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07.11.1980

"Datex-P wird auch ohne Papa seinen Markt haben"

Mit Thomas H. Adenauer, Professor an der Fachhochschule Rheinland-Pfalz, sprach Dieter Eckbauer

- Herr Adenauer, Sie haben die Förderung der Datex-P-Technologie für des gemeinschaftliche Pilotprojekt Paketvermittlung, sprich "Papa", des Verbandes Deutscher Rechenzentren und des Fernmeldetechnischen Zentralamtes Darmstadt als Skandal bezeichnet.

In meinen Augen beginnt Papa sich wirklich zu einem Skandal auszuweiten. Hier werden Entwicklungen von Technologien gefördert, die die Deutsche Bundespost längst realisiert hat.

- Welche Entwicklungen meinen Sie?

Die Post hat die Aufgabe, die Freizügigkeit des Datenverkehrs zwischen Rechnern unterschiedlicher Anbieter herzustellen. Das Papa-Projekt realisiert diese Freizügigkeit durch Anpassungsrechner, die zwischen Netz und angeschlossene Terminals geschaltet sind. Diese Anpassung für den Paketvermittlungsdienst Datex-P hat die Post für wesentliche Teile des Bedarfes, nämlich den IBM 3270- und Siemens 8160-Markt, mit der offiziellen Ankündigung zum 1. Juli 1980 verwirklicht.

- Besteht nicht ein Widerspruch darin, auf der einen Seite ein offenes Netz zu fordern, gleichzeitig aber herstellerbezogene Dienstspezifikationen zu erlassen?

Das ist ein Problem der Post, die auf keinen Fall den Modellwechseln der Hersteller in Zukunft folgen kann. Die Deutsche Bundespost hat auch bei der Ankündigung der Datex-P-Zugangsimplementierung für IBM 3270- und Siemens 8160-Terminals erklärt, daß sie sich - zunächst jedenfalls - auf diese beiden Sonderfälle beschränken werde. Die Freizügigkeit, darüber sind sich alle einig - auch die von mir kritisierten Träger und Förderer von Papa-, die eigentliche Freizügigkeit kann nur der Hersteller des Gerätes verwirklichen, das an das virtuelle Datex-P-Netz angeschlossen werden soll. Dort ist eine Zugangsmöglichkeit einfach und billig herzustellen. Jede andere Lösung wäre kompliziert und teuer.

- Kann man das noch als Freizügigkeit bezeichnen, wenn einem Datex-P-Dienstnutzer de facto nur die Wahl zwischen den Datenendgeräten einiger weniger Hersteller bleibt, weil eben nur für diese Zugangsimplementierungen bestehen?

Sie haben natürlich recht. Die Zugangsimplementierung für bestimmte Endgeräte oder für bestimmte Hersteller kann nur eine vorläufige Lösung sein. Die Post hat auch ganz klar gesagt, daß diese Beschränkung mit dem Prinzip eines offenen virtuellen Netzes eigentlich nicht vereinbar ist.

- Mit der IBM 3270- und Siemens 8160-Anpassung hat die Post dieses Prinzip doch nachträglich selbst verwässert.

Es gibt eben noch keine international genormte Datenübertragungskommandosprache. Deswegen ist es ausgesprochen vernünftig, daß die Post, weil sie ihren Datex-P-Dienst vermarkten will, zunächst für rund 70 bis 80 Prozent der bestehenden Terminal-Installationen den Zugang zum Netz herstellt. Das kann aber keine endgültige Lösung sein; die endgültige Lösung muß eine herstellerseitige sein.

- Immerhin hat die Paketvermittlungs-Initiative, die ihren Niederschlag in Papa gefunden hat, Bewegung in die Datenfernverarbeitungs-Szene gebracht, wie man an der Reaktion der Herstellersicht, die jetzt alle X.25-Prozeduren bieten.

Die Bereitschaft der Hersteller, X.25 zur Verfügung zu stellen, ist nicht durch Papa gefördert worden, sondern dadurch, daß die Post die herstellerindividuellen Zugangsvoraussetzungen geschaffen hat. Das hat die Hersteller gezwungen, X.25 zu realisieren, hat aber mit Papa überhaupt nichts zu tun.

- Wir wollten darauf hinaus, daß das Stand-alone-Geschäft im Erstanwendermarkt rückläufig sein wird, wenn die freien Rechenzentren erst einmal Datenfernverarbeitung im Dialog über das Datex-P-Netz anbieten können. Der Bedarf an X.25-fähigen Produkten wird ständig weiter ansteigen - und darin sehen die Hersteller ihre Chance.

Bestimmte Hersteller mögen den Markt so steuern wollen. Aber ob die Unterstellung in Ihrer Frage richtig ist, möchte ich mit einem großen Fragezeichen versehen. Ich glaube eher, daß sich autonome Computerpower viel stärker verbreiten wird, sei es bei Großanwendern oder bei Einzelanwendern. Es stimmt einfach nicht, daß Datex-P als Netz die Datenfernverarbeitungsmöglichkeiten gefördert hat.

- Woran liegt das Ihrer Meinung nach ?

Eine stärkere Nutzung der Datenfernverarbeitungsmöglichkeiten verhindert derzeit noch die Tarifpolitik der Post für Datex-P. Das Netz bedient zur Zeit etwa 400 Anwender - das ist relativ wenig für einen so großen Markt.

