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23.07.1982 - 

Warten auf das Intergrierte Service-Digital-Netz:

Datev experimentiert mit Postdiensten

In den zurückliegenden 15 Jahren ihres Bestehens hat die Nürnberger Datev noch kein besseres Ergebnis vorgelegt als die jetzt veröffentlichten Zahlen des Rezessionsjahres 1981. Trotz nachlassender Konjunktur und

zunehmenden Firmenpleiten steht das genossenschaftliche Rechenzentrum des steuerberatenden Berufes besser da als je zuvor. Diese scheinbar widersprüchliche Entwicklung erklärt sich mit stark zunehmenden Online-Dialogdiensten.

Hier liegt zugleich der Beginn eines tiefgreifenden, strukturellen Wandels, den die Datev bereits vorprogrammiert hat: Vom Offline-Rechenzentrum weg wollen sich die Nürnberger Steuerspezialisten zum Informations-Service-Institut für ihre Genossen entwickeln. Wunschziel: Primanoten-Daten, Lohnabrechnungen, Bilanzierungen und Wortverarbeitungen laufen zwischen Steuerberater und dem Datev-Rechenzentrum über Multifunktions-Terminals. Als Transportmittel sind alle denkbaren Postdienste recht - vorausgesetzt sie sind schnell, sicher und vor allem preiswert.

Große Hardwareeinkäufe

Schon immer zwang die schnelle Zunahme der Buchungszeilen zum Aufstocken der Hardware. 1980 leisteten die Datev-RZ-Jumbos 15 Millionen Instruktionen pro Sekunde (MIPS), noch 1982 sollen 32 MIPS erreicht und danach bis auf 43 MIPS aufgesteckt werden. Die nächste Konfiguration soll aus zwei Anlagen der Serie 3080 von IBM sowie zwei weiteren Systemen der Reihe 7780 von Siemens bestehen. Auch die peripheren Speicher wurden ganz erheblich erweitert.

Auch auf dem sehr aktiven Datenausgabesektor bemüht man sich um neue Hochleistungsdrucker-Technologien. Hierbei setzt man Laserdrucker von IBM (7 x 3800) und Siemens (11 x 3352) ein. Sie werden offline über Magnetband betrieben. Um die monatliche Papierflut von rund 56 Millionen Formularseiten - das sind etwa 350 Tonnen Papier - noch besser zu bewältigen, wurde erst kürzlich versuchsweise ein Nonimpact-Seitendrucker der zweiten Generation installiert. Dieses Modell Xerox 9700 entspricht weitgehend den Datev-Wünschen nach flexibler Formulareinblendung und hohem Ausgabetempo.

Ebenso willkommen sind die vielen Zeichensätze, das gute Schriftbild sowie die Möglichkeit, leicht ablegbare DIN-A4-Einzelbelege beidseitig zu bedrucken. Weitere Kostenreduktionen verspricht man sich durch die Lagerhaltung eines einzigen Papiertyps ohne Nachbearbeitung. Im Test wird auch eine Sorte Recyclingpapier geprüft. Die ersten Ergebnisse scheinen vielversprechend. Über das eigene DÜ-Netz werden bisher 21 Kopfstellen betrieben. 9730 aktive Systeme, das heißt intelligente Datev-Terminals unterschiedlicher Hersteller, sind an das Rechenzentrum angeschlossen.

Neue Postdienste und -tarife

Indem sich die Datev zum schnell zugriffsbereiten Informationszentrum wandelt, steigt ihr Interesse an neuen Datenübertragungsdiensten. Seit Jahren wird deshalb unter der Leitung des DÜ-Experten Peter Tennert dieser Markt eingehend beobachtet, analysiert und praktisch getestet. Da die Nürnberger aus schlechten Erfahrungen heraus gegenüber der Deutschen Bundespost unausgesprochen skeptisch sind, geschieht dies gründlich und ohne übertriebene Eile. Wegen fehlender Tarife, Erfahrungen, Diensteinführungen beziehungsweise ausstehender schriftlicher Fernmeldeverordnungen ist die Datev heute noch nicht in der Lage, exakte Angaben über ihre Datenübertragungsmodalitäten zu machen. Versuche laufen auf fast allen Gebieten. So will man durch Tests mit Datex-P10, P20 F, P42 und P32 die Stark- und Schwachpunkte von Betrieb und Tarifierung für die Mitglieder herausfinden. Kosten und Antwortzeiten sind die beiden hauptsächlichsten Kriterien dieser Versuche. Die Tests mit Datex-P laufen seit einem Jahr. Sie sollen Aufschluß darüber geben, ob diese Dienste das eigene Netz ergänzen oder ablösen können.

