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14.05.1982 - 

Diebold empfiehlt den mathematisch-technischen Assistent und den DV-Kaufmann:

Datenverarbeitung "von der Pike auf" lernen

FRANKFURT (CW) - Auch das praxisbezogenste Studium kann die eigentliche Praxis nicht ersetzen. Daher fordern Experten eine praxisbezogene Ausbildung gleich nach dem Schulabschluß, um es so mehr jungen Menschen zu ermöglichen, die Datenverarbeitung "von der Pike auf" zu lernen. Dabei bieten sich, wie der neueste Diebold Management Report betont, schon jetzt zwei Ausbildungsberufe an, die eng mit der DV in Berührung stehen: der mathematisch-technische Assistent und der Datenverarbeitungskaufmann.

Die Berufe in der Datenverarbeitung werden nach den Beobachtungen der Diebold Unternehmensberater zunehmend attraktiv. Der Grund, warum bei so vielen jungen Menschen Datenverarbeitung in der Berufswahl ganz oben steht, sei sicherlich mit auf die wirtschaftliche Unsicherheit zurückzuführen. Die DV gelte trotz aller vorübergehender Wachstumsstockungen immer noch als Zukunftsbranche par excellenc.

Immer noch sprechen Experten vom Software-Engpaß und einem Entwicklungsrückstand von Jahren in der Anwendung, so daß sogar bei einem Rückgang des Computergeschäfts die Aufgaben in der Planung, Organisation und bei der Programmierung in den einzelnen Unternehmen noch steigen könnten.

Gefragt: Praxisausbildung statt Theorie

Deshalb legen die Bildungsexperten, vor allem die mit Fragen der Ausbildung in den Unternehmen betrauten Mitarbeiter, großen Wert auf eine praxisbezogene Ausbildung. Überlegungen, die den Zulauf zu dem mehr theoretisch-mathematisch ausgerichteten Studium der "Kerninformatik" begrenzen wollen, sind nach Ansicht der Frankfurter Berater nicht von der Hand zu weisen. Denn dieser Studiengang, der je nach Hochschule einer naturwissenschaftlichen Fakultät zugeordnet ist, diene vor allem der wissenschaftlichen Durchdringung der Computertechnologie, der Analyse einzelner Informationssysteme. Weniger beschäftige er sich dagegen mit der Frage, wie Computer in der Praxis eingesetzt werden können.

Diese Frage werde jedoch immer bedeutungsvoller, seitdem die Datenverarbeitung auch in Klein- und Kleinstbetrieben eindringt und hier Mitarbeiter gebraucht werden, die neben ihren Kenntnissen einzelner Branchen auch Erfahrungen haben sollten, wie sie den Computer am besten für ihre Zwecke einsetzen könnten.

Da etwa 90 Prozent aller Computeranwendungen im kommerziellen und öffentlichen Verwaltungsbereich liegen, bot sich Diebold zufolge die Kombination eines betriebswirtschaftlichen Studiums mit dem der Informatik geradezu an. Derzeit wird an 27 deutschen Hochschulen im Rahmen eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums (Abschlüsse: Diplom-Kaufmann, Diplom-Volkswirt, Diplom-Ökonom) Betriebs- und Wirtschaftsinformatik angeboten.

Diese Spezialisierung im Rahmen eines bekannten und bereits eingeführten Studienganges hat sich nach Meinung vieler Experten bewährt. Neben einer Programmiersprache ist die Funktionsweise von Rechnern, Speichern und peripheren Geräten Gegenstand der Ausbildung. Noch wichtiger sei jedoch die Kenntnis der organisatorischen Konzepte, die zur Entwicklung von Programmen, zur Dokumentation und zu Datenverwaltungssystemen führen.

Anwendungen aus dem Rechnungs- und Materialwesen in Industrie und Handel, aus der Fertigungssteuerung und aus dem Dienstleistungsbereich von Banken und Versicherungen stehen im Vordergrund der Ausbildung. Nach Angaben aus Unternehmen, aber auch nach Untersuchungen des der Bundesanstalt für Arbeit angeschlossenen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat dieses Studium Zukunft.

Gute Aussichten für MATAS

Ebenfalls chancenreich scheint die Ausbildung zum mathematisch-technischen Assistent zu sein. Eine Bezeichnung, mit der viele Ausbilder nicht ganz einverstanden sind und die sie lieber durch den Begriff "Informatiker" ersetzen würden.

Die Ausbildung - meist in der Chemie - dauert 21/2 Jahre und entspricht in vielem dem Niveau der Ausbildung zum Fachschulingenieur.

Mathematisch-technische Assistenten werden in der Datenverarbeitung des Anwenders beschäftigt, aber auch in den technischen und wissenschaftlichen Abteilungen der Unternehmen, etwa im Labor oder den Versuchsabteilungen - immer aber an der Schnittstelle zwischen Anwendung und Computer.