- Aber Datex-P 5011 doch gerade Datenfernverarbeitung dann wirtschaftlich machen, wenn nur ein geringer Datentransfer stattfindet.

Dies würde Datex-P dann leisten, wenn das monatliche Fixum, also die Anschaltgebühren für den Benutzer, drastisch gesenkt würden.

- Zurück zu Papa: Sie sind dafür, daß die Umsetzungsbausteine in die Endgeräte beziehungsweise in die Rechner der Hersteller integriert werden. Stehen dem nicht die individuellen Interessen der Wettbewerber entgegen? Mit anderen Worten: Werden nicht die Hersteller eine Standardisierung auf der Ebene der Prozeduren und Kommandosprachen, wie sie Papa anstrebt, aus egoistischen Motiven zu verhindern trachten?

Ich meine, daß die Hersteller in dem Augenblick, in dem der Markt X.25-Fähigkeit verlangt, binnen kurzem sowohl X.25 als auch die höheren Datenübertragungsprotokolle realisieren werden. Denn das verlangt pro Rechner, pro Terminal nur einen Bruchteil des Geldes, das die Anpassungsrechner bei Papa kosten.

- Trauen Sie Papa nicht zu, die Hersteller zur Implementierung der höheren Datenübertragungsprotokolle zwingen zu können?

Ich bin mir durchaus darüber im klaren, daß wir auf jeden Fall eine internationale Norm, eine international genormte Datenübertragungssprache brauchen, wenn Datex-P eine weite Verbreitung haben soll. Eines der Übel von Papa besteht ja gerade darin, daß an einer nationalen Anpassungslösung herumgestrickt wird, bevor eine internationale Norm vorliegt. Hier wurde einfach das Pferd vom Schwanz aufgezäumt - mit sehr viel an der falschen Stelle ausgegebenem Geld.

- Einen so harten Vorwurf müssen Sie schon begründen.

Ich darf vielleicht hier mal aus einer Projekt-Unterlage zitieren, die erstellt wurde, bevor die großen Gelder für Papa geflossen sind. Dort steht zur Bewertung der verschiedenen Lösungsmöglichkeiten: "Langfristig ist die Integration in das Hostsystem sicherlich anzustreben. Die zu dem Hostsystem gehörenden Rechner enthalten in ihrer Software bereits heute Verfahren der End-zu-End-Transportsteuerung, der Flußkontrolle und so weiter, die für die zu normierenden Protokolle lediglich entsprechend erweitert und ergänzt werden müssen. Weiterhin sind verschiedene Funktionen, die der Session-Ebene zugerechnet werden, von der Art, daß sie sinnvoll eigentlich nur im Rahmen des Hostbetriebssystems implementiert werden können. Auch für die Funktion der Darstellungsebene vor allem des virtuellen Terminals trifft dies in gewisser Weise zu." Sie sehen also, ich bin nicht der einzige, der das gesagt hat. Es ist eben die Frage, ob man für etwas, das zur Zeit noch gar nicht gebraucht wird, so furchtbar viel Geld aus öffentlichen Mitteln ausgeben soll.

- Das ist leicht gesagt, daß es der Markt nicht braucht.

Wenn der Markt das wirklich brauchen würde, bin ich ganz sicher, daß die Hersteller die Anpassung, die dafür erforderlich ist, in Null-Komma-Nix realisiert hätten.

- Wie denn?

Ich zimmere einfach in jedes Terminal ein ROM, das vielleicht, was weiß ich, zwölf bis 20 K groß ist. Das kostet hardwaremäßig so gut wie nichts, belastet also den Anwender kaum.

- Herr Adenauer, die Papa-Träger gehen davon aus, daß Datenverarbeitung außer Haus unter Datex-P eine völlig neue Dimension kriegen wird, weil Entscheidungen für autonome Einzelsysteme, für die eigene Anlage also, aus Wirtschaftlichkeitsgründen in Frage gestellt werden müßten.

Die Frage der Wünschbarkeit von Papa muß vollkommen getrennt von der Frage betrachtet werden, wieviel autonome Computerpower bei Einzelanwendern installiert und wieviel Computerpower von kommerziellen Rechenzentren an kleine Einzelanwender geliefert wird. Auch wenn wir die Frage so beantworten, daß im wesentlichen kleine Einzelanwender von den freien Service-Rechenzentren bedient werden, so heißt das noch lange nicht, daß wir Papa brauchen. Datex-P wird auch ohne die kommerziellen Rechenzentren seinen Markt haben.

- Solange die höheren X.25-Protokolle noch offen sind, wird es den Herstellern doch schnurzpiepegal sein, ob Netz-Inkompatibilitäten bestehen - mit der Gewißheit im Rücken, die Post wird's schon richten.

Es gibt sicher einige Hersteller, die sagen, wir implementieren erst dann, wenn wir wissen, was wir programmieren sollen. Freizügigkeit muß eben dadurch möglich werden, daß die Kommandosprache kommt, daß die Datenübertragungsprogrammiersprache kommt.

- Dafür können doch gar nicht genug Fördermittel ausgegeben werden.

Ja, nur hat die Sache bei Papa keinen Schritt vorwärts gemacht.