsatz der Elektronik technisch ähnlich. Als Stichworte seien hier nur genannt: Digitalisierung aller Informationsübertragung, Möglichkeit der Zwischenspeicherung, hochleistungsfähige Übertragungswege wie Glasfaserkabel.

Dieser Entwicklung einen Schritt voraus ist bisher noch die EDV, sowohl durch Elektronik- und Digitalübertragung als auch neuerdings durch die Dezentralisierung der EDV mittels intelligenter Terminals am Arbeitsplatz. Die anderen Kommunikationsmedien werden wie eben geschildert diejenige Technik verwenden, die die EDV heute schon beherrscht. Es wird also in Zukunft technisch kein Unterschied mehr sein zwischen der Übertragung- und Speicherung von Sprache, der Übertragung und Verarbeitung von Text, der Übertragung und Speicherung von Bildern, der Umwandlung von Sprache in Text oder Daten, der Übertragung, Speicherung und Verarbeitung von Daten etc. Diese technische Ähnlichkeit der Systeme legt nahe, daß sämtliche Informations- und Kommunikationssysteme auch organisatorisch zusammengefaßt werden.

Die organisatorische Zusammenfassung ist auch deshalb zwingend geboten, weil die Verfügbarkeit von Informationen zum zentralen Problem der Unternehmenspolitik geworden ist. Stärker als bisher muß ein Unternehmen ein Informationskonzept entwickeln und eine Informationspolitik konsequent durchsetzen. Auch dies spricht für einen starken zentralen Unternehmensbereich "Informationslogistik". Er konzipiert, steuert und koordiniert sämtliche Informationssysteme und faßt sie zu einem umfassenden Informationskomplex zusammen. Die Datenverarbeitung wird nun ein gleichwertig neben den anderen Systemen stehendes und mit ihnen verzahntes Untersystem sein.

Die EDV-Abteilung wird verschwinden

Für die EDV bedeutet das: Die hoch angesehene, teuere, unangreifbare, einzigartige EDV-Abteilung wird als Institution verschwinden. Ihre Funktionen, erweitert um Integrationsfunktionen mit anderen Systemen, wird eingehen in den Informationslogistik-Bereich. Die reine Systemseite der EDV, also der zentrale Computer, große Datenbanken etc. werden direkt in der zentralen Informationslogistik-Abteilung angesiedelt sein, die Applikationsseite wird sich ganz in die Fachabteilungen verlagern. Die EDV als organisatorische Einheit, als Abteilung, wird nicht mehr bestehen.

Welche Konsequenzen hat diese Entwicklung nun für die Mitarbeiter in der EDV? Für den Operator keine unmittelbaren: Auch in Zukunft wird es zentrale Rechenstellen geben und auch dezentrale Systeme aller Art müssen bedient und gewartet werden. Insgesamt muß jedoch der Ausbildungsstand des Operators höher werden.

Dem Computer-Techniker bieten sich sehr, sehr gute Chancen. Er ist heute noch der einzige, der die elektronischen Techniken einigermaßen beherrscht, und wenn die anderen Kommunikationsmedien sich dieser Techniken bedienen, wird sein Einsatzgebiet plötzlich vervielfacht. Es ist nicht anzunehmen, daß alle Martungstechniker konventioneller Informationssysteme in der Lages sein werden, sich auf die neuen technischen Entwicklungen einzustellen. Auf dem Gebiet der Wartungstechnik ist also ein Engpaß vorauszusehen, und es ist möglich, daß der Einsatz der neuen Techniken eben durch diesen Engpaß verlangsamt wird.

Beim Programmierer muß man unterscheiden zwischen dem Systemprogrammierer und dem Anwendungsprogrammierer. Der Systemprogrammierer tut gut daran. sich zum Informationssystem-Programmierer im Sinne integrierter Informationssysteme weiterzubilden. Er wird möglicherweise bei Herstellern und bei Spezialunternehmen für Informationslogistik. zu denen sich einige jetzige Software-Häuser entwickeln werden, ein weiteres Arbeitsgebiet vorfinden als beim Anwender. Der Anwendungsprogrammierer tut gut daran, sich in Richtung Benutzerabteilung orientieren und sich Fachkenntnisse aus eben diesen Abteilungen anzueignen .

Denken in Informationssystemen

Ein weiterer Engpaß wird durch das Fehlen fähiger Informationsorganisatoren entstehen. Schon jetzt sind wirklich gute EDV-Organisatoren Mangelware, um so mehr ist damit zu rechnen, daß Analytiker die in integrierten Informationssystemen denken können und dabei das Benutzerinteresse nicht aus dem Auge verlieren, sehr gesucht sein werden. Auch an dieser Stelle kann die Einführung eines Gesamtinformationslogistik-Konzeptsscheitern .

Für die EDV-Manager ergibt sich die Fragestellung, ob sie den Sprung schaffen und zum Informationslogistik-Manager auf steigen was nur durch sehr viel Weiterbildung zu erreichen sein wird, oder ob sie als Maschinist den zentralen Computer steuern oder in der Fachabteilung den Teilbereich EDV überwachen, in jedem Fall aber als Sozialfall ihre Tage fristen werden.

Dieses Referat wurde anläßlich des jetzt zwölfjährigen Bestehens des Control Data Instituts gehalten.