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12.06.1998 - 

Vorhandene Netzstrukturen sinnvoll nutzen

Datev integriert Zugangssysteme und Zeitgeber in Firmennetz

Wie lassen sich Daten von nicht netzwerkfähigen Zutrittskontroll- und Zeiterfassungsterminals zentral erfassen? Vor diesem Problem stand die Datev, als man in Erwägung zog, die Informationen zentral zu verwalten. Eine komplette Neuverkabelung der Komponenten kam aus Kostengründen nicht in Frage. Zwangsläufig beschlossen die mit der Lösung des Problems beauftragten Systemdesigner daher, die bereits vorhandenen physikalischen Infrastrukturen zwischen den einzelnen Standorten zu nutzen.

Um einem Umbau der bereits existierenden Terminals aus dem Wege zu gehen, verlangte die Datev eine Lösung, die Peripheriegeräte über serielle Schnittstellen sicher mit dem bestehenden Token-Ring-Backbone verbindet. Als problematisch erwies sich jedoch, daß die eingesetzten Zutrittsterminals nicht netzwerkfähig waren. Das Team um Ralf Schmidl, Projektleiter in der Abteilung Systemdesign/LAN bei Datev, stieß schließlich auf Produkte der "Cobox"-Reihe des Herstellers Acola GmbH.

Dabei handelt es sich um einen Terminalserver, der Peripheriegeräte mit seriellen Schnittstellen (beispielsweise Betriebsdatenerfassungsgeräte oder Zutrittskontrollsysteme) über bestehende Netzwerkstrukturen direkt mit einem Rechner in Ethernet- oder Token-Ring-Umgebungen verbindet. Das Gerät ermöglicht auch den Anschluß von Terminals an entfernten Standorten.

Der Vorteil dieses Verfahrens: Eine neue Verkabelung für den Zugriff auf Host-Rechner im Netzwerk entfällt. Die Lösung unterstützt die Standards TCP/IP und SNMP (Simple Network Management Protocol), was den Aufwand für Verwaltung, Konfiguration, Überwachung und Wartung der Systeme im Gegensatz zu proprietären Lösungen vereinfacht. Die Konfiguration des Produkts erfolgt paßwortgeschützt.

Anders als Transceiver, Repeater oder Multiplexer verfügen die installierten Geräte über eigene Netzwerkadressen. Der Funk- tionsumfang der Produkte geht über die Herstellung einer physikalischen Verbindung und die Übertragung des Signals hinaus: Über verschiedene Parameter läßt sich die Cobox an die angeschlossenen Geräte anpassen und erlaubt zudem eine aufgabenspezifische Programmierung. Die Funktionalität umfaßt etwa einen Sicherungsmechanismus, so daß bei Ausfall des Host-Rechners ein Backup-System die Peripheriegeräte übernimmt und den weiteren Ablauf der Anwendung sichert. Alle weiteren Management-Möglichkeiten, auch Firmware-Uploads, sind über Standard- applikationen von jedem Host-Rechner im Netz aus paßwortgeschützt möglich.

Ein halbes Jahr dauerten die Tests bei der Datev. Besonderes Augenmerk richteten Schmidl und seine Mitarbeiter dabei auf das Zusammenspiel mit anderen Komponenten im produktiven lokalen Netz. Das Ergebnis beruhigte die Experten, denn bei einem Stromausfall, einem Verbindungsverlust oder einer anderen Störung, konnte das gewählte Produkt die IP-Verbindung selbständig wieder herstellen. Manuelle Eingriffe oder gar ein Reset der Hardware waren laut Datev nicht nötig.

Die Acola-Lösung war für die Datev aber auch aus einem zweiten Grund von Interesse: Für Unternehmen wie die Datev müssen die Uhren immer genauestens ticken. Der DV-Dienstleister für steuer- und rechtsberatende Berufe betreibt große Datenbanken, an die sich die Nutzer oft nur kurz anschalten. Exakte Zeitmessungen zur genauen Abrechnung der Nutzungsdauer sind für das Unternehmen daher unabdingbar. Aus diesem Grund suchte die Datev auch nach einer Möglichkeit, um alle Komponenten in ihrem Netzwerk zeitlich zu synchronisieren. Sämtliche Produk- tions- und Versandanlagen, PCs und Telefone sollten firmenweit automatisch die gleiche Uhrzeit haben.

Die Cobox-Terminalserver lassen sich in diesem Umfeld als Funkuhr im LAN einsetzen und eignen sich somit für die zeitliche Synchronisierung von Rechnern und Anlagen im Netzwerk per TCP/IP. Dies stellt eine Alternative zu herkömmlichen Lösungen dar, bei denen in jedem dedizierten Netzwerk ein separates PC- oder Unix-System die Synchronisation im Netzwerk übernimmt. Die Funkuhr erhält die korrekte Zeit über die serielle Schnittstelle aus den zentralen GPS- und DCF77-Systemen und stellt diese per Network Time Protokoll im LAN bereit. (DCF77= Zeittakt des gleichnamigen Langwellensenders, gesteuert durch die Atomuhr der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. GPS=Global Positioning System, liefert die Systemzeit des satellitengestützten Ortungs- und Navigationssystems, das vom US-Verteidungungsministerium installiert wurde)

Terminal-Server als Funkuhr im LAN

Bei der Datev profitieren vor allem die Produktionsbereiche von dieser Lösung. Die Datev erstellt als Dienstleister für steuer- und rechtsberatende Berufe die EDV-Auswertungen. Die Mitglieder überspielen dabei ihre Daten per ISDN an die Datev und erhalten die fertigen Auswertungen und Berechnungen elektronisch oder per Post. Die eingegangenen Aufträge werden dann verarbeitet, gedruckt und kommissioniert. Die Kommissionen werden später vollautomatisch zu Sendungen zusammengeführt.

Bei den Produktionsprozessen, der Kommissionierung und Endabwicklung im Versand spielt die genaue Zeit eine wichtige Rolle, da abhängig von ihr die Gebührenabrechung und Produktionsdokumentation erfolgt. Jeglicher Materialfluß wird so erfaßt, wovon vor allem die Postausgangsdokumentation profitiert: Die ordnungsgemäße Freistempelung der bis zu 35000 Sendungen (80000 Kommissionen) pro Tag sowie die Qualitätssicherung lassen sich auf diese Weise sicherstellen.