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08.08.1997 - 

Thema der Woche/Pläne zum Euro kaum vorhanden

Datum 2000: Mittelstand fühlt sich von den Herstellern oft schlecht beraten

"Es sind insbesondere kleine Betriebe, die die Problematik nicht ernst nehmen." Dies zumindest ist die Erfahrung, die Dietrich Stark, Netzadministrator der Spedition Logistic Cargo Int. (LCI) in Essen, gemacht hat. "Viele sehen das Thema recht blauäugig und warten bis zuletzt. Besonders kleinere Speditionen legen diese Haltung an den Tag. Die größeren Unternehmen im Mittelstand dagegen haben das Thema bereits aufgegriffen."

Projekte zum Jahr 2000 sind Mangelware

Ein Beispiel für letztere ist sein eigener Betrieb, der vierzehn mittelständische Unternehmen mit rund 750 Mitarbeitern unter einem Gesellschaftsdach vereint. Im Januar begann das DV-Team der LCI zunächst mit der Datumsumstellung. Ziel ist es, insbesondere die auf AS/400-Rechnern laufenden unternehmenskritischen Anwendungen wie etwa die Finanzbuchhaltung gemeinsam mit einem Softwarehaus und dessen Tools zu analysieren und umzustellen. Das Problem 2000 glaubt Stark deshalb im Griff zu haben.

Derartige Projekte zur Datumsumstellung oder gar zum Euro stehen in mittelständischen Unternehmen jedoch selten auf der Tagesordnung. Es ist zwar mittlerweile bekannt, daß sich die kritischen Applikationen auf den älteren Großrechnern befinden. Auch daß selbstgeschriebene Programme in Natural oder in Sprachen wie Cobol und Assembler betroffen sind, ist den Anwendern klar. Aber bei der Analyse und Umstellung betroffener Software sind die DV-Verantwortlichen im Mittelstand oft auf sich allein gestellt oder müssen mit einem kleinen Stab an Mitarbeitern die Wartung und Umstellung der eigenen Anwendungen ohne Sonderbudgets und zusätzliches Personal meistern. Bei den von der CW kontaktierten Unternehmen schwankten die Personalzahlen beispielsweise zwischen einer und acht Personen.

Daß es dennoch Branchenvertreter gibt, die sich des Themas 2000 frühzeitig angenommen haben, zeigt der Fall des Hamburger Unternehmens Süderelbe, eines Lager- und Konfektionsbetriebs mit etwa 60 Mitarbeitern. Andreas Mertsch, Mitarbeiter des fünfköpfigen DV-Stabes, berichtet, daß schon vor sechs Jahren die eigenen Cobol-Anwendungen auf vierstellige Datumsfelder umgestellt wurden und er deshalb keine Probleme befürchte. Beim Thema Euro steht eine Lösung dagegen noch aus.

Wie bei anderen Befragten herrscht auch bei Süderelbe Ungewißheit darüber, ob die zugekauften Branchenprogramme den Datumswechsel unbeschadet überstehen. Da schriftliche Garantien nicht vorliegen, bleibt den IT-Leitern nichts anderes übrig, als zu hoffen, daß Hersteller die in sie gesetzten Erwartungen nicht enttäuschen werden. "Wir müßten Tests fahren, um sicher zu sein. Das läßt sich jedoch im laufenden Betrieb nicht machen", bedauert Mertsch.

Externe Berater spielen bei der Problemlösung offenbar keine große Rolle. Vielmehr bilden die Hersteller selbst durch ihre Wartungs- und Dienstleistungsverträge die wichtigsten Ansprechpartner für die mittelständischen Betriebe. Die Qualität ihrer Leistungen trägt damit in einem hohen Maße zum Ge- oder Mißlingen der Datumsumstellung bei.

So beklagt Jörg Kluge, einziger DV-Zuständiger für die rund 60 Beschäftigten bei der Klenke GmbH Maschinenfabrik in Northeim, mangelndes Interesse auf seiten der Hersteller und fehlende Informationen. Man habe bisher mit den Herstellern noch gar nicht explizit über das Problem 2000 gesprochen. Zudem sei das bislang für die Programmierung der Maschinensteuerung zuständige Unternehmen in Konkurs gegangen, und der Anbieter der kaufmännischen Anwendungen "meldet sich von sich aus nicht. Groß betreut werden wir nicht."

Positives hat hingegen Rolf Bauer über die Lage im Zulieferunternehmen Karl Völlm Motorenteile GmbH & Co. in Krefeld zu vermelden. Er ist einer von dreißig Mitarbeitern und in der Produktionsleitung beschäftigt. "Unser PPS-System ist drei Jahre alt, und der Hersteller hat uns versichert, daß es mit dem Jahr 2000 keine Probleme gibt. Außerdem erhalten wir laufend neue Produktversionen", gibt sich Bauer gelassen. Zweifel am umfassenden Informationsaustausch mit dem Hersteller kommt allerdings auf, wenn Bauer einschränkend hinzufügt: "Wenn da was mit der Datumsumstellung im Programm drinsteckt, dann merken wir das ja gar nicht."

