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26.02.1999 - 

Intranet-Anwendungen/ Herkömmliche Struktur mit Internet-Technologie ergänzt

Datev: Ein Intranet stellt die Brücke zu den Mandanten her

Die Nürnberger Datev eG zeigt, daß sich Internet-Technologie - unter Wahrung von Datenschutz und Datensicherheit - in eine bestehende IT integrieren läßt. Stefan Schröder beschreibt "Kanzlei online", eine neue Dienstleistung der Genossenschaft auf Intranet-Basis.

Bisher konnten die Mandanten der Steuerberater - in der Regel mittelständische Betriebe mit bis zu 1000 Mitarbeitern - nur in geringem Umfang in den elektronischen Datenaustausch mit der Datev einbezogen werden. Zwar ließen sich im Rahmen eines Leistungsverbunds zwischen Unternehmer und Berater Daten offline erfassen, doch war die elektronische Abfrage der Arbeitsergebnisse des Beraters bisher nicht möglich.

Nun soll diese Brücke elektronisch gebaut werden. Eine Chance, den Steuerberater als Dienstleister mit einem Rund-um-die-Uhr-Service zu positionieren, bot sich mit der Überlegung, dem Mandanten via Internet Zugriff auf die bei der Datev gespeicherten Daten seines Betriebs zu gewähren. "Kanzlei online" wird im zweiten Halbjahr 1999 freigegeben und eröffnet gut zwei Millionen Mandanten neue Kommunikationsmöglichkeiten.

Kern der Datev-IT ist ein Parallel-Sysplex-Verbund mit S/390-Großrechnern. Die Buchhaltung von zwei Millionen Mandantenbetrieben und zirka acht Millionen Gehaltsabrechnungen pro Monat sorgen für eine massive Datenmenge, die zentral und sicher zu verwalten ist. Die Genossenschaft setzt dafür ein eigenes Datenhaltungssystem und speziell optimierte, eigenentwickelte Anwendungen ein. Seit einigen Jahren werden zunehmend auch DB2/MVS-basierende Anwendungen zur Verfügung gestellt. Im Projekt "Kanzlei online" mutiert der Großrechner zumInternet-Server. In Zukunft wird mit einem Anstieg an Transaktionen bis auf das Zehnfache gerechnet, da die künftigen Endbenutzer - die Mandanten eben - bisher ja noch kaum Transaktionen im RZ auslösen konnten.

Zwei Kommunikationswelten - Internet und Rechenzentrum - arbeiten zusammen. Die softwaretechnische Realisierung der neuen Anwendungen gewinnt einen besonderen Reiz dadurch, daß vorhandene CICS- sowie Batch-Anwendungen entsprechend modifiziert werden konnten und die gleichen Programme künftig im Online-Betrieb unter dem Look and feel eines aktuellen PC-GUI zur Verfügung stehen. Die Datev-Lösung gehört in die Kategorie der "Next Generation Transaction Processing" und verbindet vorhandene Prozeßlösungen mit den Möglichkeiten des E-Commerce.

Da es sich um den Austausch sensibler Daten handelt, müssen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Während Datev-Verfahren in der Kanzlei eine sichere Kommunikation gewährleisten, nutzt der Mandant die Internet-Technik - TCP/IP, PC und Modem -, die um Sicherheitsmaßnahmen ergänzt werden muß. Sie basieren auf SmartCards sowohl für die Sicherung der Vertraulichkeit und Integrität der Daten als auch zur eindeutigen Authentifikation und Autorisierung des Benutzers. Auch beim Mandanten wird sichergestellt, daß nur berechtigte Personen die für sie freigeschalteten Daten sehen und daß diese Daten sicher übermittelt werden. Die Rolle des Sicherheits-Gateways zwischen Kanzlei- und Mandantenumfeld übernimmt das Datev-RZ, das zusätzlich über Firewall-Mechanismen abgeschirmt ist.

An den Großrechner selbst werden ebenfalls hohe Sicherheitsanforderungen gestellt, weshalb die höchsten zur Zeit verfügbaren Verschlüsselungsmechanismen eingesetzt werden sollen. Bei entsprechender Exportfreigabe durch die US-Behörden ist der Einsatz hochperformanter Verschlüsselungsmechanismen durch die Host-Hardware (Kryptochips) geplant.

