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24.07.1981 - 

Digitale Datenübertragung:

Datex P oder -L - das ist hier die Frage

WIEN (eks) - Österreichs Post bereitet sich aufs digitale Zeitalter vor. Mit Datex-Paketvermittlung, Datex-Leitungsvermittlung sowie den Sonderformen Datex L300 und Telex werden Netzwerke für digitale Datenübertragung eingerichtet. Ab diesem Zeitpunkt sollen EDV-Planungen nicht mehr wegen Nichtverfügbarkeit von Stand- oder Wählleitungen zweifelhafter Qualität illusorisch sein.

Während heute etwa 5000 Datenanschlüsse ans öffentliche Netz vorhanden sind, rechnet Leopold Plappart Minsterialrat in der Postdirektion, für 1987 bereits mit etwa 36 000. Die 1,5 Millionen Transaktionen pro Werktag, die heute übers öffentliche Netz gehen, sollen sich bis dahin verzehnfachen.

Kopfzerbrechen bereitet die Gebührenfrage. Wie Plappart auf der ADV-Fachtagung über Computernetzwerke freimütig zugab, sind die derzeit gehandelten Gebührenansätze Schätzungen aus inländischen Erwartungen und ausländischen Erfahrungen. Sie gelten jedoch nur für Versuchsbetrieb und Einführungszeit.

Bereits die geografische Lage entscheidet über eine mögliche Verdopplung der Benutzergebühren. Wr. Neustadt und Eisenstadt liegen in zwei verschiedenen Anschlußbereichen. Die Übertragung von 64 000 Zeichen kostet 26 Schillinge. St. Pölten und Krems sind bei gleicher Distanz im selben Nahbereich vereint, dasselbe Übertragungsvolumen kostet 14 Schillinge (Anschlußbereiche siehe Abbildung 1).

Etwas verwirrend ist die Vielzahl der neuen Dienste und ihre Leistungsfähigkeit (Abbildung 2). Unter "geschaltet" ist dabei nicht die dauernde und unveränderliche Verbindung von Datenendeinrichtungen zu verstehen wie derzeit bei Standleitungen. Vielmehr wird bei Einrichtung der Verbindung vom Postpersonal ("Knotenpersonal") im Knotenrechner eine permanente Verknüpfung von Teilnehmern vorgenommen.

Datex L und DDL

Dieses Netz basiert auf sieben rechnergesteuerten nach dem Leitungsdurchschaltbetrieb arbeitenden Vermittlungsstellen (zweimal Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt und Graz). Sie sind untereinander über digitale Verbindungsleitungen vermascht. Bisher wurden zwei Vermittlungsstellen in Wien und Salzburg in Betrieb genommen.

Für die Dauer der Verbindung wird in den Vermittlungsstellen zwischen zwei Teilnehmern eine Leitung durchgeschaltet. Sie bleibt bis zur Aufgabe der Verbindung durch einen der Teilnehmer exklusiv reserviert. Meist wird es sich allerdings nicht um eine physische Leitung handeln, sondern um eine Zeitscheibe oder ein Frequenzband auf einer im Multiplexverfahren betriebenen Leitung. Die Koppelung der Teilnehmer erfolgt nicht mehr elektromechanisch, sondern logisch im Vermittlungsrechner.

Da die Übermittlung bit-transparent ist, können beliebige Codes, also auch Programme übertragen werden. Umgekehrt ist aber auch der Benutzer dafür verantwortlich, daß die beteiligten Endeinrichtungen in Code und Geschwindigkeit kompatibel sind. Vorgegeben ist die Übertragungsgeschwindigkeit, sie wird bei der Einrichtung des Anschlusses festgelegt. Alle Datex-L-Verbindungen sind duplexfähig. Als Einmalkosten fallen die Herstellungskosten des Hauptanschlusses, mindestens 1750 Schillinge, an. Bei den Zeitgebühren gibt es einen um ein Drittel ermäßigten Mondscheintarif von 18 bis 8 Uhr.

Die Post verspricht Leitungsqualitäten, durch die nur ein Fehler auf eine Million übertragener Bits kommt. Der Verbindungsaufbau soll im Mittel eine halbe Sekunde dauern. Wenn zwischen zwei Teilnehmern mit mehr als 30 Minuten Verbindung pro Tag zu rechnen ist, so zahlt es sich aus, eine DDL-Verbindung einzurichten.

Datex-P und DDP

Bei der Paketvermittlung werden die zu übertragenden Daten in Blöcken fixer Größe auf einer bei Verbindungsaufbau (Datex-P) beziehungsweise Verbindungseinrichtung (DDP) festgelegten Leitung dem Empfänger knoten zugeleitet. Gleichzeitig wird in den Knotenrechnern der erwarteten Übertragungsleistung entsprechend Kapazität reserviert.