Nachwuchs zu finden, ist zahlenmäßig nach einhelliger Aussage der Ausbilder heute nicht schwer. Doch vielfach hapert es an den unbedingt notwendigen mathematischen Grundkenntnissen, die eigentlich die Schule hätte vermitteln müssen.

Die Berufsaussichten des mathematisch-technischen Assistenten sind gut, die Bezahlung ebenfalls. Der Andrang zu den Ausbildungsplätzen ist dementsprechend sehr stark. Trotzdem glauben Ausbilder nicht, daß sich dieser Beruf zu einem " Modeberuf" entwickeln könnte. Wer sich für diese Tätigkeit interessiert, so wird gesagt, der habe sich schon "ein wenig mehr Gedanken gemacht" und ahne vielleicht, daß er hier "auf alle Fälle etwas leisten" müsse.

Umstrittener DV-Kaufmann

Umstritten ist nach Ansicht der Berater dagegen in der Wirtschaft der Beruf des Datenverarbeitungskaufmannes. Viele Unternehmen bildeten heute nicht mehr in diesem Ausbildungsberuf aus, obwohl er auf dem DV-Sektor der einzig anerkannte kaufmännische Beruf ist. Alle anderen seien entweder nur Anlernberufe oder stellten Funktionen dar, die aufgrund von Fortbildung erreicht werden könnten.

Bei Nixdorf beispielsweise hat man mit dem Datenverarbeitungskaufmann gute Erfahrungen gemacht. Viele Abiturienten wollen heute offenbar erst einmal einen praktischen Beruf ergreifen, bevor sie sich überlegen, ob sie studieren oder nicht.

Der Andrang zu dieser Ausbildung sei "riesig", die Chancen nach Abschluß der Ausbildung groß. Die Ausbildung dauert für Abiturienten zwei Jahre, sie ist im kaufmännischen Teil, auf den ein Drittel der Ausbildungszeit entfällt, auf die Ausbildung zum Industriekaufmann zugeschnitten.

Frauen bewerben sich zunehmend

Die Lehrlinge lernen im Datenverarbeitungsteil zwei Programmiersprachen, werden in Organisation, Systemanalyse und EDV-Technik geschult und nach der Prüfung vor allem als Organisationsprogrammierer oder auch in der Systemanalyse und Organisation eingesetzt. Hersteller beschäftigen sie auch im Vertrieb oder bilden sie weiter zu Referenten aus.

In der Regel werden Abiturienten genommen, auf gute mathematische Veranlagung wird Wert gelegt. In den letzten Jahren bewerben sich zunehmend auch Frauen, wohl - so Diebold - weil das Lehramt seine frühere Attraktivität verloren hat.

Die Gründe, warum die Wirtschaft das Konzept des Datenverarbeitungskaufmannes vielfach ablehnt, wird mit dem fehlenden Angebot an entsprechenden Fachklassen in Berufsschulen erklärt. In der Bundesrepublik gibt es, wie die Personalberater bedauern, derzeit nicht einmal ein Dutzend Schulen, aus denen angehende Datenverarbeitungskaufleute ihr theoretisches Wissen beziehen können.

Diese Schulen befinden sich in München, Nürnberg, Hamburg, Weinheim, Witten, Köln, Berlin und Paderborn. Mannesmann und Thyssen beispielsweise bilden ihre Lehrlinge in einer Schule zu Datenverarbeitungskaufleuten aus. Unternehmen wie das Deutsche Reisebüro oder Preußenelektra schicken ihre Lehrlinge zum Blockunterricht nach Padderborn.

Bei Nixdorf ist man ganz sicher, daß bei ausreichendem, über das ganze Bundesgebiet - verteiltem Schulangebot dieser Beruf wesentlich attraktiver gemacht werden könnte. So müßten viele Unternehmen, die ihren Lehrlingen gern diese Ausbildung vermitteln würden, schon aus Kostengründen auf eine Ausbildung in diesem Beruf verzichten. Derzeit gibt es in der Bundesrepublik nicht einmal 2000 Ausbildungsverhältnisse für Datenverarbeitungskaufleute, dagegen sind bei den Industrie- und Handelskammern jeweils 50 000 Verträge für Industrie-, Büro- und Bankkaufleute registriert.

Freilich vertreten einige Hersteller ein ganz anderes Konzept, so etwa Siemens. Der größte deutsche Elektrokonzern bildet alle kaufmännischen Lehrlinge erst einmal zum Industriekaufmann aus. Nach Abschluß der Lehre schließt sich dann eine interne Ausbildung für solche Industriekaufleute an, die sich für Datenverarbeitung interessieren und die das Unternehmen für geeignet hält.

Auch IBM bildet nur Industriekaufleute aus. Hier beginnt die computerorientierte Weiterbildung nach der Lehre oder im Rahmen einer dreijährigen Ausbildung in der Berufsakademie, die gemeinsam mit Daimler, SEL und Bosch betrieben wird.