Laut Tennert dürfte sich P10 als teurer Anschluß nur für größere DÜ-Benutzer eignen. Mehr Zukunft gibt er dem P20 F-Dienst. Mit ihm können billige Asynchronterminals, zum Teil mit Akustikkoppler ausgerüstet, über das Wählnetz direkt mit dem Nürnberger Rechenzentrum ihre Verbindung aufnehmen. Die Hardware (tragbare Dialogterminals) liegt preislich zwischen 2000 und 5000 Mark. Im Herbst 1982 plant die Datev ein solches P20 F-Angebot (für den mobilen Steuerberater?) vorzustellen. Über den P42-Dienst liegen der Datev ebenfalls keine "definitiven Antworten der Deutschen Bundespost vor". Diese Paketvermittlung á la Datex-P ähnelt dem eigenen Netz und wird ebenfalls beobachtet. Der P32-Dienst für 3270-Prozeduren über Kopfstellen der DBP wird 1982/83 testweise gefahren; P42 startet mit 50 Datev-Pilotanwendern bereits im August dieses Jahres.

Aus der Sicht der Nürnberger sind die neuen Datenübertragungsdienste natürlich alles andere als homogen für die Mitglieder. Darüber hinaus bestehen Sicherheits- und Tarifierungsvorbehalte. Datex-P bekommt eine schlechtere Note, da laut Tennert eine nicht so hohe Ausfallsicherheit gegeben ist und normalerweise die Post ab 16 Uhr ihren Wartungsbetrieb einstellt. Offenbar ist man durch gute Call-Response-Zeiten nach dringenden Technikerrufen von der privaten Geräteindustrie verwöhnt.

Datex-L für digitalen Netzbetrieb wird durch die Benutzergebühr von 200 Mark pro Monat noch als zu teuer empfunden. Auch das gesamte Einwählen ins L-Netz mit der Tarifierung in zwei Entfernungszonen wäre den Fernbereichsgenossen der Datev zu teuer gewesen. Hochinteressant wäre dagegen das ab 1990 geplante Integrierte Service-Digital-Netz (FSDN). Für die Datev-Genossen würde dieses superschnelle Transportmittel wahre DÜ-Discountpreise ermöglichen. Dem bisherigen Transfer von 1200 Bit pro Sekunde stünden mit FSDN zum Fernsprechtarif 64 000 Bit pro Sekunde zur Verfügung. Dies heißt, die bisherige durchschnittliche Zeit von zwei bis drei Minuten pro Remote-Abfrage würde sich auf Sekunden reduzieren.

Private Netze "austrocknen"

Ansonsten ist man der Ansicht, daß die Post durch ihre nutzungszeitabhängigen beziehungsweise entfernungsdefinierten Tarife private Datennetze "austrocknen wird".

Im beschränkten Maß wollen die Nürnberger auch Bildschirmtext einsetzen. Aber auch hier ist man noch vorsichtig und wartet auf detaillierte Informationen. So ist es für die Datev wichtig, ob innerhalb einer kompletten Btx-Seite ein einziges Wort geändert werden kann oder ob die betreffende Seite bei volumenabhängiger Tarifierung (teuer!) ausgetauscht werden muß.

Bereits mittendrin ist die Datev beim Breitband-Glasfaser-Projekt Bigfon.

Bis Herbst 1983 sollen sieben Bildfernsprecher an drei Hauptstandorte angeschlossen werden. Anwendungen sind: Teleschulungen und Telefachgespräche für Mitglieder sowie Telekonferenzen und Wissensaustausch für Mitarbeiter.

* Klaus Rosenthal ist freier DV-Fachjournalist