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21.07.2000 - 

Windows-Umstellung geschafft, nun lockt das Web

Datev macht mit eigenem Portal im Internet mobil

NÜRNBERG - Das Internet wird künftig auch bei der Datev eine wichtige Rolle spielen. Deutschlands führender IT-Dienstleister für den steuerberatenden Beruf plant, im Spätsommer mit dem eigenen elektronischen Marktplatz "Datev Stadt" aufzuwarten. Damit stellen sich die Nürnberger dem nächsten Strukturwandel, nachdem sie bis zuletzt mit der Windows-Umstellung alle Hände voll zu tun hatten. Von Beate Kneuse*

Fünf Jahre lang hielt die Datev die Umstellung ihrer Produkte (und damit ihrer Mitglieder) auf die Windows-Welt in Atem. Im zurückliegenden Geschäftsjahr aber - und damit pünktlich zur Jahrtausendwende - konnte dieses Großprojekt endgültig abgeschlossen werden. "Wir haben trotz sorgfältiger Vorbereitung sämtliche Höhen und Tiefen eines Softwareherstellers mitgemacht", erklärte Vorstandschef Dieter Kempf auf der diesjährigen Bilanzpressekonferenz rückblickend.

Nun aber ist dieses Projekt vom Tisch, und es warten neue Aufgaben. Die Welle der Geschäftsabwicklung via Internet wird auf die Steuerberater und Anwaltskanzleien überschwappen - damit auch auf die Datev. Die aber scheint bereits gerüstet zu sein. So bieten die Franken ihren Mitgliedern neuerdings mit "Datev-net" eine Internet-Anbindung mit entsprechenden Provider-Services wie E-Mail, Web-Zugang und Nachrichtenübermittlung an.

Sicherheit steht auch künftig im VordergrundDabei schreiben die Nürnberger das Thema Sicherheit ganz groß. "Die Verantwortung für Aufbau und Pflege einer entsprechenden Security-Infrastruktur kann man nicht den damit völlig überforderten Kanzleien übertragen", sprach der Datev-Chef Klartext. Deshalb wird mit Datev-net auch die zentrale Bereitststellung von Absicherungsfunktionen mit zeitgemäßen Firewall- und Virenschutzsystemen gewährleistet. Darüber hinaus haben die Nürnberger bereits seit einiger Zeit ein Verschlüsselungs-, Authentifizierungs- und Autorisierungsverfahren via Smartcard im Feldversuch, das mit Hilfe digitaler Unterschriften die Vertraulichkeit und Integrität von Daten sicherstellen soll. Bis zum Jahresende erwartet man die Zulassung als Trust-Center im Sinne des Signaturgesetzes.

Schließlich ist vorgesehen, im September mit "Datev-Stadt" ein Internet-Portal im Pilotversuch zu starten, das langfristig zur Plattform für den Austausch sämtlicher Daten und Informationen zwischen den der Datev angeschlossenen Steuerberatern, Rechtsanwälten und deren Mandanten sowie deren Geschäftspartnern avancieren soll. Kempf zufolge sind derzeit gerademal zwei Prozent aller Steuerberater in Deutschland im Internet präsent. Allerdings sei der Großteil der Mitglieder den Möglichkeiten der New Economy gegenüber sehr aufgeschlossen - natürlich auch, weil deren Mandanten zunehmend Internet-Dienstleistungen nachfragen würden. "Wenn für diesen Berufszweig erst einmal ein vernünftiges und sicheres Leistungsangebot im Internet existiert, wird es interessant", zeigte sich Kempf überzeugt.

Die jüngsten Web-Aktivitäten unterstreichen einmal mehr die Ambitionen der Datev, die 1997 eingeschlagene Wandlung vom Rechenzentrum hin zum Software- und Serviceanbieter noch entschlossener fortzusetzen. Im zurückliegenden Geschäftsjahr, das die Nürnberger mit einem Umsatzwachstum von 2,5 Prozent auf 1,02 Milliarden Mark abschlossen, ging der Anteil des angestammten Rechenzentrums-Geschäfts erneut zurück. Nach 640 Millionen Mark im Vorjahr kam man dort 1999 auf Einnahmen in Höhe von 585 Millionen Mark, was rund 55 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachte. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Datev-Lenker Kempf mit einem weiteren Rückgang auf unter 50 Prozent. Damit würden die Software- und Serviceaktivitäten erstmalig das Geschäft mit den klassischen Feldern Gehaltsabrechnung, Finanzbuchhaltung und Mahnwesen übertrumpfen. Für das Jahr 2004 geht Finanzchef Jürgen Hiller sogar davon aus, dass die einschlägigen Erlöse nur noch 30 bis 40 Prozent der Umsätze ausmachen werden.

Um diesen Rückgang durch das Software- und Servicegeschäft wettzumachen, gilt es für die Franken, auch weiterhin an der Erweiterung ihrer Angebotspalette, aber auch der Ausdehnung ihrer Klientel zu arbeiten. Während es in Sachen Produkten an Ideen und Realisierung offenkundig nicht mangelt, ist die Neukundengewinnung bisher kein leichtes Unterfangen gewesen. Nach wie vor wirbt die Datev beispielsweise vehement um die Zunft der Rechtsanwälte, ohne dort allerdings bislang nennenswert vorangekommen zu sein. Zwar müsse man sich, wie Kempf erläuterte, mit rund 940 Installationen des Kanzleiverwaltungsprodukts "Phantasy für Windows" (was rund einer Million Mark Umsatz entspricht) nicht verstecken, habe aber weit weniger Einnahmen erzielt als erwartet. "Wir hatten mehr Parallelen zu den Steuerberatern vermutet", hieß es.

Das soll sich ändern - und muss es auch. Denn in ihrem angestammten Kundenkreis ist für die Datev nicht mehr viel zu holen. Die Nürnberger kommen bei den Dienstleistungen für Steuerberater auf einen beeindruckenden Marktanteil von 82 Prozent. Auch die angeschlossenen Mitglieder, Ende 1999 waren es genau 37673 (Vorjahr: 36 856), können rundum zufrieden sein. Sie kommen in den Genuss einer satten Rückvergütung von 66,4 Millionen Mark. Damit schütten die Franken bereits zum dritten Mal in Folge nahezu ihren gesamten Betriebgewinn als genossenschaftliche Rückvergütung aus. Dieser belief sich 1999 auf 68 Millionen Mark - und lag damit um 20 Millionen höher als 1998. Zuzüglich des Rechenzentrums-Bonus von 19,9 Millionen Mark flossen den Mitgliedern sogar 86,3 Millionen Mark zu.

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.