Das Outsourcing vieler Dienste und Services an ein zentrales Kommunikations- und Logistikzentrum, die hohe Sicherheit und Verfügbarkeit der sensiblen Daten sprechen aus Sicht der steuerlichen Berater für eine Fortführung konsolidierter IT. Gerade wenn es sich um Mandanten mit umfangreichen Lohnauswertungen - mit entsprechend hohem Druckvolumen auf den verschiedensten Formularen - handelt, vertrauen viele Berater auf die zentralen Ressourcen der Verarbeitung und des Drucks bei der Datev.

Damit die Verfügbarkeit der RZ-Systeme rund um die Uhr sichergestellt ist, fährt die Datev zwei Produktionsrechner im Parallel-Sysplex-Verbund. Ein dritter Rechner wird für Test- und Entwicklungszwecke genutzt und steht als Produktions-Backup bereit. Für den Fall der Fälle existieren separate Brandabschnitte. Notfallpläne werden regelmäßig getestet. Eine ausgefeilte Systemplanung soll gewährleisten, daß auch Spitzenlasten wie zum Beispiel 800000 Lohnabrechnungen pro Tag zu bewältigen sind. Die für den Zugriff auf Magnetbänder bestimmten Robotersysteme sind ebenfalls auf vier Standorte verteilt. Ein eigenes Backbone-Netz ermöglicht die Kommunikation zwischen den Standorten.

Ein wichtiges Ziel ist die Verfügbarkeit der Anwendungen rund um die Uhr. Das Spektrum von "Kanzlei online" umfaßt neben dem Einblick in die im RZ gespeicherten Auswertungen und der Abwicklung des Zahlungsverkehrs mit elektronischer Unterschrift auch den Einblick des Mandanten in die vom im Datev-Rechenzentrum für ihn bereitgestellten Dokumente.

Zudem wird eine neue Möglichkeit des Datenaustauschs zwischen Unternehmer und Berater verfolgt. Dabei entscheidet der Berater, auf welche Daten der Mandant zugreifen kann beziehungsweise wie sich der Funktionsumfang des Dienstleistungsangebots gestalten wird. "Kanzlei online" soll eine 24-Stunden-Verfügbarkeit der Mandantendaten gestatten. Die Freigabe des Projekts ist für das zweite Halbjahr 1999 geplant.

Unabhängig davon, ob der Steuerberater eigene PC-Programme oder Rechenzentrumsanwendungen der Datev nutzt, lassen sich die Informationen im Datev-RZ zentral halten. Der Anwender kann seine eigenen Daten einsehen und die dispositiven Aufgaben, die aus der Arbeit seines Beraters erledigen, auf diesem Weg selbständig wahrnehmen. Es stehen ihm dafür die Daten aus den Bereichen Finanzbuchführung, betriebswirtschaftliche Auswertung, Kosten- und Leistungsrechnung sowie Personalwirtschaft zur Verfügung.

Die Datev eG

Die Datev, Genossenschaft für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, erbringt DV- und Organisationsdienstleistungen für den steuerberatenden Beruf. In den 60er Jahren gegründet, errichtete die Institution frühzeitig ein eigenes Netz, in dem heute Daten und Sprache übertragen werden. Das Gesamtsystem bedient mit zentralem RZ-Dienst und dezentraler IT insgesamt 220000 PCs bei 36 800 Mitgliedern.

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Kern der Datev-IT ist ein Parallel-Sysplex-Verbund mit S/390-Großrechnern. Die Buchhaltung von zwei Millionen Mandantenbetrieben und zirka acht Millionen Gehaltsabrechnungen pro Monat sorgen für riesige Datenmengen. Das Intranet-basierte Datev-Projekt "Kanzlei online" läßt den Großrechner zum Internet-Server mutieren: Zwei Kommunikationswelten - Internet und Rechenzentrum - arbeiten zusammen.

Dr. Stefan Schröder ist im Bereich Entwicklung der Datev eG in Nürnberg tätig.