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31.01.1975 - 

General-Manager der Sperry Univac:

Datenverarbeitung wird immer mehr das Übliche

Mit Franz C. Grohs sprach Dr. Gerhard Maurer

- 1972 war für Univac in der Bundesrepublik ein schlechtes Jahr. Mitte 73 übernahmen Sie den Posten des General-Managers. Waren Sie erfolgreich? Wie sieht die Geschäftslage heute aus?

Man kann die Jahre 1972 und 1974 gar nicht mehr vergleichen. In der Zwischenzeit hat sich sowohl am Markt wie auch in der konjunkturellen Lage soviel geändert, daß man die derzeitige Situation losgelöst von den alten Statistiken betrachten muß.

- Was hat sich vor allem geändert?

Gegen uns gibt es auf dem deutschen Markt eine klare Diskriminierung auf dem Sektor der Großanlagen. Für den Bereich der kleinen und mittleren Maschinen konnten wir im Sommer 1974 die Univac 90/30 ankündigen.

- Univac spricht da von spektakulären Verkaufserfolgen?

Ja, wir haben bereits fast 70 Abschlüsse, etwa ein Drittel davon lösen Systeme von Mitbewerbern ab, vor allem IBM-Systeme.

- Lag dieses Ergebnis über Ihren Erwartungen?

Ja, ganz erheblich, es hilft die enttäuschten Erwartungen auf dem Sektor der Großmaschinen fast zu kompensieren.

- Was hat sich im Hause Univac seit Ihrer Übernahme geändert?

Wir haben unsere Marktgebiete in kleinere Einheiten geteilt, so daß für den einzelnen Vorgesetzten der Überblick besser und eine individuellere Kundenbetreuung möglich wird. Gleichzeitig haben wir die Mitarbeiter im Markt draußen mit wesentlich mehr Autorität als bisher versehen.

- In der Univac-Führungsspitze gab es wichtige Veränderungen. 50 Prozent Ihrer Top-Manager waren vorher nicht da.

50 Prozent meiner Mannschaft war vorher nicht in dieser Position. Wir haben auch von außen einige Mitarbeiter genommen, von denen ich weiß, daß sie die gleiche Einstellung zu unserer Tätigkeit haben wie ich. Aber auch junge Leute aus dem Unternehmen wurden in leitende Positionen befördert.

- Zur technischen Konzeption des Hauses. Univac hat sich immer als ein Pionier auf dem Gebiet der Datenfernverarbeitung dargestellt. Man weiß, daß es fantastische technische Möglichkeiten gibt. Wann aber kommt für die Datenfernverarbeitung der Durchbruch im Markt?

Angebote, die wir heute herausgeben, beinhalten praktisch durch die Bank Datenübertragungssysteme. Schon in der ersten Stufe werden bereits heute Datenübertragungs-Applikationen realisiert, was früher erst in einer zweiten und dritten Stufe vorgesehen war.

- Das beginnt bei welcher Maschinengröße?

Selbst bei Neuabschlüssen für die 90/3O, die sehr flexible Datenternverarbeitungsmöglichkeiten und entsprechende Software hat, stellen wir in Gesprächen mit den Kunden immer wieder fest, daß sie sehr wohl in einer zweiten Stufe, die praktisch sofort beginnt, sobald die Umstellung ihres bisherigen Systems auf das neue System abgeschlossen ist, mit Datenübertragungs-Anwendungen aus das System geben wollen.

- Glauben Sie, daß binnen kurzer Zeit auch die Mehrzahl der mittleren Systeme mit TP-Anwendungen laufen werden?

Ja, heute sind bereits relativ kleine Systeme - relativ klein vom Preis - her mit einer Leistung ausgestattet, die es erlaubt, auch Datenfernverarbeitung zu realisieren.

- Hat das verbesserte Preis-Leistungsverhältnis die großen Maschinen aus der Mode gebracht?

