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21.05.1993 - 

VTM-Studie soll unzulaessige Quersubventionierung beweisen

Datex-P: Private Carrier beklagen Dumping-Preise

Der Bonner Carrier subventioniert, so der Vorwurf, den eigenen defizitaeren Dienst mit Einnahmen aus Monopoldienstleistungen und versucht mit Dumping-Preisen, private Anbieter aus dem Markt zu draengen.

Ihre schon oefter vorgebrachten Beschwerden haben die privaten Carrier nun in Form einer vom Verband der Telekommunikationsnetz- und Mehrwertdiensteanbieter (VTM) vorgelegten Studie untermauert, die die Wettbewerbsverzerrungen beim Datex-P-Dienst seitens der Telekom nachweisen soll. Dabei geht es nach Angaben von Hans- Jochem Weiher, stellvertretender Vorsitzender der im vergangenen Jahr gegruendeten Interessenvereinigung, vor allem um die Frage der Zuleitung zu den einzelnen Datex-P-Knoten der Bundespost und deren Weiterberechnung an die Kunden.

Das X.25-Netz der Telekom sei, so Weiher gegenueber der COMPUTERWOCHE, aus historischen Gruenden "kein Netz mit hoher Flaechendeckung", die Telekom stehe also vor dem Problem, "die Kundenanschluesse an die jeweiligen Knoten heranzubringen". Geloest hat der Bonner Carrier dieses Problem bisher mit einer nach Auffassung des VTM gemaess Postverfassungsgesetz unzulaessigen Quersubventionierung.

Im Klartext: Waehrend private X.25-Anbieter fuer Anschluesse zu ihren Knotenrechnern Leitungskapazitaeten zum Monopoltarif bei der Telekom einkaufen muessen, haelt sich das Postunternehmen an der eigenen Netzinfrastruktur schadlos und berechnet den Kunden lediglich die anfallenden Datex-P-Gebuehren, nicht aber die notwendige Ueberbrueckung zum naechstliegenden Datex-P-Knoten.

Weiher zufolge hat eine im Rahmen der Studie nachvollzogene Abbildung der Kostenstruktur sowie der ausgewiesene Telekom-Umsatz mit Datex-P-Services eindeutig ergeben, dass allein die monopoltarifpflichtigen Zuleitungsgebuehren "fast den gesamten derzeitigen Datex-P-Umsatz der Telekom ausmachen wuerden". Fazit des VTM-Verantwortlichen: "Ein klarer Fall von Wettbewerbsverzerrung." Wolfgang Luecker, Geschaeftsfuehrer des privaten Frankfurter X.25-Anbieters Inas, setzt noch einen drauf, indem er den Bonnern vorwirft, sie kalkulierten im Prinzip damit, "dass die Telefonkunden das eigentlich defizitaere Datex-P bezahlen".

Telekom agiert immer noch als eine Behoerde

Abhilfe schaffen soll nun endlich das Bundesministerium fuer Post und Telekommunikation, zumal, so die weitere Kritik des VTM, die Telekom derzeit mit Dumping-Angeboten versucht, die Anwender im Rahmen langfristiger Vertraege an sich zu binde.

Dass die privaten Service-Provider hier in ein Wespennest stossen, wird auch im Postministerium bestaetigt. Bis Anfang des Jahres hatte man dort nach Angaben von Peter Bross, Leiter der fuer Deregulierungsfragen zustaendigen Hauptabteilung 1, aufgrund fehlender Kostenrechnungs-Systeme beim Bonner Carrier beide Augen zugedrueckt und den Telekom-Verantwortlichen "eine Art Schonfrist" zugestanden. In den naechsten Monaten wolle man aber - zusammen mit dem Bundeswirtschaftsministerium und gegebenenfalls auch dem Bundeskartellamt - den Klagen der privaten Anbieter "mit fundierten Erhebungen auf den Grund gehen".

Gemeint sind in erster Linie eine Pruefung der Telekom-Buecher sowie entsprechende Marktuntersuchungen. Bestaetigen sich die Verdachtsmomente, werde, so Bross, das Ministerium von seinem Weisungsrecht gegenueber der Telekom Gebrauch machen. Die Telekom- Verantwortlichen muessen dann aller Voraussicht nach ein Sanierungskonzept mit dem Ziel einer Kostendeckung beim Datex-P- Dienst vorlegen, und es findet eine - von vielen Kritikern laengst geforderte - Tarifanpassung auf europaeisches Niveau statt.