Der Mittelstand gibt sich beim Thema Datumsumstellung trotz allem optimistisch und sieht die notwendigen Arbeiten als ein lösbares und rein technisches Problem. Anders verhält es sich beim Euro. Außer in der Finanzbranche sucht man bei den Unternehmen bisher meist vergeblich nach Euro-Projekten. Auch konkrete Pläne existieren selten. Es fehlt den Befragten an konkreten Informationen über Zeitpunkt und Vorgehensweise der Währungseinführung. "Erhebliche Kosten kommen auf uns zu, das weiß jeder. Aber alle warten ab. Schließlich sind noch etliche Fragen unbeantwortet: Wann kommt der Euro? Wie kommt er? Keiner weiß, wie er sich verhalten soll", kommentiert stellvertretend Anton Sendtner, Leiter des Rechnungswesens bei der Brauerei Ingobräu, einem Unternehmen mit 70 Angestellten in Ingolstadt, die Situation. Daß sich der Mittelstand Sorgen macht, kann auch Stefan von der Hayden vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft bestätigen. Die Währungsumstellung sei für die Unternehmen problematischer als der Jahr-2000-Wechsel. "In den letzten Monaten haben zahlreiche Geschäftsstellen im Bundesgebiet Unternehmertreffen und Stammtische zum Thema Euro veranstaltet und eine hohe Resonanz gehabt. Das Problem 2000 wurde jedoch nicht angesprochen", berichtet der Funktionär, in dessen Verband 40000 Unternehmen organisiert sind.

International ausgerichtete Mittelständler sind von der Unsicherheit bei der Währungsumstellung besonders betroffen. So muß beispielsweise die IT-Mannschaft der Spedition LCI Euro-Umstellung und Jahr 2000 von Anfang an gleichzeitig in Angriff nehmen. "Zum Euro haben wir zunächst eine Arbeitsgruppe gebildet. Vieles ist dabei noch in der Anfangsphase", schränkt Netzwerkbetreuer Stark ein. Ein großes Hindernis sieht er in der zeitaufwendigen Koordination mit der internationalen Kundschaft: "Es sind große multinationale Unternehmen dabei, die sich gerade im DV-Bereich als sehr schwerfällig erwiesen haben. Es dauerte zum Beispiel Monate, um sich mit ihnen auf ein gemeinsames Datenformat zu einigen."

Inseln der Glückseligen

Allerdings finden sich auch Unternehmen, denen die Datumsumstellung offenbar wenig Sorgen bereitet, da sie die Verantwortung für die Umstellungen weitergereicht haben. Bestes Beispiel sind Finanzinstitute. Sie setzen größtenteils auf die Dienstleistungen von Rechenzentren und entledigen sich somit weitgehend der Pflege und Standardisierung unternehmenskritischer Anwendungen. Dadurch können Kapazitäten für andere Umstrukturierungsmaßnahmen genutzt werden. Entsprechend gelassen zeigt sich die Branche hinsichtlich des Arbeitsaufwandes und der Problematik. "Über das Jahr 2000 machen wir uns momentan keine Sorgen, da wird das Rechenzentrum uns schon sicher hinbringen", glaubt Helena Vescan, PC-Softwarebeauftragte für die 150 Angestellten bei der Raiffeisenbank Neu-Ulm. Beschäftigt sei ihre Abteilung vielmehr mit der Ablösung alter Mainframes und der Migration auf eine Client-Server-Umgebung. Ähnlich wie bei der Datumsumstellung setzt die Raiffeisenbank auch bei der Euro-Einführung auf ihren Dienstleister, das Rechenzentrum München. Vescan hofft, daß die Rechenzentren alles Notwendige unternommen haben und die Arbeiten mit Hochdruck vorangetrieben werden.

Die meiste Arbeit hat das Rechenzentrum

Dieser Auffassung kann sich auch Markus Notz, einer von zwei DV-Betreuern der 115 Mitarbeiter bei der Volksbank Eppingen, anschließen. "Wir haben unsere eigenen Anwendungen überprüft und, wenn nötig, händisch geändert. Aber das war keine umfangreiche Arbeit, da das Rechenzentrum uns die großen Brocken abnimmt."

Es gibt auch mittelständische Unternehmen aus anderen Branchen, die sich kaum betroffen fühlen. Ihr Argument ist, daß sie aufgrund ihrer relativ wenigen Spezialapplikationen oder durch kommerzielle Standardsoftware und Office-Pakete neueren Datums außer Gefahr seien. So kann Emmerich Buchwald, zuständig für die DV der 80 Mitarbeiter beim Kölner Goßhandelsunternehmen Lenz & Schmahle KG, selbstbewußt behaupten, daß er kein Problem 2000 habe. "Der Hersteller hat unser Warenwirtschaftsprogramm überprüft und gesagt, daß alles in Ordnung ist. Das Paket wird laufend gewartet, und falls Neuerungen kommen, werden die per Modem überspielt."

Schließlich darf eine Beurteilung des Engagements des Mittelstandes nicht übersehen, daß es immer noch Betriebe gibt, die über keine DV verfügen. "Wir haben keine Computer und machen alles, wie wir es schon immer gemacht haben", bekam die CW beispielsweise von einem Einzelhandelsunternehmen mit etwa 40 Mitarbeitern und drei Millionen Mark Umsatz zu hören.