Diesen Schluß sollte man daraus nicht ziehen. Es bleibt nach wie vor der Satz bestehen und hat weiterhin seine Gültigkeit, daß pro Leistungseinheit der Preis bei einem Großrechner günstiger, das heißt billiger ist, als bei einer kleinen Rechenanlage.

- Mancher teure Großrechner wurde deshalb angeschafft, weil die Mittelklasse-Rechner die geforderten Leistungen nicht brachten Heute könnte man doch ebensogut dort Maschinen hinstellen, die vom Preis her gesehen Mittelklasse-Rechner sind?

Man könnte es durchaus sagen, wenn eben nicht die Anforderungen der Benutzer, die vor drei Jahren etwa die Serie 11O gewählt haben, inzwischen auch so gewachsen waren, daß sie heute wieder die 1100 benötigen.

- Man spricht sehr viel davon, daß die Wachstumskurve in der Computerbranche abflacht. Kommt nicht irgendwann der Zeitpunkt, an dem die normale industrielle Unternehmung und auch der große Konzern genug EDV-Power hat und die Verbesserung des Preisleistungsverhältnisses auch dann zu Budgetsenkungen führen könnte?

Das Maß der Integration der EDV in den einzelnen Unternehmungen hat zwar sicherlich zugenommen, aber es hat noch längst keine Sättigung erreicht. Nach wie vor könne sich eine Vielzahl weiterer Unternehmensbereiche der Dienstleistung EDV bedienen. Gerade wenn wir heute an die Pensonalkosten denken, stellt sich sicherlich bei diesen Unternehmen die Frage, ob man nicht Applikationen, die vor drei Jahren noch nicht wirtschaftlich auf den Computer überführt werden konnten, heute bereits recht wirtschaftlich auf ein solches System bringen kann. Denken Sie an die drastische Verbilligung der Massenspeicher und der Hauptspeicher.

- Sie meinen also, daß die Anwender auch weiterhin mit etwa gleich hohen, wenn nicht gar höheren EDV-Budgets leben werden.

Ich könnte mir vorstellen, daß die EDV-Budgets als Gesamtbudget betrachtet, durchaus konstant bleiben. Aber innerhalb des Budgets wird eine Umschichtung stattfinden. Komponenten, die für

sich betrachtet preisgünstiger werden, sind stärker zu betonen.

Es ist denkbar, daß mehr in die Hardware investiert wird, um auf

der Personalseite mit einem geringeren Posten auskommen zu

können - etwa dadurch, daß mehr höhere Programmiersprachen eingesetzt werden und derlei Dinge mehr.

Diese gleiche Betrachtung gilt übrigens auch, wenn man die Gesamtkostenstruktur eines Unternehmens ins Auge faßt. Auch ist durchaus ein Trend zu verzeichnen, der sich in Zukunft noch verstärken wird, dahingehend, daß man weggeht von den personalintensiven und bei zunehmenden Löhnen mit immer höheren Kosten belasteten Arbeiten hin zur maschinellen Abrechnung, die ja bekanntlich durch das verbesserte Preis-Leistungsverhältnis billiger wird.

- Das hieße, daß die Reduzierung der EDV-Kosten beim Anwender gar nicht mal Ziel einer Unternehmung sein sollten.

Ja, das ist zweifellos richtig, denn es wäre sicherlich töricht, jetzt dem Gedanken nachzugehen, bei sinkenden Computerpreisen auch das EDV-Budget proportional zu senken. Man muß doch die Rationalisierungserfolge betrachten, die durch ein gleichbleibendes oder sogar bei sinkenden Preisen noch leicht ansteigendes Computer-Budget, durch neue Anwendungen erzielt werden können.

- Gibt es nicht dennoch eine Schwelle, an der es irgendwann nicht mehr sinnvoll ist, in einer Unternehmung noch mehr in die EDV zu stecken?

Ich meine, diese Schwelle werden wir auf Jahre hinaus nicht erreichen.