Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

29.06.1984

Datenverarbeitungsstrategie bei der Unternehmensgruppe Birkel:Prinzipien-Mix half DV-Kosten senken

ENDERSBACH - Mit einer gemischt zentralen-dezentralen Lösung arbeitet die Unternehmensgruppe Birkel in ihrer Datenverarbeitung. Die Gruppe betreibt insgesamt neun Computer an sieben Standorten in drei Ländern. Vorerst sieben Rechner sind sternförmig vernetzt. Obwohl die einzelnen Anwender jetzt besser als früher mit DV-Dienstleistungen versorgt werden, sind die relativen EDV-Kosten gesunken.

Als Wolf Heimburger vor zwei Jahren als Leiter Organisation, Datenverarbeitung in die Unternehmensgruppe Birkel eintrat, fand er an den verschiedenen Standorten eine recht heterogene - historisch gewachsene - EDV-Ausstattung und einen unterschiedlich hohen EDV-Durchdringungsgrad vor. An den Standorten Mannheim, Schwelm, Ulm, Straßburg und Wels/ Österreich waren insgesamt fünf MDT-Systeme von fünf verschiedenen Herstellern installiert. Der Standort Buxtehude ließ seine auf Lochkarten erfaßten Daten in Schwelm verarbeiten. Am Firmenstammsitz in Endersbach im Remstal (Weinstadt) schließlich wurde eine Honeywell Bull 66 DPS eingesetzt. Die Betreuung und Pflege so vieler unterschiedlicher, untereinander nicht kompatibler Rechner und EDV-Verfahren war sehr personalintensiv und kostenaufwendig.

Neues Konzept

Durch die angestrebte Reorganisation der Datenverarbeitung der Unternehmensgruppe Birkel sollten als primäre Ziele eine höhere Durchdringung mit interaktiven Verfahren und die dezentrale Verfügbarkeit von Rechnerleistung am Arbeitsplatz in der Fachabteilung jedes Standortes erreicht werden. Für diese Ziele wurde ein gemischt zentral-dezentrales Installations- und Verarbeitungskonzept entwickelt: In einen Gesamtrahmen passend sollten vor Ort soviel wie wirtschaftlich und funktionell sinnvoll eigene EDV-Kapazität installiert und zugleich - standortunabhängig - alle Anwender und Anwendungen in ein Netzwerk integriert werden.

Dabei wollte das Unternehmen mit einer relativ geringen Anzahl von EDV-Fachleuten seine Datenverarbeitungsorganisation aufbauen, erhalten und weiterentwickeln. Dazu war es unter anderem erforderlich, vor Ort nur Rechner zu betreiben die nicht die ständige Betreuung durch einen Operator erfordern. Die volle Netzwerkfähigkeit der lokalen Hardware war nicht nur wegen des standortunabhängigen Zugriffs auf entfernte Rechner zwingend notwendig, sondern auch wegen der angestrebten Fernbetreuung der Anwender.

Bei einer Reorganisation der betrieblichen Datenverarbeitung steht die vorhandene Hard- und Software nicht selten einer optimalen Neukonzeption im Wege. So war es auch bei der Unternehmensgruppe Birkel. Probleme gab es dabei weniger mit der seitherigen MDT-Hardware an den unterschiedlichen Standorten.

Die Systeme und ihre Anwendungen waren ohne große wirtschaftliche und funktionelle Konsequenzen ersetzbar. Anders lagen die Dinge dagegen beim Universalrechner in Endersbach, mit den Hauptanwendungen Fakturierung, Verkaufsstatistiken und Außendienststeuerung. Es handelt sich durchweg um sehr umfangreiche Verfahren, die nicht einfach aufgegeben werden konnten.

Da auf dem HB-Rechner in bezug auf gängige DFÜ-Verfahren lediglich die 2780-Prozedur unterstützt wurde, ließ sich diese Anlage nicht in den Mittelpunkt des künftigen Netzwerkes stellen. Daher entschloß sich die Unternehmensgruppe Birkel, den

zentralen Hauptrechner nicht online in das aufzubauende Netzwerk zu integrieren, sondern offline zu betreiben.

Bei der angestrebten Vernetzung lokaler Rechner sollte - unabdingbar - sichergestellt sein, daß der Ausfall eines lokalen Rechners die Funktionsfähigkeit des Netzwerkes und der übrigen Rechner nicht beeinträchtigt. Weitere Auswahlkriterien waren die Möglichkeit des weitgehend operatorlosen Betriebs der Verbundrechner, das Preis/Leistungs-Verhältnis und die verfügbare Standardsoftware.

