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Koexistenz mit IBM über "offizielle" Benutzer-Schnittstelle:

Datev ordert Fujitsu-Größtrechner bei Siemens

28.07.1978

MÜNCHEN - Mit dem Erwerb eines Siemens/Fujisu-Großrechners vom Typ 7870 will sich die Nürnberger Datev e. G. eine Betriebsystem-Alternative aufbauen, die ihr - so ein Datev-Sprecher - Unabhängigkeit von der Schnittstellen-Politik des Marktführers IBM verschafft.

Der 6-MB-Rechner soll helfen, die gestiegene Nachfrage der Steuerberater-Genossen nach RZ-Serviceleistungen zu befriedigen, die allgemeine Verfügbarkeit des Rechenzentrums zu erhöhen und Dialog-Programme wirtschaftlich zu erstellen. Noch vor Jahresende wollen die Nürnberger ihre Neu-lnstallation zum Laufen gebracht haben - ungefähr dann, wenn das Datev-DV-Equipment um ein weiteres IBM-System 3033- aufgestockt wird und damit vier Großrechner in den Diensten deutscher Steuerberater stehen. (Vierter Rechner ist eine IBM /370-168-Zentraleinheit.) Durch diese Installation bei der Datev hat Siemens nicht nur im technisch-wissenschaftlichen Bereich (Hahn-Meitner-Institut, Berlin),sondern jetzt auch dem kommerziellen Markt mit Größtrechnern Fuß gefaßt.

Für die Datev ist das in die 7870 implementierte Betriebssystem BS3000 ein komplettes System, das "mit einiger Fleißarbeit" auf die IBM-Systemsoftware abzustimmen ist. "Diese Überzeugung", sagt Datev-RZ-Leiter Stefan von Ungern-Sternberg, "rührt daher, daß wir schon sehr viel wissen. Wir waren in Tokio und haben Programme dort gefahren und die Ergebnisse waren sehr ermutigend. Man kann nicht sagen, daß wir die Katze im Sack gekauft haben."

Zu den Hintergründen des 7870-Erwerbs führt Ungern-Sternberg aus: "Wir haben einen Hersteller, der ein IBM-Betriebssystem verwendet, deshalb nicht gewählt, weil für uns volle IBM-Softwarekompatibilität keine allzu große Zukunft hat." IBM könne nämlich die Schnittstelle zwischen Hardware und Software beliebig verschieben, woraus sich die Notwendigkeit ergäbe, eine offizielle User-Schnittstelle zu schaffen: "Man ist dadurch gezwungen, so eine Art Industrie-Standard einzuhalten."

Bei der Datev ist man sich darüber im klaren, daß die Idee vor der Betriebssystem-Alternative nicht ganz unumstritten ist, und sieht sich auf diesem Felde "der Zeit ein bißchen voraus". Zum Problem, so glauben die Nürnberger, könne sich ihre Konzeption nicht auswachsen, weil die Beinahe-Kompatibilität zwischen den IBM- und Fujitsu-Betriebssystemen keine Software-Kraftakte erfordere,

Ungern-Sternberg: Programme, die keine IBM-offizielle Schnittstelle verwenden, müssen in aller Regel modifiziert werden. Und dies sind keine komplexen Modifikationen, sondern beispielsweise solche am Längenschlüssel oder an der Speicherplatz-Adressierung."

Die Entscheidung für den Siemens/ Fujitsu-Rechner ist für die Datev Anlaß, von einer betriebsinternen Umdenkphase zu sprechen. Denn neben einer gestiegenen Quantität der nachgefragten RZ-Dienstleistungen soll die 7870-Anlage auch Redundanz-Erfordernisse abdecken- rund einmal im Jahr kommt es vor, daß beide derzeitigen Rechner zeitgleich ausfallen. Mit der zweiten 3033 wollen die Nürnberger dann "praktisch an die totale Sicherheit herangehen" (Ungern-Sternberg).

Das Umdenken erstreckt sich auch auf die interne Test-Organisation: "Da Programmierer kaum mehr zu bekommen sind" - so der RZ-Leiter -, "langen wir ziemlich zu, was TSO betrifft, weil wir diese Dialog-Programmierung als die Methode der Zukunft ansehen." Das aber bedeute erhebliche Investitionen in die Arbeitsmittel

Der Siemens-Rechner wird mit der für das Betreiben des Systemsnotwendigen Peripherie geliefert, darunter einem Strang Platten für das Betriebssystem einem Strang Bänder, einem Systemdrucker und einem Kartenleser. Die Maschine soll schwerpunktmäßig Batch-Programme fahren, so wie sie auch die kommenden 3033-Stapelverarbeitungen erledigen soll. Der IBM-Computer ist aber auch für Datev-Online-Systeme (Steuerrechts-Datenbank, Bilanz-Dialog, Datenabruf) vorgesehen.

Ein Verbund des Siemes-Modells mit den IBM-Rechnern existiert nur über die Platten-Peripherie, in der ein Datenbestand von rund 300 Millionen Konten gespeichert ist. Ansonsten will die Datev "möglichst dediziert fahren". Nach Beendigung der Hardware-Expansion soll der eine der Rechner etwas mehr spezialisiert sein auf Tele-Processing, der andere, etwas mehr auf Testbetrieb, die beiden übrigen auf Batch-Aufgaben. Was die Zusammenarbeit mit Siemens angeht, haben die Nürnberger vollstes Vertrauen, "nicht zuletzt aufgrund unserer guten Erfahrungen mit Siemens-Laserdruckern", so Ungern-Sternberg. -