Zur optimalen Leitungsausnutzung kann es nötig sein, daß Daten in zwischenliegenden Neztknoten kurzzeitig gespeichert werden. Daher wird Paketvermittlung oft Speichervermittlung genannt. Die Zwischenspeicherung erlaubt bessere Leitungsausnutzung, da kurzzeitige Spitzen lasten über den speichernden Knotenrechner abgefangen werden.

Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Möglichkeit von Geschwindigkeits- und Codetransformationen im Knotenrechner Datex-P ist daher das Netzwerk, in dem auch an sich kompatible Datendeinrichtungen (beispielsweise Rechner verschiedener Hersteller) miteinander im Dialogbetrieb stehen können.

Die Übertragung erfolgt in einheitlich langen und mit Adressen versehenen Segmenten von 128 Byte (oder genauer gesagt: Oktetten zu 8 Bit). Längere Datensätze werden auf mehrere Segmente aufgeteilt, wobei das Netzwerk dafür sorgt, daß sie auch in der Absenderreihenfolge beim Empfänger eintreffen.

Bei Speichervermittlung wird das übertragene Datenvolumen verrechnet. Verrechnungseinheit sind 1000 Blöcke zu 64 Byte, das sogenannte k-Segment. Die Ausnutzung der Segmente ist Benutzersache. Am kostengünstigsten ist daher die Blockung zu 64 Byte beziehungsweise Vielfachen davon. Bezahlt werden müssen auch Leerstellen in den Segmenten und nichtausgenützte Segmente innerhalb der k-Segmente.

Durch die zwischengeschalteten Knotenrechner kontrolliert die Post das Übertragungsverfahren derart daß sie eine Bitfehlerrate von 10-9 (ein nicht korrigierter Fehler auf eine Milliarde übertragene Bits) zusagt. Die Einmalkosten der Installation betragen wieder mindestens 1750 Schillinge. Die zunächst bei Datex-P unangebracht scheinenden Zeitgebühren sollen verhindern, daß ein Benutzer sich durch einen einmaligen Wählvorgang quasi eine geschaltete Verbindung reserviert. Der Kostenunterschied ist allerdings kaum prohibitiv, im Nahbereich zirka 25 Schillinge je Arbeitstag. Kein Problem also wenn der Rechner einmal "vergißt" eine Leitung herzugeben.

Der Aufbau der Verbindung wird höchstens 400 Millisekunden dauern. Die Knotenrechner sind so dimensioniert, daß die Verzögerungszeiten im Netz höchstens 100 Millisekunden betragen. Es ist somit ein Echtzeit-Dialog möglich.

Für Teilnehmer, zwischen denen ständig Daten ausgetauscht werden, ist eine DDP-Verbindung ab etwa 70 Stunden Anschaltzeit im Monat rentabel, das entspricht etwa drei Stunden täglich. Diese drei Stunden können auch über den Tag verteilt anfallen. Bei 2400 Bit pro Sekunden entspricht das etwa 3 MB Datenübertragung oder 1.5 MB Benutzerdaten.

Eine Transaktion (Annahme: jeweils 64 Byte Hin- und Rückmeldung) kostet dann im Nahbereich etwa vier Groschen, im Fernbereich sechs Groschen. Diese Gebühren sind im wesentlichen invariabel gegen das Übertragungsvolumen. Auch beim theoretischen Maximum von 13 MB Benutzerdaten täglich kostet die Transaktion etwa drei Groschen (im Fernbereich fünfeinhalb Groschen).

Über eine physische Anschlußleitung können geschaltete Verbindung zu mehreren Teilnehmern eingerichtet werden (Virtuelle Kanäle).

Von der Gebuhrensituation her muß die Wahl praktisch immer auf Datex-P fallen. Da die Grundgebühren fast gleich sind, können sie in der Folge außer Betracht bleiben.

Eine Stunde Datex-L kostet im Nahbereich 234 Schillinge und erlaubt theoretisch die Übertragung von 1 MB. Dieselbe Datenmenge in Pakete verschnürt kostet in Datex-P 236 Schillinge. Selbst wenn man nun die Packungsverluste und Steuerzeichen mitrechnet, was in den obigen Kostenbeispielen mit 50 Prozent berücksichtigt wurde, wird dies wohl leicht durch den höheren Komfort der Speichervermittlungstechnik wettgemacht. Datex-L zu wählen wird erst frühestens ab 75 Prozent Ausnutzung der Übertragungskapazität rentabel sein. Wer hat dies schon über den ganzen Arbeitstag und -monat gerechnet ?

*Die Annahme von 50 Prozent ist eine näherungsweise, grobe Berücksichtigung der Steuerfelder von Segmenten und Paketen sowie der nur teilweisen Nutzung von Segmenten.

Sämtliche Beispiele wurden an Hand von 2400 Bits pro Sekunde gerechnet.