Birkel entschied sich dafür, das neue Konzept mit Kommunikations-, Rechner- und Softwareprodukten von Hewlett-Packard zu realisieren. Es wurden folgende lokale Verbundrechner installiert: Mannheim, Schwelm und Buxtehude je eine HP3000/40, Ulm und Wels je eine HP3000/42, Straßburg eine HP250.

Alle Rechner sind - das Straßburger System vorerst ausgenommen - sternförmig über HfD-Standleitung (Wels über Datex-P-Anschluß) mit einer (unter anderem) Konzentratorfunktionen übernehmenden HP3000/44 in Endersbach verbunden. Dort steht - vorwiegend als lokaler Rechner für die interaktiven Anwendungen - eine weitere HP3000/42, die bei Bedarf als Konzentrator-Back-up-System fungiert.

Operatorlos im Netz

Die für die Zentralfakturierung erforderlichen Daten werden über das Netzwerk operatorlos an die HP3000/44 überspielt. Von dort werden die Daten über Band an den Hauptrechner gegeben und nach der Stapelverarbeitung auf dem gleichen Wege zur Kontrolle an die Standorte zurückübertragen.

Dieses Verfahren erfordert eine gewisse redundante Datenspeicherung. So werden Kundenstammdaten sowohl auf dem zentralen Hauptrechner als auch in den lokalen Systemen vorgehalten. Für die örtlichen Anwender ist es ausreichend, wenn einmal täglich ein Update gefahren wird. Außerdem ist an jedem Standort mindestens ein Remote-Terminal installiert, das über Wählanschluß direkten Zugriff zu den Dateien des Hauptrechners hat.

Wolf Heimburger: "Diese Lösung ist ein tragbarer Kompromiß, zumindest solange, bis die Netzwerk-Hauptanwendungen voll ausgebaut sind und sich stabilisiert haben. Dann werden wir sicher auch darüber nachdenken, wie wir den Hauptrechner in unser Netzwerk einbinden können. Dabei ist ein Rechnerwechsel, unter Umständen auch ein Herstellerwechsel denkbar".

Die Unternehmensgruppe Birkel ist in der Auslegung des Netzes und der Verbundhardware flexibel und kann jederzeit bedarfsgerechte Veränderungen vornehmen. Im Birkel-EDV-Netzwerk kann auf jeden (HP-) Rechner, dessen Dateien, Datenbanken und Peripheriegeräte von jedem anderen (HP-) Rechner aus zugegriffen werden. Bei Ausfall eines Systems innerhalb des Rechnerverbundes können die übrigen Rechner das Netzwerk restriktionsfrei weiterbenutzen. Bei Bedarf ist auch eine Kommunikation mit jedem anderen Computersystem möglich, das IBM-Remote-Job-Entry-Möglichkeiten unterstützt. Damit ist Birkel nicht auf die Hardware eines bestimmten Herstellers festgelegt.

Als Kommunikationssoftware ist das Hewlett-Packard-Produkt DSN (Distributed Systems Network) eingesetzt, das bei Bedarf auch ein Job-Sharing zwischen "entfernten" Verbundrechnern ermöglicht.

Bei der Struktur der Unternehmensgruppe Birkel ist ein Datenaustausch und der Zugriff auf entfernte EDV-Ressourcen zwischen den einzelnen Standorten in der Regel nicht erforderlich, dagegen aber in intensiver Form zwischen der Firmenzentrale und dem jeweiligen Standort.

Alle Programme werden zentral gepflegt. Bei den lokalen EDV-Verfahren konnte die gewünschte Einheitlichkeit der Anwendungen erreicht werden. Wünscht ein Benutzer ein bestimmtes zusätzliches Programm oder eine Modifikation, so prüft die zentrale EDV-Abteilung, ob für diese Anwendungen auch an anderen Standorten ein Bedarf besteht und macht die Programmerweiterungen dann allen relevanten Benutzern verfügbar.

Die Einheitlichkeit der Anwendungen betrifft sowohl Standardprogramme wie Finanzbuchhaltung und Personalabrechnungssystem sowie Anlagenbuchhaltung als auch eigene Entwicklungen wie Auftragsbearbeitung.